\ U.' ■*/ .a-.y-'^ r/' .'Wi, MV ^mM V ^ miÄ^' c> S^^^i^^^ rW? "V^- \. ^7^ '^\ V>7 LVv T ( / A \ 1 >^r .";:-v^ ÄV ,\)J<^)%^ vA^y^- /sfv.:^;;j/^i. Redigirt von Dr. H. Potonie, Kgl. Bezijksgeologen, beauftragt mit Vorlesungen über Püanzenpalaeontologie an der Kgl. Bergakademie zu Berlin. -&^» (Orig.) 513 L o e w y und P u i s o u x , Mondobertläche 447 Paulsen, Neue Nordlichttheorie . . 9 Meteorologie. Brückner, Herkunft des Regens . . 4S9 Fornaschon, Irrlichterfrage . . . 340 Hennig, Kritik der Falb'schen Witte- rungs-Prognosen (Orig.) 89, 186, 233, 294,' 354, 415, 450, 510, 558, 606. Leduc, Experimentelle Darstellung von Kugelblitzen 401 Less, Wetter-Monatsübersicht (Orig. mit graphischen Darstellungen über Temperaturen und Niederschläge) 29, 88, 137, 184, 232, 293, 340, 389, 449, 498, 546, 605. Mohn, Meteorologische Ergebnisse der Expedition mit der Fram .... 501 Pellat, Ursprung der Elektricität in der Atmosphäre 4(X) Prohaska, Ungewöhnlich grosse Hagelstücke . 86 Chemie. Berthelot und Vieille, Acetylen- mischungen mit inactiven Gasen . 363 Blumenthal und Paul Meyer, Ab- spaltung von Zucker aus Albumin . 269 Büchner, Gährung ohne Hefezellen . 18-1 Buss, Künstliche Rieehstoft'e (Orig.) 25, 79 — , Herstellung von PflanzcnparfUms in Südfrankreich (Orig.) 345 — , Theorie des Färbens von Gespinnst- fasern (Orig.) 396 — , Die Terpene (Orig.) 597 De war, Versuche mit flüssigemWasser- stofl' 18*; Emmerling, Sorbose-Bacterium . . 210 — , Verhalten von Glycerin- Aldehyd- Dioxyaceton 269 Fischer, Purin und seine Methylderi- vate ... 196 Freund, lieber Arrhenius' Theorie der elektrolytischen Dissociation u. s. w. (Orig.) 170 — , Verflüssigung der atmosphärischen Luft (Orig.) 170 Gal, Urin des Bieber 209 Gautier, Existirt Jod in der Luft? . 270 — , Verbreitung dos Jods 471 Lassar- Cohn, Oxydationsproducte der Cholalsäure 341 Leblanc, Gesetz der chemischen Massen-Wirkung (Orig.) 1Ö9 Ramsay und Travers, Extraction der Begleiter des Argon und Neon . . 66 S c h e r p e , Chemische Veränderung des Roggens und Weizens beim Schim- meln und Auswachsen ;i69 Sperber, Eine neue Valenztheorie auf mathematisch-physikalischer Grund- lage (Orig. mit Orig.-Abbild.) 105, 249, 325 Staudemaier, Darstellung der Gra- phitsäure 435 T i e m a n n , Das natürlich vorkommende Citral und die Zusammensetzung des Lemon-Grasöls 364 Turner, Problem der Krystallisation (Orig.) 113 Wroblc wski. Neuer eiweissartigerBe- standtheil der Milch 29 Z e 1 i n s k y , Ueber Reductions-Vorgänge in Gegenwart von Pelladium . . . 258 Ziesler, Ijigningehalt einiger Nadel- hölzer 582 Festsetzung der Atomgewichte ... 52 Kostbare Metalle 210 Was ist Lignin? 595 Seite Pädagogisches. Bode, Dritter Naturwissenschaftlicher Ferienkursus für Lehrer an höheren Schulen zu Frankfurt am Main (Orig.) 153 Ebeling, Anfertigung von Reliefs in und für die Schule 503 Hartmann, Schul-Instrumentarium für elektrische Messungen (Orig.) . . . 159 König, Neue Modelle und Schulver- suche (Orig.) 1.57 Lang, Haupt-Versammlung des Deut- schen Vereins zur Förderung des Unterrichtes in der Mathematik und der Naturwissenschaft (Orig.) . . . 285 Pappenheim, Ueber Kinderzeichnun- ge-n (mit Abbild.) ....... 172 Naturwissenschaftlicher Feriencursus für Lehrer an höheren Schulen . . 426 Verein zur Förderung des Unterrichtes in der Mathematik ...... 246 Verein zur Förderung des Unterrichtes in der Mathematik und der Natur- wissenschaft 285 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Bier, Schmerzempiindlichkeit grosser Strecken des Körpers durch Cocaini- sirung des Rückenmarcks .... 425 Bollinger, Pathologische Vererbung . 588 Eichhorst, Vergiftung durch Sauer- ampfer 385 Friedlaender, Benedikt, Hygienische Bedeutung des Lichtes (< »rig.) . . 93 Hafner, Bergzahnweh 557 Hillebrand,Uebertragungv Schweine- rothlau f auf den Menschen . . . 522 Koch, Malaria 457 Korn, Tuberkelbacillon in der Markt- butter 433 Kunz, Ueber Citronensäuro enthaltende Weine 535 Loriga und Y er sin, Vernichtung der Ratten und Mäuse zur Verhütung der Beulenpest 495 Marx, Tollwuth und ToUwuth-Schutz- impfung 369 Phy Salix, Neues Mittel gegen Schlan- gengift 108 Rabinowitsch, Tuberkelbacillen in der Marktbutter 74 Seh wein fuVth, Ursache der Malaria 495 Sokolowsky, Missbrauch des Opiums (Orig. mit Orig.-Abbild.) .... 424 Wassermann, Vanillenspeisen - Ver- giftung 521 Nationalökouoniisches, Landwirth- Schaft etc. A n d e r s s e n , Versuchsfischerei im Nord- Ostsee Kanal (Orig.) 219 Bab, Die Heuschreckenplage in Süd- Amerika (Orig.) 3 Brauner, Gase des Argon-Helium- Typus und das periodische System 330 Closson, Die wirt.schaftliche Lage nach der individuellen Begabung (Orig.) 279 Coloeotronis, Gewinnung und Zube- reitung der Sultaninen ..... 459 Herrmann, Verwendung der Perle (Orig.) 47 Perard, Zubereitung der Klipp- und Stockfische .534 Reh, Schädigung der Landwirthschaft durch Thierfrass 1898 (eine Orig.- Zusammenstellung) ...... 559 Röhrig, Nutzen oder Schaden der Krähen 76 VI inliitlts-Ver/eicliiii.s.s. Seite Technik luid IiistrnmeiitenkHiide. Boutan, Künstliche Erzeugung echter Perlen 100 Deguisen, Elemente der Gleichstrom- technik (Orig.) ........ 165 Epstein, Elemente der Weöhs^lstrom- technik (Orig.) I(i7, 2U Göttig, Reinigungs ■ Verfahren von Aeetylen 604 Hermann, Gesteinsschleiferei im Fich- telgebirge (Orig.) . .■ 558 ^, Sti-eich- Schalen und Wetzsteine (Orig.; 305 König, Wiedergabe der natürlichen Farben durch diePhotographie (Orig.) 155 Mach, L., Magnaüum ...... 617 Mylius und Diez, Reine Platin-Me- talle im Handel 245 Overbeck, Eine wissenschaftliche Verwerthnng des Kinematographen (Orig.) 483 Adler-Fahrrad-Werke . : 181 Chemische Fabrik Griesheim .... 181 Elektrotechnische Fabrik von Hartmann und Braun 182 Fabrik der Elektricitäts-Actien-Gesell- schaft vormals Lahmeier und Co. 183 Farbwerke in Höchst 181 Taschenuhr als Ersatz eines Conipasses 11, 32 Historisches, Biographieeii, Nekrolog:e, Personalien. Haberlandt, Simon Schwendener (Orig.) 98 Siebert, H. von Helmholtz als Phdo- soph (Orig. mit Porträt) .... 549 Sieglin, Entdt'ckung.sgeschichte von England im Altorthum 556 Aufruf zu einem Denkmal für Guericke 42 Personalien fast in jeder Nummer. Litteratur. Abromeit, Flora von Ost- und West- preüssen '234 Acloque, Faune de France 535, 571, 607 Angot, Meteorologie 235 Arnold, Elektrotechnisches Institut von Karlsruhe 426 — , Repetition der Chemie 343 Aseherson und Graobner, Synop- sis der mitteleuropaischen Flora . 115 — — , Flora des nordostdoutschen Flachlandes 4.50 A'uerbach, Canon der Physik . . . 376 Bach, Flora der Rheinprovinz . . 355 Bade, Naturwissenschaftliche Samm- lungen '.' 355 — , Praxis der Acjuarienkundo . . . 624 Beard, Vertebrate embryology ... 78 Bechterew, Suggestion und ihre so- ciale Bedeutung 436 Behrens, Mikrochemische Analyse . 535 Bernthsen und Buchner, Lehrbuch der organischen Chemie .... 367 Biese, Philosophie desMetaphorischen 390 Blochmann, Rieh. Herrn., Stern- kunde 43 — , R., Luft. Wasser, Licht und Wärme 367 Blücher, Praktische Pilzkunde . . 103 Blum, Neu-Guinea und der Bismarck- Archipel 595 Bouty, Progrfes de l'eleetricite . . . 487 B r a c k e b u s c h , Geologische Karte der Provinz Hannover ,.,,... 391 Bruch mann, Prothallien und Keim- pflanzen europäischer Lycopodien 10 Buchner, 8 Vorträge aus der Gesund- heitslohre 463 Cantor, Geschichte der Mathematik . 391 Gary, Experimentalphysik .... 163 Cauro, La liquefaction des gaz . . 463 Seite C 1 a u s i u B , Ueher die bewegende Kraft der Wärme . 67 Cons tantin, La nature tropicale . . 595 Conwentz, Vorgeschichtliche Wand-, tafeln für Westpreussen (mit .Abbild.) 376 Cossmann, Empirische Toleologie . 510 Credner, Sächsische Erdbeben 1889 bis 1897 ........... 90 Czuber, Differential- und Integral- Rechnung . . /. : . . .... . 18() Daniels, Elektricität und Magnetisnrus 39 1 Dannemann, Geschichte der.Natiuv,; Wissenschaft . . ,.; . > . ....,.: 54 Dantec, Lamarckiei'S et Darwinieij^;; 594 D r e y e r , Mcthodenlehre und Erkennt; [j -; , l nisskritik_ ,•,,,. 571 Eckersund W ie d ersheim, A^atamie .-...j, des Frosches . . ... . . . . -. ;,., 9Ö Engler, Ad., Die natürlicheji Pflanzen- :^ familien ......... ., , . 247 — , Nervenkranke . . ..... , . 138 Ernestu s, Gespräch über das Schreiben populärer Bücher 426 Fechner, Nana 161 Finsch,. Systematische Uebersicht seiner Reisen und schriftstellerischen Thätigkeit . 595 Fischer, Alf., Fixirung, Färbung und Bau des Protoplasmas 390 — Egb. und Schwatt, Algebra . . 426 — — , Schulalgebra 426 Föppel, Technische Mechanik . . . 295 Franke, Hauptsätze eines Natur- forschers und Arztes 439 Fränkel, Les fonctions renales . . 282 Frey tag, Botanischer Garten zu Berlin 367 Frobenius, Ursprung der Cultur . . 42 Fnss und Hensold, Physik ... 79 Fuhrmann, Bau wissenschaftliche An- wendung der Differentialrechnung 295 Geisbeck, Leitfaden der mathemati- schen und physikalischen Geographie .391 Gerot, Geschlecht des Embryo . . . 463 Gessmann, Die Pflanze im Zauber- glauben ................. 318 Giesler, Psychologie des Geruches . 583 Girard, Aide memoire de paleontologie 367 Giesenhagen, Unsere wichtigsten Culturpflanzen . 547 Goqbel,. Führer durch den Kgl. bo- tanischen Garten in München . . . 259 Gold Schmidt, Kant und Helmholtz . 53 Grabowski, Biologische und philo- sophische Probleme 570 Gross, Spiele der Menschen. . . . 138 Gm mm ach, Physikalische Erschei- nungen und Kräfte 283 Günther, Kepler's Traum vom Mond 22 — , Geophysik . . . . 595 Gürich, Mineralreich 271 Haacke, Bau und Leben des Thieres 125 Haeckel, Gegenwärtige Kenntniss vom Ursprung des Menschen . . . 366 Hacker, Praxis und Theorie der Zellen- und Befruchtungslehre . . 366 H a e f c k , Technische Verwerthnng von thierischen Cadavern . . . . 331 Hallev Orden, Interferenzprinzip als Prinzip aller Energie- Verwendung und alier Entwickelung ..... 426 Hannequin, Essai critique sur l'hypo- thfese des ato.mes dans la science contemporaine ,. ... 3p7 ^ Hemmehnayr, Organische Chemie . 43; — , Lehrbuch der anoreanischen Chemie ■ für die 5. Klasse der Realschulen .■ 319; Hermann, Elementarmethqdische Be- handlung der Logarithmen ... 67 His, Zellen- und Syncythien-Bildung 403 Hock, Verändernder Einfluss des Menschen auf die Pflanzenwelt Norddeutschlands 375 Holst, Hat es in Schweden mehr als eine Eiszeit gegeben'? ..... 150 Hoernes, Palaeontologie ..... 223 Hornstein, Mineralogie 10 H ummelau er, Biblischer Schöpfungs- bericht 126 Ihne. Phänologische Mitthcilungen 307, 547 Jäger. Theoretische Physik .... 271 Janet, Electricite industrielle . . . 331 Jensen, Nordfriesische Inseln . 487 Jordan, Grundriss der Physik 66, 115, 187 K e i I h a ck , Kalender für Geologen etc. 31 Kirchhof f,G., Emission u. Absorption 67 — , G., Mechanische Wärmetheorie , . 67 -, A 1 f.. Pflanzen- u. Thier- Verbreitung 175 Klemperer, Justus v. Liebig . . . 624 Klinckert, Das Licht ...... 53 K In SS mann, Verzeichiiiss von Schul- Abhamllungcn 139 Knuth, Blüthenbiologie 624 Kobell's Lehrbuch der Mineralogie . - 187 Koch,. G. V., Ausstellung der Thiere im Museum zu Darmstadt .... 559 ^Körber, Zöllner 594 Kotzsuer, 100jährige naturwisson- .'■" schaftliche und astronomische Irl- thiimer 499 Krass und Landois, Zoologie . . . 115 — ■ — , Mineralogie 163 — — , Mensch und Thierreich in Wort und Bild 367 — --, Mineralreich 391 Krauss, Eiszeit 342 Kunze, Kleine Laubholzkunde . . 223 Lampert, Leiien der Binnengewässer 199 Lang, Kalisalzlager 331 Lassar -Cohn, Einführung in die Chemie 607 Lassberg-Lanz berg, Weltorganis- men 570 Lebon, Histoire abrege de l'astronomie 367 Leiss, t>ptische Instrumente der Firma Fucss 199 Liese gang, Ausnutzung des Ob jectivs 103 — , PhotographJsche Chemie .... 391 Linden berg. Um die Erde in Wort und Bild 318, 463, 624 Lochnor, Grundlagen der Lufttechnik 439 -L e b , Vergleichende Gehirnphysiologie und Psychologie 376 Loewinson-Lessing, Petrographi- sches Lexikon 10 Luther, Chemische Vorgänge in der Photographie 607 Maissonneuve, Notions sommaires de paleontologie 583 Majlert. Mecanique des particules . 31 Marsliall, Bilderatlas zur Zoologie der niederen Tiere ...... 186 — , Wanderungen der Tiere .... 367 Maxwell, Physik, Kraftlinien ... 67 Meigen, Die deutschen Pflanzennamen 55 Melichar, Cicadinen 114 Metscher, Causalnexus zwischen Leib und Seele 438 Meunier, Geologie experimentale . . 343 Miethe, Photographie 367 Milk au, Internationale Bibliographie der Naturwissenschaften . . . . . 294 Mix & Ginest, Katalog elektrischer Apparate '. . • 79 Molir u. B am l^erg, Geologische Schul- wandkarte von Deutschland ... 55 Moll, De boekhonding der planten van eeu botanischen tuin 162 Mo rieh, Bilder aus der Mineralogie . . 79 Müller, Adolf, Copernicus .... 150 Nehrkorn, Katalog der Eiersammhmg 306 N ernst, Theoretische Chemie . . . 211 Newton's Optik 67 Niemann, Photographisch e Ausrüstung des Forschungsreisenden .... 103 Nif sehe, Süsswasserfjsche Deutsch- lands , ... 115 Ostwald's Klassiker .... 67, 403, 487 — :, Allgemeine Chemie 624 Pf äff, Deutsche Ortnamen .... 367 .Poincare, Potentiel newtonien . . 475 - , Methode novivelle de la mecanique Celeste 487 Inlialts-Verzeic'lmiss. VII Seite P ol i s , Ergebnisse der meteorologischen Station I. Ordnung Aachen 1896/97 23 Potonie, Eine Landschaft der Stein- kohlenzeit 571 (In Prel, Entdeckung der Seele . . 570 Raben hörst 's Kryptoganicnflora . . "282 Rad de, Ptlanzeuverbreitung in den Kaukasus-Ländern 306 Rausch, Gefiederte Sängert'iirsten . 583 Reinherz, Geodäsie 487 Reinke, Die Welt als That .... 258 Rodel, Distrubution de Teuergie par courants polyphases ol Ro sen b e rgi' r, ModeruoEnt Wicklungen der elektrischen Prineipien ... 23 Rosenthal, Physiologie der Muskeln und Nerven 174 R o t h p 1 e t z , Geotektonisches Problem der Glarner Alpen 162 Routh, Dynamik der Systeme starrer Körper 150 Russ, Prachtfinken 10 — , Wellensittig 54 — , Fremdländische Stuben -Vögel . . 174 Sadebeck, Culturgewächse der Dent- schen Colonien 54 Sehen c k, PhysiologischeCharakteristik der Zelle 360 Schlesinger, Handbuch der Theorie der linearen Dift'erential-Gleichungen 150 Schmidt. K., E., F., Elektrotechnik . 331 Schmidt, W., Heron von Alexandria 375 Schneider, 0., Der praktische Che- miker 547 Schröckenstein, Silicat-Gesteine u. Meteorite 102 Schultz, Ursachen der Wetter-V^or- gänge 283 Schulz, Entwickelungsgeschichte der Phanerogamen - Pflanzendecke des Saale-Gebietes 319 Schulz, Aug., Entwickelungsgeschichte der Phanerogamen - Pflanzendecke Mitteleuropas 475 Schumann, Morphologische Studien . 4(.)2 Schurig, Lehre vom Licht .... 23 Schwahn, Das Land der Fjorde . . 66 Schwartze, Elektricität 163 Schwenden er, Gesammelte botanische Mittheilungen 259 Servus, Witterungs-Prognosen . . . 282 Siertsema, ver de onbestaanbarheid van dia nxagnetische Stoffen folgens Duhen, en eenige minimuni eigen- sohappen in het magnetische veld . 199 Sohns, Unsere Pflanzen 416 Solered er. Systematische Anatomie der Dicotyledonen 10, 222 Staub, Widerlegung von Nevtons Hy- pothese der Anziehungskraft . . . 426 Sterne, Werden und Vergehen 247, 594 Strasser, Regeneration undEntwicke- lung 318 Stromer von Reichenbach, Geolo- gie der Deutschen Schutzgebiete in Afrika 91 Sydow, Index universalis et locuple- tissimua nominum plantarum hosp specierum que omnium fungorum . 31 ThodenvanVelzen, Die zwei Grund- probleme der Zoologie 259 Thoms, Nahrungsmittelchemie . . . 228 Traube, Raum der Atome .... 619 Treadwell, Qualitative Analyse . . 583 Troels-Lund, Himmelsbild und Welt- anschauung 402 Turner, Problem der Krystallisation (Orig.) 113 Tyndall, In den Alpen 78 — , Fragmente ausderNaturvvissenschaft 468 ühlig, Veränderung der Volksdichte im nördlichen Baden 210 Valenta, Photographische Chemie und Chemikalienkunde ... 23, 331 Van 'tHoff, Zunehmende Bedeutung der anorganischen Chemie .... 11 Seite Vogel, Taschenbuch der Photographii? 355 Waagen, Das Schöpfungsproblem . 594 Wald ey er, Universitäten seit Neu- gründung des deutschen Reiches . 402 Warburg, Experimentalphysik . . . 403 Wasmann, Instinct und Intelligenz itn Thierreich 366 — , Physische Fähigkeiten der Ameisen 474 Weis mann, Regeneration .... 375 Wind, Ene studie over de theorie der magneto-optisclic verschynselen in verband met het Hall-effect ... 199 Wislicenus, Bi'.'^chaft'enlieit der Him- melskörper 535 Wolpert, A. u. H., Luft und Metho- den der Hygrouietrie 139 Woltmann, Darwinsche Theorie und Socialisnuis 22 Wüllnor, Experimentalphysik . . . 475 Wünsche, Die Pflanzen des König- reichs Sachsen 535 Zahler, Krankheit im Volksglauben des Simmenthaies 438 Z_ehnder, Entstehung des Lebens aus mechanischen Grundlagen entwickelt 282 Zippel, BoUmann und Thomc, Ausländische Cultur])flanzen . . 439 Zittel, Geschichte der CTOologie und Palaeontologie 594 Zirkel, Mineralogie 10 Abhandlungen zur Geschichte der Ma- thematik 379 Annalen des K. K. naturhistorischen Hofnuiseums 379 Annuaire publ. par le bur. des longi- tudes 1899 43 Archiv für wissenschaftliche Photo- graphie 91 Astronomischer Kalender 1899 . . . 151 Bericht der Deutschen Botanischen Gesellschaft 126, 175 Carte geologique internationale de lEurope 125 Centralblatt für Anthropologie u. s. w. 139 Excursion electrotechnique en Suisse . 426 Forschungsberichte aus der biologischen Station zu Plön "... 367 Fortschritte der Physik 1897 .... 151 Friedr. Vieweg & Sohn's Verlagskatalog 295 Führer durch die zoologische Schau- samuduug des Museums für Natur- kunde in Berlin 463 C-iartenkunst 32 Geologisch-agronomische Special-Karte von Preussen 67 Internationale Bibliographie .... 569 Jahrbuch der Photographie und Repro- ductions-Technik für das Jahr 1899 343 Kalender für Geologen etc 31 Kleiner deutscher Kolonial- Atlas . . 103 Litteratur über Luft -Untersuchungs- Methoden 115 Litteratur über Thier- und Pflanzen- welt des Süsswassers 163 Litteratur zur Einführung in die Chemie 427 Mathematisches Adressbuch .... 426 Naturae Novitates 11 Natürliche Pflanzenfamilien . . 427, 571 Reis' Lebensbild 390 Rendi Conti de la Academia dei Lincei 43, 427 Trav. de l'institut de Botanique de l'Universität de Stockholm . . . 343 Verzeichnisse neu erschienener Bücher und Abhandlungen, vergl. am Schluss fast jeder Nummer. Zeitschrift der Deutsehen Geologischen Gesollschaft 319 Verzeichniss der Abbildungen. Ameisennest nach Janet (Orig.Nach- bild.) 177 Araucaria excelaa-Spross 403 Atoll 77 Seite Baiera Münsteriana 613 Brasenia peltata 615 Ohara nach Corti (Orig. - Nachbild.) 135, 136 Clathropteris 609 Credneria 613 Cryptomeria japonica 014 Dichopodiale Synipodien 412 Dichütome Verzweigung 412 Echinostrobus Sternbergi 614 Eibenzweig mit Galle 256 Fayularia ßll Fruclitkuoteu von Cistus villosus mit Stauiinal-Kappe (Orig.-Naclibild.) 8 Gingko biloba 613 — Sibirien 613 Glossopteris Browuiana 609 Graphische Darstellungen über Tompe- ratui'en und Niederschläge (Orig.) 30, 88, 137, 185, 233, 293, 341, 389, 390, 449, 498, 546, 605, 606. Hamster, ostbulgarischer (Orig.) ... 1 Hefezellen mit Kernen und ihren Thei- lungsvorgängen (Orig.-Naclibild.) . 111 Helleborus niger-Blüthe 41O Helmholtz (Porträt) 549 Hydathode (normale) von Conocephalus ovatus 287 Hydathode (Ersatz) von Conocephalus ovatus 289 Infosorien (Conjugation) (Orig.) . . . 622 Karte der antarktischen Erd-Region (Orig.-Nachbild.) 481 Karte des Mars 131 Karte des jjostglacialen Nordseethaies (Orig.-Nachbild.) 262 Karten von Afrika u. s. w. zu Frobenius (Orig.) 348, 349 Karte von Norddeutschland mit End- moränen-Zügen 61 Kinderzeichnungen von Elephanten . 172 Knochen mit Renuthier-Zeichnungen eines Eskimo (Orig.) 244 Mach's Wellen-Maschine (Orig.) ... 179 Oligotrophus taxi Ingb 257 Opiumpfeife eines Eskimo (Orig.) . . 424 Passagen-Instrument der Manora-Stern- warte 130 Poecilia nivea 400 Profil der Dichteverhältnisse des Meer- wassers längs der Strasse von Gi- braltar (Orig.) 203 Profil des interglacialen Torflagers bei Lauenburg mit seinen hangenden und liegenden Schichten .... 60 Profil des Leopoldshaller Antheils des Stassfurter Salzlagers (Orig.) ... 191 Profil des norddeutschen Zechsteinsalz- gebirges (Orig.) 218 Profil des Stassfurter Salzlagers (Orig.) 191 Quercus sessiflora mit Galle von Poe- cilia 400 Saturn 132, 133 Schema des morphologischen Aufbaues der höheren Pflanzen nach Goethe (Orig.) 411 Schema des morphologischen Aufbaues der höheren Pflanzen nach Potoni6 (Orig.) 413 Schema des morphologischen Aufbaues der höheren Pflanzen nach C. Fr. Wolff (Orig.) 411 Sequoia gigantea 614 — sempervirens 614 Sigillaria Brardii 407 — biangula 611 — elongata 611 — (rhytidolepe) mit Wechselzonen . 408 Taxodium distichum 615 — heterophyllum . . 615 Taxus baccata 615 Voltzia 409 Wandtafel mit Darstellungen aus der Bronzezeit 377 Wandtafel mit Gegenständen aus der Eisenzeit 378 ^ot^ Redaktion: ^ Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XIV. Band. Sonntag, den 1. Januar 1899. Nr. 1. Abonnement; Man ab iinirt bei uUnn Buclihamllungeii uiul Pü^t- anstalten, wie bei iler Exiedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 4.— BriiiKegeld bei iler l'ost 15 ^, extra. Kistzeituiigsliste Nr. 5198. Inserate Die viergespaltene PetiUeile 40 iS», Grössere Aut'triit^e ent- spreehemlen Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft- Inseratenannabn e bei allen Annoncenbureaua wie bei der Expedition. AI>drock ist iinr mit vollständiger Qnelleiiaiijcabe gestattet, Der ostbulgarische Hamster (Mesocricetus Newton! Nhrg.) Von Prof. Dr. A. Nehring in Berlin. Während der gemeine Hamster (Cricetus vulgari.s Desm.) schon seit lani;er Zeit die Aufinerlisamkeit auf sich gelenlit hat, ist eine eigenthümliche, Icleine Hamster- Art, welche in Ostbulgarien und vermuthlich auch in der europäischen Türkei vor- kommt, bis jetzt nur in wenigen Exemplaren be- kanntgeworden. Wissen- schaftlich beschrieben sind bisher nur zwei Exemplare, von denen das eine der Universität in Cambridge, das andere der Landvvirthschaft- liehen Hochschule in Berlin gehört. *) Letz- teres stammt aus einer steppenartigen Gegend beiSchumla, ersteresvon einem Getreidefelde bei Schitangik in - Ostbul- garien. DasExemplarvon Schumla ist durch unsere Abbildung, welche Frl. von Zglinicka nach der Natur angefertigt hat, m ca. /2 natürlicher Ostbulgarisclier Hamster (Mesocricetus Newton! Nhrg.). Ans der Umgegeiul von Schiimla. Eigenthum der Künigl. Landwirthschaftlicheu Hochschule in Berlin. Etwa '/^ der natürlichen Grösse. Grösse dargestellt. Näheres über diese Hamster- Art und einige verwandte ■• ) Das Exemplar in Cambridge wui-fle von Prof. A 1 fr e d N e w t o n als Cricetus nigrican.s Brdt. in den Proc. Zoo). Soc. London 1870, S. 331 f. und Tafel 26 beschrieben. Die zugehörige Abbildung ist in der Darstellung des Brustflecks und einiger sonstigen Details niclit ganz correct. Das Exemplar von Schumla habe ich 189t zu- nächst auch als Cric. nigricans Brdt. bezeichnet. „Zool. Anz.", 1894, S. 147. Erst vor Kurzem habe ich den ostbulgarischen Hamster als besondere Art erkannt. Siehe „Zool. Anz." 1898, S. 329 ff., 493 ff. Arten habe ich im Archiv für Naturgeschichte, 1898, Bd. I, S. 373 — 392, mitgetheilt. Hier sollen nur einige Be- merkungen über die erstere veröffentlicht werden, um die Aufmerksamkeit der Leser dieser weitverbreiteten Zeit- schrift auf jenen merk- würdigen, kleinen Nager zu lenken und womög- lich zu weiteren Nach- forschungen über seine sonstige Verbreitung an- zuregen. Der kleine ostbul- garische Hamster gehört zu dem kürzlich von mir unterschiedenen Subgenus Mesocri- cetus (Mittelhamster), welches zwischen Crice- tus s. Str. und Cricetulus vermittelt. Die Mesocri- cetus-Arten unterschei- den sich von ihren Ver- wandten einerseits durch gewisse osteologische Charaktere, andererseits durch gewisse Eigen- thümlichkeiten ihrer äusseren Erscheinung. Am Schädel zeigen das Unteraugenhühlenloch und die umgebenden Knocheutheile eine von Cricetus wesentlich abweichende Gestalt; ferner ist der Oberarmkuochcn ohne Knochenbrücke am unteren Gelenktheil, die Schwanz- wirbelsäule auffallend kurz. Auch im Gebiss sind einige Besonderheiten vorhanden. In der äusseren Erscheinung fällt besonders die abweichende Färbung und Zeichnung Bei dem gemeinen Hamster ist die y des Haarkleides auf. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 1. ganze Unterseite des Körpers ausser der Kinn- und der Afterpartie schwarz gefärbt, die Oberseite rostbraun, und an jeder Seite des Körpers treten 4 gelblich-weissliche, deutlich abgegrenzte Fleclien hervor, näraiich ein Wangen-, ein Schulter-, ein Thorax- und ein (lileincr) Knieflecli. Bei den Mesocricetus- Arten finden wir als besonders charakteristisch einen schwarzen Ohrenstreifen und einen schwarzen ßrustfieck ; die Färbung des Unterleibes ist bei den einzelnen Arten verschieden: gelb, weiss oder matt- schwarz. Von den seitlichen Flecken sind nur die beiden ersten ausgebildet, aber nicht vollständig gegeneinander abgegrenzt. Siehe unsere Abbildung und vergleiche eine gute Abbildung des gemeinen Hamsters. Der kleine ostbulgarische Hamster hat einen relativ grossen, schwarzen Brustfleck, rechts und links einen scharf ausgeprägten, schwarzen Ohrenstreifen, eine schwärz- liche Nackenbinde, mattgelben Bauch, dotter- gelben Wangen- und Schulterfleck. Seine ßückenfärbung ist graugelb, schwärzlich melirt, seine Füsse sind weiss. Er hat im erwachsenen Zustande nur eine Körperlänge von ca. 150 — 155 mm; der Schwanz misst nur 8 — 10 mm. Auch die Ohren sind autt'allend klein. Bei einem er- wachsenen deutschen Hamster beträgt die Körperlänge 300 — 320 nun,*) die Länge des Schwanzes 50—60 mm. Die Totallänge des Schädels beträgt bei jenem nur 32 mm, bei diesem ca. 54 mm. Die anderen vier Mesocricetus-Arten, welche in meiner oben citirteu Abhandlung- besprochen sind, leben in Klein- *) Die Körporlänge di'S gomc/inen JlnnistcTS wird in zoolo- gischen Handbüchern mei.st nur auf 250 — 270 uim angegeben; doch habe ich oft genug Exemplare von 300 — 320 mm gemessen, nament- lich aus der Gegend von Westeregeln. (Prov. Sachsen.) asien, Syrien, Transkaukasien, Nordwest-Persien, Dagestan und Nordkaukasien. Vermutlilich kommt Mesocr. New- toni ausser in Ostbulgarien auch in dem südöstlichen Theile der europäischen Türkei vor; bestimmte Nachrichten kann ich hierüber nicht geben, da alle meine Erkundi- gungen bis jetzt leider ohne Erfolg geblieben sind.*) In Rumänien und Südrnssiand konnte ich vorläufig nur den gemeinen Hamster (Cricetus vulgaris Desm.) feststellen; das Subgenus Mesocricetus scheint dort nicht vertreten zu sein. Soweit man nach den bisher vorliegenden Angaben urtheilen kann, leben die Mesocricetus-Arten mit Vorliebe in Gebirgsgegenden, während unser gemeiner Hamster solche Gegenden meidet und ebenes Terrain liebt. Nach Kotschy soll freilich der letztere in den Cilicischen Wein- bergen vorkommen ;*■'') aber diese Angabe beruht nach meiner Ueberzcuguug auf einer irrthündichen Bestimmung des von Kotschy mitgebrachten Exemplars. Es handelt sich ohne Zweifel um einen zu Mesocricetus gehörigen Hamster, nicht um einen Cricetus vulgaris. Letzterer kommt weder in Cilicien, noch sonstwo in Kleinasien vor; seine Verbreitung endigt, soweit ich bis jetzt feststellen konnte, auf der Balkanhalbinsel etwas südlich von Rust- schuk, in Südost-Russland am Fussc der nördlichen Vor- berge des Kaukasus. In diesen Vorbergen beginnt schon das Verbreitungsgebiet des Mesocricetus nigriculus. Ich betone zum Sehluss, dass die fünf bisher be- kannten Mesocricetus-Arten in zoogeographischer Hinsicht sehr interessant sind. *) Bezügliche Mitthoihnigen wären dem Verfasser sehr er- wünscht! **) Kotschj', Reise in den cilicischen Tauriis. Gotha 1858, S. 234. Die Heuschreckenplage in Süd-Amerika. Von Arthur Bab (Colonie Mauricio, Argentinien). Es lässt sich nicht leugnen, dass der deutschen wie ül)erhaupt der europäischen Bodencultur in den letzten Jahrzehnten verhältuissmässig neu entdeckte und seit Kurzem besiedelte Länder nicht unbedeutenden Abbruch gethan haben, und es fehlt nicht an Leuten, die dem dortigen Ackerbau noch eine viel grössere Zukunft weis- sagen, denn das Klima sei günstig, der Boden gut und billig und die Transportkosten verliältnissmässig gering. Aber es wird dafür schon gesorgt, dass auch dort die Bäume nicht in den Himmel wachsen, unerwartete Hinder- nisse stellen sich in den Weg und damit den Erfolg der ganzen Arbeit in Frage. So hat die Repul)lik Argen- tinien, jetzt wohl eins der wichtigsten Länder für Getreide- bau, seit sieben Jahren mit einem furchtbaren Feinde, den Heuschrecken, zu kämpfen, gegen die trotz aller Versuche und Scheinerfolge doch eigentlich noch kein Mittel gefunden ist. Die ungeheure Gewalt dieser kaum 6 cm grossen Insecten liegt in der unzählbaren Menge, in der sie erscheinen. Die Lebensgeschichte der argentinischen Heuschrecke (es ist dieselbe Art wie die afrikanische acridium pere- grinuni) und damit zugleich die Leidensgeschichte der von ihr befallenen Landstriche ist in aller Kürze folgende. Den Winter über, d. h. hier von Mai bis Juli, hält sieh das ausgewachsene, beflügelte Insect (spanisch „langata" genannt) im Norden der Republik (auf der südliehen Halbkugel, — bekanntlich der wärmeren Region) auf; man hört wenig von ihr und nimmt an, dass sie meist in den grossen, dort befindlichen, noch unerforschten tropischen Urwäldern — dem Chaco — ihr Dasein fristet. Bei Ein- tritt der wärmeren Jahreszeit setzt sie sich in ungeheuren, wolkenartigen Schaaren — „mangas" genannt — nach dem Süden in Marsch oder vielmehr in Flug; wo es ihr gefällt, rastet sie und verlässt bisweilen nach 12- bis 24 stündigem Aufenthalt ihren Rastort, ohne ein Blatt oder einen Halm berührt zu haben. Meist jedoch sind die Insecten bei regem Appetite und fressen in wenigen Stunden alles ratzekahl; wenn sie dann wenigstens ihren Weg fortsetzen, so ist dies noch nicht das grösste Uebel; denn bisweilen je nach der Jahreszeit, erholen sich die befalleneu Felder, oder man kann sie wieder von Neuem bestellen. Traurig ist es aber, wenn die Heuschrecken sich zu begatten beginnen — einige Tage darauf sucht das Weibchen sich etwas hartes, nacktes Erdreich auf und legt mit ihrem Legestachel 8 — 10 cm tief in der Erde ihre Eier ab; darauf sterben sie selbst ebenso wie die Männchen; doch will man in der letzten Zeit bemerkt haben, dass sie erst nach der achten Eierablage zu Grunde gehen, dieselben Thiere also an acht verschiedenen (»rten ihre Brut niederliegen können. Es folgt jetzt eine mehr- wöchentliche, unheimliche Ruhe, alles wächst und gedeiht, nur findet man bei jedem Spatenstich, jeder Pflugfurebe, ungezählte, 5 — 7 cm grosse, graugelbliche Bündelehen, die an beiden Seiten zugespitzt sind. Jedes dieser Rollchen besteht aus 3—4 Eierketten, von denen jede 35—85 kleine Eier enthält, die an Farbe und Gestalt einem kleinen Roggenkorne auflallend ähneln zerdrückt man sie, so tritt ein gelblich-rother Saft zu 'Tage. Je XIV. Nr. 1. Natnrwi.sscnscliartlic'lie Woclioiisclirift. 8 nach der Jalircs/AMt iinil doni Klima krieclicn 20 — 50 Tage iiacli der Eicralilagc die jungen, flügellosen In.secten — Spi-inglieuselirecken (saltona) genannt — heraus. Wenige Millimeter gross verwandeln sie sicdi im Laute von 40 bis .00 Tagen in die 6 cm Länge besitzenden Fhig-IIeuschrecken und richten in ihrer Uebergangsperiode durch ihre Ge- frässigkeit den furchtbarsten Schaden a i. Man kann in ihrer Entwickelung ?> Perioden unterscheiden, in denen auch, wie wir später sehen werden, verschiedene He- känipfungsmethodcn einzugreii'eu haben. Gleich nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei haben die kaum sichtbaren Larven eine grüne Farbe, die nach einigen Stunden in eine fast schwärzliche übergeht; sie sitzen die ersten Tage in Häufchen zusannnen, fressen zwar bereits augenschein- lich, ohne jedoch besonderen Schaden anzurichten. Schon nach einer Woche werden sie heller grau bis aschfarben, wachsen sichtlich und sind bereits viel beweglicher. Nur in den kühlen Nacht- und heissen Mittagsstunden ballen sie sich noch zusammen, den grössten ^J'lieil des Tages aber betinden sie sich auf eifriger Nahrungssuche. Nach wiederum 20 Tagen ändern die Spring- Heuschrecken völlig das Ausseben. Der ganze Körjjer ist gelb mit schwarzen Flecken und orangefarbenem Vorderkopf, auch zeigt er bereits kurze Flügelstumpfe; sie springen mit den langen Beinen weit und schnell, sind ungeheuer beweglich und gefrässig. Das einzelne Thici', für sich betrachtet , bietet einen schönen Anblick, wenn aber die „saltona" in ungeheuren IMengen wie ein reissender Strom angesprungen kommen, und man 5, 10, ja 30—50 Hectar und noch mehr von schwarzgelben Leibern und gefrässigen Mäulern wimmeln sieht, so wandelt sich das Wohlgefallen in Abscheu und Wutb. Lst dann nach wiederum 20 — 25 Tagen die Fress- sucht aufs höchste gestiegen, so sind sie fast plötzlich verschwunden; die Thiere haben sich unter das Gras verkrochen, wo sie, ohne zu essen, sich in wenigen Tagen zu den geflügelten Heuschrecken umwandeln. Die ganze gelbschwarze Haut wird in einem Stück abgeworfen und es erscheint die grasgrüne, mit langen Flügeln versehene, „langosta", welche später allmählich eine graubraune Farbe annimmt; auf den ziemlich durchsichtigen Flügeln betinden sich schwarze, unregelmässig geformte Flecken. — Einige Tage flattern die jungen Heuschrecken matt umher; dann verschwinden sie und zwar bei vorgerückter Jahreszeit meist nach Norden, um dort zu überwintern und im nächsten Jahre dasselbe Spiel zu beginnen. Für den armen Landwirt ist aber damit die Zahl der Prü- fungen noch nicht beendet; weiter südlich entstandene Schwärme machen häufig auf ihrer Reise nach dem Norden halt und verzehren in wenigen Stunden das, was man mit vieler Mühe wochenlang gegen die Spring- heuschrecken vertheidigt hat. Es lässt sieh natürlich nicht genau vorherbestimmen, nach welcher Pachtung die In- secten ihren Flug nehmen, wo sie sich niederlassen und wo sie ihre Eier ablegen wollen. Im AUgenicinen sind die mehr nördlich gelegeneu, vor Allem die viel Acker- bau treibenden Provinzen Cordoba, Santa-Fe und Enter- Eios mehr bedroht wie die mehr südlichen. Im Sommer 1897/98 war es aber z. B. umgekehrt. Da litt am meisten der Westen der mehr südlich gelegenen Provinz Bueuos- Aires nebst dem benachbarten Territorium Pampa Central; .ja die lleuschreckenschwärme drangen sogar in Patagonien iiis in das Thal des Skubet-Flusses, welches unter dem 43° südlicher Breite liegt, während der Chaco bereits bei dem 7. Grade endigt. Ein Gebiet von 36 Breitengraden oder 540 deutschen Meilen in der Länge ist also mehr oder weniger von dieser furchtbai-cn Plage heimgesucht worden. Im Osten gebietet das Meer Halt, im Westen bisher die gewaltigen Gebirgszüge der Cordilleren, doch haben die Heuschrecken im Sommer 1897/98 zum ersten Male die Pässe derselben überflogen und so auch die Nachbar-Republik (Jliile heimgesucht. Sehen wir nun, was man gegen diese furchtbare Geisscl thun kann, ja nach dem neuesten Gesetze thun mu.ss! Es sollen dabei von den vielen, angepriesenen Maassregeln nur die von mir selbst erprol)ten und gut befundenen angeführt werden. Gegen die Flugheuschrecke ist allerdings kein Kraut gewachsen. Man suche sie durch Feuerschein, Lärm u. s. w. zu verscheuchen und an dauerndem Niederlassen zu verhindern; doch habe ich den Eindruck, dass, wenn die Thiere wirklich hungrig oder müde sind, sie sich durch solche Manöver wenig beeinflussen lassen. Vor- theilhaft ist es jedoch, sie gegen Abend von den Bäumen zu schütteln, da die Insecten während der kühlen Nacht- stunden nicht im Stande sind, dieselben wieder zu er- fliegen und zu benagen. Hat die Eierablage stattgefunden, so muss man ver- suchen, dieselbe vor Auskriechen der Brut nach Möglich- keit zu vernichten. Brachland pflügt man am besten um, da dadurch die Eier blossgelegt werden und, der Sonne ausgesetzt, in wenigen Stunden vertrocknen. Innerhalb der Kulturfelder ist allerdings guter Rath theuer; denn das einzelne Aufsuchen der Eier ist natürlich ungeheuer zeitraubend. Kommen die jungen Larven heraus, so ist namentlich die erste Periode der Vernichtung sehr günstig. Ist der Boden hart und das Gras nicht allzu gross, so schlägt man nut nassen Säcken ungeheure Mengen todt. Abends kriechen die jungen Thiere mit Vorliebe auf hohe Gräser, um dort bis zum Morgen zu bleiben. Eine Art Theer, „black" genannt, leistet dann vorzügliche Dienste. Ein alter Sack oder Lappen wird an einen Stock gebunden, mit dem Theer begossen, angezündet und dann brennend schnell über die Gräser geschwenkt, wodurch die auf ihnen sitzenden Heusehrecken natürlich verbrannt werden. Ein ausgezeichnetes Mittel, nur schade, dass man sehr viel Flüssigkeit bei verhältnissmässig kleiner Landfläche ver- braucht! Namentlich in der zweiten Periode, wo die Thiere nur noch in den Abend- oder Nachtstunden zusammen- geballt sitzen, ist diese Vernichtungsart zu dieser Zeit sehr angebracht; im Laufe des Tages mugs aber eine andere Bekämpfung stattfinden, welche für die dritte Periode die hauptsächlichste wird. Dieselbe besteht im Prinzip darin, Gräben mit möglichst glatten, senkrechten Wänden aufzu- werfen, die Heusehreeken durch Hin- und llerschwenken von Säcken und Zweigen etc. über den Boden in dieselben hinein- zutreil)cn und die mit den Thieren gefüllten Gräben schnell zuzuwerfen und festzutreten. Zur Unterstützung dieser Methode hat man einen äusserst nützlichen Apparat er- funden, der, weil er zuerst auf der Insel Cypern an- gewandt wurde, den Namen „Cypriota" führt; er hat dort wie in Nord-Afrika ausgezeichnete Dienste geleistet. Die in Argentinien gebräuchlichen bestehen aus zwei je 25 m langen und 30 — 40 cm hohen Zinkwänden, welche den Springheuschrecken unüberwindliche Hindernisse bieten. Die Zinkstreifen sind zum leichteren Transport durch Scharniere in 50 cm breite Tafeln zusammenklappbar, und werden, wenn man sie auf den Boden stellt und wieder entfaltet, durch eine Anzahl eiserner Häkchen aufrecht gehalten. Man baut nun die beiden Hälften so auf, dass sie fast ein V bilden und bringt in dem Scheitel- punkte den Graben an (siehe Abbildung). Hat man einen Heuschreckenschwarm erst einmal zwischen den Armen der „Cypriota", welche sie nicht überspringen können, so ist es leicht, die Thiere in den Graben hereinzutreibeu. Drei Arbeiter leisten dann dieselben Dienste, wie sonst zehn ohne den Apparat. Handelt es sich darum, ein bestimmtes • /x UJ LlBRARYUoj Natuiwissenscliaftliche Wücheiiscliril't. XIV. Nr. 1. Stück Land geg:eu die Spring-Heuschrecken zu schützen, so stellt man die Zinkstreifen am Kande desselben auf und bringt alle 20 — BO m einen Quergraben an. Es fehlt ausserdem nicht an einer Anzahl von Appa- raten, die nach dem Prinzip der Rebsi)ritze ätzende Flüssigkeiten verbreiten und so die Landplage ver- nichten sollen. Sie leiden nur alle an dem Fehler, dass sie für grosse Flächen viel zu kostspielig sind und daher höchstens für kleine Verhältnisse nützlich sein können; nur ein Apparat nach seinem Erfinder „Klappen- bach" genannt, sei noch erwähnt, da derselbe, äusserst wohlfeil, bei der Vertheidigung junger Bäume ausgezeich- nete Dienste leistet. Der Apparat besteht aus einer Trag- bahre von grober Leinwand, die sackartig herabhängt und in der Mitte einen schlauchartigen Ansatz hat, der zunächst durch einen Bindfaden zugebunden wird. Zwei Leute fassen nun die Tragl)ahre an, nähern sich den mit Heuschrecken bedeckten Bäumen, von welchen ein dritter die Insecten schnell in die Bahre hineinschüttelt, aus welcher sie sich vergeblich bemühen herauszuspringen. Ist der Leinensack völlig gefüllt, so wird über einem Graben der Schlauch geöffnet, durch denselben die Thiere in die Grube hineingeschüttet und diese darin schnell mit Erde be- deckt. Noch einfacher schützte ich solche einjährigen Obst- bäume, indem ich denselben einen Getreidesack über die Krone stülpte und auch den Stamm mit solchen umwickelte. Letzteren Hess ich während der ganzen Zeit befestigt, während die Kappe natürlich so oft wie möglich gelüftet wurde. Undankbar wäre es, wollte man die freiwilligen Mitarbeiter unerwähnt lassen. Diese sind in erster Linie die Möwen, welche in Schwärmen erschienen und grosse Mengen vertilgten. Haben sie sich vollgefressen, so tliegen sie zum nächsten Teich oder Wassertümpel, trinken dort, speien den Frass aus, und beginnen von Neuem unter dem Ungeziefer aufzuräumen. Das Geflügel, vor Allem die Hühner, stellen den Heuschrecken auch sehr eifrig nach, nur wird sowohl das Fleisch wie auch die Eier auf längere Zeit ungeniessbar. Fragen wir nun, ob alle diese Bekämpfungsmaass- regeln, wenn sie beständig und andauernd durchgeführt werden, Aussicht auf Erfolg haben, so ist es nothwendig, ehe wir zur Beantworti.ng dieser Frage schreiten, die Ver- hältnisse des von dieser Plage hauptsächlich befallenen Landes kennen zu lernen. Die argentinische Republik besitzt mit Patagonieu 3 529 .556 qkm und ohne diese fast völlig unbewohnten Districte immer noch 2 894 258 qkm ; d. h. sie ist im ersteren Falle fast 7 Mal, im letzteren immer noch mehr wie 5 Mal so gross wie Deutsehland bei einer Bevölkerung von 4 Millionen Einwohnern, von welchen 20 "/o '" ^^^^ Landesiiauptstadt Buenos-Aires conzentrirt sind. Die Be- vülkerungsdichtigkeit beträgt also selbst ohne Patagonien nur den Gösten Theil unseres Vaterlandes. Es giebt auch im eigentlichen Argentinien noch ungeheure Districte, die zum Theil noch unbekannt, fast völlig unbesiedelt sind; selbst die älteste und best bevölkerte Provinz, die von Buenos-Aires (die gleichnamige Landeshauptstadt steht ausserhalb des Provinzial- Verbandes), zählt bei einer Aus- dehnung von 311 196 qkm (Italien hat z. B. nur 296323 qkm) nur 90U000 Einwohner, also nur etwa den 33sten Theil der Bevölkerungsdichtigkeit des italienischen Königreiches. Man findet daher auch nur in der directen Umgebung der Hauptstadt und einiger anderen grösseren Städte land- wirthschaftliche Verhältnisse, die ungefähr den europäischen entsprechen. Landwirthschaftlich angebaut sind nicht mehr wie etwa 2 % der Bodenfläche, und die Besitzungen des einzelnen Ackerbauers sind aus Gründen, die hier an- zugeben zu weit führen würde, verhältnissmässig sehr viel ausgedehnter wie bei uns. Ein Bauer, der ausser seiner Familie höchstens 1 — 2 Knechte beschäftigt, pflegt hier 150 — 350 Hectar zu besitzen. Das übrige Land dient, so weit es eben nicht völlig brach liegt, zur Vieh- zucht. Solche Viehzuchtstationen, „Estancias" genannt, be- decken aber für europäische Begriffe sehr ausgedehnte Gelände; 20-25 qkm kann man wohl als Durchschnitt bezeichnen und eine solche Fläche wird von höchstens 20 Personen bewohnt. Dass dieselben noch viel weniger wie der Ackerbauer, selbst durch einige Hülfskräfte ver- stärkt (die nicht nur sehr theuer, sondern überhaupt meist nicht aufti-eibbar sind), nicht 20 qkm von Heuschrecken säubern können, ist wohl klar. Ich glaube, dass es nach den geschilderten Verhältnissen einleuchtend sein wird, dass mit den bisher gebräuchlichen Mitteln ein, wenn auch nur allmähliches Ausrotten der Heusehrecken aus- geschlossen ist; denn trotz aller Arbeit wird man immer nur einen verschwindend kleinen Bruchtheil der Schäd- liuge vernichten können. Eine andere Frage ist es, ob man local durch geeignete Bekämpfung Kulturanlagen ganz oder wenigstens zum grössten Theil retten kann. Ist auch gegen die Flugheuschrecken, wenn dieselben sich einmal niederlassen, wenig zu machen, so kann doch viel im Kampfe gegen die noch gefährlichere Spring- heuschrecke gethan werden, zahlreiche Felder können gerettet werden, solange die Landplage nicht gar zu gross ist. Dieselbe kann aber in solchem Maassstabe auftreten, die Menge der Thiere kann so zahllos sein, dass bei rein landwirthschaftlichen Kulturen, also Feldern, die mit Getreide, Futterpflanzen u. s. w. bestellt sind, Mühe und Arbeit verloren ist oder die Kosten der Ver- theidigungsarbeiten höher sind, wie der Werth des zu rettenden Gegenstandes. Handelt es sich jedoch um Hoch- kulturen (Gemüsegärten, Obstplantagen etc.), so lohnt es sich selbst bei grossem Ansturm, die Abwehr zähe durch- zuführen, man wird es ermöglichen und dabei auch seine Rechnung finden, denn auf verhältnissmässig sehr kleinem Gelände sind hier hohe Wcrthe zusammengedrängt. Man könnte nun der Plage auch auf eine andere Art beikommen, indem man versucht, anstatt gegen die Heuschrecken zu kämpfen, mit denselben zu leben, d. h. die Kulturen so zu wählen oder einzurichten, dass sie nicht unter denselben leiden. Dies ist aber leichter ge- sagt wie gethan. Es ist wahr, dass die Heuschrecken den Weizen, Lein und Mais, die hauptsächlichsten Getreide- arten hier, nicht mehr angreifen, wenn dieselben ein ge- wisses Stadium der Härte überschritten haben. Man müsste also die Felder so frühzeitig wie möglich bestellen, doch giebt es dabei die Gefahr, dass Spätfröste die ganze Vegetation vernichten, wobei der Teufel mit dem Beelzebub vertrieben wäre. Verschmäht wird von den Heuschrecken nur die Ricinus- Staude sowie ein ein- heimischer Baum, der „Paraiso" (Melia Azaderach); er sieht ganz schmuck aus, wächst aber langsam und hat wenig nützliches Holz. Die verschiedenen Arten von Obst- bäumen werden alle angegriffen; doch scheinen Haselnüsse und Edelkastanien bevorzugt zu sein. Walnüsse und noch mehr Oliven sagen ihnen jedoch nicht recht zu; wenn auch die Blätter beschädigt wurden, so blieb doch wenigstens die Rinde heil, während bei allen anderen Frucht- wie Waldbäumen sogar die zweijährige Rind- und Bast-Schicht bis auf das Splintholz vernichtet wurde. Besonders bevorzugt werden auch die meisten Geniüse- arten, nur Zwiebeln leiden wenig, während Gurken, Kür- bisse, Melonen (cucumis melo und nicht die Wassermelone Cucurbita CitruUus) völlig verschont bleiben. Ich erkläre mir dies durch die starke Behaarung, welche Blätter und Triebe dieser Pflanzen zeigen. Man sieht, dass das Register der heuschreckenfesten XIV. Nr. 1. NaturwisscnsclKiltliclie WoelieiiscIiriCt. Kulturpflanzen ein gar kleines und der Kampf gegen diese Thierc daher für die ari;entiniselie lvei)ul)iik eine Existenz- Frage ist, zumal dieselbe lediglich auf Ackerhau und Viehzucht beruht; ersterer wird unmöglich, letztere durch Futtermangel bedeutend erschwert. Es mag erstaunlich erscheinen, dass unter diesen Umtänden die Bodenkultur überhaupt einen solchen Aufschwung nehmen konnte; dies erklärt die Thatsachc, dass die Plage erst sieben Jahre alt ist. In den dieser Epoche vorhergehenden 15 Jahren hat man kaum eine Heuschrecke in den bewohnten Ge- genden der l\ei)ublik gesehen. Man hat jedoch früher auch schon derartige, wenn auch nicht so furchtbare Heuschrecken-Perioden durchgemacht, da aber das Land noch viel weniger erschlossen, Ackerbau fast unbekannt war (noch im Jahre 1875 führte Argentinien Weizen ein) Viehzucht nur in i)rimitivster Weise getrieben wurde, so konnte demselben nicht so beträchtlicher Schaden zuge- fügt werden. Es ist erstaunlich, dass die Regierung dieser Landesgeissel sechs Jahre hindurch mit gekreuzten Armen entgegengesehen hat, erst im siebenten wurde die „Klinke derGesetzgebung" in die Hand genommen; aber wie mir scheinen will, aufrecht unglückliche Art. Jeder Land- besitzer ist bei Vermeidung einer Strafe bis zu 3000 Peso verpflichtet, den Heuschrecken auf seinem Gelände zu Leibe zu gehen; da aber die verlangten Arbeiten durch- aus nicht näher bestimmt worden sind, sondern dem Dafürhalten der betreftenden Lokalconnnissionen über- lassen werden, so ist vielfach Begünstigungen einerseits und Chikanen andererseits Thür und Thor geöffnet. Die Mit- glieder der Lokalcomniission werden von einer Central- eommission ehrenamtlich ernannt und durch Regierungs- inspectoren revidirt. Da die oberen Behörden die Ver- hältnisse auf dem Lande aber wenig kennen, so werden an die Lokalcommissionen oft Anforderungen gestellt, die diese für unausführbar hält; kurz ein solches Ehrenamt hier mitten in der Pampa ist kein Vergnügen und der Verfasser dieser Zeilen, der ein solches inne hatte, kann davon ein Liedchen singen. Da man also trotz Conmiissionen und Gesetze der Plage wohl örtlich steuern, dieselbe aber nicht an der Wurzel treffen kann, so hat man auch den Plan erörtert, eine Art Strai'expedition nach dem vermeintlichen Stammsitz der Heuschrecken, dem schon erwähnten „Chaco", zu senden und dort die Plage während der Wintermonate zu ver- nichten. Das ist aber leichter gesagt wie gethan ; denn der „Chaco", der eine Fläche bedeckt, die dem Umfang des Königreichs Preusseu nicht viel nachstehen wird, ist ein gewaltiger, tropischer Urwald, bevölkert mit wilden In- dianer-Stännnen. Ein anderer Weg scheint mir hoffnungs- voller und sicherer. Man hat zwar leider nicht beobachtet, aus welchen Gründen frühere Heuschreckenperioden ihr Ende genommen haben; doch ist es wahrscheinlich, dass die Thiere durch epidemisch aufgetretene Krankheiten fast völlig aufgerieben worden sind. Es liegt nun nahe, solche ?]pidemien künstlich hervorzurufen, und dass dies nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, zeigt der Mäuse -Typus- Bacillus von Prof. Loefl'ler in Greifswald, durch welchen man in kurzer Zeit von den Mäusen völlig befreit wird. Es ging schon vor einiger Zeit eine Notiz durch die hiesigen Zeitungen, dass ein derartiger Heuschreckcn- ßacillus gefunden sei, der auf einige Thiere geimpft, von diesen schnell auf andere übertragen würde und dass in Folge dessen ganze Schwärme in wenigen Tagen völlig abstürben. Leider stellten sich die angepriesenen Bacterien als unwirksam heraus; doch ist es dringend zu hoffen, dass auf die eine oder andere Art ein Mittel gefunden wird, diesem furchtbaren Erbfeinde menschlicher Kultur ein Ende zu machen oder ihn wenigstens nach Möglich- keit zurückzudämmen. Die Erforschung: ctav und engbedruckt umfasst incl. Register 798 Seiten; er bildet das treft'lichste wissenschaftliche mineralogische Nachschlagewerk, so- dass das Erscheinen der vorliegenden, dem heutigen Standpunkt der Mineralogie angepassten Auflage von allen Interessenten- Kreisen mit der allergrössesfen Freude begrüsst wird: musste doch 1892 bei dem ständigen Absatz des Werkes ein blosser Abdruck der 188.5 erschienenen 12. Auflage herausgegeben werden, um das Verlangen nach demselben befriedigen zu köimen. Für die vor- liegende Auflage hat nun sein Nenbearbeiter Müsse gefunden die nöthige Umgestaltung des Werkes vorzunehmen, und es ist — wenn auch natürlich im Sinne der bisherigen Tradition — wiederum ein ganz neues geworden. In den krystallographischen Abschnitten des allgemeinen Theils hat Verf auf die Symmetrie-Verhältnisse grösseres Gewicht gelegt, und es ist hier versucht worden , die inzwischen zur Geltung gekommenen 32 Krystallisati-ons-Abtheilungen, auf Grund der bisherigen, consequent ausgebauten Lehren von der Hemicdric und Tetartoedric unter Einrechuung der Hemimorphie, als coordi- nirte Gruppen mit charakteristischen Symmetrie-Eigenschaften hervortreten zu lassen. Es wurde ferner ein neuer, längerer Abschnitt über die Lagerstätten und das Vorkommen der Mine- ralien in der Natur aufgenommen. Von den Verbesserungen sei endlich noch erwähnt, dass bei den wichtigeren Mineralien diu Vorkommnisse nicht mehr bloss mit einfachen Namen in geogra- phischer Folge erwähnt werden, sondern dass sie in der Neu- Auflagc nach dem Gesichtspunkt der geologisch verschiedenen Natur der Lagerstätten gruppirt worden sind. Prof. F.IiOewinson-Iiessing, Petrographisches Lexikon. R. Fried- laender et Sohn in Berlin, lh93— 1898, — Preis 11 Mark. Das vorliegende, sehr brauchbare petrographische Lexikon ist als Beilage zu den Sitzungsberichten der Naturforschenden Gesellschaft zu Jurjew (Dorpat) gedruckt worden; es besteht aus 2 Theilen (1893 u. "1894) und einem Supplement-Heft (1898) und umfasst 255 -f- 96 Seiten. Eigentlich ist es ja zu bedauern, dass solche Lexika nöthig sind, aber sie sind es eben bei der Fülle der in der Wissenschaft zu unterscheidenden ( Ibjecte und bei der betrübenden Thatsache, dass trotz der Internationalität der Wissen- schaft ein und dasselbe (Jbject nur gar zu oft mehrere Namen er- halten hat. Das Buch ist verdienstlich und wird vielen erwünscht sein. Prof. Dr. Ferd. Friedr. Hornstein, Piorektor des Realgymnasiums zu Cassel, Kleines Lehrbuch der Mineralogie. Unter Zu- grundelegung der neueren Ansichten in der Chemie für den Gebrauch an höheren Lehranstalten. Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage. Mit 281 Abbildungen. Verlag von Ernst Huhn, Hofbuchhandlung in Cassel, 1898. 8», 457 S. Wenn ein Lehrbuch der Mineralogie in fünfter Auflage er- scheint, wird man schliessen, dass es seinen Zweck erfüllt. Auch das vorliegende Werk, das zwar für den Gebrauch an höheren Schulen bearbeitet, aber auch unter den Studirenden viel ver- breitet ist, ist mit Recht für ein gutes Buch und für ein zur Ein- führung in die Kenntniss der Mineralogie recht geeigneter Leit- faden gehalten worden. Referent vermag dem für die fünfte Auf- lage, mit Rücksicht auf die Darstellung der Krystallographie, nur in bedingter Weise beizustimmen. Der Stoif ist wie gewöhnlich in zwei Hauptlieile gegliedert. Der erste bringt die allgemeine Mineralogie (Kennzeichenlehre) und behandelt die chemischen, morphologischen und physikalischen Eigenschaften nebst Angaben über Auftreten und Bildung der Mineralien. Der zweite Theil enthält die Physiographie der ein- zelnen Mineralien, eine systematische Uebersicht derselben nebst Angaben über procentische Zusammensetzung und in einem An- hang kurze Angaben über Entstehung, Structur und Zusammen- setzung, sowie geologische Altersfolge, Fossilführung und Ver- breitung der wichtigsten Gesteine, Die Disposition ist klar, die Bearbeitung sorgfältig und in allen Theilen zutrefl'end bis auf die Krystallographie. Hier seheint dem Ref nunmehr angezeigt, in Sonderheit nachdem wir die krystallographischen Lehrbücher von Groth, Liebiseb u. a. besitzen, eine völlig sachgemässe Darstellung zu wählen. Die Ableitung der die Krystallsj-steme charakterisirenden Symmetrieverhältnisse nur von den sog. Vollflächnern, wobei dann die Halb- und Viertel- flächner als Ausnahmen erscheinen, führt zu Inconsequenzen. In Verbindung damit würde eine Benennung der Krystallformen zu wählen sein, die, bei Wahrung der Vorzüge der Naumann'schen Bezeichnungen, ihr Wesen richtig trift't. Die monoklinen und XIV. Nr. 1. Naturwisscnschat'tliclic Woclicusclirift. 11 triklinon Octacder, die Monge von Namen (BiaL-liy Pyramiden, Oitlio- pyramiden, Klinopvismen und dei-f;!-). dio zugleich wegen ilirei' Hildnngswoise gegeniibev andii-cn (Bnichydomon, Kliuodomon u. a.) vm-wirrend wirken, werden dabei von selbst fortfallen. Sie sind nicht allein überflüssig, sondern auch z. Th. nicht mal zutreffend. Im Uebrigen kann Ref. das Hornstein'sche Buch wegen seiner sonstigen Vorzüge zum regen Gebrauch empfehlen. Scheibe. J, H. van't Hoff, lieber die zunehmende Bedeutung' der an- organischen Chemie. Vortrag gnhalten auf ilcr 70. Versamm- lung der Gesellschaft deutsclier Naturforscher und Aerzte. Leop. Voss in Hamburg uud Leipzig, 1898. — Preis 0,60 Mark, lieber den bedeutungsvollen, vorliegend als Sonderdruck er scliienenen Vortrag hal)en wir in Bd. XI!I, Nr. 45, S. 529 ff. der „Naturw. Wochenschr." schon das Nöthige gesagt. Naturae novitates. Bibliographie neuer Erscheinungen aller Länder auf dem Gebiete der Naturgeschichte und der e.xacten Wissenschaften. Herausgegeben von R. Friodlaendor &Sobn in Berlin. Jahrgang XIX, 1897. Bei K. Friedlaender & Sohn in Berlin. — Preis 4 Mark. Die gewissenhaft zusammengestellte Bibliographie, von der allmonatlich eine Nummer erscheint, ist dadurch ein sehr be- (|uemes und wichtiges Hülfsmittel wissenschaftlicher Arbeit, als das treffliche, im vorliegenden Jahrgang nicht weniger als 78 S. umfassende, gut clisponirtc Register die Naturae novitatrs auch als Jahresband benutzbar machen. Die Naturae novitates ent- halten zwar nicht alle und sämmtlicbe Abliandlungen des umfang- reichen Gebietes, sondern nur diejenigen, dio von der Firma buch- häudlerisch zu beschaffen sind — wie denn das Unternehmen in L Linie ein buchhändlerisches ist — aber der Gelehrte nimmt das Werk trotzdem gern zur Hand, da es ihm vielfach nützliche Winke giebt. Abel, Dr. Rud., Ueber einfache Hülfsmittel zur Ausführung bacteriologischer Untersuchungen in der ärztlichen Praxis. Würzburg. — 0,.'J0 Mark. Boohow, Bealsch -Oberl. Dr. Karl, Die Formeln für die Summe der natürlii'ben Zaiilen und ihre ersten Potenzen, abgeleitet an Figuren. Berlin. — 1 Mark. Borsche, Walth., Ueber Cyklopentauone. Goettingen. — 2 Mark. Braun, Jul. v., Ueber die isomeren Polygone. Goettingen. — -'.4U Mark. Cantor, Mor., Politische Arithmetik oder Dio Arithmetik des täglichen Lebens. Leipzig. — 1,S0 Mark. Correspondenzblatt des Naturforscher-Vereins zu Riga. Riga. — 3 Mark. Dillmann, Oberstud.-R. C, Astronomische Briefe. Tübingen. — 2,.50 Mark. Ephraim, Dr. Jul., Ueber den Neuheitsbegrift" bei chemischen Er- findungen. Stuttgart. — 1 Mark. Figdor, Assist. Dr. W., Untersuchungen über die Erscheinung des Blutungsdruckes in den Tropen. Wien. — 1,20 Mark. Greve, Carl, Die geographische Verbreitung der jetzt lebenden Perissodactyla, Lamnunguia und Artiodactyla non ruminantia. Halle. — y'Mark. Jahrbücher des nassauischen Vereins für Naturkunde. Wiesbaden. - 8 Mark. Lecher, Prof. Dr. Ernst, Einige Bemerkungen über Ahuninium- anoden in Alaunlösung. Wien. — 0,30 Mark. Lerch, M., Bemerkungen über trigonometrische Reihen mit Coef- tieienten. Prag. — 0,24 Mark. Liznar, Prof. J., Ueber die Aenderung der erdniagnetischen Kraft mit der Iliihe. Wien. — 0,50 Mark.' Luhe, Dr. Max, Beiträge zur Ilelminthenfauna der Berberei. Berlin. — O.iJO Mark. Luksch, Reg.-R. Uarineacad.-Prof. i R. Jos., Vorläufiger Be- richt über die |iliysikalisch-oceanograi)hischen Untersuchungen im Rothen Meere." Wien. — 0,70 Mark. 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Man legt die Uhr derart horizontal hin, dass der kleine Zeiger nach der Sonne "zeigt. Die Mitte zwischen dem kleinen Zeiger und der Zahl 12 des Zifferblattes zeigt nun nach Süden. Steht z. B. der Zeiger um 10 Uhr auf die Sonne gerichtet, so wird Süden in der Richtung der Zahl 11 sein. Berichtigung. Auf S. 610, Spalte 2, Nr. 51, Bd. XIII, der „Naturw. Wochen- schrift' hat sich ein arger Druckfehler eingeschlichen. Der (durch die Erfindung der Schiessbaumwolle bekannte) Chemiker in Basel, an den Berzelius die zwanzig Briefe sandte, heisst nicht Schönlein, wie der berühmte Arzt, sondern Schönbein. Inhalt: A. Nehring: Der ostbulgarische Hamster (Mesocricetfis Newtoni Nhrg.). — Arthur Bab: Die Heuschreckenplage in Süd-Amerika. — Erforschung der Function der Schilddruse — Der Athmungsapparat der Larven der entomophagen Hymenopteren. — Ueber die Austern. — Ueber die Regeneration der Moose. — Ueber Selbstbestäubung bei Cistus-Arten. — Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung. — Eine neue Nordlicht-Theorie. — Aus dem wissenschaftlichen Leben. — Litteratur: Dr. Karl Russ, Die Pracbtfinken. — Dr. Hans Solereder, Systematische Anatomie der Dicotyledonen. — I'rof. Dr. H. Bruchmann, Ueber die Prothallien und die Keimpflanzen mehrerer europäischer Lycopodien. — Prof. Dr. Ferdinand Zirkel, Elemente der Mineralogie. — Prof. F. Loewinson-Lessing, Petrographisches Lexikon. — Prof. Dr. Ferd. Friedr. Hornstein, Kleines Lehrbuch der Mine- ralogie. — J. H. van't Hoff, Ueber die zunehmende Bedeutung der anorganischen Chemie. — Naturae novitates. — Liste. — Briefkasten. — Berichtigung. 12 Niiturwisscuschaftliclic Wochenschrift. XIV. Nr. 1. !♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦ »♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦! von Poncet Glashütten -Werke 54, Köpnickerstr. BüRIiIN SO., KSpnickerstr. 54. Fabrik und Lager aller Gefässe und Utensilien für ehem., pharm., physical., electro- u. a. techn. Zwecke. Gläser für den Versand und zur Ausstellung natnrwissensohaftliclier Präparate. Gasmotoren, l>yisaiiio- und l>aiiipi- iiia»>i<*hiaion gebraucht s^arantirt bctriebs- nniiK- in allen (Jriissen nfiferirt ESektromoior G. m- h. H. Iti-i-liii NW., Sciliffhauerflatnin 21. P|ATENTE| erwirkt und vcrwcrthet F. W. 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Von Dr. Alfred Nehring, Professor der Zoologie und Vorsteher der zoologischen Sammhiugen an der Königlicljen landwirthschaftlichen Hochschule zu Berlin. Mit I Abbildung im Text und l Karte der Fundorte. 266 S. gr. 8". Preis 6 Mark. Verantwortlicher Kedacteur: Dr. Henry Potonie, Gr. .Liclitorfelde (P.-B.) bei Berlin, Potsdamerstrasse 35, für den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. — Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. — Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12. Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XIY. Band. Sonntag, den 8. Jannar 1899. Nr. 2. Abonnement: Man abniinirt bei ullen Bucbhanaiungen und l'ost- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Ji 4.— Bringegeld bei der Post 15 »«, extra. Postzeitungsliste Nr. 5198. f Inserate Die viergespaltene Petitzeile 40 ^. Grössere Auftrage ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. AbcLraek ist nur mit vollständig^er Qnellenaiigabe geiütattet. Physische Einflüsse auf das jugendliche Verbrecherthum. Von W. D. Morrison.*) I. Einfl'.iss des Geschlechts. Zu einer Antwort auf die Frage, wie das jugendliche Verbrecherthum auf die beiden Geschlechter vertheilt ist, können wir auf mehreren Wegen gelangen. Vor Allem durch die Leetüre der betreffenden Polizeibelichte, welche zwar als Quelle für die Ermittelung der wirklichen An- zahl der jugendlichen Missethäter überhaupt sehr wenig taugen, wohl aber recht brauchbare Aufschlüsse gewähren über die Vertheilung des Verbrecherthums auf die Ge- schlechter, da die Gründe, welche die in Rede stehenden Berichte für den ersten Zweck unzuverlässig machen, für den zweiten wegfallen. Aus den Polizeiberichten geht nun hervor, dass von den unter sechzehn Jahren alten Gewohuheitsmissethätern in England rund 85 7o dem männlichen und nur etwa 15 % f^em weibliehen Geschlecht äuge hören. Wenn diese Zittern annähernd richtig sind — und sie werden durch andere, verläss- lichere Berichte bekräftigt — so ist der Einfluss des Ge- schlechts auf die verbrecherischen Neigungen in der That ein selir beträchtlicher. Der Zufall des Geschlechts und die dem Geschlecht innewohnenden Eigenschaften machen es fünf- bis sechs Mal wahrscheinlicher, dass ein Knabe als dass ein Mädchen die Bahn des Verbrechens be- schreiten werde. Solche umstände beweisen klar, dass das menschliche Thun wenigstens thcilweise von Ursachen beeinflusst wird, die das Individuum nicht in seiner Gewalt hat; zu ihnen gehurt unbedingt sein Gesohlecht. Lesen wir die englischen amtlichen Berichte über das Geschlecht der verurtheilten Missethäter unter 21 Jahren — Berichte, von welchen die Polizeiberichte an Genauig- keit übertrofi'en werden — so tindeu wir zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht ein Verhältniss *) Verfasser von „Das Verbrecherthum und seine Ursachen", »Jugendliche Missethäter" etc. von 87 : 13, in der Gruppe „reformatory schools" der englischen Besserungsanstalten sogar wie 88:12. Da- gegen verschiebt sich das Verhältniss in der anderen Gruppe („industrial schools") der Besserungsanstalten auf 76 : 24. Dies rührt von der Natur der Gesetzesverletzungen her, wegen deren Begehung zahlreiche Kinder in die in- dustrial schools gesteckt werden; da es sich hier in un- gemein vielen Fällen mehr um passive als um active Vergehen handelt, wird der höhere Procentsatz weiblicher Insassen (24 gegen 12) in den reformatory schools be- greiflich. In den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika giebt es nur Eine Art von Besserungsanstalten („reformatory schools") und in diesen war nach dem letzten veröffent- lichten Bericht (1890) das Verhältniss der weiblichen In- sassen zu den männlichen wie 22 : 78. Die relative hohe Ziffer 22 kommt daher, dass die Richter in der Union äusserst abgeneigt sind, Mädchen unter 21 Jahren zu Gefängniss zu verurtheilen. Während die englische Ge- fängnissbevölkerung etwa 16 '' Q weibliche Sträflinge unter 21 Jahren aufweist, hatte die nordamerikanische in jenem Jahre bloss 7% aufzuweisen; d. h. viele Mädchen, die in England Kerkersträflinge sein würden, werden in der Union in Besserungsanstalten geschickt. Die Gerichts- piaxis sowohl wie die Gesetzgebung behandeln „drüben" die weiblichen j\Iissethäter milder als in Englaucl. Nicht bloss in England und den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Kulturwelt übt das Geschlecht einen grossen Einfluss auf die Neigung oder Abneigung, das Gesetz zu übertreten; allenthalben ist das weibliche Geschlecht im Vortheil. Wir haben es da also nicht mit zeitweiliifen Zufällen, sondern mit einem allgcnieiii giltigen Gesetze zu thun, das sowohl von den Eiwacliscnen als auch von den jugendlichen Personen gilt. Sm heu wir nun nach den Ursachen des grossen Unterschiedes zwischen 14 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 2. dem Umfang des mäunlicheu und dem des weiblichen Vcr- brecherthums. Man beg-eg-net zuweilen der Behauptung, dieser Unter- schied sei eigentlich mehr ein scheinbarer als ein wirk- licher, da die weiblichen Misscthäter nachsichtiger be- handelt werden als die männliclien. Wahrend die eng- lischen Strafgerichte nur einen von sechs männlichen Angeklagten "freisprechen, sprechen sie schon eine von vier weiblichen frei. Nimmt man — wozu aller Grund vorhanden ist — an, dass das Beweismaterial der Anklage bei den weiblichen Missethätei-n ebenso überzeugend ist wie bei den männlichen, so folgt aus jenen Ziffern, dass die Strafgerichte gegen das weibliche Geschlecht milder gestimmt sind als gegen das männliche — ein Umstand, der seinen Hintergrund zweifellos in allen Zweigen der Kriminalverwaltung und auch im ganzen gesellschaftlichen Leben hat. Das Publikum ist jetzt weniger als früher zu Strafanzeigen gegen weibliche Personen geneigt; dasselbe gilt von der Polizei und anderen Behörden, und folglich kann die Kriminalstatistik kein treues Bild des vollen Umfanges des weiblichen Verbrecherthums geben. Aber wenn wir diese Darlegungen auch für begründet halten und demgemäss die Zahl der weiblichen Missethäter so- gar um ein volles Drittel erhöhen, bleibt es noch immer Thatsache, dass das weibliche Geschlecht weit weniger zu Gesetzesverletzungen neigt als das männliche. Die den weiblichen Missethätern gegenüber geübte Nachsicht erklärt somit die niedrigen Verhälluissziffern des weib- lichen Verbrecherthums zwar theilweise, aber durchaus nicht vollständig. Eine andere Erklärung dieser Ziffern beruht darauf, dass man sie der Wirkung sozialer Einflüsse zusehreibt. Die sozialen Lebensverhältnisse der weiblichen Kreise, heisst es, halten den letzteren viele Härten des Daseins- kampfes fern und bieten ihnen daher weniger Anlass, sich gegen das Strafgesetzbuch zu vergehen. Die weibliche Thätigkeit beschränke sich gewöhnlich auf die Haus- wirthschaft, und dieses Feld gebe weit seltener Gelegen- heit zu Verbrechen als der umfassende sociale und indu- strielle Lebenskreis der Jlänner. Thatsäclilich lehrt die Erfahrung, dass dort, wo eine grössere Anzahl weiblicher Personen in diesen Kreis eintritt, der Procentsatz der weiblichen Strafthaten stets in die Höhe geht, d. h. die Ausgleichung der wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen zwischen Männern und Weibern hat eine grössere Annäherung der beiderseitigen Verbrechens- ziffern zur Folge. So kommt es z. B., dass in London ein Viertel, in Manchester sogar ein Drittel der dem summarischen Verfahren unterworfenen Vergehen von weib- lichen Personen begangen werden, während die Ziffern in den Landbezirken bei Manchester nur ein Siebentel und in denen bei London sogar nur ein Zehntel be- tragen. Es muss daher entsciiieden zugegeben werden, dass die Lebensverhältnisse des weiblichen Geschlechts die Ausdehnung des weiblichen Verbrecherthums erheblich beeinflussen; aber auch sie genügen nicht zur gänzlichen Erklärung des grossen Unterschiedes zwischen dem Kerb- holz des einen und dem des anderen Geschlechts. Die gesuchte ausreichende Aufklärung über den Einfluss des Geschlechts auf die Kriminalität müssen wir in biologischen Ursachen suchen. Der geringere Grad von Kriminalität beim Weibe ist in dessen geistiger und leiblicher Beschaffenheit gegenüber derjenigen des Mannes begründet. Die Wirkungen dieser Beschaffenheitsver- schiedenheit zeigen sich auch dort klar, wo die gesell- schaftlichen und wirthschaftlichen Verhältnisse beider Ge- schlechter so ziemlich die gleichen sind. Die in der Gruppe .,industrial schools" der Besserungsanstalten an- zutreffenden Knaben und Mädchen sind bis zum 14. Lebens- jahr in den gleichen sozialen und wirthschaftlichen Ver- hältnissen aufgewachsen; sie haben gleichartige Eltern- häuser gehabt, gleichartige Schulen besucht, gleichartige Freiheiten genossen und in einer gleichartigen Umgebung gelebt. Dennoch entfällt in den genannten Anstalten, wie wir gesehen haben, auf rund fünf Knaben nur etwa ein Mädchen. Hieraus geht offenbar hervor, dass der grosse Unterschied zwischen der männlichen und der weib- lichen Kriminalität mit den sozialen und den wirthschaft- lichen Verhältnissen nicht genügend erklärt ist, dass die Hauptursache vielmehr tiefer liegt als in der äusseren Umgebung — nämlich im Organismus. Bau und Constitution des Weibes macht dieses für grosse körper- liehe oder geistige Anstrengungen in den meisten Fällen weniger geeignet, als den Mann. Der weibliehe Geist hat im Allgemeinen eine minder activc" und aggressive Richtung, kommt daher nicht so leicht mit herrschenden Einrichtungen in Widerspruch, neigt somit weniger zu Gesctzesverletzungen. Da nun anzunehmen ist, dass das körperliche und geistige Wesen des Weibes sieh nie ver- ändern wird, wird dessen Einfluss auf das Verbrecherthum der Geschlechter wohl ein ewiger sein, d. h. fortdauern, solange es Menschen geben wird, während die äusser- lichen Ursachen — Erziehung, sociale Verhältnisse, wirth- schaftliche Lcljensbedingungen etc. — durch den Gang der Civilisaiion Abänderungen und selbst Umwälzungen erfahren können. Der Einfluss des Geschlechts auf die Natur der Misse- thaten Erwachsener liegt auf der Hand. Alle Gesetzes- verletzungen, welche grosse Kühnheit und Körperkraft erfordern, werden überwiegend von Männern begangen,' während an solchen, die i2, so erhalten wir eine Sterblickeit von 8,9 unter tausend Arbeitsschülern im Alter von 5—15 Jahren gegenüber 3,7 von Tausend der Gesammtbevölke- rung dieser Altersstufen. Die Sterblichkeit der den Arbeitsschulen anvertrauten Knaben weist somit klar auf deren ])hysisches Zurück- bleiben hinter der allgemeinen Kuabenwelt hin. Ganz ähnlich verhält es sich hinsichtlich der weiblichen Insassen der industrial schools in dem gleichen Lebensalter und Berichtszeitraum. Während die allgemeine Sterblichkeit von Mädchen zwischen 5 und 15 Jahren jährlich nur 3,8 pro Tausend betrug, belief sich der Durchschnitt bei den Arbeitsschülerinnen auf 8,4, also auf weit mehr als das Doppelte. Rechnen wir dazu die 3,9 pro Tausend, die jährlich als ärztlich aufgegeben weggeschickt wurden, so sehen wir die Sterblichkeit auf 12,3 pro Tausend an- wachsen! Da die Mehrzahl der Insassinnen in den Ar- beitsschulen wahrscheinlich eine bessere Behandlung er- fährt als je vorher ausserhalb derselben, so muss man annehmen, dass die betreffenden Kinder schon defect in die Anstalten kommen und dass ihre hohe Sterblichkeit eine Folge dieser ungünstigen Körperbeschaffenheit ist. Soeben haben wir erfahren, dass die Sterblichkeit der Arbeitsschülerinnen 12,3 die der Arbeitsschüler 8,9 um 3,4 übertrifft. Woher rührt dieser gewaltige Unter- schied, der sich in der Gesammtheit der jugendlichen Bevölkerung durchaus nicht zeigt? Der Hauptgrund dürfte sein, dass von den Leitern der .Arbeitsschulen wahrschein- lich mehr Knaben als Mädchen wogen körperlicher Schwäche von der Aufnahme ausgeschlossen werden. Kinder, deren Nichteignung für ein ernstes Arbeitsleben offenkundig ist, werden näudich grundsätzlich zurück- gewiesen. Leider theilen die amtlichen Berichte keine Ziffern darüber mit, wie hoch sich der Procentsatz der Zurückgewiesenen belauft; wir können daher nicht wissen, wie viele Knaben und wie viele Mädchen von der Auf- nahme ausgeschlossen werden; höchst wahrsclieiulich jedoch ist, wie gesagt, die Zahl der wegen Schwäche abgelehnten Knaben grösser, und das würde ihre schein- bar niedrige Sterblichkeitsziffer erklären. Wir dürfen daher wohl auch vermuthen, dass die für die Arbeits- schulmädchen geltende Sterblichkeitsziffer (ca. 12 vom Tausend) die eigentlich richtige für sämmtliche Delin- quenten in den Kinderjahren ist und die riesige Aus- dehnung der k(irperlichen Unzulänglichkeit in der Gesammt- heit der jugendliciien Missethäterwelt beleuchtet. Ausser in den Sterblichkeits- bieten die industrial schools auch in den Waisenziffern einen brauchbaren Prüfstein. Früher natürlicher Tod — im Gegensatze zu unnatürlichem — ist ein sicheres Zeichen von geringer Lebenskraft; daher bildet die Thatsache, dass ein erheb- licher Proceutsatz der Arbeitschulkinder den Vater oder die Mutter oder beide verloren haben, einen mittelbaren Beweis für die physische Entartung der Eltern. Da man in den Kreisen, aus denen die Insassen der Arbeitsschulen hervorgehen, ziemlich früh zu heiratheu pflegt, müssen diejenigen Eltern, welche sterben, ehe ihre Kinder vierzehn Jahre alt werden, sehr kurzlebig sein. Es entsteht nun die Frage, in welcher Anzahl die Arbeitsschulkinder von kurzlebigen Eltern stammen. In den fünf Jahren 1887 bis 1891 hatten 8377 von den in sämmtliche britische industrial schools aufgenommenen 21 357 Kindern theils Vater, theils Mutter, theils beide verlören; d. h. volle 39 °/o waren theils halb, theils ganz verwaist. Diese hohe Waisenziffer zeugt unzweifelhaft für eine decadente Ab- stammung zahlreicher Besseriingsanstalts-Insassen, folglich auch für eine schlechte physische Beschaffenheit vieler der Kinder selbst. Auch die Statur kann zumeist als Maassstab der Leibesbeschaffenheit gelten. Ein im Waehstbum stark zurückgebliebenes Kind wird in der Regel entweder schwächliche Eltern haben oder in Verhältnissen leben, die die Lebenskraft untergraben. Bei den den industrial schools anvertrauten Kindern treffen diese beiden Bedin- gungen gewöhnlich vereint zu. Eine von einer hervor- ragenden wissenschaftlichen Gesellschaft vor Jahren an- gestellte eingehende Untersuchung, bei der zweitausend 11- bis r2jährige Arbeitsschüler gemessen wurden, ergab, dass die letzteren durchschnittlich um nicht weniger als fünf englische Zoll kleiner waren als die gewöhnlichen, gleichalterigen Schulkinder und dass in keiner anderen Schicht der britischen Kinderwelt so viele widernatür- liche Knirpse vorkommen wie unter den Arbeitsschülern — ebenfalls ein Beweis für die Mangelhaftigkeit der physischen Entwickelung des jugendlichen Verbrecher- thums. Einen ferneren Beweis dürfen wir in dem unzu- länglichen Körpergewicht erblicken. In diesem Punkt bleiben die Zöglinge der industrial schools hinter allen übrigen gleichalterigen Bevölkerungsscbichten zurück. — Nach den Untersuchungen des anthropometrischen Aus- schusses des „Britischen Vereins zur Förderung der Wissen- schaften" wiegt ein Arbeitsschulknabe durchschnittlich um 24^4 engl. Pfund weniger als ein gleichaltriger Knabe aus der nicht kriminellen Bevölkerung. Welches Alter immer zwischen 6 und 16 Jahren oder welche Bevölke- 20 Naturwisseuschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 2. rungsklasse immer wir zu Vergleichszwecken heranziehen, die Arbeitsschüler beider Geschlechter sind in allen Füllen beträchtlich leichter als andere Kinder. Die in den letzten Jahren von dem englischen Arzte ür. Warner nnternommenen Forschungen über die [diy- sische und geistige Beschaffenheit der Kindervveit dienen zur Bekräftigung der vorstehenden Angaben und .Schluss- folgerungen. IJer Genannte untersuchte fast zweitausend männliciic und weibliche Arbeitsschüler in London wie auch auf dem Lande und fand unter ihnen einen weit höheren Procentsatz abnormer Kinder als in jeder anderen Gattung von Schulen. Er giebt 29',\, vom Hundert als mit leiblichen oder geistigen Mängeln behaftet an, während er die delecten Kinder in den gewöhnlichen Schulen auf bloss 17 vom Hundert beziffert. Die von ihm festgestellten Mängel waren: Kleinheit der Statur und des Kopfes, Augenleiden, Nervenleiden, Eutwickelungsfehler, über- grosse Blässe und Magerkeit, endlich geistiger Stumpf- sinn. Gehen wir von den Kindern zwischen 5 und 16 Jahren auf diejenigen über, welche sich dem Alter der Reife mehr nähern. Wie ist es mit deren physischen Eigen- schaften bestellt? Hierüber geben die amtlichen Berichte über die Gruppe „reformatory schools" {= „Besserungs- schulen") der britischen Correctionsanstalten einigermaassen Aut'schluss. Gegenwärtig finden sich in diesen Instituten Knaben im Alter von 10 bis 20 Jahren. Vergleichen wir auch hier, wie bei den industrial schools, die Statistik der Sterblichkeit und der Todeskrankheiten mit jener der übrigen gleichalterigen Bevölkerung und zwar ebenfalls für den Zeitraum 1887 — 91. Zunächst wollen wir von den Knaben sprechen. Die allgemeine gleich- alterige Knabenbevölkerung wies einen jährliehen Satz von 3 : 4 pro Tausend auf, während der Satz für die Insassen der „Besserungsschulen" 4 : 2 vom Tausend betrug, wozu noch 4:2 v. T. für die wegen tödtlicher Krankheiten fort- geschickten Zöglinge traten. Wir haben es da also mit einem Verhälfniss von 8 : 4 zu 3:4 zu thun. Ganz ähn- liche Ergebnisse erlangen wir bezüglich der Mädchen. Während des in Rede stehenden Zeitraumes starben im Jahresdurchnitt nur 3:5 v. T. gewöhnlicher Mädchen zwischen 10 und 20 Jahren, dagegen 5 v. T. der Besse- rungsschülerinnen; reehiien wir noch die nut 7 v. T. nachgewiesenen Entlassungen wegen lebensgefährlicher Krankheit hinzu, so ergiebt sieh das erschreckende Ver- hälfniss von 12 zu 3,5!! Dürfen wir die Sterblichkeit als einen Maassstab der physischen Eigenschaften befrachten so finden wir mithin, dass die reformatory schools viel mehr schwächliche Kinder beider Geschlechter aufweisen, als die übrige Bevölkerung gleichen Alters. Und halten wir die Berichte über beide Gruppen von Corrections- anstalten neben einander, so müssen wir zu den Schlüssen gelangen, dass das gesammte jugendliche Verbrecherthum eine viel grössere Sterblichkeit aufweist, als die übrige jugendliche Bevölkerung und dass daher die jugendlichen Missethäter im grossen Ganzen physisch entschieden ent- arteter sind, als die Gesammtbevölkerung. Die Sterblichkeitsziffern der Besserungsschüler sind nicht der einzige Beweis für die herabgekommeue Be- schaffenheit dieser Klasse von jugendlichen Missethätern. Wie bei den Arbeitsschulen können wir auch hier aus der Waisenstatistik mittelbare Schlüsse ziehen. Nach den amtlichen Berichten für die Jahre 1887—91 betrug der Jahresdurchschnitt der bei ihrer Aufnahme halb oder ganz verwaisten Besserungssehulkinder 33 vom Hundert; d. h. rund ein Drittel stammte ganz oder halb von früh enthält als die Gesammtbevölkerung. viele wichtige Folgerungen ableiten. verstorbenen Eltern. Man darf daher annehmen, dass ein sehr hoher Procentsatz von Insassen der reforma- tory schools väterlicher- oder mütterlicherseits von ent- arteter Abstammung ist, und die grosse Sterblichkeit in diesen Anstalten zeigt zur Genüge, dass in zahlreichen Fällen die körperlichen Schwächen und Gebrechen der Eltern sich auf die Kinder vererbt haben. .Soweit man nach dem vorhandenen Material be- urtheilen kann, gleichen die physischen Eigenschaften der jungen Gcfängnissliäftlingc so zicudich denen der IJcsse- rungsscluilbcvölkerung. Ich sell)st habe in einem Bericht, den ich im Aut'ti-ag eines amtlichen Gcfäiignissausschusscs über die socialen und physischen Verhältnisse von hundert 16- bis 18jährigen Sträflingen abfasste, nachgewiesen, dass deren Durchschnittsstatur um 1 — 2 Zoll gegen die der gleichalterigen städtischen Handwerker und um 3 bis 4 Zoll gegen die der gleichalterigen Gesammtjugend zurück war. Auch ihr Durchsehnitfsgewiclit blieb hinter dem- jenigen der städtischen sowohl wie der allgemeinen jugend- lichen Bevölkerung zurück. Ihre elterlichen Verhältnisse warfen ebenfalls Licht auf die Art ihrer Herkunft; nicht weniger als 32 vom Hundert waren halb oder ganz ver- waist. Wir finden also in den Gefängnissen nnd in beiden Gruppen der ßesserungsansfaltcn so ziemlich dieselben Thatsachen hinsichtlich der physischen Beschaffenheit der jugendlichen Verbrecherwelt, üeberall sehen wir, dass die jugendliche Bevölkerung dieser Anstalten im grossen Ganzen viel mehr geringerwerthiges, physisches Material Hieraus lassen sich Hier wollen wir uns jedoch auf eine einzige beschi'änken. Es liegt auf der Hand, dass die grossen körperlichen Mängel der jugendlichen Gefängnisshäftlinge deren Lauf- bahn als Arbeiter schädlich beeinfiussen müssen. All diese jungen Leute gehören einer Klasse an, die von ihrer Hände Arbeit lebt. Ihr ganzes Kapital besteht aus Knochen und Muskeln; besitzen sie hiervon zu wenig, so gleichen sie Ladeninhabern, die minderwerthige Waaren feilbieten. Die Kauflu.stigeu decken ihren Bedarf lieber anderswo. Obgleich kleine Statur und geringes Gewicht keineswegs sichere Beweise für physische Schwäche sind, so werden sie doch auf dem Arbeitsmarkt gewöhnlich für solche gehalten, sodass sie die Aussichten auf Erlangung von Beschäftigung häufig verschlechtern. Hat die natür- liche Zuchtwahl die Neigung, die Schwachen auszurotten, so hat die wirthschaftliche Auslese die Tendenz, die scheinbar oder wirklich Schwachen um Arbeit und daher Verdienst zu bringen. Eine der Folgen dieser gänzlichen oder theilweisen Ausschliessung ist, dass deren Opfer nie recht eigentlich zur Arbeiterarmee gehören, sondern nur an ihrem Saum schweben und sich mit den abfallenden Brosamen begnügen müssen. Bestenfalls fuhren sie ein sehr unsicheres Dasein, schlimmstenfalls bleiben sie voll- ständig ohne Arbeit. Unter solchen Umständen geräth eine physisch schwache, jugendliche Person leicht auf Abwege, auch wenn sie an sich nicht verbrecherisch ange- legt ist. Sie steht vor der Wahl, ein öffentlicher Almosen- empfänger oder ein Missethäter zu werden; zuweilen ent- scheidet sie sich für das eine, zuweilen für das andere, manchmal auch für eine Vereinigung von beiden. Nicht nur die Lehren der Statistik, sondern auch meine eignen umfassenden Erfahrungen haben mir seit vielen Jahren die Ueberzeugung beigebracht, dass zu den Hauptursachen einer verbrecherischen Lebensweise die schlechte Leibes- beschaä'enheit des Missethäters gehört. XIV. Nr. 2. Naturwisseuschaftlicbe Wochenschrift. 21 „Uiitersuchuiigen über die Veräiuleruiigeii, welclie die Respiratioiisoi§:ane der Säugethiere durcli die Anpassnus- an das Leben im Wasser erlitten haben'" ist eine Arbeit von Otto Jliiller betitelt (Jenaische Zeit- schrift für Naturwisseusehaften, herausgcf;. v. d. mediz.- naturwissenschai'ti. GescUsch. zu Jena. XXXII. Bd. N. F. XXV. Bd. 1. 11. 2. Heft.) Das Studium der Aupassungserscheinungen ist für die Staninicsgeschiehte von sehr grosser Bedeutung, nimmt das Interesse in hohem Grade in Anspruch und erfreut sieh einer gewissen Bevorzugung seitens der Forscl Von den Säugetliiereu, die bisher am wenigsten Beachtung gefunden liaben, sind insbesondere diejenigen Gegenstand die sich dem Leben vollisommen ange- üntersuchungen gewesen, weniger icr. eingeliender in dem Wasser mehr oder passt haben. Auch die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den hierher gehörigen Thieren und behandelt das Respiratioussystem und* besonders die Lungen hinsicht- lich ihrer Anpassung an das Wasserleben. Die Arbeit zerfällt in zwei Theile, von denen der erste die Unter- suchungen über die äussere Gestalt der Lungen, der zweite diejenigen über den ßronchialbaum enthält. Die gewonnenen Resultate sind etwa folgende, ^'on den unter dem Einfluss des Wasserlebens zu Stande kommenden Umformungen am Siuigethierkörper sind die der äusseren Gestalt am auffälligsten, indem an Stelle der für den Aufenthalt im Wasser unvortheilhaftesten Form der Landsängethierc eine zweckmässigere getreten ist, die sich mehr oder weniger — etwa entsprechend dem Grade der Anpassung der Thiere an das Wasserlebeu — der Spindelform nähert. Dieser Einfluss auf die äussere Körpergestalt konnte nicht ohne Folgen für das Skelett und die im Innern des Körpers befindlichen Organe sein. Der im Allgemeinen kielförmige Brustkorb der Land- sängethierc hat unter der Einwirkung des Wasserlebens eine ovale bis querovale Gestalt bekommen. Bei der Be- antwortung der Frage nach der Entstehung dieser Thorax- form bezieht sich Verf. auf eine Arbeit von Hasse (Ueber die Athmung, über den Bau der Lungen und über die Form des Brustkorbes bei dem Menschen und bei den Säugethiereu. Arch. f. Anat. u. Physiol. 1893). Danach verdankt der kielförmige Thorax seine Entstehung vor Allem „dem Druck des mit der aufgestützten und be- lasteten Extremität in Verbindung stehenden Schulter- gürtels", wobei der Muskelgürtel (muscul. pcctoral. und serrat.), in dem der Thorax gewissermaassen zwischen den vorderen Extremitäten hängt, begünstigend mitgewirkt hat. Es zeigt sich hierin der formbildende Einfluss, den die Körperlast auf den Aufhängeapparat ausübt, wofür auch dieses spricht, dass insbesondere bei denjenigen Thieren, die ein grosses Körpergewicht besitzen (Dick- häuter, Wiederkäuer, Raubthiere), die Kielform des Thorax am ausgeprägtesten ist und zwar speciell an dem Theil desselben, der zwischen dem Schultergürtel liegt. Die Runipfextremitätennuiskeln sollen nach Hasse auch für die Entstehung des abgeplatteten Thorax der thiere von bestimmendem Einfluss sein, und er darüber: „In dem Augenblicke, wo die Last des Körpers nicht mehr von der vorderen Extremität getragen wird, oder wo dieselbe nur zum geringen Theile oder nur zeit- weilig durch Aufstenmien auf den Boden von ihnen gestützt wird, in dem Augenblicke ferner, wo die hinteren Extremi- Wassersäuge- sagt Last voll oder zum Theil an die wo, wie beim Klettern, die Körperlast täten als Träger der Stelle treten, oder hauptsächlich von den vorderen Extremitäten getragen oder gar gehoben wird, oder wo das Wasser oder die Luft einen Theil der Körperlast tragen, da wan- delt sich unter dem Zuge der vorderen Rumpf- extremitätenmuskulatur und bei aufrecht stehenden Thieren zugleich unter dem Einfluss der Verlegung des Schwerpunktes und der Richtung der Schwerlinie der kielförmige in den fassförmigcn um." Wenngleich nun gerade bei den Wassersäugern „die vorderen Ex- tremitäten einem autfälligen Reductionsprocess unterliegen", und schliesslich nicht mehr als Bewegungsorgane, sondern nur noch als Steuer dienen, tritt doch ein Schwund der Rumpfextremitätenmuskeln, wie etwa zu vermuthen, nicht ein, indem dieselben jetzt ausschliesslich als Athmungs- muskeln funktioniren. Diesen Muskeln nun, wie Hasse, allein die Entstehung des fassförmigcn Brustkorbs zuzu- schreiben, nimmt Verf. Anstand und glaubt bestimmt, dass der Wasserdruck, dem der schwere Körper der Wasser- säuger ausgesetzt ist, und der gerade auf den dorso- ventralen Durchmesser desselben am stärksten wirkt, wenigstens von einiger Bedeutung dabei gewesen ist." Durch diese Umwandlung des Thorax hat der ganze Körper mehr eine torpedoartige Gestalt bekommen, die für das Schwimmen unter Wasser jedenfalls sehr vorthcil- haft i.st. Eine weitere auf die Anpassung an das Wasser- leben zurückzuführende Veränderung hat die Lage des Zwerchfells erfahren, iudem dasselbe eine sehr schräge, bisher bei keinem Landsäugethier beobachtete Stellung eingenommen hat, wie das z. B. bei dem sehr musku- lösen, kein Centrum tendineum zeigenden Diaphragma von Phocaeua communis Less der Fall ist. Für die Er- klärung dieser Erscheinung dürfte Folgendes in Betracht kommen. Bei Untersuchungen au Phocaena-Föten stellte sich heraus, dass au der Brustwirbelsäule ein übermässiges Wachsthum stattfand, während sich an dem Brustbein eine Verlangsamung des Wachsthums nachweisen Hess. Diese Befunde stimmten mit den an erwachsenen Thieren vorgenommeneu Messungen übereiu, und neben einer Ver- kürzung des Brustbeins und der Halswirbelsäule wurde auch eine Verkümmerung der ersten Brustwirbel consta- tirt — bei den Wirbeln höchst wahrscheinlich eine Wir- kung des während des Sehwimmens auf den Kopf aus- geübten und auf die Wirbelsäule übertragenen Wasser- druckes — , während die übrigen Brustwirbel sowohl wie auch ihre Zwischenwirbelscheiben an Dicke mehr und mehr zunehmen. Hinsichtlich der Brusthöhle ergab sich eine Verkürzung derselben auf der ventralen und eine Verlängerung auf derselben Seite, die in einem Fall von Phocaena im Verhältniss von 1 : 2,25 zu einander standen. Vergleicht man damit die auf Grund gleicher Messungen an Hunden und Katzen erhalteneu Resultate die ein Verhältniss von 1:1,29 rcsp. von 1:1,20—1,30 aufweisen, und berücksichtigt die Auheftungspunkte des Zwerchfells hier wie dort, dann ergiebt sich daraus für die Wassersäugetlriere die mehr oder weniger schräge Lage des Zwerchfells gegenüber der fast senkrechten Stellung desselben bei den auf dem Lande lebenden Carnivoren. Was das Herz anbetrilft, so hat sich dasselbe dem dorso-yentral abgeplatteten Thorax dadurch angepasst, dass es unter Verkürzung seiner Längsaxe zum Ausgleich an Umfang bedeutend zunahm, und steht mehr oder weniger senkrecht, auch ist es zu einer ansehnlichen Ver- wachsung des Zwerchfells mit dem Herzbeutel gekommen. So schwand schliesslich der Raum vor und hinter dem Herzen, und es resultirte ein einheitlicher Raum zur Auf- nahme der Lungen. Eine weitere Folge war nun, dass die Lungen in ihrem Bestreben, den ihnen gegebenen Spielraum auszufüllen, mit ihren Lappen an einander ge- drängt wurden und schliesslich mit einander verschmolzen. Dieser Process ist entsprechend der mehr oder weniger fortgeschrittenen Anpassung an das Wasserleben auch mehr oder weniger weit vor sich gegangen. Während die Lappen bei Hund und Katze ganz frei sind, sind sie 22 Naturwissenschaftliche Wocheuscbrift. XIV. Nr. 2. bei Enhydra bereits zum Theil verschmolzen, der un- paarige Lappen zeigt eine deutliche Verschmelzung mit dem hinteren Lappen der rechten Lunge, und der in dem hinteren Mittelt'ellraum zwischen Herz und Zwerchfell liegende Lobus infracardiacus ist verhältnissmässig klein. Auch die Athmung-smuskulatur hat Veränderungen er- fahren, indem ausser dem Zwerchfell — was schon vor- hin erwähnt wurde — auch die anderen bei der Inspira- tion mitbetheiligten Muskeln, jedoch in zu einander wechselndem \'erhältniss, an Stärke zugenommen haben, um den auf dem Thorax lastenden Wasserdruck über- winden zu können. Der Brustkorb ist beweglicher und erweiterungs- fähiger geworden. Die Ursache davon ist zunächst nur in einer Lockerung der Rippen hinsichtlich ihrer An- heftung an Brustbein und VVirbelsäule zu suchen, dann aber weiterhin in der allmählichen Loslösung der Rippen am vSternalrande, sodass z. B. bei den Zahnvvalcn 5 bis 4, bei den Sirenen 5, 4, bei Manatus sogar 3 und bei den Bartenwaleu schliesslich nur noch 1 Paar Rippen mit dem Brustbein in Verbindung steht. jMit der Loslösung der Rippen vom Brustbein geht eine Reduction der Sternal- rijipen vor sich und mit dieser Hand in Hand ein Sehwund des Brustbeins, von dem zunächst das Corpus verloren geht, während bei den Bartenwalen nur noch das Manu- brium erhalten ist, das hier mit der ersten Rippe im Zu- sammenhang steht. » Der Eiufluss der Anpassung an das Wasserleben geht bei den Lungen dabin, dass dieselben in Folge einer Zu- nahme der elastischen Elemente in ihrem Gewebe ausser- ordentlich elastisch wurden. Dadurch erlangten sie ein- mal die Fähigkeit, den Thoraxbewegungen zu folgen, dann aber eine grosse Festigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen den beim Tanchen in grosse Tiefen Seitens des flüssigen Elementes ausgeübten, hohen Druck. Ausser einer durch die Einwirkung des Wasser- druckes erklärbaren Abplattung des ausserhalb der Brust- höhle gelegenen Theils der Luftröhre ist ein Schwund des menibranösen Theils derselben, also ein Vollständig- werden der einzelnen Ringe zu beobachten, wodurch offenbar eine grössere Widerstandsfähigkeit der Luftröhre gegen höheren Druck erreicht wird. Ferner ist über eine Ver- kürzung der Luftröhre zu berichten. Die elastischen Membranen, die die Zwischenräume zwischen den Ringen ausfüllen, werden immer unscheinbarer, schwinden mehr und mehr, und schliesslich findet sogar einVerschmelzen der Ringe wie z.B. bei Enhydra, Phoca statt. Die Knorpel scheinen erst bei sehr weitgehender Verkürzung in Mitleidenschaft ge- zogen zu werden. Das bescmdcrs gut bei den Sirenen und Walen zu beobachtende Auftreten spiralig angeordneter Knorpelreifen ist wohl auch eine directe Anpassungs- erscheinung, die den Zweck hat, die Luftröhre und vor Allem die Bronchen gegen Druck widerstandsfähiger zu machen, sowie die Elasticität der Lungen zu erhöhen. Hinsichtlich des Bronchialbanms ergaben die Unter- suchungen, dass entsprechend der fortschreitenden An- passung an das Leben im Wasser die Ventralbronchen mehr und mehr zurückgeschoben werden, und dass im oberen Abschnitt der. Lungen an ihre Stelle die Dorsal- brouchen treten, welche sich in inmicr zunehmender Zahl über die ventralen Bronchen hinaus nach der Bifurcation zu, selbst bis auf die Trachea hinauf, begeben. Dem Schwinden des vorerwähnten Lobus infracardiacus der Lunge entspricht auch eine Verkümmerung und schliess- licher Schwund — z. B. bei den Walen — das Bronchus cardiacus. A. L. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Der Abtlieilinigs- Vorsteher am köuigli -lien Geotlätischen-Institiit in Potsdam Professor Dr.Theodor Albrecht zum Geheimen Kegierungs-Rath; der Privat- Doeent der Physik in Leipzig Dr. Otto Wiedeburg zum ausserordentlichen Pro- fessor; der ausserordentliche Professor der Astronomie in Bonn Dr. Sidler zum ordentlichen Professor. Berufen wurden: Der ausserordentliche Professor der Physik in Freiburg im Breisgau I>i-. Zehnder nacli Würzburg; Dr Witte aus Exin als Assistent an die Klinik für Hautkrankheiten in Breslau an Stelle des ausgeschiedenen Dr. Frickel. Abgelehnt hat: Der ordentliche Professor der Physik in Würzburg Dr. von Röntgen den Ruf nach Leipzig. Es starb: der englische Anatom Sir Thomas Janner. L i 1 1 e r a t u r. Dr. med. et phil. Ludwig ■Woltmann, Die Darwinsche Theorie und der Socialismus. Ein Beitrag zur Naturgescliichte der nuMischlicheii Gesellschaft. Hermann Michels Verlag in Düssel- dorf, 189;). — Preis 4 Mark. Eine dreifache Aufgabe — sagt Verf. — habe ich mir in diesem Buche gestellt: 1 eine litterarhistorische Uebersieht über die Problemstellung zu geben, wie bisher das Verhiiltniss des Darwinismus zum Socialismus aufgefasst worden ist; i. die all- gemeinen naturgesehiclitlichen Grundlagen der Social- und Ge- schichtswissenschaft zu entwickeln, und im Anschluss daran 3. das specielle Problem zu behandeln, ob die Darwinsche Theorie von der natürlichen Zuchtwahl im Kampf ums Dasein mit den historischen und wirthschaftlichen Lehren des modernen Socialismus harmonire oder nicht. Parteileidenschaft, Ignoranz und Klassonvorurtheil — heisst es weiter — haben im Laufe der dreissig Jahre, in welchen die allgemeine Ausbreitung darwinistischer und socialistischer Ge- danken stattgefunden hat, eine ruhige und tiefgehende theoretische Erörterung nur schwer aufkommen lassen. Hierfür aber die orien- tirenden (irundlagen zu schaffen, ist der Zweck dieses Buches. Das Buch ist zweifellos anregend, und man folgt dem in der Litteratur gut bewanderten Autor mit Interesse. Er ist der Meinung, dass sich die Darwinsche Lehre von der Wirkung des Kampfes ums Dasein beim Menschen in derselben principiellen Weise wie beim Tliiere auf ersteren keineswegs übertragen liesse ; vielmehr widerspräche das geschichtliche und gesellschaftliche Walten des Menschengeschlechtes den der biologischen Theorie entnommenen Folgerungen. Wenn Verf. Recht haben sollte, dass Militarismus und Capitalismus z. B. den Fortgang der materiellen und geistigen Cultur schwer schädigen, so folgt doch aber daraus durchaus nicht, dass nun nicht derselbe I\^anipf ums Dasein beim Menschengeschlecht wirke wie bei den anderen Organismen also in genau derselben Art und Weise, d. h. also, dass wenn ein Staat sich selbst durch „Capitalismus und Militarismus" zu Grunde richtet, dass dabei nicht ein anderes, dann also wohl „klügeres" Volk durch diesen Untergang einen wesentlichen Vortheil gewinnt. Aus edlen Strebungen eifert Verf. gegen die „Ungerechtigkeiten" der Menscheuwelt und findet daher die gegenwärtigen socialen Verhältnisse „unnatürlich"; hier können wir ihm nicht folgen, weil ihn die naturwissenschaftliche Methodik verlässt. Er wird das nicht zugeben, da in Fällen, in denen der Wunsch der Vater des Gedankens "ist, die Selbsterkenntniss getrübt ist. Ludwig Günther, Keplers Traum vom Mond, Mit dem Bildniss Keplers, dini Faksiinile-Titel der (.)riginalausgabc, 24 Te.\t-Abb. und 2 Tafeln B. G. Teubner in l^eipzig, 189«. Gleich hohes naturwissenschaftliches und culturgeschicht- liclies Interesse bietet die Beobachtung, wie sich epochemachende Entdeckungen oft in einem langen Zeiträume vorbereiten, und wie sie bedeutende Männer, ihrer Zeit vorauseilend, in ihien Grund- zügen gleichsam vorahnen, lange bevor sie in bestimmter Form ausgesprochen werden. Ein solcher Mann war auch Kepler. Das vorliegende Buch „Traum vom Monde", ist eine Ausgabe, die den unter der Einkleidung oft etwas versteckten Inhalt und die Be- deutung des Werkes klarlegt. Keplers Werk über die Astronomie des Mondes ist wohl die merkwürdigste Schrift aus der Refor- mationszeit dea- Sternkunde, gleich merkwürdig wegen ihres In- lialtes, wie wegen ihres Geschickes. Von besonderem Interesse sind einige Bemerkungen Keplers, die zeigen, dass er eine richtige Auffassung wichtiger naturwissenschaftlicher Probleme gehabt hat, deren streng wissenschaftliehe Begründung erst später ge- lungen ist. Hierfür seien zwei Beispiele angeführt. Nachdem die Mondreisenden unter mancherlei Beschwerden den Abgrund zwischen Erde und Mond auf einer aus dem Erd- schatten erbauten, schwerelosen Brücke überschritten, zeigt er uns XIV. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 M;in hat Erdo die zunächst den Fixsteruhimmel des Mondes, den wir verwundert mit ilem unsrip:en als völlig gleich erkennen. IVIit dieser Beinerkung, d:ias der Mund denselben Fixsternliiniinel habe, wie die Erde, nininit Kepler Gelegenheit, den Grundgedanken seines _Buclies, üei llteiKingelien. 3>im gdolf- gaiiQ ^irdibnil). 2,56 (Seiten Of= tili) ü 9J(., eleg. gebunben 6 IK. Ferd. Dümmlers Yerlagsbiich h andla ii g in B erlin SW. 12. Kritische Grundlegung der Ethik als positiver Wissenschaft von Dr. med. Wilhelm Stern, pract. Arzt in Berlin. 476 Seiten gr. 8". Preis 7,20 Mark. ■ ■■*'**'u. Bedarfsartikel. Xiir !.iolide Waaren. Silberne Medaillen : Berlin 1S96, Leipzig 1897. Stativ- und Hand-Apparate in grosser Auswahl. 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Bernstein, Berlin bW. 12. v^-^- ^c.^^""" Redaktion: ~f Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XIV. Band. Sonntag, den 15. Januar 1899. Nr. 3. Abonnement: Man ab niürt bei allen ßuclihan.Uungen uml l'ost- -r Inserate Die viergespaltene Petitzeile 40 ^. Grössere Aufträge ent- anstalten, wie bei der Exredition. Der Vierteljahrspreis ist .^^ 4.— j.ö sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. Postzeitungsliste Nr. 5198. jL bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdruck ist iinr mit vollständiger Quellenangabe gestattet. Künstliche Riechstoffe. Von Dr. H, Buss. Die meisten in tler Parfiiiiierie Ijis in die Neuzeit angewandten WohlgerücLo sind Erzcugnibsc der Natur, fast alle stammen direct oder indirect aus dem Ptlanzen- reiclie, nur wenige liefert uns das Thierreicb. Aus den Pflanzen wurden die Rieelistofi'e gewonnen, indem man die Blumen, Früchte, Blätter oder Wurzeln mit Wasser- danipf destillirfe, wobei sich das riechende Aroma im destillirten Wasser ansammelt, oder indem mau die Pflanzen- theile 24 — 48 Stunden mit warmem Fett stehen Hess. Das Fett nimmt das riechende Piineip der Ptlanze auf, dem Fett wird dasselbe durch Behandeln mit Alkohol wieder entzogen und der Alkohol abdestillirt, wobei der riechende Körper zurückbleibt. Bei dieser Herstellung der Riechstoffe kümmerte man sich um die chemische Natur der betreffenden Körper im Allgemeinen wenig. Nun ist aber nur in den allerwenigsten Fällen der riechende Körper in reinem Zustande in der Pflanze vorhanden, meistens sind noch andere Körper bei- gemengt, welche den Geruch mehr oder weniger günstig beeinflussen, und zwar hängt die Menge dieser Beimen- gungen von klimatischen und Bodenverhältnissen oft in bedeutendem Maasse ab. Oft ist sogar das wirklich riechende Princip nur in ganz verschwindend kleiner Menge vorhanden, alles andere sind werthlose Beimengungen. Die auf die oben beschriebene Weise aus den Pflanzen hergestellten natürlichen Parfüms waren somit keine einheitlichen Verbindungen, sondern Gemische von wechselnder Zusammensetzung, man war auf das ange- wiesen, was die Natur in den Pflanzenzellen aufgespeichert hatte. Oft zeigten die Parfüms verschiedener Jahrgänge bedeutende Unterschiede, wie wir dies bei den verschie- denen Jahrgängen derselben Weinsorte beobachten können. Erst als die Chemie die Natur der verschiedenen riechenden Substanzen feststellte und lehrte, wie man diesellien rein, frei von allen störenden Beimengungen darstellen kann, war die Industrie der Riechstofte in den Stand 'gesetzt. Pruducte zu liefern, ftir deren constante Eigenschaften sie garantieren konnte, wodurch der feinen Parfünieric gewiss ein grosser Dienst erwiesen worden ist. Der Rein- darstellung der Riechstoffe folgte dann ein eingehendes Studium über die Constitution derselben, und erst nach- dem die Körperklasse, in welclie der betreffende Riechstoff gehörte, ermittelt und seine Natur und Eigenschaften ge- nau festgestellt waren, konnten die Chemiker daran denken, den Bau dieser Körper in ihren Laboratorien ebenso genau auszuführen, wie es die Natur in den Zellen der Pflanzen gethan hat. Dass dies der Chemie bereits in so vielen Fällen ge- lungen ist, gehört wohl zu ihren schönsten Errungen- schaften. So hat sie festgestellt, was das riechende Princip der Veilchen, des Waldmeisters, der Vanille ist, und jetzt werden diese Stoffe, unabhängig von der Natur, in den chemischen Fabriken in grossem Maassstabe und so billig dargestellt, dass sie die natürlichen Riechstofte in den meisten Fällen zu verdrängen beginnen. Bei den künstlichen Riechstoffen sind von vornherein 2 Gruppen zu unterscheiden. Während die eine solche Substanzen umfasst, welche mit den in der Natur vor- kommenden und durch ihren Geruch ausgezeichneten Ver- bindungen identisch sind (Vanillin, Lumarin), wird die andere Gruppe durch solche Stoffe gebildet, welche den Naturproducten zufällig im Geruch ähneln, in chemischer Beziehung von diesem aber vollständig verschieden sind (Künstlicher Moschus). In chemischer Hinsicht sind es hauptsächlich die Körper- klassen der Aldehyde, Kelone, Säureester und Alkohole, welche uns die werthvollsten Riechstoffe liefern. Eine der wichtigsten zur ersten Gruppe gehörenden Riechstofte ist das Vanillin. Dieses ist das riechende Princip der Vanilleschotcn und (indet sich oft an der Oberfläche 26 Naturwissenscbaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 3. derselben in Form von weissen Nädelchen ausgewittert. Diesen kostbaren Stoff, der in der Vanille nur zu 1,5 bis 2,5 "/o enthalten ist, künstlich herzustellen, war für die Chemiker eine verlockentlc Aufgabe. Es ist das Ver- dienst des bekannten Prof. Tieniann in Berlin , das Vanillin als einen Abkömmling des Benzaldehyds_ nach- gewiesen und damit den Weg gezeigt zu haben, auf welchem dasselbe künstlich herzustellen sei. Die ältesten Methoden, aus Coniferiu, waren aber so kostspielig und umständlich, dass anfänglich ein Kilo Vanillin auf ca. 1000 Mark zu stehen kam. Erst nachdem man im Eugeuol dem Hauptbestandtheil des billigen Nelkenöls, einen Körper gefunden hatte, welcher in chemischer Beziehung dem Vanillin sehr nahe steht, war die Technik in die Lage versetzt, der natürlichen Vanille mit Erfolg Concurrenz zu machen. Das Eugenol ist dem Vanillin schon sehr nahe verwandt, es enthält einzig an Stelle der Aldeliyd- gruppe des Vanillins einen Kohlenwasserstoffrest. Um das Eugenol in Vanillin zu verwandeln, wird dasselbe durch alkalische Mittel zunächst in das isomere Isoengeuol übergeführt, wodurch die Kohlenwasserstottgru|ipe für Oxy- dationsmittel leichter angreifliar wird. Durch Sauerstoff abgebende Mittel gelingt es dann, diesen Kohlenwasser- stoffrest abzubauen und in die Aldeliydgrup|)e über- zuführen. Die hierzu führenden Methoden sind nun be- reits so vereinfacht worden, dass jetzt das Kilo Vanillin nur noch 100 Mark kostet. Es kommt in Form von kleinen, weissen Nüdelclien in den Handel und ist bereits ein vielbegehrter Artikel geworden, so dass der Vanille- plantagenbau wohl bald als uulohuend wird aufgegeben werden müssen. Ausser Vanillin weist die Körpcrklasse der Aldehyde noch zahlreiche andere Rieciistoffe auf. Ihr einfachster Kepräsentant ist der BenzaJdehyd, welcher der Hauptbestandtheil des Bittermandelöls ist und zum Parfümiren von Seiten Verwendung tindet. In der Technik wird er aus dem im Steinkohlentheer enthaltenen Toluol dargestellt und kommt zum Preise von ca. 4 Mark pro Kilo in den Handel, sodass das 10 Mal theurere Naturproduet nur in wenigen Ausnahmefällen damit zu concurriren vermag. Ehe man die fabrikmässige Dar- stellung des Benzaldeliyds (künstliches Bittermandelöl) gefunden hatte, wurde als Ersatz für Bittermandelöl das sogenannte Mirbanöl oder Nitrobenzol verwendet, welches durch Einwirkung von Salpetersäure auf Benzol entsteht. Immerhin besitzt das Mirbanöl einen gewissen Neben- gerucli, der dasselbe von dem echten Bittermandelöl unter- scheidet, was bei dem künstlichen Bittermandelöl nicht der Fall ist. Aus Benzaldehyd und dem aus Spiritus bereiteten Acetaldehyd wird ferner der im Zimmt oder Cassiaöl vorkommende Zimmtaldehyd dargestellt. Auch hier beginnt das künstliche, chemisch reine Product, die in ihrem Gehalt schwankenden, natürlichen Oele in der Par- fümerie zu verdrängen. Ein dem Vanillin sehr nahestehender, ebenfalls zur Gruppe der Aldehyde gehörender Körper ist das Piperonal oder Heliotropin, welches in seinem Geruch an die Blüthen des Heliotrops erinnert. In den Pflanzen selbst ist aber das Pijieronal bisher nicht gefunden worden. Es wird aus einem billigen ätherischen Oel, dem Safrol (Shikimol) dargestellt, welches zum Heliotropin im gleichen Verhältniss stellt, wie das Eugenol zum Vanillin. Das Safrol wird zunächst durch alkalische Mittel in das isomere IsosafroP übergeführt und dann durch Behandeln mit Natriumbichromat und Schwefelsäure zu Heliotropin oxy- dirt. Es kommt in Form von weissen Krystallen in den Handel und wird zum Parfümiren von Seifen und über- haupt als Parfüm verwendet. Es wurde von der Firma Schiunuel & Co. in Leipzig im Jahre 1881 mit dem Preise von 1950 Mark pro Kilo in den Handel gebiacht, sein Preisrückgang auf 30 Mark pro Kilo dürfte wohl beisi)iellos dastehen, ist aber zu- gleich auch ein glänzender Beweis für die Fortschritte, welche Wissenschaft und Technik in den letzten Jahren gemacht haben. An dieser Stelle sei auch des Cumarins gedacht, welches zwar selbst kein jVIdehyd ist, aber aus dem dem Benzaldehyd nahestehenden Salicylaldehyd und essig- saurem Natrium und Eisessig dargestellt wird. Das Cumarin ist das rieeiiende Princip des Waldmeisters, ist auch sonst noch in der Natur sehr verbreitet und bei den Parl'ümcrien hauptsächlich darum sehr beliebt, weil es im Gemisch mit anderen Riechstoffen dieselt)en zu einem iiar- monisclien Ganzen vereinigt. Früher wurde es aus den Tonkabohnen bereitet, jetzt hat das synthetische Product, welches aucli in der Schnupftabakfabrikation Verwendung findet, das natürliche vollkonunen verdrängt. Es kommt als weisses, krystallinisches Pulver in den Handel. 1kg Cumarin verkörpert das Aroma von ca. ßO kg Tonkabohnen. Während die bisher erwähnten Aldehyde alle der aromatischen Reihe angehören, ist das Citral den Fett- körpern zuzuzählen. Das Citral, auch Geraniol genannt, ist der Hauptbestandtheil des Citronenöls und wurde bis- her hauptsächlich zur Darstellung von Limonaden, Li- queuren etc. verwendet. Seit dem Jahre 1893 hat es jedoch eine andere, viel wichtigere Verwendung gefunden, indem es zur Fabrikation des Jonons, des künstlichen Veilchenparfüms, angewendet wird. Auch hier ist es wieder Prof. Tiemann,' dem wir die Herstellung des Jonons verdanken. Das Aroma der Veilchen ist in diesem selbst, sowie auch in der sogenannten Veilchenwurzei, nur in ganz ver- schwindend kleiner Menge vorhanden. Um dasselbe daraus zu isoliren, reichten die Ilülfsmittel eines gewöhn- lichen wissenschaftlichen Laboratoriums nicht aus, des- halb verlegte Prof. Tiemann seine Arbeiten in die Werk- stätten der Firma Haarmann & Reimer in Holzminden, wo es ihm ermöglicht war, seine Versuche im grössten Maassstabe durchzuführen. Seine Arbeiten waren von Erfolg gekrönt, es gelang ihm, die chemische Natur des riechenden Princips der Veilchen festzustellen, und be- nannte diesen Körper Iron. Die bei diesen Versuchen gemachten Beobachtungen veranlassten ihn dann, die künstliche Darstellung des Körpers unter Anwendung von Citral zu versuchen. Durch Einwirkung von Aceton auf Citral bei Gegenwart alkalischer Mittel entsteht zunächst das sogenannte Pseudoionon, welches durch Behandeln mit verdünnten Säuren in das Jonon übergeht. Das Jonon ist mit dem in den natürlichen Veilchen vorkommenden Iron zwar nicht identisch, besitzt aber in genügender Ver- dünnung mit Alkohol einen ausgesprochenen Veilchen- geruch und ist deshalb wohl befähigt, das natürliche Veiichenparfüm zu ersetzen. Seine Darstellung erfordert grosse Vorsicht, indem schon ganz geringe Verunreini- gungen genügen, ihm einen unangenehmen Beigeruch zu verleihen. Im reinen Zustande riecht aber das Jonon selbst nicht nach Veilchen, sondern nach Cederuholz, er.st in grosser Verdünnung, z. B. 1 g Jonon in 1000 g Fein- sprit gelöst, kommt der Veilchcngeruch zum Vorschein. Es ist jedoch irrthümlich, zu glauben, eine solche alko- holische Jononlösung stelle nun schon ein fertiges Veilchen- parfüm vor, erst durch Zusatz einer minimalen Menge Moschus oder anderer Riechstoife tritt der wirkliche Obschon 1 kg 10 "/oi&ei' Jonon- Blumengeruch hervor. lösung von feinster (Qualität jetzt noch 1000 Mark kostet, so beginnt es doch schon den natürlichen Veilchenextrakts ernsthafte Concurrenz zu machen. XIV. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 Eine grosse Anzahl der kiiustliclien Riechstoflfe ge- hört in tue Klasse der Siiureäther, welche durch Ver- einigung einer Säure, mit einem Alkohol leicht zu er- halten sind. Die Blume des Weines, der Wohlgesehniack vieler Früchte ist durch einen winzigen Gehalt an solchen Aethern bedingt. Die im Handel unter dem Namen Fruchtäther bekannten Substanzen , welche zur Fabrikation von Li(]ueuren, Bonbons, Parfüms etc. Verwendung finden, sind zwar nicht innner identisch mit dem Aroma der Früchte, deren Namen sie fragen, gehören aber chemisch doch in die gleiche Klasse wie jene natürlichen Riech- stotfe und können deshalb zum Ersatz derselben benützt werden. Der sogenannte Birnäther wird z. B. aus Essig- säure und dem uliclriechenden Amylalkohol bei'eitet, in- dem man diese beiden Substanzen mit etwas Salz- oder Schwefelsäure behandelt, wobei unter Wasseraustritt die Verbindung zum Essigsäureamylester zusammentritt. Die Ananasessenz ist Buttersäureäthylester und wird in analoger Weise aus gewöhnlichem Alkohol und Bnttersäure dargestellt, die sogenannte Ae j)felessenz enthält als Componenteu einerseits Amylalkohol, anderer- seits Baldriansäurc. In der Parfümerie- und Seifenfabrikation vielfach verwendet wird das Wintergree noel (Birkcnöl), welches aus den Blättern von Gautheria procumbeus, einer nord- amerikanischeu PHanze, gewonnen wird. Der Haupt- biestandtheil dieses Oeles und auch der Träger des Geruchs ist Salicj'lsäuremethylester, welcher leicht durch Verunreinigung von Salicylsäure und Mcthylalkohc^ unter Austritt von Wasser entsteht. Beide Componenten werden technisch in grösstem Maassstabe dargestellt. Ausgangs- material für die Salicylsäure ist die im Steinkohlentheer enthaltene Carbolsäure, welche durch Einwirkung von Kohlensäure in die Salicylsäure ul>ergeführt werden kann. Der Methylalkohol oder Holzgeist entsteht bei der Destilla- tion gewisser Holzsorten, besonders des Buchenholzes, in reichlicher Menge. Die Darstellung des Salicylsäure- methylesters bietet technisch keine Schwierigkeiten mehr dar, der Preis dieses künstlichen Productes beträgt etwa Va des natürliclien, sodass letzteres immer mehr aus dem Handel verschwindet. Auch der Benzolsäuremethylesler findet in der Seifen- fabrikation eine ausgedehnte Verwendung (Niobe-Oel). Ein in vielen ätherischen Oelen sich vorfindender esterartiger Körper ist das Linalylacetat. Der Werth von Bergamott und Lavendelöl wird durch den Gehalt au diesem Ester bedingt. Da die Menge desselben in den verschiedenen Gelen eine sehwankende ist, so entstehen hieraus für den Parfümeur, der sich derselben zur Dar- stellung seines Parfüms bedient, viele Unannehmlichkeiten. Erst in neuester Zeit ist es nun« gelungen, auch den hier- zu gehörenden alkoholartigcn Körper, das Linalol, zu synthetisiren. Dieses wird dann in den Essigsäureester übergeführt und kommt als chemisch reines Product unter dem Namen Berganiiol in den Handel. Dem Linalol nahe verwandt ist der Hauptbestandtheil des Rosenöls, das Geraniol, welches ein c(miplicirt zusammengesetzter Alkohol ist und in freiem Zustand sowohl, als auch in Form seiner Ester, in vielen ätherischen ( )elen sich vorfindet. Die Hauptbestandtheile der flüssigen Theile des Rosenöls sind ca. 70 7o Geraniol und ca. 20 "/o Citronellol. Um reines Geraniol zu gewinnen, benutzt man seine Eigen- schaft, sich mit Chlorcalcium zu einer festen Verbindung zu vereinigen. Diese Chlorcalciuniverbindung wird mit Aether gewaschen, wodurch die Verunreinigungen ent- fernt werden und dann mit Wasser zersetzt, wobei sich das Geraniol wieder abscheidet, welches dann destillirt wird. — An dieser Stelle sei auch des Terpentinöls ge- dacht, welches, ebenfalls ein alkoholartigcr Körper, sich in \ersehiedenen ätherischen Gelen in geringer Menge vorfindet und wegen seines angenehmen, an Flieder erinnernden Geruches sehr geschätzt wird. Es kann aus dem gewöhn- lichen Terpentinöl durch Behandeln mit verdünnten Säuren dargestellt werden, und da 1 Kilo Terpentinöl nur 10 Mark kostet, so hat es in der Parfümerie eine ausgedehnte Ver- wendung gefunden. In der Seifen -Fabrikation viel verwendet werden ferner der fi-Naphfolmcthyl und ß-Naphtolmethyläther, bekannt unter dem Namen Nerolin und für billige Seifen hauptsächlich der Anisaldchyd oder Aubepine. Wie schon eingangs erwähnt, ist es hauptsächlich das Pflanzenreich, welches uns Riechstoffe liefert. Die Zahl der Riechstoffe, welche uns im Thierreich entgegentritt, ist eine sehr kleine, die chemische Natur dieser Körper ist bis jetzt noch meistens unbekannt. Ihr wichtigster Repräsentant ist der Moschus. Der natürliche ^Moschus stanmit von dem Moschusthier, welches aus einer Drüse, dem Moschusbeutel, eine durchdringend riechende Substanz von salbenartiger Beschaffenheit, den Moschus, absondert. Das Innere dieses Beutels ist unregelmässig von feinen Häutchen durchzogen, zwischen denen sich der im frischen Zustande weiche, durch Austrocknen zu einer krümm- lichen Masse oder einem rundlichen Klümpchen gewordene Moschus befindet. üeber die ehemische Natur des in diesem Moschus enthalteneu Riechstoffes herrscht noch völliges Dunkel, doch steht so viel fest, dass der künstliche Moschus mit demselben weder identisch noch ehemisch verwandt ist, sondern ihm nur im Geruch ähnlich ist. Durch Einwirkung von Isobutylchlorid auf Toluol entsteht ein Kohlenwasser- stofT, welcher durch Salpetersäure in ein Trinitroderivat ül)ergefuhrt werden kann. Diese Verbindung, welche einen intensiven Mosehusgeruch besitzt, kommt in Form eines weissen' Pulvers in den Handel. In Mühlhausen, wo der künstliche Moschus in den chemischen Fabriken dargestellt wird, kann man den Moschusgeruch schon in weiter Entfernung von der Fabrik erkennen. Ein anderer Riechstoff thierischen Ursprungs ist die Ambra, welche man in der Nähe von Madagascar, Surinam, Japan auf dem j\leere schwimmend findet. In- dessen findet man die Ambra auch öfters im Darmkanal des Pottfisches, unter Umständen, welche es wahrschein- lich machen, dass sie ein krankhaftes Product sei. Frische Ambra besitzt einen ' hatte schon Tangl mit Recht auf einen plasniatischen Zusammenhang der Zellen geschlossen, der den Reiz von Zelle zu Zelle vermitteln müsse; — dies erscheint um so wichtiger, als alle physi- kalischen zumal mechanischen Erklärungsversuche, vyic bei fast allen zcUphysiologischen Vorgängen, bisher er- folglos waren und daher auch diese Erscheinung den Reizwirkungen unterzuordnen ist. W. Magnus. K(»lifiiugeii bei den Muscheln. — In den Lehr- büchern der Zoologie findet sieh meist die Angabe, dass die Lamcllibranchier keine Kopfaugen besässen, nur wenige Arten, z. B. Pecten, hätten am Mantelsaume eine Reihe kleiner Augen. Genauere Untersuchungen der Thiere haben jedoch gezeigt, dass einige Gattungen der Muscheln Kopfaugen besitzen. In der neuesten Zeit hat Prof. Dr. Paul Pelseneer aus Gent in der zoologischen Station zu Wimcreux (Pas-de-Calais) Studien über diesen Gegen- stand gemacht; er berichtet darüber in den „Coniptcs rendus de l'Acad. des Sc." 1898, IL, S. 735. Bei den meisten Gattungen der Mytiliden, bei Mytilus, Lithodonius und Modiolaria sowie bei der benachbarten Gattung Avicula s. Str., mit Ausschluss von Meleagrina, finden sich bei den erwachsenen Thieren zwei deutliche und wohl ausgebildete Kopfaugen; sie bestehen aus einem Grübchen mit pigmeutirter Wand nebst einem Krystallkörper und nehmen so bezüglich ihrer Structur eine Mittelstellung ein zwischen den Augen der Schneckengattungen Trochus und Patella. Diese Kopfaugen finden sich ausser bei den erwachsenen Thieren auch bei den Larven, aber erst dann, wenn sich die ersten Kiemenfäden gebildet haben. Sie liegen an der Basis und auf der Achsenfläclie des ersten Fädchens der inneren Kiemeulamelle und werden von dem Cerebralganglion aus innervirt. Bei den Larven liegen sie aussen am Hinterrande des Velum; dadurch erseheinen sie den Larvenaugen der Käferschnecken, Chiton, homolog, welche ebenfalls ausserhalb des Velum liegen, aber nicht den Kopfaugen der Gastropoden, welche innerhalb des Velarfeldes entstehen. S. Seh. Ein neuer eiweissartiger Bestandtheil der Milch betitelt sich eine Arbeit von A. Wr()blewski (Anzeiger der Akademie d. Wissensch. in Krakau, October LS98). Vor einigen Jahren hatte Verf. in der Frauenmilch einen Proteinstoflf von der Zusammensetzung CisoHofloNjgPSgOga gefunden, der aus den Mutterlaugen der Essigsäurefüllung des Frauencaseins durch Auslaugen mit Kochsalz erhalten worden war. Bei näherer Prüfung des Körpers auf seine chemischen Eigenschaften efgab sieh, dass derselbe auch nach dem Kochen mit Salzsäure Fehlingsche Lösung nicht reducirte, dass er bei der Pepsin vei'dauung Pseudonuele'in nicht abspaltete, dass ferner zur Lösung von 1 g des- selben 121,3 com 7ioo N.-Natronlauge — also mehr als zur Sättigung des Frauencaseins erforderlich ist — und Ver- dauungssalzsäure 5 ccm verbi-aucht wurden. Ausserdem gab der Körper die bekannten Eiweissreactionen, so die Biuret-, Millon-, Xanthoprotein- und auch die Adamkiewiezsehe Reaetion. Abspaltbarer Schwefel war nur sehr wenig vorhanden. Gleiche Untersuchungen wurden nun vom Verf. neuerdings, ausser mit Frauenmilch, noch mit Kuh- und Stutenmilch ausgeführt, und es stellte sich dabei heraus, dass in den Mutterlaugen der Essigsäurefäliung der drei entsprechenden Caseüie ein von den Cascinen verschiedener Stoff und zwar in den Mutterlaugen der Frauenmilch in grösserer, in denjenigen der Stutenmilch in geringerer und in denjenigen der Kuhmilch in sehr kleiner Menge vor- handen war. Verf. hält es für wahrscheinlich, dass es sich hierbei um drei verschiedene, wenn auch einander ähnliche Stoffe handelt, aber da die speeifischen Unter- schiede noch nicht genügend festgestellt sind und alle drei Körper dadurch charakterisirt sind, dass ihre Lösungen opalisiren, vorläufig für angebracht, von einem Mutter- laugenkörper zu reden und giebt demselben den Namen Opalisin. Die weiteren Ausführungen sind im Wesentlichen für den Praktiker von Interesse, so dass eine Wiedergabe derselben erlässlich erscheint. A. L. Camerer und Soeldner kommen in ihrer Arbeit „Die Bestaiidtheile der Frauenmilch und Kuhmilch" (Zeitschrift für Biologie 1898) zu dem Resultat, dass in Frauenmilch von dem, was E. Pfeiffer nach seinen Unter- suchungen für Eiweiss hält, nur ungefähr 60% Eiweiss- stoffe, 40% aber unbekannte, zum Theil stickstoffhaltige Substanzen sind, dass ferner im Durchschnitt 11 rag Stick- stoff in 100 g Frauenmilch an sogenannte Abfallstoflfe d. h. Hornstoff und Ammoniak gebunden sind, von dem übrigen in dieser Milch vorhandenen Stickstoff höchstens 88% f^c^ Eiweissstoft'en, 12 7o anderen, unbekannten Stoffen angehören. Bei Kuhmilch kamen bei 100 g Milch 18 mg Stickstoff an Abfallstoflfe gebunden vor, während von dem restirenden Stickstoff 98 7o auf Eiweissstoflie und nur 27o auf die unbekannten Substanzen fielen. Weiter ergiebt sich, dass diese in der Frauenmilch vorhandenen, unbekannten Stoffe, sobald sie sämmtlich stickstofifhaltig sind, erheblieh weniger Stickstoff besitzen als Eiweissstoff'e, dass sie aber auch ein Gemisch von stickstoffhaltigen und stickstofffreien Substanzen sein können. Verschiedene mit frischer Frauen- und Kuhmilch (durch Erhitzen mit ver- dünnter Salzsäure) angestellte Inversionsversuche lieferten das Resultat, dass darnach nicht mehr Fehliug- oder Wismuthlösung reducirendes, Kohlenbydrat vorhanden war, als die Milch vor der Inversion besass. A. L. Wetter-Monatsübersicht. (December.) — Häufige, schwere Stürme, ziemlich trübe und sehr feuchte Witterung, besonders aber eine für die Jahreszeit ganz ungewöhnliche Wärme, das waren die Eigenschaften, welche der grösste Theil des vergangenen December aufwies. Wie aus umstehen- der Zeichnung ersichtlich ist, war Norddeutschland bis zum 20. December völlig frostfrei; nur in der Nacht zum 16. gingen die Temperaturen im Osten tief unter den Gefrierpunkt herab, um aber schon im Laufe des Tages wieder beträchtlich anzusteigen. Zwischen dem 21. und 26. schwankte das Thermometer vielfach um den Gefrier- punkt herum, hielt sich jedoch in den nächsten Tagen dauernd mehrere Grade über demselben. Auch für das Monatsmittel ergaben sich dementsprechend um durch- schnittlich 4 Grad zu hohe Temperaturen. Beispielsweise betrug zu Berlin die Mittelteniperatur 4,4° C, während hier 0,7° normal ist und auch der ebenfalls recht milde December 1897 nur 2,2° Wärme hatte, und man muss volle 30 Jahre zurückgehen, um zu einem noch höheren Mittelwerthe, nämlich 4,7° im December 1868 zu gelangen. Dabei waren übrigens die Strahlungs- verhältnisse nicht viel anders, als sie im Monat mit den kürzesten Tagen zu sein pflegen; so wurden in Berlin diesmal 46 und im Durchschnitt der letzten 6 Jahre 36 Stunden mit Sonnenschein gemessen, und es fehlte auch nicht, besonders am Anfang und gegen Ende des Monats, an einigen sternenhellen Nächten. Die anhaltende und ziemlich gleichmässige Wärme brachten vielmehr die west- lichen Winde mit sich, welche während eines grossen Theiles des December in ausserordentlicher Stärke über Norddeutschland hinbrausten. 30 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 3. Viel geringer im Durchschnitt des Monats war der Wärme überschuss in Süddeutschland. Schon am Anfange desselben kamen dort häufige, leichte Nachtfröste vor, doch vom 22. bis 26. blieben die Temperaturen dauernd unter Null, in Bayern und Württemberg gab es um die I nr T«inpeJLcm6cr 1898. «■aaa Tägliches Maximum, liaMinitnuin. 8Ühr- "^A ,1.0m. Ohr Morgens, 1838. 6. f1. .. 8 Uhr Morgens, normal. .lOei 6. ■"• 16. 21. 26. 3/ I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I e, — 10» Zeit des Weihnaehtsfcstes 10° Kälte und darüber; in der Nacht zum 26. brachte es München bis auf - 14°, dann aber stiegen die Temiicraturen mit grosser Ge- schwindigkeit und erreichten am 2%. Mittags im Mittel 6° C. nr I = .. I "^^ Mimerer Wer* für V\ I I I I I rTT T 1-10. Dezember. Hnlli^ WkA ^ 121- 28. Dezember. S£i mmA Deutschland. Monafssummen im Oeifrnber 1898 97 S6 35 St 33. 1 L J 1 . CAS Wie es bei Westwinden die Regel ist, waren auch im letzten December die Niederschläge in Deutschland sehr zahlreich und oftmals ergiebig. Ihre Monats- summe, welche sich für den Durchschnitt der berichtenden Stationen auf 51,0 Millimeter beziftert, übertraf nach der beistehenden Darstellung die entsprechenden Werthe jedes der fünf letzten Decembermonate mit Ausnahme des ausserordentlich nassen December 1895. In den ersten Tagen des Monats gingen besonders an der westlichen Hälfte der Küste sehr grosse Regenmengen nieder. Während dieselben dann liier allmählich abnahmen, verbreiteten sie sie!) bis zum 20. über ganz Norddeutschland. Mehr- mals, namentlich vom 2. zum 3., fielen sie an der Küste in Begleitung von Gewittern und nicht selten traten dort Hagel- oder Graupelschauer aut. Jedoch fast nur in den Tagen vom 15. bis 17. und später vom 20. bis 22. December fanden Schneefälle statt, an den ersteren im Gebiete der Ostsee sogar heftige Schneegestöber, ohne jedoch eine dauernde Schneedecke zu hinterlassen. Seit dem 21. verminderten sich die Niederschläge und namentlich zeichneten sich die beinahe in ganz Deutschland trockenes Wetter aus. Aber in den letzten des Monats traten in den meisten Gegenden neue sehr beträchtlich, Weihnachtstage durch Tagen Regentälle auf, welche, wie zu Beginn desselben, an der Nordseeküste ziemiicli ergiebig waren. Nicht allein in Deutsehland, sondern in der ganzen nordwestlichen Hälfte von Europa kamen im Laufe des December äusserst zahlreiche und ungewöhnlich heftige Weststürme vor, welche durch eine Reihe tiefer Barometerdei)ressionen, die von den britischen Inseln über Seandinavien nach Nordrussland zogen, veranlasst wurden. Während man einen Wind bereits als stürmisch bezeichnet, wenn seine Geschwindigkeit nur 16 Meter in der Secnnde überschreitet, erreichte am Abende des 2. De- cember die Windgeschwindigkeit in Hamburg 27 und in Kopenhagen 29 Meter in der Seeunde. Von Spanien und dem biscayischen Meere her rückten wiederholentlich barometrische Maxima nach dem mitteleuropäischen Fest- lande vor, wurden jedoch inmier bald durch neue De- pressionen nach Süden zurückgedrängt. Erst am 22. gelang es einem von Irland gekommenen, hohen Maximum, für mehrere Tage in Mitteleuropa festen Fuss zu fassen, wo daher ruhiges und ziemlich trockenes Wetter mit grössten- tlieiis nebeligen Nächten, aber sonnigen Tagen eintrat und so lange andauerte, bis abermals sehr tiefe Baronietcr- minima vom atlantischen Ocean erschienen, welche diesmal hauptsächlich die britischen Inseln mit furchtbaren Orkanen heimsuchten. Dr. E. Less. Kritik der Falb'schen Witterungsprognose für December. Prognose: „1. bis 4. December: Es bleibt ziemlich trocken und kühl. Schneefälle dürften kaum eintreten." Wirklicher Verlauf: Sehr unruhiges, regnerisches und recht warmes Wetter mit Stürmen und Gewittern. — Prognose: „5. bis 9. December. Die Temperatur steigt etwas über das Mittel. Vereinzelt treten schwache Regen ein. Die Schnee fälle sind selten und unbedeutend." Wirklicher Verlauf: Ein wenig kühler. Fortdauer der ziemlich ergiebigen Regen- fälle. — Prognose: „10.-12. December. Es wird sehr trocken und kalt. Die Temperatur sinkt bedeutend unter das Mittel." Wirklicher Verlauf : Es wird noch etwas wärmer und regnerischer. Die Temperatur steht sehr hoch über dem Mittel. — Prognose: „13. bis 16. December. Es treten ausgebreitete und ziemlich ergiebige Regen- und Schneefälle ein. Die Temperatur steigt fast allgemein bedeutend über das Mittel." — Wirklicher Verlauf: Sinken der Temperatur. Fortdauer der Niederschläge, vereinzelt Schnee. — Prognose: „17. bis 24. December. Regen- und Schneefälle dauern in etwas vermindertem Maasse noch fort. Die Temperatur hält sich noch bedeutend über dem Mittel." Wirklicher Verlauf: Prognose bis 20. De- cember zutreflfend, dann fast gänzliches Nachlassen der Niederschläge und Sinken der Temperatur. — Prognose: „25. bis 27. December. Die Temperatur geht zurück und XIV. Nr. 3. Naturwissenachaftliche Wochenschrift. 31 hält sich dann nahe dem Mittel. Es wird trocken, jedoch nur vorübergehend." Wirklicher Verlauf: Die Temperatur hält sich auf dem seit dem 21. eingenommenen Stand (in Norddeutsciiland normal, in Süddeutschland stark unter- normal). Es bleibt nahezu trocken. — Prognose: „28 bis 31. December. Es treten ausgebreitete Niederschläge, meist in Form von starken Schneefällen ein. Die stärksten dieses Winters." Wirklicher Verlauf: Erneute, starke Er- wärnnuig. Wiederbeginn der Regenfälle. Schnee fällt nirgends. Der Misserfolg der Prognose, zumal für die erste Monatshälfte, ist eklatant. Um aber die Falb'sche Prophe- zeiung für den letzten Monat des .Jahres 1898 erst ins rechte Licht zu setzen, vergleiche man die obigen Auslassungen des Dr. Less über die thatsächliche Witterung des De- cember mit der folgenden Falb'scheu „allgemeinen Cha- rakteristik" des Monats: „Die erste Hälfte dieses Monats bleibt, wie der vorige, trocken. Niederschläge sind nur für Frankreich und Oesterreich wahrscheinlich. Die Tempe- ratur ist in der ersten Hälfte im Ganzen als kalt zu be- zeichnen und sinkt wiederholt bedeutend unter das Mittel. In der zweiten Hälfte treten wiederholt nicht unbedeutende Niederschläge und recht zahlreich verbreitete Schneefälle ein. Die Temperatur ist in dieser Periode theils normal, theils steigt sie recht erheblich über das Mittel." H. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Eniannt wurden: Der ordentliclie Professor der Physiologie in Berlin Dr. Wilhelm Engelm;inu zum Geheimen Medicinal- Rath; diu ordentlichen Professoren in den medicinischen Facul- täten zu Greifswald bezw. Hallo Dr. Hugo Schulz und Dr Julius Bernstein zu Geheimen Mediciiial-Räthen; der Biblio- thekar Professor Dr. Jakob Wille in Heidelberg zum Honorar- Professor; der Privat-Doceut der Pilzkunde an der technischen Hochschule in Hannover K. Wehmer zum Professor; der Pro- fessor für Thierzucht an der thierärztlichen Hochschule in Han- nover H. K aise r zum ausserordentlichen Mitglied der technischen Deputation für das Veterinärwesen ; die ausserordentlichen Pro- fessoren für Nervenkrankheiten bezw. Pathologie und Histologie H. Obersteiner und R. Paltauf in Wien zu ordentlichen Pro- fessoren; der Privat-Doeent für Physik und Mechanik in Agram V. Varicak zum ausserordentlichen Professor; der Privat-Doeent der Anatomie in Bern R W. Zimmermann zum ausserordentlichen Professor; Dr, E. de Marignac in Genf zum Docenten für Hygiene. Berufen wurden: Der ordentliche Professor der Physik in Strassburg Dr. Braun nach Leipzig; der ausserordentliche Pro- fessor der Geographie in Tübingen Dr. Alfred Hettner nach Heidelberg unter Ablehnung des Rufes nach Würzburg; der Docent der Thierheilkunde in Dresden Dr. August Eber als ausser- ordentlicher Professor nach Leipzig; der Director der Heilanstalten in Görbersdorf Dr. Robert als ordentlicher Professor der Phar- makologie nach Rostock. In den Ruhestand tritt: Der ordentliche Professor der Pharmakologie in Rostock Dr. Nasse. Es starben: Geheimer Medicinal-Rath Dr. Ludwig Boehm in Berlin; der Pathologe A. A. Kanthack in Cambridge; der Professor der biologischen Chemie in Genf Denys Monnier. L 1 1 1 e r a t u r. H. Majlert, £s8ai sur les elements de la Hecanique des par- ticules. I. partie statiijue particulaire avec 14 planches. Gau- thier-Villars & fils in Neuchatel-l-'aris 1897. In dem vorliegendem Werke wird von dem Verfasser der Versuch unternommen, eine grössere Einheitlichkeit in der Auf- fassung der Naturerscheinungen dadurch herbeizutühren, dass die Materie unter Zugrundelegung einer unendlich feinen Materie, „rheliode" genannt, aufgebaut wird. Die ganze Menge desselben soll ständig in Bewegung, die einzelnen Atome (l'heliodule) in kreisenden Bahnen (en evolution) befindlieh sein. Diese Atome stellt sich der Verfasser kugelförmig und alle von gleichem Durchmesser vor. Die Atome begegnen sich bei ihren rotireuden Bewegungen und üben dabei Stösse nach den Gesetzen der Mechanik aus. Das chemische Atom oder Element soll in einem Arran- gement dieser heliodules bestehen, beständig (ötable) und wider- standsfähig (vesiatant) und bezüglich des von ihnen eingenommenen Raumes auf das ökonomischste vertheilt. Jedes Atom dieses Raumes kaini in einen völlig regelmässigen, geometrischen Körper eingeschlossen werden. Von allen mole- cularen Verthi'ilungen wird nun diejenige horvorgesuclit, welche die ökonomischste, die widerstandsfähigste und stabilste ist und liann versucht, die ver8chieJ(UO.)0 .P..05+üH,O Rhomb. 18 Topas { Sachsen \ 5Al,Si05 » { 10 Brasilien ( + AlsSiP.o dunkelgrün, Brasilien roth, Wolken- Rhomboedr. 1 Tuinuilin burg grün, Faido hem. braun, Pi-ewezi 1 Elba 7 Prelinit Rodenthai HaCaoAUSi., 0,, Rhomb. 20 Kieselzink Altenberg HaZn^SiOi Rhomboedr. hem. 16 Wollastoüit Banat CaSiO, Monokl. 50 Jliopsid Zillerthal CaMgSi.O, ). I Tremoiit Cauipulongo CaMgaSiiOia 5 Ortlioklas KaA^SieOie ^ 5 Adular n 2G Sanidin (KNa),Al2Si6 n 6 Aiiorthit Vesuv CaAla'siaOs - 6 Alb. Triklin 2 Labradoi' + 6 Anorth. » 4 Das Krystallsystem ist ohne Einfluss auf die Leucht- fähigkeit, denn die leuchtenden Minerale vertheilten sich auf alle 6 Krystallsysteme. Sehr eigenthianlich dagegen sind die Beziehungen zur chemischen Zusammensetzung: Der vierte Theil der leuchtenden Mineralien wird von Bleisalzen gebildet : (Matlockit, Phosgeuit, Cerussit, Leadliillit, Anglesit, Lanar- kit, Wulfenit, Stolzit, Pyromorphit). Nicht weniger als 14 enthalten Calciinn als wesentlichen Gemengtheil (Fluorit, Kalkspath, Aragonit, Glauberit, Anhydrit, Scheelit, Apatit, Autunit, Prehnit, Wollastonit, Diopsid, Tremoiit, Anorthit, Labrador), während der Rest, der noch aus 14 Mineralien besteht, sehr verschiedenartige Zusammensetzung besitzt. Betrachtet man nicht die Basis, sondern die Säuren, so ergeben sich 13 Silikate, 6 Carbonate, 5 Sulfate, 4 Phos- phate, 5 Haloide, 3 Verbindungen von Wolfram- und Molybdänsäure und ein Element (Diamant). Die Farbe des ausgestrahlten Lichtes lässt sich nur bei den heller leuchtenden Mineralien sicher erkennen, und zwar strahlt der Apatit im gelben, der Fluorit im grünen, der Diamant und Scheelit im blauen Lichte. Alle übrigen scheinen mehr oder weniger indifferentes, gelbes Licht zu besitzen. Beim Steinsalz wurde l)eobachtet, dass im Gegensatze zu allen anderen Mineralien das Leuchten mit dem Erlöschen der Strahlen(iuelle nicht endigte, sondern noch längere Zeit fortwährte. Seine Prüfung auf die Intensität der Leuchtkraft verlangte deswegen besondere Vorsichtsmaassregeln in der Weise, dass das- selbe zuerst unter eine zahlreichen Reiiie von Staniol- blättern gelegt und dann erst der elektrische Strom in die Hittorff'sche Röhre hineingeführt wurde. Durch allmäh- liche Wegnahme einzelner Staniolblätter konnte dann der Moment des ersten Aufleuchtens festgestellt werden. Prüfungen der Mineralien unter dem Mikroskope im DUim- schliff konnten nicht ausgeluhrt werden, weil zu diesem Zwecke sehr kostspielige Vorkehrungen erforderlich ge- wesen wären. Da nämlich alle Gläser eine starke Illuminescenz zeigen, bedurfte es eines Mikroskojics mit lauter Quarzlinsen, und einer Einlegung der Dünnscldiffe nicht zwischen Glasplatten, sondern zwischen Glinnner- oder Gypsplatten. Die Prüfung von ganzen Krystalldrusen, auf welchen leuchtende und nicht leuchtende Mineralien oder ver- schieden stark leuchtende Mineralien zusammen vor- kommen,, zeigte, dass man mit einem Blick die Zahl und Lage von kleinen Kryställchen leuchtender Mineralien übersehen konnte. Derber Apatit und im Ober-Wiesen- thaler Basalt eingewachsene Apatitnadeln zeigten kein Leuchten. Feldspathhaltige Gesteine dagegen lassen die Verbreitung des Feldspaths auf der Oberfläche des Gesteins in Folge des zwar matten, aber deutlichen Leuchtens des- selben sehr schön erkennen. — Es ist klar, dass die er- langten Zahlen für die Leuchtkraft erstens abhängig sind von der Beschaffenheit der benutzten Hittorflf'schen Röhre, sowie von der Stärke und Spannung des elektrischen Stromes und drittens von der Stärke der angewendeten Staniolblätter, sodass die absoluten Zahlenwerthe bei Wiederholung der Versuche sicher eine Aenderung er- fahren werden, wäiirend die relativen Werthe wohl an- nähernd dieselben bleiben werden. Es sei zum Schluss noch darauf aufmerksam gemacht, dass die andauernde Beschäftigung mit solchen Unter- suchungen mit gewissen physiologischen Unbequemlich- keiten verbunden ist. Einmal nämlich erzeugt diese Thätigkeit einen so hohen Grad von Nervosität, dass man kaum länger als eine Stunde hintereinander objectiv zu beob- achten vermag; sodann aber entstehen an den Fingern, die sich natürlich immer in nächster Nähe der Strahlen- quelle befinden, unangenehme Hauterkrankungen, die zu ihrer Heilung Wochen bedürfen. Ich habe die mitgetheilten Untersuchungen mit den vor- züglichen Apparaten und in den Räumen der Aetien Gesell- schaft Siemens & Halske ausführen können und bin der genannten Gesellseiiaft, besonders aber Herrn Ingenieur Rodde dafür zu lebhaftem Danke verpflichtet, dem ich hier- mit Ausdruck verleihe. W *) Mimetesit leuchtet nicht. Professor Dr. G. Steinmann: Die Gliederung des Diluviums im Oberrheingebiet. Den Ausgangspunkt für die Gliederung des Diluviums im Oberrheingebiet bilden die orographisch scharf hervor- tretenden Haupt-Endmoränen, die sogenannten inneren Moränen des Alpenvorlandes; sie stellen die äussere Grenze der letzten Vereisung dar. An sie schliessen sich im Gebiet der oberrheiniscl(en wie der alpinen Vereisung die fluvioglacialen Aufschüttungen der Niederterrassen; das Zusammenschmelzen beider Niederterrassen im Rhein- thal liefert den Beweis für die Gleichaltrigkeit der Haupt- endmoränen der oberrheinischen Gebirge und der Alpen. Auch die Haupteudmoränen in Norddeutschlaud und in Nordamerika entstammen offenbar der gleichen Zeit. Die Schneegrenze lag damals in den Oberrheinischen Gebirgen in einer Höhe von 70(J— 800 m, also wenigstens 1200 m niedriger als jetzt. Analog gebildet wie die IIaui)tend- moränen, aber jünger als sie, sind die sogenannten post- glacialen Moränen, die Producte der Rückzugsphasen der letzten Vereisung. Sie sind im Oberrheingebiet auf die Umgebung der höchsten Erhebungen beschränkt und viel- fach mit Karen verknüpft. Das zeitliche Aequivalent der 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 4. postglacialen Moränen des Gebirges ist das sogenannte Alhivium, das sich, scharf von der Niederterrasse abgesetzt, als ein feiuiiörniger Absatz in den Erosionsrinnen des Rheins und seiner grösseren Nebenflüsse findet. Die Bildungen der letzten Eiszeit und der Postglaeialzeit werden charakterisirt durch die Frische des Materials und durch das Fehlen des für unsere Gegenden fremd- artigen Lössmaterials, das hier wie auch im Alpenvorlande imd in Norddeutschland die Gebiete der letzten Eiszeit meidet. Die mittleren und älteren diluvialen Aufschüttungen dagegen sind eben am Verhandensein dieses Lössmaterials kenntlich. Der Löss ist nicht, wie früher angenommen, eine einheitliche Bildung, sondern zeigt nach drei Rich- tungen hin einen hohen Grad von Complicätion; er ist zu unterscheiden nach seiner Facies, nach seinem Erhaltungs- zustand und nach seinem Alter. 1. Facies des Löss. Wir kennen den Löss in drei Ausbildungswcisen: 1. den reinen, ungeschichteten Löss von gelbgrauer Farbe, fast immer frei von Beimischungen und arm an Fossilresten; 2. den Sandlöss in der Nähe der grösseren Flussthäler, geschichtet und reich an Schnecken, stellenweise auch Wasserschuecken; 3. den Gehängelöss mit Gehängeschichtung und eingesprengten Brocken des nächstanstehenden Gesteins. In allen drei Formen ist das Lössmaterial vom lokalen Material verschieden, mitbin fremd; daher wird auch jede lokale Beimischung sofort als solche erkannt. Den Ursprung des Lössmaterials darf man wohl mit Recht im Norden suchen, wo das feine Material der älteren Moränen zu- erst ausgeschlämmt, dann vom Winde aufgenommen und schliesslich in südlichen Gegenden als Staub wieder ab- gesetzt worden ist. 2. Erhaltungszustand des Löss. Die chemische Zersetzung des Löss schreitet continuirlich und gleich- massig von oben nach unten fort, ihr Product ist der so- genannte Lösslchni. Die ausgelaugten Carbonate con- centriren sich in der Form von Lösskindeln; die unlöslichen Bestandtheile der Silikate, Thou und Eisenhydro^;yd bleiben an Ort und Stelle zurück. Die Zersetzung erfolgt mit Hilfe der von der Vegetation stammenden Humus- und Kohlensäure, daher beweist die Lösslehmdecke, dass nach der Bildung des Löss eine Vegetation auf ihm bestanden hat. Entsprechend der geringeren Intensität der Vege- tation in der Rheiuebene gegenüber dem Gebirge — einem Verhältniss, das früher in ähnlicher Weise wie heute be- stand — ist in der Ebene der Löss nur zum geringen Theil in Lehm umgewandelt, während in der Nähe des Gebirges der Lehm überwiegt, um schliesslich allein- herrschend zu werden. Durch die Verlehmung werden gewisse Unterscheidungsmerkmale verwischt. 3. Gliederung des Löss. Dem Alter nach unter- scheidet man älteren und jüngeren Löss, von dem letzterer weitaus die grösste Verbreitung besitzt. Diese Zwei- theiluug ist besonders deutlich in den mittleren Höhen- lagen, wo man eine liegende Lehmmasse vorfindet, die von unzersetztem Löss bedeckt wird, ein Verhältniss, das nur so erklärt werden kann, dass der hangende Löss nach der vollständigen Zersetzung des Liegenden ent- standen ist. In tieferer Lage geht der liegende Lehm zu einer Lösslage über, die nur durch eine dünne Lehmschicht von dem hangenden Löss getrennt ist, während gegen das Gebirge zu auch der hangende Löss allmählich in Lehm übergeht, so dass schliesslich beide Lösslageu zu- sammen eine kaum noch trennbare Höhenlehmmasse bilden. Dass zwischen der Bildung des älteren und des jüngeren Löss eine Unterbrechung stattgefunden hat, wird ferner noch durch die Beschaffenheit der tieferen Schichten des letzteren bewiesen, welche nicht selten verschwemmtes Material des älteren einschliessen und im Gegensatz zum Liegenden wie zum Hangenden meist deutlieh die Wir- kung des fliessenden Wassers erkennen lassen (Recurrenz- zone). Auch liegt der jüngere Löss bald auf sehr mäch- tigem, bald auf stark rcducirtem älteren, bald unmittelbar auf präglacialer Unterlage. Die tieferen Lagen des jüngeren Löss verrathen durch ihre flammige Färbung, die durch zersetzte Pflanzenreste entstanden, sowie durch ihren Schneckenreichthura die Existenz einer Vegetation zur Zeit ihrer Bildung. In den höchsten Lagen fehlt meist jede Andeutung organischer Reste, namentlich in der Nähe der Rheinebene, woraus sich schliessen lässt, dass das Klima während der Entstehung des jüngeren Löss immer trockener geworden ist. Auch der fluviatile Löss zeigt nach oben hin eine deutliche Abnahme der Wasser- wirkung. Die Lehmdecke des jüngeren Löss, wie sie sich vom Beginn der letzten Eiszeit bis zum heutigen Tag gebildet hat, schwankt in ihrer Mächtigkeit zwischen ca. 1 m in der Rbeinebene und durchschnittlich 3 — 4 m, nämlich der ganzen Mächtigkeit des jüngeren Löss, in der Nähe des Gebirges. Die Unterschiede zwischen älterem und jüngerem Löss bestehen ausser in der Lagerung in der verschiedenen Grösse der Coneretionen, die im jüngeren meist nur faust- gross sind, im älteren dagegen bis zu metermächtigen Bänken zusammenwachsen, eine Folge der intensiveren Zer- setzung des älteren Löss, die auch in der terra rossa- ähnlichen Beschaffenheit des älteren Lösslehnis zum Aus- druck kommt. Der ältere Löss besteht nun seinerseits wieder aus mehreren Lagen, die durch authigene Lehmschichten von einander getrennt sind, so dass jede der vier bis jetzt bekannten Abtheilungen des älteren Löss eine dem ganzen jüngeren Löss gleichwerthige Bildung darstellt. Es zeigt sich auch deutlich, dass zwischen diesen einzelneu Gliedern ebensolche Abtragungen stattgefunden halten, wie zwischen dem älteren und dem jüngeren Löss. Die vollständige Verlehmung des älteren Löss, die jede weitere Gliederung unmöglich macht, tritt schon in geringerer I^ntfernung von (^ler Rheinebene ein als die des jüngeren, und daher rührt die Häufigkeit des zweigliedrigen Profils, von dem wir ausgingen. Versucht man, die Zeit zu schätzen, die zur Bildung des älteren Löss nöthig war, so kommt man etwa auf den vierfachen Betrag der letzten Eiszeit und der Post- glaeialzeit zusammen. Die mittleren und älteren Moränen und Schotter sind ursprünglich stets von Löss und Lehm bedeckt. Das jüngste Glied derselben, die sogenannte Mittelterrasse, schiebt sich zwischen den älteren und den jüngeren Löss ein und kann theilweise als ein zeitliches Aequivalent der Recurrenzzone aufgefasst werden. Daraus, dass sie unter einem mehr oder weniger glacialen Klima entstanden ist, erklärt sich auch die Häufigkeit der Thier- und Pflanzen- restc in der Recurrenzzone. Nächst der Mittelterrasse sind diejenigen Geröllmassen von besonderer Wichtigkeit, die älter sind als aller Löss und Lehm, die sogenannten alten oder grossen Moränen des Oberrheingebiets. Sie stammen aus der Zeit der grössten Vereisung, treten vielfach erratisch auf und zeigen nur selten Schichtung. Schrammung wird wegen der un- günstigen Beschafifenheit ihrer Gesteinsarten (Granit, Gneiss, Buntsandstein), nicht beobachtet, wie das auch bei jün- geren, typischen Moränen unter solchen Verhältnissen vor- kommt. Dagegen sind wie in anderen Glacialgebicten mit ihrem Auftreten Stauchungserscheinungen und dergl. im Untergrund verbunden. Aus ihrer Verbreitung schliessen wir auf eine vollständige Vereisung des Ober- rheingebiets, die auch aus allgemeinen Gründen wahr- XIV. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. .B7 scheinlich ist, denn die Depression der Schneegrenze zur grossen Kiszeit braucht nicht einmal das Doppelte der Differenz betragen zu haben, welche zwischen ihrer Lage zur letzten Eiszeit und heute besteht, um das ganze Ober- rheiugebiet ins Bereich der Vergletscherung zu setzen. Die geschichteten Geröllablagerungen der älteren Dilnvialzeit gehören wahrscheinlich nur zum Theil zu den alten Moränen, zum andern Theil dürfte ihre Bildung in ähnlicher Weise zwischen die vier Phasen des älteren Löss fallen, wie die der Mittelterrasse zwischen den älteren und den jüngeren Löss fällt. Ein Vergleich mit Norddeutschland ergiebt etwa folgende Zusammenstellung: Oberrheiiigebiet Norddeutschland Postglaciale Endmoränen in den höheren Theilen der oberrheinischen Gebirge Hauptendnioränen nnd Niederterraasen Jüngerer Löss (Höhenlehm z. Th.) Mittelterrasse (Rekurrenzzone) Aelterer Löss (Höhenlehm z. Th.) in vier Stufen zerfallend mit ? ein- geschalteten Schottern Alte Moränen Pliocaene Blocksmassen Sande und Thone (Endmoränen in Skandinavien und Finnland) Baltischer Endmoränenzug und Thalsand Bördelöss (Höhenlehm z. Th.) Oberer Geschiebemergel i. S. dor Hauptendmoräne (Steinsohle) (Höhenlehm z. Th.) Aeltere Interglacialbildungen ('? Unterer Geschiebe- mergel z. Th.) Unterer Geschiebemergel Aelteste Interglacialbildungen Geschiebemergel der I. Eiszeit Professor Dr. Charles Barrois in Lille: Excursions- Programm des im Jahre 1900 in Paris stattfinden- den VIIL in ternatioalen Geologen-Congresses.*) Als Generalsecretär des Organisations-Comites des VIIL internationalen Geologen-Congresses, welcher im Jahre 1900 zu Paris tagen wird, ladet Barrois die Mit- glieder der Deutschen Geologischen Gesellschaft ein, in recht grosser Zahl am Congress theilzunehmen. Das Or- ganisations-Comite befindet sich in voller Thätigkeit und die französischen Geologen sind bemüht, den internatio- nalen Congress für die fremden Gelehrten interessant und für die Weiterentwickelung der geologischen Wissenschaft mögliebst nutzbringend zu machen. Die Sitzungen des Cougresses werden am 16. August 19CX3 zu Paris in einem besonderen Pavillon der Aus- stellung eröffnet. Geologische Excursionen werden nach den verschie- densten Provinzen Frankreichs unternommen, um den Mit- gliedern des Congresses ein möglichst vollständiges Bild von dem geologischen Aufbau Frankreichs zu geben. Um aber unter allen Umständen einen zu grossen Andrang zu vermeiden und den Specialisten Fachstudien zu eimög- lichen, ist beschlossen worden, eine grosse Anzahl dieser Excursionen gleichzeitig abzuiialten. Die Excursionen zerfallen in drei Gruppen, die vor, während und nach dem Congress stattfinden. Es werden zweierlei Arten von Excursionen abge- balten: allgemeine, an denen sich sämmtliche Mitglieder *) Abgedruckt aus der ,Zeitschr. f. prakt. Geologie". Berlin, December 1898. betheiligen können, und Special-Excursionen, die nur für Specialisten bestimmt sind und an denen nicht mehr als zwanzig Personen theilnehmen dürfen. Die Pläne dieser Excursionen werden den Gegenstand eines eingehenden Circulars bilden, welches im Jahre 1899 verschickt wird. Vorläufig soll die Liste der in Vorbereitung befindliciieu P^xcursionen mit dem Namen der Gelehrten, die sich Itcreit erklärt haben, die Führung zu übernehmen, veröffentlicht werden. /. Excursionen vor dem Congress. Allgemeine Excursionen: Die palaeozoischen und mesozoischen Gebiete der Gegend um Boulogne und in der Normandie. Führer: die Herren Gosselet, Munier-Chalmas, Bigot, Cayeux, Pellat, Rigaux. Special-Excursionen: 1. Die Alpen der Dauphine und der Mont Blanc. Führer: die Herren Bertra^d und Kilian. 2. Das Pelvoux-Massiv. Führer; Herr Ternier. 3. Die Muschelerden der Touraine. Führer: Herr DoUfuss. 4. Typen der Turon-Etagen der Touraine und der Ce- nomanschichten von Maus. Führer: Herr de G rossouvre. 5. Die krystallinischen Gesteine der Pyrenäen. Führer: Herr Laervix. 6. Die palaeozoischen Gebiete von Mayenne. Führer: Herr Oehlert. 7. Die Bretagne. Führer: Herr Barrois. //. Excursionen während des Congresses. Allgemeine Excursionen: Das Pari.ser Tertiär- becken. Es finden zahlreiche, kleine Excursionen statt, unter Führung der Herren Munier-Chalmas, Dollfuss, L Janet, Stanislas Meunier, Gosselet, Cayeux. ///. Excursionen nach dem Congress. Allgemeine Excursionen : Die Vulcane der Au- vergne, des Plateau Central und der Loz^re. Führer: die jHerren Michel Levy, Boule, Fahre. Special-Excursionen: 1. Die Vulcane vom Mont- Dore, Puys de Lisnayne. Führer: Herr Michel Levy. 2. Die Ardenuen. Führer: Herr Gosselet. 3. Die Provence. Führer: die Herren Bertrand, Vasseur, Zürcher. 4. Der Mont Ventoux und das Lure-Gcbirge. Führer: die Herren Leenhardt, Kilian, Lory, Paquier. 5. Das Tertiär des Rhone-Beckens, tertiäre und ältere Schichten der Basses-Alpeu. Führer: die Herren Deperet und Hang. 6. Das Massiv der Montagne-Loire. Führer: Herr Bergeron. 7. Das Tertiär des Bordeaux-Beckens. Führer: Herr Tallot. 8. Die mesozoischen Schichten der Charente. Führer: Herr Glanyeaud. 9. Morvan. Führer: dieHerrenVclain, Peron,Brcon. 10. Die Sedimente der Pyrenäenkette. Führer: Herr Carez. 11. zevilie. Die Commentry und Deca- Das Kohlenbecken von Führer: Herr Fayol. Zahl dieser Excursionen kann vermehrt werden, wenn ein derartiger Wunsch von einer gewissen Zahl von auswärtigen Mitgliedern des Congresses unterstützt wird. Ein von den Leitern der verschiedeneu Excursionen verfasster, alles umfassender Führer wird im Jahre 1900 gedruckt und vor dem Congresse vertheilt. (Fortsetzung folgt.) 38 Naturwissenschaftliche Wochenscluift. XIV. Nr. 4. Tn einer grossen Arbeit von fast 250 Seiten sucht L. Rliumbler die Lebeiiserscheiiiuiigen der Protozoen physilialisch zu erklären bezw. ihnen analoge Vorgänge auf rein physikalischem Wege zu erzeugen. (Arch. Entw.- mcch. Bd. 7, Heft 1 — 3.) Er geht davon aus, dass der Aggregatszustand des Piotoplasmas ein flüssiger sei, allerdings ein in hohem Grade zähflüssiger. Als Lebens- erscheinungen der Protozoen betrachtet er Bewegung, Nahrungs-Aufuahme, Defäkation, Vacuolen-Pulsation, Ge- häuse-Bau. Zu deren physikalischer Erklärung seien nur Adhäsion und Kohäsion, bezw. Kapillarität, und Ober- flächenspannung notliwendig. Die chemische BeschatTcn- heit des Plasmas lässt er ganz ausser Betracht, als neben- sächlich für physikalische Prozesse und nur insofern von Bedeutung, als sie den letzteren ein ständig wechselndes Material zur Verfügung stelle. So spielen auch die Ein- schlüsse des Plasmas: Kern, Körnchen, Fäden, Krystalle, Vacuolen, nur eine passive Rolle, als Einlagerungen eines anders-artigen Aggregat-Zustandes, die aber die flüssige Beschaifeuheit des Plasmas nicht berühren. Das Plasma der meisten Amöben scheint dift'ereuzirt in ein körniges Ento- und ein hyalines Ektoplasma. Doch sind beide nur verschiedene Zustände derselben Substanz. Wie sich Oel-Tropfen an ihrer Oberfläche mit einer dünnen Haut umgeben, so verdichtet sich das au der Oberfläche der Amöben befindliche Plasma unter der Oberflächen- Spannung und der Berührung mit dem umgebenden Wasser zu einer hautartigen Lage, deren Molekel sich so fest an einander sehliesseu, dass alle gröberen Einlagerungen, Körnchen u. s. w. nach innen verdrängt werden. Obwohl das Ektoplasma, je läuger es mit dem Wasser in Be- rührung bleibt, immer dichter und zäher wird, verwandelt es sich doch, ins Innere der Amöbe gebracht, immer wieder in Eutoplasma, ebenso wie dieses, nach aussen gedrängt, sich in Ektoplasma umwandelt. Die Bewegung der Amöben geschieht durch lokale Veränderung der Oberflächen-Spannung, sei es durch innere Ursachen, sei es durch die Beschaff"enheit des Bodens der Gewässer. Es entsteht irgendwo eine Verminderung der Oberflächen- Spannung und das durch deren ccntripctalen Druck zu- saramengepresste Eutoplasma beginnt hervorzuquellen, wo- bei zugleich seine oberflächliche Schicht sich zu Ektoplasma verdichtet: es entsteht ein Pseudopodium. Das Verfliessen geschieht durch centrale (Rh. nennt sie fälschlich „axiale") Strömung des Eutoplasmas nach vorne. Ihr entgegen- gesetzt gehen ektoplasmatische Randstrome nach liinten, die kurz vor dem Hintcrende wieder in das Eutoplasma ein- treten. So findet immer vorn ständig eine Umwandlung von Ektoplasma in Eutoplasma statt, hinten das Umgekehrte. Das Hinterende wird passiv nachgeschleppt. Die Fort- bewegung wird ermöglicht durch willkürliche Ausscheidung einer klebrigen Substanz am vorderen Ende, die am Hinter- ende wieder gelöst zu werden scheint. Die Geschwindig- keit kann durch Temperatur-Erhöhung gesteigert werden, doch scheint die Bewegung selbst ziemlich unabhängig von äusseren Bedingungen zu sein; sie kann jeder Zeit unterbrochen werden, aber auch, z. B. beim Ergreifen von Beute, zu Vorwerfen von Pseudopodien beschleunigt werden. Physikalisch Hess sich die hyaline Randschicht an Troi)fen aus Ricinusöl, Chloroform und Schellack- lösung, die mittelst einer spitzen Pipette in 70% igen Alkohol eingespritzt wurden, nachmachen, eine allerdings in allen Theilen umgekehrte Bewegung durch Druck auf die Fetttröpfchen des Hühnerei-Dotters. Die Nahrungs-Aufnahme findet auf zweierlei, nicht scharf geschiedene Weisen statt, durch Umfliessen oder Einziehen des Nahrungs-Körpers. Bei der ersteren Art wird der ruhig liegen bleibende Fnndkörper zuerst vom dem Ektoplasma umflossen, das aber später von dem überquellenden Eutoplasma aufgelöst wird. Bei der letzteren Art wird der Fremdkörper in die unbeweglich bleibende Amöbe eingezogen. Lange Algen- (Oscillarien)- Fäden werden gewöhnlich in der Mitte ergriffen und nach beiden Seiten hin umflossen , sodass sich die Amöbe spindelartig streckt. Dann biegen sich beide Enden nach innen um und verschmelzen wieder mit dem Haupt- körper, wodurch der Faden schleifenförmig zusammen- gebogen wird. Von Neuem fliessen Pseudopodien an ihm entlang, krümmen sich wieder und so fort, bis schliesslich der ganze Faden knäuelartig im Inneren der Amöbe liegt. Nun zieht zieht sich das Eutoplasma von ihm zurück, und er wird in einen Ekto])lasma-Bruchsack gedrängt, wo- durch die Amöbe Raum zu neuer Nahrungs-Aufnahme gewinnt. Hier wird er auf einen minimalen Raum zu- sammengepresst, um dann erst wieder zur Verdauung in das Eutoplasma befördert zu werden. Zum physikalischen Nachahmen dieser Vorgänge Hess Rii. kleine Holzsplitter in Wassertropfen hineinziehen und Glasfäden in Kapillaren- röhren. Dass letztere selbst in senkrecht gehaltene Röhren hinaufgezogen wurden, bei spiralig gedrehten Fäden unter Drehung derselben, so lange, bis sich die Oberfläche hinter ihnen geschlossen hat, beweist, dass diese die bewegende Kraft ist. Mit Spiritus benetzte Glasfäden wurden von Mastixlösung eingezogen unter Pseudopodien -ähnlichem Vorfliessen der letzteren an ersteren. Lange Scliellack- fäden wurden von Chloroformtropfen aus Wasser tadellos aufgerollt, in dem Masse, als die aufgenonuiienen Stücke gelöst wurden. Ebenso wird die Elasticität der Algen- fäden von der Amöbe überwunden durch Verdauung der aufgenonmienen Stücke. Erklärt wird die Nahrungs- aulnahme der Amöbe dadurch, dass die Oberflächensteil 3 der Amöbe, mit welcher der Fremdkörper in Berührung kommt, eine grössere Adhäsion zu diesem besitzt als das umgebende Wasser. Biologisch wichtig ist noch, dass die Nahrungs-Aufnahme durch grelles Licht gehindert wird und dass, obwohl die Amöbe gegen die unfreiwillige Aufnahme ihr schädlicher Stotfe durch den Kampf ums Dasein gefeit sein muss, sie doch gewisse, ihr in dei- Natur nicht vorkommende Stoffe, wie Karmin, in solchen Mengen aufnimmt, dass sie daran zu Grunde geht. Die Defäkation der Nahrungsreste erklärt sieh durch das umgekehrte Prinzip. Wenn der Weichkörper der Nahrung, zu dem die Amöbe grosse Adhäsion hatte, verdaut ist, bleiben nur noch seine unverdaulichen Bestandtheile übrig, zu denen sie keine Adhäsion hat. Dadurch werden sie nach aussen gestossen, wie feste Körper von Flüssig- keiten, von denen sie nicht benetzt werden (eingefettete Glassplitter von Wasser). Den ganzen Vorgang der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Defäkation machte Rh. nach, indem er Glasfäden mit Schellack überzog uud an im Wasser liegende Chlorofornitropfen brachte. Zu- erst wurden sie eingezogen, dann aber, wenn der Schellack gelöst war, wieder ausgestossen. Die Defäkation wird durch das Licht begünstigt. Die Bildung der pulsiren- den Vacuole geschieht durch Zusammenfliessen kleinster Tröpfchen; ihre Entleerung erfolgt entweder nach aussen oder unter Sternform nach innen. Auch dieser Vorgang lässt sieh physikaliscii nachmachen. Chloroform-Tropfen in Wasser nehmen aus diesem kleinste Tröpfchen durch Osmose auf, die sie offenbar unter chemischer Aenderung des Wassers zusammenfliessen lassen und wieder nach aussen äusstossen. Bei allen Chloroform-Tropfen wurde sternlörmigc Entleerung nach innen beobachtet. Auch bei Amöben findet ehemische Veränderung des Vacuolen- Wassers, wahrscheinlich durch Aufnahme von Kohlen- säure, statt. Der Gehäusebau der Amöben ist gleichsam eine gleichzeitige Defäkation einer grossen Zahl von Bau- XIV. Nr. 4. NaturwisscDSchaftlicbe Wocliensclirift. 39 steiuchen. Diese letzteren werden entweder von der Amöbe selbst erzengt oder sind anfgenoninicne Freuidkör|)cr. Alle Gehäuse sind einscliichtig. Die Bausteinchen liegen ringsum eng geschlossen an einander, oder sie lassen grössere Felder unbedeckt. Nie liegen sie vereinzelt. Meistens sind sie mit ihrer breiten Seite aufgeklebt, doch können sie auch senkrecht stehen. Nach aussen werden sie zugleicJi mit der Kittniassc durch Ströme im Inneren der Amöbe befördert. Jene erstarrt, sowie sie mit dem um- gebenden Wasser in Berührung kommt und kittet die Steinchen zusammen. Alle diese Vorgänge lassen sicli mechanisch nachmachen, z. B. durch Chloroform-Tropfen mit kleinsten (ilassplittcrn in Wasser, oder durch Uel- tropfen mit (41as- oder Sand-Theilchen in Spiritus. Durch die Art des Ansschleudcrns der Tropfen aus der Pijictte lassen sich die verschiedenen Formen der Gehäuse, rund, birnförmig u. s. w. nachahmen. Ueber die Art der Ver- wendung von Fremdkörpern zu Gehäusen entscheiden bei den Amöben wie bei den künstlichen Tropfen i'ein physi- kalische Factoren: Adhäsion jeuer zu den Substanzen dieser, bezw. zum Wasser, Grösse, Gestalt und Gewicht der Fremdkörper. So erklären sich auch die nur aus einer Art von Fremdkörpern bestehenden Gehäuse mancher Amöben, sowie überhaupt die verschiedenartigen Gehäuse der verschiedenen Amöben rein physikalisch. Ebenso ist die dichte Zusammenlagerung der Bausteinchen auf den Oberflächen der Amöben und künstlichen Tropfen einlach erklärbar durch Kapillar-Attraction. Ausser diesen physikalischen Factoren erkennt Rh. den Amöben noch den „Sehein" oder das „Dämmern" eines Willens zu, sowie eine „innere Disposition", die sich wesentlich auf chemische Vorgänge zurückführen lässt und nicht uur bei den verschiedenen Amöben- Arten verschieden ist, sondern auch bei einer und derselben Amöbe ständig wechselt. Reh. Ueber dieLebensweise des Kiefernharzgallwicklers (Tortrix resiiiella L.) verötientlicbt Dr. M. Büsgen, Prof. an der Grossherzogl. S. Forstlehranstalt in Eisenach, in der Allgemeinen Forst- und Jagd-Zeitung (herausgeg. von Prof. Dr. T. Lorey) vom December 1898 (Frankfurt a.M. J. D. Sauerländer's Verlag) das Folgende. — Seit Stahl durch eine grosse Anzahl gut ausgedachter Versuche nach- gewiesen hat, welche wichtige Rolle die vielen Pflanzen eigenthümlichen Exkrete als Schutzmittel gegen Thier- frass spielen, hat auch die unter den Forstmännern schon läuger verbreitete Ansicht, dass dem Harz der Coniferen im Wesentlichen die Bedeutung eines Schutzstotfes zu- komme, verstärkte Geltung gewonnen. Wir dürfen es jetzt wohl aussprechen, dass Kiefern, Fichten und Tannen unserer Thierwelt gegenüber nicht existenzfähig wären, wenn nicht ihr Harz sie vor den Angriften einer grossen Anzahl von Schädlingen bewahrte. Mancher jetzt auf Laub- hölzer beschränkte Schädling würde gewiss auch Nadel- hölzer angehen, wenn nicht das Harz ihn abhielte. Un- sere einzige harzfreie Conifere, der Taxus, besitzt in dem giftigen Taxin einen Schutzstoff, der ihr das Harz ent- behrlich macht; und gerade diese gegenseitige Vertretung von Substanzen, die sich in nichts gleichen als in ihrer Schutzwirkung Thieren gegenüber, spricht dafür, dass diese letztere ihre Hauptaufgabe im Haushalt des Baumes darstellt. Auch gegen die dem Leben auf den Nadel- hölzern besonders angepassten Schädlinge gewährt das Harz einen nicht zu unterschätzenden Nutzen. Die That- sache, dass die Inseeten der Nadelhölzer namentlich kümmernde, auf schlechterem Boden stehende oder nur liegende Hölzer angehen, ist darauf zurückzuführen, dass bei kräftigen Individuen die Frassverletzungen einen all- zu reichlichen Harzausfluss hervorrufen, der das Fort- schreiten des Angriffs unmöglich macht. So werden die jungen Larven des Harzrüsselkäfers (Pissodes Ilereyniac Hbst.) leicht von dem Harz erstickt, welches aus den von dem Weibchen für die Eier in die Fichtenrinde ge- bohrten Löchern herausquillt. Judeich und Nitsche machen in ihrem ausgezeichneten Lebrbuche der miiteleuropäisehen Ftn-stinsectenkunde (S. 1308) ausdrücklich darauf aufmerk- sam, dass deshalb die charakteristischen weissen Harz- fleeken an den Stämmen durchaus nicht immer ein sicheres Zeichen des Angriffs dieses Schädlings sind. Bekannt genug ist ferner vom Waldgärtner (Hylesinus piniperda L. ), dass die Käfer selbst oder auch die ab- gelegten Eier auf gesunden, nicht schon vor dem Angritf kränkelnden Bäumen nicht selten im Harze umkommen. Neuerdings (Forstlieh-naturw. Ztschr. 1898, 137) bemerkt Melani, dass die Borkenkäfer bei sehr starker Vermehrung auch das gesunde Holz angehen, wobei meist wohl die ersten Individuen durch das austretende Harz getödtet würden. Diese hätten aber durch ihre Angriffe dann den Stamm in einen Zustand versetzt, der ihn gegen ihre Nach- folger widerstandsunfähig machte. Auch in anderen Fällen bietet die Lebensweise der Coniferen-Schädlinge gerade mit Rücksicht auf die Frage, wie sie sich mit dem Harz abfinden, viel Interessantes. Einige von ihnen haben es selbst verstanden, aus der Noth eine Tugend zu machen, d. h. das vom Baume als Schutzmittel erzeugte Harz zu ihrem eigenen Nutzen zu verwenden. Es sind dies vor Allem die Kiefernharzgallen- mücke (Cecidomyia pini de Geer), deren Larven in grossen Harztropfen am Grunde der für das nächste Jahr be- stimmten Fichtenknospen leben, und der Kiefernharzgallen- wickler (Tortrix resinella L.), dessen Lebensweise hier etwas eingehender geschildert werden soll. Die Gallen des genannten SchädUngs sind wohl jedem Passanten jüngerer Kiefernbestände einmal aufgefallen. Sie erscheinen als graue, knollenförmige Harzklumpen, etwa in der Grösse einer Haselnuss, aber von länglicher Form, an der Oberseite vorjähriger und älterer Seiten- äste. Die Zweige der Kiefer endigen bekanntlich mit einer Gipfelknospe, unterhalb welcher, dicht an sie anschliessend, ein Quirl von Seitenknospen sich ent- wickelt. Aus allen diesen Knospen pflegen im Frühjahr Langtriebe hervorzugehen, unter welchen der aus der Gipfelknospe entstandene dem vorjährigen Gipfeltrieb sich gerade anreiht, die übrigen aber einen Quirl anfangs vertical aufrechter, später mehr oder weniger horizontal gerichteter Seitenzweige bilden. Jeder Seitenzweigquirl bezeichnet also, wie übrigens allbekannt, den Beginn eines neuen Lebensjahres des Baumes. Dicht unterhalb des letzten dieser Zweigquirle treten die in Rede stehenden Harzgallen auf. Findet man sie am Ende eines Sprosses, so liegt dies daran, dass der über der GaiUe nach der Zweigspitze hin gelegene Zweigquirl sammt dem zuge- hörigen Endspross in Folge des Frasses des Gallenthieres abgestorben und weiterbin verloren gegangen ist. Dies kommt nicht ganz selten vor, allerdings nicht so häufig, wie die durch den Waldgärtner verursachten Sprossver- luste. Namentlich in besseren Lagen zeigt sich häufig das über der Galle gelegene Sprosssystem ganz normal entwickelt. Die Bildungsgeschichte unserer Galle seheint, trotz einiger Angaben bei Ratzebnrg (Forstinseeten II, 210), Judeich imd Nitsche (I. c. 1009) und Eckstein (Forstliehe Zoologie 515. Hier Abbildungen), noch nicht klar erkannt worden zu sein. Bei Judeich und Nitsche heisst es z. B.: „Der Frass des Räupehens erzeugt unterhalb des Knospen- quirls einen Harzausfluss, eine Galle, die es schützend umschliesst, und in der es, bei fortwährendem Wachsthum 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 4. der Galle, das ganze nächste Jahr hindurch lebt, um sich erst im dritten Kalenderjahre an der Frassstelle zu ver- puppen." Wir erfahren hieraus, dass die Galle zu ihrer völligen Entwickelung zwei Jahre nöthig hat; nicht aber, wie es möglich ist, dass das Thier bei dem starken Harz- fluss am Leben bleibt. Die Zeichnungen Ecksteins lassen erkennen, dass, wie auch Ratzeburg schon wusste, die Galle im Innern unvollständig in zwei Kammern getheilt ist, welche sich zum Theil mit Koth füllen, und von denen die innere mit dem Frassgange in Verbindung steht, lieber die Baugeschiclite dieses merkwürdigen Geliildes aber giebt Eckstein nichts an. Auch er spricht in dieser Beziehung nur von starkem Harzausfluss. In der Umgegend Eisenachs war es nicht schwer, im Laufe des Winters 1897/98 und während des Früh- jahrs 1898 genügendes Material zum Studium der Galle zusammenzubringen. Gallentragende Triebe wurden ab- geschnitten und in einem mit verglastem Deckel und Gaze- fenstern versehenen Kasten im Freien aufbewahrt. An- fangs Juni erst fand ich am Morgen eines sonnigen Tages die ersten Tortrix-Exemplare im Auskriechen begriffen. Die Schmetterlinge besitzen 16 — 21 Millimeter Spannweite und unscheinbare, graue Flügelfarbe. Es ist sehr interessant, zu sehen, wie die dunkelbraune Puppe sich aus dem Harze herausarbeitet. Die bei niedriger Temperatur fast stein- harte Harzmasse zu durchbrechen, würde ihr wohl un- möglich sein; sobald aber das Harz in der Morgensonne erweicht, sieht man an einem, gewöhnlich dem Vorder- ende der Galle benachbarten Punkte eine Anschwellung auftreten. Dieselbe vergrössert sich rasch, und bald wird in ihrem Centrum, noch von Harz bedeckt, das Kopfende der Puppe sichtbar. Immer weiter taucht das Thier aus der Harzmasse empor, immer dünner wird die es be- deckende Harzschicht, bis sie endlich zerreisst, und die Puppe frei zu Tage tritt. Keine Spur von Harz bleibt dabei an ihr hängen. So glatt und unbenetzt kommt sie zum Vorschein wie etwa ein Glasstab, welchen man in Queck- silber eingetaucht hat. Die fortschreitende Bewegung der Puppe im Harze ist eine Folge vom Drängen des ein- geschlossenen Schmetterlings nach ihrem Vorderende hin.' Dieses Drängen dauert fort, nachdem sie das Harz durch- brochen hat und führt nun zur Sprengung der Hülle und zum Ausschlüpfen des luiago. Die Puppeuhülle bleibt dabei bis zur Hälfte etwa im Harze stecken, hier noch schwach festgehalten durch dojipelte Querreihen kurzer, rückwärts gerichteter Borsten auf den Hinterleibsringen, welche bei der Schiebung oder Wanderung vom Puppen- lager ans Tageslicht eine nützliche Rolle gespielt haben. Eine Viertelstunde etwa dauert der ganze Vorgang der Befreiung des Schmetterlings, worauf dessen erste Sorge ist, sich au eine benachbarte Kiefernadel anzuklammern, um dort seine Flügel sich entfalten zu lassen. Männchen und Weibchen — die ersteren sind an der etwas geringeren Grösse kenntlich — befanden sich unter meinen Schmetterlingen in etwa gleicher Anzahl. Zu ihnen gesellten sich ganz in der nämlichen Weise wie sie selbst den Harzgallen entschlüpfende Ichneumonen. Früher schon waren Raupenfliegen im Kasten erschienen, deren gedeckelte Tönnchenpuppen dann ebenfalls in den Gallen gefunden wurden. Die Schmetterlinge machten von dargebotener Honig- lösung keinen Gebrauch. In den nächsten Tagen nach dem Auskriechen wurden Paare in Kopulation getroffen, und bald darauf begann das Eierlegen, um zu sehen, ob Kiefernzweige eine besondere anziehende Wirkung auf die Thiere ausübten, wurden solche in den Zwinger ge- bracht. Sie blieben indessen unbeachtet. Selbst Schmetter- linge, welche ich an die Zweige angesetzt hatte, verliessen dieselben und wählten zur Eiablage die hellsten Stellen des Zwingers, so den Glasdeckel des Zuchtkastens und zwar dessen hellste Ecke, an welcher sie sieh noch zwischen das Glas und dessen lose darunter liegenden Holzrahmen hineinzwängten. Hier fanden sich die hell- gelben Eier einzeln oder in unregelmässigen Gruppen ab- gelegt. Ihre Gestalt ist etwa die des Schildes einer nur wenig convexen Schildlaus. Sie sitzen mit einer nicht ganz kreisrunden, ebenen Fläche dem Substrate auf und sind auf der Gegenseite schwach gewölbt. Ihre Breite beträgt ca. 1 Millimeter. Aus dem Angeführten darf geschlossen werden, dass auch in der Natur kein besonderer Instinkt den Schmetter- ling nach den zur Eiablage geeigneten Stellen der Kiefern- triebe liinleitet. Als Wegweiser genügt sein Trieb, sich nach dem Lichte hin zu bewegen. Dieser allein schon bringt ihn in seiner natürlichen Umgebung an die Trieb- spitzen der Kiefer, welche die Muttergalle trug, und dort wird er denn auch für gewohnlich seine Eier ablegen. Ausgeschlossen ist damit natürlich nicht, dass er, durch seine Sinne geleitet, von einer Kiefer auf eine andere gelangen kann, ebenso wie jedenfalls die Sinne Männchen und Weibchen einander finden lassen. Etwa acht Tage nach der Ablegung nehmen die Eier eine dunkclgelbe Farbe an, und nach weiteren acht Tagen etwa wird in ihnen als schwarzes Pünktchen der Kopf der jungen Larve sichtbar. Bald darauf beginnt das Auskriechen. Wiederum etwa acht Tage lang fand ich jeden Morgen junge Räupchen in meinem Zuchtkasten. Dieselben zeigten eine ähnliche Lichtempfindlichkeit wie die Schmetterlinge. Stets hatten sie sich zur genannten Zeit an der am stärksten beleuchteten Ecke des Kastens angesammelt. Auf die Zweige einer im Topf gezogenen Kiefer ge- bracht, strebten die Räupchen im Aligemeinen den Spitzen der eben in der Entwickelung begriffenen Sprosse zu und begannen bald, sich dicht unterhalb des endständigen Knospenquirls heimisch zu macheu. Zuerst wurde ein dünnes Gespinnst angelegt, welches sich zwischen der Sprossachse und den unteren Theilen einiger nahestehender Nadelpaare ausspannte und der Raupe ein zeltartiges Obdach bot. Dann begann das Abnagen der Sprossrinde und gleichzeitig eine höchst eigenthümliche Verbesserung des Zeltdaches. Ganz deutlich war mit der Lupe zu beob- achten, wie von Zeit zu Zeit der Raupenkopf sich dem Gespinnst zuwandte, und dort einen glänzenden Tropfen ausschied, der in Alkohol löslich, also doch wohl Harz war. In ziemlich kurzer Zeit wurde so das ganze Ge- spiunst mit Harz imprägnirt und so zu einer wasserdichten Decke gemacht. Auf welche Weise das Thier das Harz an das Ge- spinnst heranbrachte, war nicht genau zu sehen. Dem Anscheine nach spuckte es die Harztröpfchen aus; es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass es dieselben zwischen seinen Kiefern und nicht im Schlünde herbeitransportirte. Die Herkunft des Harzes kann nicht zweifelhaft sein. Kiefernsprosse des betreffenden Alters — also von zwei bis drei Monaten — führen nicht allzu tief unter ihrer Oberfläche einen Ring von Harzkanälen, welche bis in die Gipfelknospen hinaufreichen und Seitenkanäle in die Nadeln hineinsenden, Aus diesen Kanälen tritt, wenn die Raupe sie anbeisst, Harz hervor, aber nicht so rasch, und massenhaft, dass sie desselben nicht Herr werdenkönnte. Erst an den älteren Theilen der heurigen Sprosse erfolgt beim Oeffnen eines Harzganges momentan ein stärkerer Ausfluss. Mit der Herstellung des mit Harz imprägnirten Daches ist übrigens die Bauthätigkeit der Raupe noch nicht ab- geschlossen. Das dünne Zelt reicht durchaus noch nicht hin, sie gegen Angriffe von aussen zu schützen. Die XIV. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 41 Raupe beginnt alsbald an seiner Verstärkung- zu arbeiten. Wie so viele I'tlaii7A'nscliiuilingc benutzt sie als Material zu weiterer Bedeckung die unverdaut ausgeschiedenen Reste ihrer Nahrung. Diese letztere besteht ans den Zellen der Oberhaut, der Rinde und des Holzes der be- siedelten Kiel'erntriebe. Von den kräftigen Mundwerk- zougen abgenagt, durchwandern dieselben den Verdauungs- kanal der Rau])e und werden dabei ihrer stickstoti'halti^on Substanzen und ihrer Stärke beraubt, wie durch mikro- skopische Untersuchung der Excremente sich feststellen lässt. Die Cellulosezellwände und die aus Holzsubstanz bestehenden Stücke der zerkauten Tracheiden sind darin noch gut erkennbar, speciell geben die ersteren noch die charakteristische Reaction mit Chlorzinkjodiösung. Zu kleinen, rundliciien Klumpen zusanunengeballt liefern die Reste ein vortretfliches Baumaterial. Auch an Mörtel zum Bau fehlt es nicht. Als solcher dient wieder das langsam aus den angebissenen Kanälen sich ergiessende Harz. Da es unter dem Schutze des Zeltdaches lange flüssig bleibt, breitet es sich auf dem Boden der Frass- stelle aus und wird von den beschriebenen Excrementen wie von kleinen Schwämmen aufgesaugt. Diese harz- durchtränkten Bröekchen aber erfasst die Raupe mit ihren Kiefern, um sie mit grosser Gewandtheit dem Zeltdache anzukleben und ausserdem noch gründlich festzuspinnen. Im Laufe der Zeit erfährt übrigens das Gebäude noch eine Vergi()sserung. Während der Bau fortschreitet, wird ein Stück angeflickt, das als Ijlascnförmige Erweiterung an der Seite des ursprünglichen Zeltes hervortritt. Auch der Innenraum der Wohnung erfährt eine Ausgestaltung. Durch den Frass der Raupe wird eine Triebstrecke von etwa zwei Centimeter Länge auf ihrer Oberseite der Rinde beraubt. Auch der Holzkörper wird ausgehöhlt, und von der oftenen Stelle aus sowohl nach der Spitze als nach der Basis des befallenen Triebes hin ein kurzer Kanal ausgefressen. Vom Rande der Wundöfluung her beginnt nuu schon im ersten Frassjahre sich ein aus Harz und viel Gespinustmasse mit verhältnissmässig wenig Excrementbröckchen erbautes Tonnengewölbe zu erheben,' welches oben mit einem Längsschlitze gegen den übrigen Zeltraum geöffnet bleibt. Es ist dies der Theil der Woh- nung, welcher später, auf der Innenseite mit neuen Ge- spinnstmassen austapezirt, als Puppenwiege dienen wird. Vom Frassgang aus schief aufsteigend reicht er bis an das Zeltdach heran, dessen weitere Verdickung an der Berührungs- und späteren Durchbruchsstelle nuu unter- ijlcibt. Der übrige Raum zwischen Puppenwiege und Zeltdach füllt unter Erweiterung sich allmählich mit Excrementbröckchen, welche bald mehr, bald weniger von Gespinnstfäden und Harz durchsetzt sind. So stellt die ganze Harzgalle ein ziemlich compiicirtes Gebäude dar, welches einer eigenthümlichen Bauthätig- keit des Gallenthieres sein Dasein verdankt und durch aus nicht zu vergleichen ist den Harzausflüssen, welche sonst bei Verwundungen der Nadelhölzer sich bilden. Dass die Harzansammlung so bedeutend wird, erklärt sich daraus, dass der dauernde Frass der Raupe keine völlige Vernarbung der Wunde zulässt. Wenn solche, wie es wirklich geschieht, an einer Stelle eintriit, ist anderswo wieder ein Harzgang angebissen, so dass es dem Baumeister nie an Mörtel fehlt. Uebrigens ist der Harzgehalt der Galle gar nicht so gross, wie es den An- schein hat. Bringt man Gallen in Spiritus, welcher ihr Harz löst, so sieht man überrascht, dass sie nicht viel von ihrer Grösse einbüssen. So lange das Präparat in der Flüssigkeit weilt, zeigt es sogar so ziemlich dieselbe Form wie vor der Weglösung des Harzes. Man erkennt jetzt, wie bedeutend der Autheil von Gespinnstraasse an dem Ganzen ist. Nimmt man freilich die harzfrei ge- wordene Galle heraus, so fallen ihre, nicht mehr durch das hartgewordene Harz gesteiften Wände zusammen, und man hat nur einen mehr oder weniger tormlosen Ex- crementklumpen vor sich, der aber immer noch beträcht- liche Grösse besitzt. Eine auffallende Erscheinung ist das Auswandern der Raupen aus bereits im Bau begriffeneu Wohnungen. Bei der schon erwähnten Topfkiefer begannen die über den Gallenanfängen gelegenen Triebspitzen frühzeitig ein- zutrocknen. Dies veranlasste die Raupen, ihr Zeltdach zu durchnagen und sich näher an der Basis der betreffen- den Zweige anzusiedeln, wo dann normale Gallen ent- standen. Künstlich verletzte Gallen wurden von dem Gallen- thiere rasch reparirt und gaben so Gelegenheit, die Bau- weise desselben bequem zu beobachten. Nicht unterlassen darf ich schliesslich, auf eine Lücke in meinen Beobachtungen hinzuweisen. In der ganzen Umgebung meines Wohnortes Eisenach war im Sommer 1898 keine einzige vom vergangeneu Jahre herrührende Galle zu finden, während solche von 1896 reichhch vor- handen gewesen sind. Wohl fand ich manche, anscheinend von Tortrix resinella herrührenden Frassstellen aus dem Jahre 1897. Dieselben waren aber nicht oder nur unvoll- kommen mit Harzzelten bedeckt, ohne Raupe und mehr oder weniger vernarbt. Es scheint demnach, dass die Tortrix in hiesiger Gegend im Jahre 1897 Schädigungen ausgesetzt gewesen ist, welche sie in hohem Grade deci- mirten. Dadurch ist dieses Jahr zwischen den beiden günstigen Jahren 1>96 und 1898 ausgefallen. Im laufeu- den Winter sind zahlreiche, junge Gallen vorhanden, welche im Frühsoramer 1900 ihre Insassen entlassen würden. Ob auch anderwärts und zu andern Zeiten zwei- jährige Perioden für die Flugjahre des Schmetterlings vor- liegen, ist mir unbekannt. Jedenfalls fehlen mir aus der an- gegebenen Ursache Beobachtungen über das Verhalten der Raupe im Winter und beim Beginne des zweiten Frass- jabres. Ich glaube indess, dass solche zu dem Gesagten nichts Wesentliches hinzufügen würden. Der Aufbau der inneren Gallenkammer, des Tonnengewölbes, ist zu der Zeit, in welcher ich schreibe, September 1898, schon so weit vorgeschritten, dass sich alle bis zur Reife der Galle noch ausstehenden Veränderungen, Erweiterung der vor- handenen Räume und weitere Verstärkung ihrer jetzt noch weichen Wände, voraussehen lassen. Der Schaden, welchen Tortrix resinella anrichtet, ist im Allgemeinen nicht bedeutend, zumal sie hauptsäch- lich die Seitentriebe der Kiefer bewohnt. Diese erfahren an der Unterseite der Frassstelle eine Verbreiterung, und die oberhalb derselben gelegenen Knospen oder Sprosse können absterben. Einige Male sind indessen nach Altum (Judeich und Nitsche 1. c. 1011) in Preussen bedenklichere Verwüstungen vorgekommen; so im Eberswalder Stadt- forst, wo das Insect auch -den llöhentrieb anging. Wenn nöthis', wäre durch Vernichtung der Gallen im zweiten Kalenderjahre des Frasses einzuschreiten. (X) „lieber eine neue Erscheinung bei elektrischen Entladungen in verdünnten Gasen" berichtet L. Fomm in d. Sitzungsberichten der mathem.-physikal. Klasse d. k. b. Akademie der Wissenschaften zu München, Heft III, 1898. Wenn man um eine Glasröhre zwei Ringe aus dünnem Draht herumlegt, dieselben mit den Polen eines galva- nischen Inductionsapparates in Verbindung bringt und nun die Röhre, die durch ein seitlich angeblasenes Rohr mit einer Quecksilberluftpumpe in Verbindung steht, evakuirt, dann treten bei den ersten Pumpenzügen Erscheinungen auf, die denen bei den gewöhnlichen Geisslerschen Röhren ganz ähnlich sind: Funkeuartige Entladung, Auftreten 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 4. positiven und negativen Lichtes, Bildung eines dunklen Raumes und Schichtung des positiven Lichtes. Besitzen die Röhren äussere EK-ctrodeu, wie sie in diesem Falle durch die Ringe gebildet werden, dann beobachtet man nur oscillatorische Entladungen, da die Electroden die eine Belegung, das leitende Gas die andere Belegung eines Kondensators darstellen, während das Glas die Rolle des Dielectrikums überniuuut. Bei diesen Entladungen hat es den Anschein, als wären beide Electroden gleich- zeitig Anode und Kathode, jedoch sind die übereinander gelagerten Erscheinungen leicht zu trennen, wenn man einen Magneten in Anwendung bringt, dessen Kraftlinien senkrecht zur Röhrenaxe verlaufen. Evakuirt man weiter, dann tritt concentrisch zu den äusseren Drahtringen an der inneren Wandung der Glasröhre ein blauer Ring auf, aus dessen Mitte positives Licht herausströmt, das den ganzen Querschnitt der Röhre ausfüllt und sich nach und nach schichtet. Dann nimmt der unter den Drahtringen aufgetretene, blaue Lichtring sowohl seitlicii als aueh gegen dicAxe der Glasröhre hin zu und erfüllt schliesslich den ganzen Querschnitt, während das positive Licht schwindet. Bei weiterer Verdünnung sieht man nun das blaue Licht unter den Drahtringen sich von der Glaswandung ablösen und in der Ringebene gegen deren Mittelpunkt hin sich zusammenschnüren, so dass ein Doppel-Lichtkegel mit der Spitze im Ringmittelpunkt entsteht. Von diesem Doppel- kegel verwandelt sich weiterhin der der anderen Electrode zugewandte Kegel in einen langgestreckten, blaugrauen Strahl, der der anderen Electrode abgewandte Kegel in ein wulstartiges Gebilde. Hat die Verdünnung endlich eine gewisse Höhe erreicht, dann werden die Strahlen unsichtbar und lassen sich nur noch an ihrer riiosphorescenz erregenden Wirkung erkennen, gleichzeitig entsteht beider- seits von den Ringen auf dem Glase ein dunkler und ein breiter, phosphorescirender Streifen. Sind beide Electroden mit dem Inductionsapparat in Verbindung, dann treten die blaugrauen Strahlen nur in dem Raum zwischen den- selben auf. Verbindet man aber nur einen Ring mit dem Inductionsapparat und leitet den freien Pol des letzteren 7Air Erde ab, dann erscheinen die blaugrauen Strahlen auf beiden Seiten des Ringes. Schaltet man zwischen die Ringe eine Metallplatte ein, die in der Mitte auch durchbohrt sein kann, dann sendet dieselbe senkrecht zu ihrer Ubertläche und zwar aus ihiem Mittelpunkt intensive Strahlen aus, welche lebhafte Fhosphorescenz und Röntgen- strahlen erzeugen. In gleicher Weise wirken mehrere Metallplatten; wie die eine Platte treten sie als Trennungs- flächen auf und werden zu Electroden. Die blaugraueu Strahlen haben die Eigenschaften der Kathodenstrahlen. Ihre Ausbreitung geschieht unabhängig von der Stellung, die der zweite Ring einniujmt, und sie verlaufen in ihrer Hauptmasse senkreelit zur Ringebene, in welchem Winkel aueh immer dieselbe zur Röhrenaxe stehen mag. Dort, wo die Strahlen die Glaswandung treffen, rufen sie lebhafte Fhosphorescenz hervor, ferner setzen sie ein in ihre Bahn gei)rachtes Rädchen in Be- wegung und werden vom Magneten abgelenkt sich dabei um das Ringcentrum als Ausgangspunkt drehend. Der Wulst, der durch dieselben Strahlen gebildet wird, ruft an der Glaswandung rothgelbe Fhosphorescenz hervor und wird von einem Magneten weniger beeinflusst. A. L. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Der Berliner botanische Tauschverein hat nocli vor dem Weihnachtsfeste sein neues Do ubl etten verzoichniss versandt. Dasselbe enthalt auf 36 Seiten die Namen von Phanerogamen, Gefässkryptogameu, Laub- und Lebermoosen, Characeen, Flechten, Algen und Pilzen, insgesammt über (iOOO verschiedene Arten. Die angebotenen Pflanzen stammen aus allen Theilen Europas, aus Spanien, Klein-Asien, Nord-Afrika und Nord-Amerika. Namentlich von letzterem Lande ist eine schöne Sammlung angeboten. Sämmtlicho Pflanzen werden auch käuflich abgegeben. Es kostet eine Centurie dreiwerthiger Pflanzen L5 Mark. Der Katalog wird jedem Botaniker kostenlos zugeschickt, sobald er seine Adresse dem Tausehleiter, Herrn Oberlehrer Otto Leonhardt in Nossen (Sachsen), mittheilt. Aufruf zur Sammlung für ein im Jahre 1902 in Mageburg zu gründendes Denkmal des berühmten Bürgermeisters und Natur- forschers Otto von Guericke. Der Naturwissenschaftliche V^erein zu Magdeburg richtet an alle Förderer und Verehrer der naturwissenschaftlichen Studien und Arbeiten die ergebenste Bitte, sich mit einer Geldspende an den Sammlungen zur Er- richtung eines würdigen Denkmals für den grossen Magdeburger Bürgermeister und Naturforscher zu betheiligen. Die Eröffnung des Denkmals ist geplant im Jahre 19ü:i, in welchem der Geburts- tag des verdienstvollen Gelehrten zum dreihundertsten Male wiederkehrt. Gegenüber den nicht ganz unbestrittenen Verdiensten Otto von Guerickes im politischen Leben steht seine nie ange- zweifelte Bedeutung als Naturforscher. Seiner weltgeschichtlichen Bedeutung für die Entwickelung der Naturwissenschaft gerocht 7,a werden, ist der Magdeburger Naturwissenschaftliche Verein bestrebt, indem er, über die engen Grenzen der Stadt und seiner eigenen Mitglieder hinausgehend, mit der Bitte um Beiträge für das genannte Denkmal sich an alle naturwissenscliaftlichon Ge- sellschaften, Vereine etc. wendet. Der Vereinsschatzmeister, Herr Chemiker Dr. Möries, Magdeburg, Wilhelmstrasse '20 IL, wird gern bereit sein, diese Spenden entgegenzunehmen. Der Vorstand des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Magdeburg. L i 1 1 e r a t u r. L. Frobenius, Der Ursprung der Cultur. Bd. I: Der Ursprung der afrikanischen Culturen. gr. 8". Mit 26 Karten, 9 Tafeln und ca. 240 Textillustrationen. Verlag von Gebr. Borntraeger in Berlin, 1898. — Preis 10 Mark. Wir können im Interesse der Wissenschaft nur wünschen, dass das Buch von den Fachleuten gewissenhafte Berück- sichtigung fände und nicht einfach desshalb, weil es von dem Ge- wohnten abweicht, oder auch aus dem Grunde, weil Verfasser noch sehr, noch „zu*" jung sein soll (!), beiseite geschoben werde. Der lebendige, frische und vor allem muthige Geist, der aus dem Buche athmet, fehlt der leider zur Zeit herrschenden Schule der Anthropologie gar sehr, und so ist es denn begreiflich, dass -in dem Sinne, in welchem Verf. in seinem Fache vorgeht, nicht all- seitig freudig und gleich mitgearbeitet werden wird. Der stetige Fortschritt der Wissenschaft ist nur möglich, wenn diejenigen Leistungen, (He ihn bedingen, als solche sofort überall erkannt werden." Wenn eine Leistung ganz augenfällig und gewisser- maassen durch ihre Grösse und auch praktische Bedeutung jdump in die Sinne fährt, wie damals die Entdeckung der Eönfgen- Strahlen, so ist eine sofortige Anerkennung gewiss, je mehr aber zur Erkenntniss eines Fortschrittes die Denk thätigkei t noth- wendig ist, und je weiter ein solcher von der Alltags-Praxis ab- liegt, um so schwieriger wird es, ihn zur Anerkennung zu bringen, weil es hier nicht sinnfällige Keulenschläge sind, die zur Aner- kennung zwingen und dann die lebenserhaltende Trägheit, die Gewohnheit, entgegenwirkt. Wie es dabei naturgemäss einem ,.jungen'', noch nicht oder noch nicht genügend eingeführten Ge- lehrten ergehen muss, wenn er es wagt, sich an verknöcherte, ältere Fachgenossen zu wenden, das ist ja zur Genüge bekannt: man lässt ihn und seine Thaten liegen. Wir freuen uns desshalb, dass ein Gelehrter, dessen wissenschaftlicher Ruf überall gleich unbestritten ist, der stets Beweise unpersönlichster Sachlichkeit ge- geben hat, die Widnmng des Frobenius'scheu Werkes angenommen hat und so hoff'entlich eine Brücke bilden wird, demselben schneller in die wirkende Wissenschaft Eingang zu verschaft'en, als es sonst möglich wäre; es ist der berühmte Geologe und Geograph Ferdinand von Richthofen, dem die Zueignung des Buches gilt. Das Motto desselben lautet: „Denn' im Culturbesitz, wenn irgendwo, muss zu lesen sein, aus welchen Elementen und auf welchen Wegen die heutige Menschheit geworden, was sie ist." (Fr.Ratzel.) Hieraus ergiebt sich die Tendenz, in der das Buch ge- schrieben ist. Die Cultur ist nach des Verfassers Ausdruck ein Lebewesen, das sich gesetzmässig entwickelt, ein Organismus, der eine Geburt, ein Kindes-, Mannes-, Greisenalter und endlich ein Hinscheiden hat. So entsteht ein lebensvolles Bild der Entwicke- lung der afrikanischen Cultur: ein Bild, dass sich mit einer Selbst- verständlichkeit entrollt, die die beste Garantie für die Richtig- keit ist. Das hohe Ziel des Verfassers ist die Forschung nach dem Ursprung der Culturformen, in letzter Instanz nach dem Ur- XIV. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 Sprung der Völker. Das gut geschriebi>ne Work ist nicht an eine engbegrenzto Gi'uieinde sondern an allo Naturwissoiiscliaftler, an den Gebildeten überhaupt gericlitet, und es erscheint sich(!r für weitere Kreise interessant genug, haben wir doch als colonisireude Macht gelernt, unser Interesse auch ausserhalb Europas liegenden Vorgängen zuzuwenden, und ist doch ferner viel von den Völkern und der Cultur in unsern deutschen Colonien die Rede. Wenn wir also das Unternehmen des Verf. loben müssen, so meinen wir doch nicht, dass nicht an den Einzelheiten noch zu verbessern sein wird; wir haben das Buch niclit als das an- gesehen, was es nicht ist, nämlich als ein Wörterbuch, bei dem man freilich berechtigt ist zu klagen, wenn eine hilutige Vokabel falsch übersetzt wiedergegeben ist. sondern wir haben den Geist des Buclies auf uns wirken lassen, der uns freudig erfüllt mit der Hoflfnung, dass die uns so nahe angehende Menschengcschichte, die unter dem Druck einiger machtvoller Autoritäten schmachtet, nun doch in Zukunft mit Hülfe der naturwissenschaftlichen Methodik mehr aufgehellt werden wird, und es ist bei dem rapiden Schwinden der unwiederbringlich verloren gehenden aussereuro- päischen Culturen in der That die höchste Zeit, noch das Vor- handene schnell auszunutzen. P. Kich. Herrn. Blochmann, Die Sternkunde. GemeinfassHch dar- gestellt. Mit G'J Illustrationen, 3 Tafeln und 2 Sternkarten. Verlagsbuchhandlung von Strecker & Moser (Inhaber: H. Moser, A. Schröder, H. Strecker) in Stuttgart, 1899. — Preis elegant gebunden 6 Mark. Die vorliegende, neue, populäre Astronomie ist empfehlens- werth für denjenigen, der ein kurzes, verhältnissmässig billiges Buch über den Gegenstand wünscht. Franz von Hemmelmayr, Lehrbuch, der organischen Chemie für die sechste Klasse der Oberrealschulen. Mit 9 Abb. und 1 Farbentafel. F. Terapsky in Wien und Prag, 1899. Preis gebunden 1 fl. 15 kr. Das Buch ist für österreichische Schulen berechnet und brauchbar; es disponirt nach einer Einleitung den speciellen Theil in I. Methanderivate, IL Cyanverbindungen, III. Cyclische Ver- bindungen und IV. Verbindungen, deren Constitution noch nicht völlig aufgeklärt ist. Ein Anhang beschäftigt sich mit der Er- niilirung des Menschen und der Fäulniss. Diese Disposition ist zweifellos geschickt. Annuaire pour l'an 1899, publie par le bureau des longi- tudes. Avec des notes soientitiques. — Gauthier-Villard. Paris. — Prix 1 fr. 50 o. Pünktlich ist auch in diesem Jahr das von uns schon des öfteren gebührend gewürdigte, werthvolle Jahrbuch erschienen. Es enthält wieder eine Menge vortrefflicher Tabellen physika- lischen, chemischen, astronomischen, meteo. ologischen, geogra- phischen oder allgemein-statistischen Inhalts mit erläuterndem Text. Ausserdem findet man darin folgende Aufsätze: A. Bouquet de la Grye „Notice sur les ballons sondes", eine Ergänzung zu dem neulich von uns besprochenen Werk M. deFonvielles. — Bassot „La geodesie moderne en France". — P. Gauthier „Note sur Ic siderostat a lunette de 60^ de foyer et de Im, '25 d Ouvertüre". — J. Janssen „Les travaux an Mont blanc en 1898". Bendiconti della R. Accademia dei Lincei. — Der leie.he Inhalt des ersten Halbjahrsbandes 1898 dieser altberühmten Be- richte der Römischen Akademie lässt sich aus den folgenden An- gaben erkennen, die allerdings nur eine Auswahl darstellen: Tacchini setzt seine systematische Artikelserie über die auf dem Observatorium des Collegio Romano*beobachteten Sonnen-Flecken, -Fackeln und -Protuberanzen fort; Tolomei, Studien über die Wirkungen der Röntgenstrahlen; Tolomei, Wirkung der Elek- tricität auf die Keimung; Malagoli und Bonacini, Ueber die Diffusion der Röntgenstrahlen; Röiti, Die Kryptoluminescenz der Metalle; Sandrucci, Gleichzeitige Aussendnng vonOrthokathoden- strahlen von beiden Elektroden; Villari, LTeher die Wirkungen undurchsichtiger Tuben auf die X-Strahlen; Villari, Der Schatten der X-Strahlen untersucht mit der Photographie; Corbino, Ueber die von Cornu gegebene Interpretation des Zeemann'schen Phänomens; Righi, Ueber die kinematische Interpretation des Zeemann'schen Phänomens; Vanni, Ueber eine neue Form des Capillar-Elektrometers ; Straneo, Ueber die gleichzeitige Be- stimmungder thermischen und elektrischen Leitfähigkeit der Metalle bei verschiedenen Temperaturen; Straneo, Lieber die Teniperatur eines linearen bimetallischen Leiters; Millosevich, Beob- achtungen des neuen Porrinischen Cometen; Bortolotti, Ueber die jährliche Veränderung der Temperatur im Klima Roms; Agamennone, Mittheilungon über verschiedene Erdbeben; Del Lungo, Ueber die Dichtigkeit der Flüssigkeiten und der ge- sättigten Dämpfe als Funktionen der Temperatur; Bagnera, Ein Satz über die Invarianten der Substitutionen einer Klein- schen Gruppe; Banal, Ueber Räume mit constanter Krümmung; Berzolari, lieber die Ausdehnung der Sätze von Euler und Meusnier auf höhere Mannigfaltigkeiten; Bortolotti, Ueber die Verallgemeinerung der Eigenscliaft der Wronski'schen Deter- minante; Vivanti, Ueber die Wronski'sche Determinante; Ivevi, Lieber die Transformation einer algebraischen Curve in eine andere, die keine mehrfachen Punkte besitzt; Medolaghi, Ueber die Form der Differentialinvarianten; Pincherle, Ueber die ange- näherte Lösung der Differenzengleichungen; Veronese, Segmente und transfinite Zahlen; Levi-Givita, Ueber die transfiniten Zahlen; Silvestri, Ueber die Morphologie der Diplopoden; Lovisato, Notiz über einige für Sardinien neue Mineralarten. — Wie aus den Uebersichten über die in den Rendiconti ver- öft'entliehten Arbeiten hervorgeht, die in den letzten Jahren regel- mässig an dieser Stelle mitgetheilt werden, überwiegen die exacten Wissenschaften darin ganz wesentlich. Bergh, Dr. Bud., Malacologische Untersuchungen. 4. Abtiieilung. 1. Abschnitt. Die Pleurobranchiden. Wiesbaden. — 18,60 Mark. Bothmer, Dragoman Heinz, Kreta in Vergangenheit und Gegen- wart. Leipzig. — 2 Mark. Bruchmann, Prof, Dr. H., Ueber die Prothallien und die Keiin- pflanzen mehrerer europäischer Lycopodien, und. zwar über die von Lycopodium clavatum, L. aunotinum, L. complanatum und L. Selago. Gotha. — 8 Mark, Cohen, Prof. Dr. E., Ueber das Meteoreisen von Morradal bei Grjotli zwischen Skiaker und Stryn, Norwegen. Christiania. -'•2,20 Mark. Coucheron-Aamot, Lieut. z. S. W., Durch das Land der Chinesen. 1. Lfg, gr, 8", Leipzig-Ri'udnitz. — 0,75 Mark. Dolanski, Staatsr. cand. jur. H., Zwei Probleme: Dreitheilung des Winkels und (iuadratur des Kreises. Reval. — 4 Mark. Fresenius, Prof. Dir. Dr. Th. Wilh., Ueber die Entwickelung der analytischen Chemie in den letzten 50 Jahren. Wiesbaden. — 0,60 Mark. Hartmann, Dr. J., Ueber die Scale des Kirchhoff'schen Sonnen- spectrums. Berlin. — 0,50 Mark. Herman, Prof. G., Naturgeschichte der Geschlechtsliebe. Leipzig. — 2,50 Mark. Kohn, Gust., Ueber Tetraeder in schief perspectiver Lage. Wien. — 0,30 Mark. Kärrström, E. J., 18 Jahre in Südafrika. Leipzig. — 0,60 Mark. Marchand, F., Beiträge zur Kenntniss der Placentarbildung. Marburg. — i ^lark. Batzel, Frdr., Deutschland. Leipzig. — 2,50 Mark. Rebel, Assist. Dr. H., Fossile Lepidoptercn aus der Miocän- forniatioa von Gabro. Wien. — 0,80 iVEark. Schott, Dr. Gerh., Weltkarte zur Uebersicht der Meeresströmungen. Berlin. — 11 Mark. Schriften der Giesellschaft zur Beförderung der gesammten Natur- wissenschaften zu Marburg. 3. Abth. Marburg. — Semper, Prof Dr. C, Reisen im Archipel der Philippinen. IL Thl. Wissenschaftliche Resultate. VI. Bd. 2. Lfg. Wiesbaden. — Semper, Geo., Die Nachtfalter (Heterocera). 2. Lfg. Wiesbaden. - 24 Mark. Spencer, Baldwin, Der Bau der Lungen von Ceratodus und Protopterus. Jena. — Sydow, P., Index universalis et locupletissimus nominum plantarum hospituüi specierumque omnium fungorum has iucolentium quae e sylloge fungorum Saccardiana et e litteratura mycologica usque ad finem anni 1897 in lucem edita. Berlin. — 77 Mark. tJrban, Ingn., Symbolao Antillanae seu fundamenta florae Indiae occidentalis. Berlin. — 10,80 Mark. Vortmann, Prot. Dr. G., Uebungsbeispiele aus der quantitativen chemischen Analyse durch Gewichtsanalyse einschliesslich der Elektroanalyse Wien. — 1,25 Mark. Waldeyer, Wilh., Ueber Aufgaben uud Stellung unserer Uni- versitäten seit der Neugründung des deutschen Reiches. Berlin. - 0,80 Alark. Wiesner, J., Beiträge zur Kenntniss des photochemischen Klimas im arktischen Gebiete. Wien. — 2,70 Mark. Zweck, Gymn.-Oberl. Dr. Alb., Littauen. Stuttgart. — 2,50 Mark. Inhalt: Die allgemeine Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft zu Berlin. — Lebenserscheinungen der Protozoen. — Ueber die Lebensweise des Kiefernbarzgalhvicklers (Tortrix resinella L.). — Ueber eine neue Erscheinung bei elektrischen Entladungen in verdünnten Gasen. — Aus dem wissenschaftlichen Leben. — LItterafur: L. Frobenius, Der Ursprung der Cultur. — Rieh. Herm. Blochmann, Die Sternkunde. — Franz V(ui Hemmelmayr, Lehrbuch der organischen Chemie. — Annuaire pour l'an 1899. — Rendiconti della R. Accadomia dei Lincei. — Liste. 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 4. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ : Dr. Robert Muencke : t Luisenstr. 58. BERLIN NW. Luisenstr. 58. t # Technisches Institut für Anfertigung; wissenschaftlicher Apparate # ♦ und Geräthschaften im Gesammtgebiete der Naturwissenschaften. ♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Ferd. Dümmlers Terlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. 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Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdrnrk ist nur mit vollständift-er Quellenangabe gestattet. Pflanzenphysiologische Versuche zu Uebungen im Winter. Von Dr. R. Kolk witz, Privatdoceut clor Botanik an der Universität zu Berlin. In einigen Aufsätzen gedenke ich eine Reihe von einfachen und lehrreichen physiologischen Versuchen mit- zutheilen, welche im Wintersemester ausgeführt werden können und im Allgemeinen nicht länger als 2 Stunden dauern. Eine ganze Reihe dieser Experimente gehört nicht zu den gewöhnlichen Voriesungsversuchen, ist auch nicht im Pflanzenphysiologischen Prakticum von Detmer, 2. Auflage, erwähnt. I. Gruppe: Chlorophyll. I.Versuch: Engelmann'scheBacterienmetho de. Bei der Kohlenstotfassimilation scheiden die grünen Pflanzen bekanntlieh bei gleichzeitiger Einwirkung des Lichtes Sauerstoff aus. Es handelt sich darum, diese Sauerstoftausscheidnng nachzuweisen und zwar an mikro- skopisch kleineu Objecten, bei denen der Sauerstoff nicht, wie bei abgeschnittenen Stengeln von Elodea canadensis, in Bläschenform austritt, sondern durch Diffusion in das umgebende Wasser gelangt. Man bedient sich bei dieser Methode der in faulendem Fleisch massenhaft auftretenden, sauerstoff'empfindlichen Fäulnissbacterien. Diese sind leb- haft beweglich, wenn Sauerstoft'zutritt stattfinden kann, kommen dagegen bei Mangel an Sauerstoff zur Ruhe. Diese zuerst von Cohn näher beobachteten Bacterien hiessen Bacterium termo; heute ist diese Species aber in drei aufgelöst worden : in Bacillus fluorescens liquefaciens, Bacillus fluorescens nou liquefaciens und Bacillus proteus = Proteus vulgaris. Uebergiesst man ein etwa fingergliedgrosses, ge- schabtes, rohes, mageres Stück Fleisch mit 50 — 100 ccm Leitungswasser, so entwickeln sich diese Bacterien in wenigen Tagen spontan in dem Wasser. Bringt man einen Tropfen davon auf den Objectträger und legt einen Faden von Spirogyra dazu, so wird man, wenn das Deckgläschen so aufgelegt wird, dass keine Luft- blasen entstehen, schon bei einer 250 fachen Vergrösseruug leicht wahrnehmen, dass Bacterien sich nur in unmittel- barer Nähe des Algenfadens bewegen, also ein Beweis, dass thatsäehlich im Licht durch die grüne Alge Sauer- stoff producirt wird. Stülpt mau eine Papp- oder Blech- kappe zwecks Verdunkelung über das Mikroskop, so kommen nach etwa 2 Minuten die Bacterien zur Ruhe, um bei erneuter Belichtung durch Abheben der Kappe die Bewegung sofort wieder zu beginnen. Oefters wird man auch in grosser Entfernung von der Spirogyra noch vereinzelte Bacterien herumschwimmen sehen. Diese sind für den Versuch nicht geeignet; sie sind anaerob, behalten ibre Beweglichkeit also auch bei Mangel von Sauerstoff'. Arbeitet man mit Reinculturen, welche man sich durch das übliche Plattenverfahren herstellt, so kommen in ge- ringer Entfernung vom Faden selbstverständlich alle Bacterien zur Ruhe. um fortwährend brauchbares Material zur Verfügung zu haben, müssen die Bacterien alle 2 — 3 Tage in neue Kulturröhrchen übergeimpft werden. Will man zeigen, dass es gerade die grünen Chromato- phoren sind, welche den Sauerstoff ausscheiden, so wähle man Fäden mit sehr lang ausgezogenen Spiralbändern. Dann ist Bewegung der Bacterien nur über den Bändern zu beobachten. Man kann aber auch den Faden zerdrücken und das Wimmeln der Bacterien an den herausgepressten Chro- matophoren beobachten. Man muss bei diesem Versuch aber die Vorsicht gebrauchen, den Faden unter dem Deck- glas in etwa lOprocentige Rolirzuckerlösung zu legen, weil reines Wasser auf die Chromatophoren tödtlich wirkt. Reines Wasser ist auch nicht das Medium, in welchem die Bänder in der intacten Zelle leben, denn gerade durch die Kohlenstoffassimilation wird fortwälirend Zucker ge- bildet. Sehr geeignete Objccte für diese Versuche sind auch die Diatomeen und Oscillarien. Litteratur: Engel mann, Botanische Zeitung und Pflügers Archiv 1881, 1882. 46 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 5. 2. Versuch: Sauerstoffnachweis mittels der ludigom ethode.- Man steile von der unter dem Namen Indigocarmin in den Apotheken käulllL-hen, blauen Paste eine wässerige, in etwa 1 dm dicker Schiciit tief himmel- blaue Lösung her und fülle dieselbe in eine mehrere hundert ccm fassende Glasflasche mit Glasstöpsel und engem Hals. Gesondert hiervon schüttele man etwa 30 ccm einer ge- sättigten Lösung von Natrium bisulfurosum (NaHSOg) mit Zinkstaub 5 Minuten lang und stumpfe die Säure mit Kalkmilch ab. Nach dem Absetzen füge man zu der blauen Flüssigkeit einige Tropfen dieses Prä|)arates. So- fort wird das Blau verschwinden und nur eine schwach gelbe Farbe bleiben. Geschah die Entfärbung sehr vorsichtig, so wird in der Nähe der Oeft'nung sofort inuner wieder eine Bläuung eintreten, weil der Sauerstoft" der Luft in die empfindlich gestinnnte Flüssigkeit eindringt und innner wieder die Indigofarbe herstellt. Verstöpselt man dagegen die bis oben gelullte Flasche mit der Flüssigkeit sogleich, so bleibt sie unbegrenzte Zeit farblos, weil kein Sauerstoff zutreten kann. Sollte aber doch wieder Bläuung ein- treten, muss man noch einmal die Entfärbung vornehmen; dann bleibt die Flüssigkeit sicher hell. Hat man vorher auf den Boden der Flasche ein mit einem Bleistuckchen beschwertes Moos oder ein Algenpolster versenkt, wobei zu beachten ist, dass keine Luftblasen hängen bleiben, so steigen l)eim Belichten von den Objecten blaue Schlieren in der entfärbten Flüssigkeit empor, weil Sauerstoff aus- geschieden wird. Belässt man die Flasche dagegen im Dunkeln, so unterbleibt die Blaufärbung, da im Flüstern keine Assimilation möglich ist. Litteratur: Beyerinck, Botanische Zeitung 1890, Seite 725. Kny, Bericlite der Deutschen Botanischen GeselLschaft 1897, Seite 388. Ohne den grünen Chlorophyllfarbstoff findet keine Kohleustoffassimilation, d. h. Bildung von Zucker, statt. (Bezüglich einiger abweichenden Fälle vergl. Pfeffer, Fflanzenphysiologie, IL Aufl. 1897, Band I, S. 287—289 und 346-349.) Man hat deshalb diesem Farbstoff die grösste Auf- merksamkeit geschenkt, wenngleich noch gänzlich un- bekannt ist, ob er in diesem wichtigen Process eine in erster Linie tonangebende Rolle spielt; vielleicht wirkt er nur als Sensibilisator. (cf. Pfeffer, S. 334, 340.) Die folgenden Versnche sollen uns mit dem Chloro- phyll näher bekannt machen. 3. Versuch: Assimilation von Elodea cana- densis. (cf. Detmer.) Im spektroskopisch zerlegten Licht wirken nicht etwa diejenigen Strahlen am günstigsten, welche am hellsten sind, sondern es kommt auf die Farbe an. Bindung der Kohlensäure hemmt, Zugiessen eines gewissen Quantums von Selterswasser fördert die Assimi- lation. 4. Versuch: Zerlegung des Chlorophylls. Man stelle eine Lösung dieses Farbstoffes dadurch her, dass man beliebige grüne Blätter mit Sand nnd Alkohol in einer Porzellansehale zerreibt und nach dem Absetzen die Flüssigkeit abgiesst oder abfiltrirt. Die so gewonnene Chlorophylllösung ist iu dünn.n Schichten grün und fluorescirt blutroth, in dicken Schichten dagegen ist sie auch bei durchfallendem Licht roth. Da- her erklärt es sich auch, dass bei vielen Pflanzen im Wesentlichen nur noch rothes Licht passirt, wenn man 5 — 8 Blätter übereinander legt und gegen die Sonne hält. (cf. Sachs, Handbuch der Experimentalphysiologie 1865 unter Diajjhanoskop.) Bezüglich des Absorptiousspectrums vergL Detmer und Pfeffer. Im Licht tritt Zersetzung der Chlorophylllösung unter Bräunung ein. (cf. Detmer, S. "25.) Fügt man in einem Rea- gensrohr zu der Chlorophylllösung Aetlier und dann etwas Wasser, so treten zwei scharf gesonderte Schichten auf, eine obere blaugrüne und eine untere gelbe. Die obei-c fluorescirt blutroth, der unteren fehlt diese Eigenschaft gänzlich. Die Spectren beider sind ganz verschieden (cf. Detmer). Nur die blaugrüne obere Schicht (Cyanophyll) enthält noch den charakteristischen Absorptionsstreifen im Roth; die untere (Xauthophyll genannt) verdankt ihre gelbe Farbe dem Karotin. Die Ti-ennung beider Farbstoffe kann man auch da- durch erreichen, dass man in die Chhiropliylllösung einen Streifen Fliesspapier hängt. Nach 2—3 Stunden kann man beobachten, dass der gelbe Farbstoff capillar höher hinaufgesogeu wird als der grüne (Capillaranalyse). Litteratur findet sich bei Pfeffer. 5. Versuch: Verbreitung und Nachweis des Karotins. Der gelbrothe Farbstoff' der Mohrrübe wird Karotin genannt. Er findet sich, nicht an Plasma ge- bunden, in Form von Stäbchen und Plättchen, in den Zellen, (cf. Courchet, Annales des sciences naturelles 1888.) Er ist identisch oder wenigstens nahe verwandt mit zahlreichen, unter anderen Namen im Pflanzenkörper all- gemein bekannten gelben Farbstoffen. Wie bereits oben betont, ist auch der gelbe Bestandtheil des Chlorophylls ein Karotin, ebenso das Gelb und Gelbroth der herbstlich verfärbten Blätter (Acer, Quercus), der im Dunkeln ver- geilten Pflanzen (Etiolin), das Bacterienpurpurin des be- rühmten Baeterium photometricum (Reagens auf ultrarothes Licht), das Roth des sogenannten Veilchenmooses (Trente- pohlia iolithus), das Gelb vieler Blüthenfarbstoffe, das Gelb des Eidotters, das Roth mancher KäferflUgel u. s. w. Die Bedeutung des Karotins ist unbekannt, sogar bei der Mohrrübe. Um dasselbe zu extrahiren und nachzuweisen, ver- fährt man in folgender Weise: Mohrrül)en weiden auf einem Reibeisen zerrieben, dann getrocknet und in einer Porzellanschale gepulvert. Beim Uebcrgiesscn mit Schwefelkohlenstoff, dem besten Lösungsmittel, für Karotin, färbt sich dieser sogleieh tief gelbroth. Der Schwefelkohlenstoff wird nun abfiltrirt (nicht das Filter mit Wasser anfeuchten!) und spektro- skopisch geprüft. Es zeigt sich, dass im Wesentlichen der blaue und violette Theil des Spectrums absorbirt wird. Gicsst man von der Flüssigkeit eine Probe auf ein Uhrschälchen und lässt den Schwefelkohlenstoff' verdunsten, so bleibt als Rückstand fast reines Karotin. Dasselbe färbt sich nach Zusatz von conc. Schwefelsäure schön blau, nach Zusatz von Jodlösuug grün. Besitzt der Karotiubeschlag eine zu grosse Dicke, so kann es vorkommen, dass die Reactionen versagen. In gleicher Weise verfahre man mit herbstlich ge- färbten Laubblättern, im Finstern erzogenen Gersten- und Weizenpflanzen u. s. w. üebergiesst man getrocknete, zerriebene, grüne Pflanzen mit Schwefelkohlenstoff', so wird nur der gelbe Bestandtheil des Chlorophylls, also das Karotin, extrahirt. Sehr schöne Resultate erhält man beim Studium des Baeterium photometricum. Dasselbe findet sich häufig in Teichen, wo es z. B. auf alten, im Wasser schwimmenden Blättern häufig schmutzig-violette Ueberzüge bildet. Nach Zusatz von concentrirter Schwefelsäure gewahrt man, dass die einzelneu Zellen eine schöne, himmelblaue Färlnmg annehmen, die Grünfärbung durch Jod ist da- gegen nicht so ausgesprochen. Es empfiehlt sich, bei diesen Beobachtungen die Irisblende ziemlich weit zu öffnen. Bezüglich des gelben Farbstoffes der Diatomeen XIV. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 verdient hervorgehoben zu werden, dass dieses Gelb wahr- scheiiilifh niclit mit dem Karotin identisch oder auch nur ähnlich ist. Legt man mclirerc Tage lang eiu Blattstück z. B. von Clivia nol)i!is in 40pro7,entigen Alkohol, welchem 20 7o Kalilauge zugefügt sind, so treten durch Verände- rung der Chlorophyllköruer des Blattes deutlich Krystalle von Karotin auf. (cf. Molisch, Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft 1896, S. 18.) Der umgekehite Prozess, Bildung von Chlorophyll aus Karotin, ist nicht einmal für die lebende Pflanze sieher beobachtet worden. Wenn etioiirte Blätter ergrünen, wird vielleicht nur der blaugrüne Bestandthcil hiuzugefügt. End- lich sei noch darauf hingewiesen, dass die Entwickelungs- geschichte und Chemie des Chlorophylls in der lebenden Pflanze sehr schlecht bekannt ist. Litteratur: Zimmermann, Botan Mikrotochnik 1892, § 170, 171- 6. Versuch: Ergrünen im Finstern. Der Embryo in den Samen von Pinus und anderen Coniferen enthält kein Chlorophyll und ist farblos. Lässt man solche Samen im Dunkelschrank auskeimen, so entwickeln sich schöne, chlorophyllgrüne Keimlinge, während andere Pflanzen gelb bleiben. ' (cf. Pfeffer, S. "318). Es bleibt noch näher zu erforschen, welche Umstände in diesen Beispielen die Ent- stehung des Chlorophylls im Dunkeln gestatten. 7. Versuch: Bewegung chlorophyllftthrender Körper. 1. Starke Belichtung bewirkt in den Zellen von Lemna trisulca, dass die Chromatophoren von den parallel zur Oberfläche gerichteten Wänden auf die Seiten übergehen. Man nimmt, mit welchem Recht bleibt noch dahingestellt, an, dass dadurch das Chlorophyll sich vor zu weitgehender Zersetzung durch das Licht zu schützen sucht. Man beobachte ein belichtetes und ein 1—2 Stunden im Dunkeln gehaltenes Exemplar von Lemna trisulca. 2. Bringt man ein gewöhnliches Präparat von lebhaft beweglichen Euglena viridis unter das Mikroskop, so wird man beobachten, dass alle Individuen direct nach der dem Licht zugekehrten Seite des Deckgläschens hinschwimmen. Dreht man den Objectivträger um 18ü°, so wird die vor- her dunklere Seite heller, und die Euglenen kehren sämmt- lich um. Der sogenannte Augeufleck ist hierbei wahrscheinlich nicht maassgebend, denn es giebt bewegliche Zellen ohne Augenfleck, ja sogar gänzlich farblose, welche auch helio- taktisch sind. Euglenen findet mau stets in solchen Tümpeln, in welche von Zeit zu Zeit Jauche aus einem benachbarten Stall fliesst. (cf. auch Detmer S. 352.) (Fortsetzung folgt.) Die Verwendung der Perle. Von L. Herrmann. Zu allen Zeiten hat die Perle auf die Menschen einen tlnwiderstehlichen Zauber ausgeübt, aber in höchstem Grade die Orientalen gefesselt. Ihr Anblick entzückte das Auge mehr als das blendende Feuer der Diamanten und die präch- tige Röthe der Korallen. Darum wurde auch ihr Werth ausserordentlich hoch bemessen und oft ein ganzer Reieh- thum für den Besitz einer köstlichen Perle hingegeben, wie uns nicht bloss das Gleicliniss von der köstlichen Perle zeigt. In der Perle findet die Sprache das vor- trefflichste Sinnbild für ein Herz voll Liebe, Unschuld und Treue, für den schönsten Seelenschmuck des Menschen. Worin liegt es aber begründet, dass der Morgenländer die Perle, die mildleuchtende Tochter des Meeres, höher stellt, als den Edelstein, den funkelnden Sohn der Erde? Es ist die regelmässige Rundung, der milde Glanz und die strahlende, weisse Farbe der Meeresfrüchte. Diese Eigenschaften machten sie zum zauberhaften Lieblings- schmuck der Fürsten des Alterthums. Die Perle ist be- reits verknüpft mit der Geschichte Indiens; denn die indischen Gottheiten sind mit Perlen geschmückt. In den indischen Dichtungen ist sie das Sinnbild des Reinen und Keuschen. Neben Perlen strahlen allerdings auch Dia- manten aus den Augen der Götterbilder. Der Sonnen- gott Mitra trug eine strahlende Krone mit Perlenketten, die von Ohren und Schultern herabhingen. Vielseitig war Perlenschmuck in den Tempeln verwendet. Schon zu den Zeiten Alexanders des Grossen trieben die indischen Fürsten grosse Verschwendung mit Perlen. Älenschen, Thiere und Geiäthschaften waren damit überladen. So ist es dort gelieben bis in die neuere Zeit. Tavernier, erst einfacher Landkartenhändler, später Freiherr von Aubonne, der grösste Juwelenhändler seiner Zeit, schildert den Thronhimmel des Grossmoguls Aurengzeb, den er bei einem Feste im Jahre 1G65 sah, in folgender Weise. Die innerste Decke des Thronhimmels, war ganz mit Dia- manten und Perlen besetzt. Um ihn herum zog sich eine Franse mit gewichtigen Perlen. Auf dem Obertheile prangte ein radförmiger Pfau, seinen Schweif bildeten blaue Saphire und andere Juwelen, sein Leib bestand aus Gold mit Schmelzwerk und Edelsteinen, und über der Brust funkelte ein grosser Rubin mit einer Perle von birn- förmiger Gestalt, 50 Karat schwer und von gelblichem Wasser. Zu beiden Seiten des Pfaues schimmerte ein Strauss von goldenen Blumen mit seltenem Schmelz- und Steinwerk. An der Seite des Thrones glänzt ein 80 bis 90 Karat schwerer Diamant, ringsum von Smaragden und Rubinen eingefasst. Das Kostbarste aber waren 12 Säulen, welche den Himmel trugen und dicht mit runden, schön- farbigen 10 — 12 Karat (1 Karat :^V,, Gramm) schweren Perlen gefasst waren. Rechts und links vom Throne, 1 m davon entfernt, bereiteten 2 Sonnenschirme Schatten. Ihre 2 m hohen Stäbe strahlten von dem Feuer der Diamanten, Rubinen und Perlen auf purpurrothem Sammet, und rings herum lief noch in vielfachen Umschlingungen eine prachtvolle Franse mit den edelsten Perlen. Perlen wurden in Indien alle Zeit als Kriegstribut besiegter Stämme gefordert. Perlen bildeten den wesentlichsten Theil der Hochzeitsgaben Mallik Allah erbeutete im Jahre 1290 zu Deogir 15 000 Pfund Gold, 175 Pfund Perlen und 50 Pfund echte Juwelen. Noch jetzt wird in der Vermählungsstunde eine der frischen Muschel ent- nommene Perle als das Sinnbild jungfräulicher Reinheit durchbohrt. Altindische Frauen trugen farbige Gewänder, die mit Perlen gestickt waren. Arm- und Beinspangen waren mit Perlen besetzt. Die Frauen Hessen eine lange Flechte mit Perlen, Edelsteinen und Blumen über die Schultern herabhängen. Die Jungfrauen banden die Flechte auf der Stirn in einen Knoten. Buhlerinnen waren an den Ringcllocken auf der Stirn kenntlich. Noch jetzt tragen in Indien die Fürsten, hohen Beamten und deren Frauen Perlenschmuck am Kopfe und perlengestickte Kleider. Der Hindupilger hat Perlen als Zehrpfennig im Beutel. Von den Chinesen ist bekannt, dass sie gleichfalls den Perlenschmuck liebten. Ihre Alchymisten suchten 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 5. aus Perlen ein Lebenselixir zu bereiten, um dadurch ewige Jugend zu erlangen. Mingti, ein Herr.scher aus dem 10. Jahrhundert, Hess seinen Tliron und seine Geräth- schaften föimlich mit Perlen überladen. Das Geschirr der Pferde, die Wagen und die Kleider der Beamten waren so mit Perlen bedeckt, dass der Boden bei Aus- fahrten mit Perlen übersäet war. Der bekannte Italiener Marca Polo, der im 13. Jahrhundert China durchreiste, entwirft in seinen Berichten auch ausführliche Schilde- rungen über den Luxus mit Perlen in diesem Lande. Der Kaiser von China trägt noch heutigen Tages auf der Brust, den Schultern, dem Rücken und der Mütze einen fünfstrahligen, mit Perlen gestickten Drachen. Babylonier, Meder und Perser wogen im Hochgefühle ihres Reichthums die Perleu mit ungeheuren Mengen Goldes auf. Die Kampfgenossen Alexanders des Grossen berichten, dass die babylonischen Würdenträger und Priester am Halse enganliegende Perlensclmüre trugen. 1633 kaufte der persische Schah eine Perle für 1 60ü OOÜ Franken. Auch gegenwärtig sind die persischen Könige bei der Krönung mit Perlen förmlich überschüttet. Die per.sischen Frauen tragen Perlenschnüre um den Kopf, und Perlen- schnüre hängen über das Antlitz, sodass dasselbe wie eingefasst erscheint. Man denkt dabei an den annuithigen Dichter Anakreon, der eine Perle sein möchte, um an der Wange der Geliebten zu hängen. Aus der Bibel ist be- kannt, dass die Handelsbeziehungen der Juden mit an- deren Völkern die ersteren zur Ueppigkeit verleiteten. Werfen wir von den Zeiten des prachtliebenden Salomo an bis zur Zerstörung Jerusalems einen Blick in ein Braut- gemach einer reichen Jüdin, wenn die Geliebte bereit ist, dem Trauten ihres Herzens entgegen zu eilen zu ewiger Verbindung, so sehen wir sie gehüllt in zarte Stoffe aus kostbarem Linnen, Wolle oder Seide, angethan mit pracht- vollen Obergewändern, mit Gold und violettem Purpur durchwebt, im Schmuck von funkelnden Geschmeiden, Korallen, Juwelen, Perlenschnuren und duftend von wür- zigen Spezereien. Der goldene Gürtel ist künstlich ver- schlungen, und nur der Bräutigam darf ihn lösen. Von dem mit Perlen gefassten Stirnschmucke fliesst ein flor- artiger Schleier herab. Die Prunkliebe des Salomo lässt erwarten, dass ihm seine Damen in der üppigsten Kleider- pracht entgegengetreten sind. Wie im ganzen Orient, so prangten auch bei den Arabern Finger, Arme, Zehen und Fussgelenke von gol- denen, mit Perlen und Edelsteinen besetzten Ringen und Spangen. Die durchbohrten Ohren waren mit bunten Schätzen behangen. In der arabischen Dichtung ist die Perle das Sinnbild des Reinen, Zarten und Schönen. So singt der arabische Dichter Schabl O'ddulah in der Trauer um seine Frau: Hin ist unsere Nosami, die edle Perle. Der Himmel Schuf sie aus reinstem Thau, scliuf sie zur Perle der Welt. Stille glänzt sie, doch unerkannt von den Menschen: Darum leget sie Gott sanft in die Muschel zurück. In Aegypten, wo ebenfalls grosser Aufwand mit Perlen gemacht wurde, trugen Männer und Frauen mit Perlen gestickte Schulterkragen. Jünger ist der Gebrauch der Perlen im Abendlande. Die Griechen wurden mit den glänzenden Schätzen des Morgenlandes durch die Siege über die Perser bekannt. Athens Schiffahrt brachte aus Indien ausser anderen Kost- barkeiten auch Perlen. Vornehme Knaben trugen Perlen im rechten Ohre, Mädchen in beiden Ohren. Die Hals- kette bestand aus drei Glockenperlen, die bei jeder Kopf- bewegung klapperten. Besonders glänzten die Hetären in kostbarem Perleugeschmeide. In Italien beginnt der Luxus mit Perlen, seitdem Pompejus den Schmuck des Königs Mithridates von Pontus und damit auch eine unermessliche Menge von Perlen geraubt hat. Der Gott Jupiter bekam davon allein ein Museum von Perlen. Mit clor Erol)crung des Landes der schönen Kleopatra ahmten die im üebcrtlusse schlemmen- den Römer auch die morgenländische Schvvelgerei nach. Die Dichter im goldenen Zeitalter des Augustus sahen die Perlen als die lockendste Verführung zur Habsucht an. So der witzige Ovidius, der anmuthige TibuUus und der verarmte Propertius. In welchem Umfange die Verschwendung mit Perlen getrieben wurde, erhellt aus Berichten, nach denen Perlen- schnüre von Römerinnen für 200 000 M. getragen wurden. Oefter wurde das übermtttiiige Beispiel der Kleopatra nachgeahmt und eine kostbare Perle in den sauren Wein geworfen, so zweifelhaft auch der Genuss eines solchen Kalktrunkes gewesen sein mag. Horaz, Martialis u. s. w. giessen ob solchen Unverstandes das Füllhorn ihres Spottes darüber aus. Die römischen Frauen trugen bekanntlich Zöpfe von dem goldgelben Haar der besiegten deutschen Stämme und flochten Perlen hinein. Den Hals schmückten kostbare Perlensehnflre und den Busen prachtvolle, mit Perlen besetzte Geschmeide. An den Armspangen wech- selten bunte Steine mit werthvollen Perlen. Selbst das Nachtgewand der römischen Schönen war mit Perlen ge- schmückt. Vom Halse der schlatumfangenen Jungfrau hingen an goldenen Fäden Säckchen mit Perlen herab. Zur Zeit der sinnlosesten Verschwendung zierten die Perlen nicht bloss Altäre und Hausgcräthe, sondern sogar Waffen, Pferdegeschirre und Streitwagen. Lollia Paulina, die Gemahlin des Kaisers Caligula, kleidete sich schon bei geringen Anlässen so, als ob sie von Perleu übersäet wäre. Ihr Perlenschmuck entsprach dem Werthe von 600 000 M. Wie die Form der Perle das Menschenherz gefangen nimmt, ist daraus zu erkennen, dass z. B. die alten Ger- manen nachgeahmte Perlen, aus Bernstein trugen. Aq einem Gerippe am Petersberg bei Halle fand man Schnüre mit 300 Perlen, die aus Perlmutter hergestellt waren. Seit dem Mittelalter tragen die deutschen Fürsten in den Kronen und Diademen Perlen, aber goldene Ringe (Bange d. i. das Gebogene) mit Edelsteinen und Perlen an Ohren, Hals und Armen trug man schon seit Karl dem Grossen. Aus dem Nibelungenlied und den Minnesängern sehen wir, dass zu dieser Zeit Mantelverbrämungen und Schuhe mit Edelsteinen und Perlen durchwirkt waren. Zur Zeit der Kreuzzüge erwachte im Westen Europas die Freude an der Kleiderpracht. Die Frauen legten goldene Reifen um den Kopf, die mit Edelsteinen und Perlen besetzt waren. Die Ritter trugen Waffenröcke aus Gold- und Silberstoffen, Samraet und Seide mit kostbarer Pelz Verbrämung, scharlach- rotbe, mit Hermelin gefütterte Mäntel, Schärpen mit Gold- und Silberschmuck, mit Edelsteinen und Perlen besonders bei Festen und Tournieren. Die Frauen durchttochten ihre schönen, rotiigelben Zöpfe mit Goldfäden, Perlenschnüren und Borden, oder das Haar fiel gekräuselt auf Schultern und Rücken herab. Sie trugen Bänder und Schnüre um den Kopf, diä Chapel hiessen und mit Edelsteinen und Perlen besetzt waren, oder sie l)edienten sich nur eines einfachen Reifens um die Stirn. Es war dies etwas wie eine Krone, die aber von allen Edelfrauen getragen wurde. Als der kostbarste Schmuck, der mit den herrlichsten Perlen und Edelsteinen ausgestattet war, werden die Reichskleinodieu geschildert. Die häufige Verwendung der Perlen mit der üppigeren und freieren Tracht des 14. Jahrhunderts finden wir zuerst in der Lombardei. Sie schlägt dann die Wande- rung nach Norden ein. Den Hals der Schönen ziert eine goldene Krause und den Leib ein goldener und silberner Gürtel mit Perlen. Für den Rosenkranz wählen sie Ko- rallen, Bernstein oder echte Perlen. Bei jungen, wohl- XIV. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 49 gebauten Damen wird das Kleid auf der Brust tief aus- geschnitten, das Haar überladen mit Perlen, Händern und Sclileifen. Die Leichtfertigkeit der Trachten steigert sich im 15. Jahrhundert. Italien, Frankreich und Deutschland stehen während der Bliithe der mittelalterlichen Kleider- pracht in lebhaftem Austausch. Der Brennpunkt der Pracht und Hoti'ahrt ist der Hof des Herzogs Karls des Kühnen von Burgund. 1473 zog er auf den Reichstag nach Trier mit öOOO in Gold und Silber gepanzerten Reitern. Er selbst trug ein goldenes Gewand mit Perlen für 200 000 Golddukaten. Andere Fürsten ahmten diesem Prunk nach, und die Verschwendung ging selbst ins Volk über, sodass schliesslich die Fürsten den Luxus des Volkes durch Gesetze eindämmen mussteu. Welche ungeheure Summen zuweilen für eine Perte ausgegeben wurden, dafür möge nur ein Beispiel angeführt werden. Papst Paulus II. kaufte in Venedig eine Perle für 140 000 Dukaten. Einen ungeheuren üeberfluss an Perlen brachte aber erst die Entdeckung Amerikas. Die Eingeborenen des neuen Erdtheils waren ebenfalls von dem Zauber der Perle gefesselt. In Mexiko waren Tempel, Götterbilder und Personen jedes Standes mit Perlen geschmückt. Auch auf Florida und Havanna fanden die beutegierigen .Spanier grosse Perlenschätze. Ganze Schiffsladungen von Perlen, köstlichen Edelsteinen und Gold wanderten nach Spanien. In letzterem Lande wird erst im 16. Jahrhundert der höchste Luxus in der Kleiderpracht entfaltet. Zu dieser Zeit, sowie in dem Zeitalter der Schminke und des Per- rücken- und Zopfwesens dient auch die Perle der Ver- schwendung. Die grosse spanische Halsbinde, die grossen Spitzenmanschetten, die Scheide des Galanteriedegens, die hohen Absätze der Schuhe waren beim Galant mit Perlen und Edelsteinen besetzt und ebenso der lange, in Falten herabfliessende Reifrock der Frauen. Unter dem Ausschnitt des gazeartigen Leibchens, der bis in die Herzgrube reichte, lag quer über die Brüste ein mit Gold, Silber, Spitzen und Perleu geziertes Brusttuch. Vom Gürtel abwärts begannen ähnlich einer Schürze Reihen von übereinandergelegten Spitzen oder schweren Gold- wirkereien oder Garnituren von Perlen und Edelsteinen. Den Hals umschloss der pfauenschweifartige, mit Perlen besetzte Stuartskragen. Den entblössten Unterarm zierten lange Spitzenmanschetten, goldene Ketten und Perlen- schnüre. Ueber der Perrücke lagen Golddraht, bunte Bänder, Blumen, Ziernadeln, Edelsteine und Perlen. Trotz des unermesslichen Ueberflusses an Perlen wurden grosse Summen für einzelne Perlen ausgegeben. So kaufte Papst Leo X. au.s dem Busen von Panama eine Perle für 264 000 M. Die Republik Venedig schickte Soliman II. nebst anderen Geschenken eine Perle im Werthe von 300 000 M. Kurfürst Maximilian von Bayern sendete 163.0 seiner Braut, der Tochter Ferdinand IL, eine Kette von 300 Perlen im Werthe von 240 000 M. Welche Perlen- mengen uöthig waren, um die Eitelkeit eines weiblichen Herzens zu befriedigen, erhellt daraus, dass z. B. Maria vou Medici im Jahre 1601 einen Rock mit 32 000 Perlen und 3000 Diamanten trug. Zur Verherrlichung der Kirchen legte man ebenfalle ausser anderem Schmuck ungeheure Perlenmengen auf ihren Altären nieder. Der Jesuit Bo- nanni hält eine Strafpredigt über die damalige Perlen- vergeudung, lobt aber fromme Frauen, die ihre Perlen- schnüre der Kirche weihen. Schliesslich sei noch er- wähnt, dass aus der Krone der heiligen Maria in der Kirche zu Guadeloupe einst eine taubeneigrosse Perle im Werthe von 3 000000 M. strahlte. Erst im 18. und 19. Jahrhundert tritt die Verwendung von Perlen in ver- nünftigere Bahnen, und auch die Mode kehrte nach der französischen Revolution zur Einfachheit zurück. In der Hauptsache wetteifert in den westlichen Staaten Europas das liebliche Wasser der Perle mit dem Feuer der Dia- manten nur noch in den Kronen und Diademen der Fürsten. Sie ist aber Lieblingsschmuck der orientalischen und slavischen Völker geblieben. So tragen noch heute einfache Mädchen bei gewissen Völkerschaften Russlands Hauben mit Perlen, deren Werth auf Tauseude von Mark zu schätzeu ist. Die Berichterstatter der Hochzeitsfeier- lichkeiten an den europäischen Höfen wissen bis in die neueste Zeit von herrlichen Perlen- und Diamantenschmucken zu erzählen, während das Volk, mit Ausnahme der Kreise, die dem Hofleben näher stehen, in der Perle zwar etwas Herrliches erblickt, aber sie nicht so unbedingt als Schmuck begehrt. Das Volk hat z. B. grosse Freude am Korallen- schmuck, wenn er nur die wohlgefällige Rundung der Perle hat. Wie in dem weiblichen Schmuck eine grössere Einfachheit zu verzeichnen ist , als in früheren Jahr- hunderten, so geht man auch in der Erwerbung von Perlen und Edelsteinen selten über die Vermögensverhält- nisse hinaus. Vom volkswirthschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, wird man diesen gesunden Sinn des Volkes im Hinblick auf die verderblichen Folgen des Luxus früherer Zeiten loben. Haben die Lebewesen freien Saner.stoif nöthigJ — Diese Frage beantwortet Leo Errera, Professor zu Brüssel, in der „Revue scientifique" vom 26. Nov. 1898. Wie zuerst Pasteur nachgewiesen hat, giebt es eine Anzahl niederer Organismen, die Anaeroben, welche in einem Milieu zu leben vermögen, das des freien Sauer- stoffs entbehrt, wenn nur sonst geeignete Nährstoffe zn ihrer Verfügung stehen. Dieser Ansicht schlössen sich fast alle Forscher an, und der Botaniker Wilhelm Pfeffer betrachtet in seiner „Pflanzenphysiologie" die alte Meinung, nach welcher jeder lebende Organismus einer gewissen Menge freien Sauerstoffes bedarf, als einen überwundenen Standpunkt. Die Sache ist indessen nicht so einfach, wie es den Anschein hat. Wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, alle Moleküle des Sauerstoffes zu entfernen, und dass gewisse Lebe- wesen nur facultative Anaeroben sind, während andere, wie z. B. die Bierhefe, temporäre Anaüroben genannt werden können, da sie von Zeit zu Zeit etwas Sauer- stoff nöthig haben: so kommt man zu der Ansicht, dass es obligate Anaeroben im strengen Sinne des Wortes wohl gar nicht giebt. Dieselben könnten, wie Errera in einem 1896 erschienenen Werke näher ausführte (vergl. das Referat darüber in „Naturw. Wochenschr." 1896, S. 528), als Lebewesen angesehen werden, für welche das Optimum des Sauerstoffs sehr tief liegt. Nach Beijerinck gruppiren sich Microben, die in einem Tropfen einer Flüssigkeit cultivirt werden, dessen Ränder allein Sauerstoff empfanden, in der Weise, dass ein Theil sich an dem Orte ansammelt, wo die Sauerstoffspannung am grössten ist, ein anderer Thcil sucht die Stellen des Tropfens auf, wo die Spannung geringer ist, und die letzten halten sich da auf, wo die Spannung fast gleich ist; darnach unterscheidet er drei Typen: Aeroben, Spirillen und Anaeroben. Später strich er den letzten Typus und stellte nur zwei Gruppen auf: Aerophilen, welche eine grosse Menge Oxygen verlangen, und Microacrophilen, welche sich mit weniger Sauerstoff begnügen. Gewisse Microben können sich aus Mangel an freier Bewegung nicht selbstthätig an die Orte bewegen, die für sie die 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 5. günstigsten sind, aber auch bei diesen lässt sich der Eiufluss nachweisen, den eine grössere oder geringere Menge auf das Wachsthum hat, und so gelangt man zu der Ueberzeugung, dass der freie Sauerstoff für alles, was lebt, wohlthuend wirkt und wahrscheinlich auf die Dauer nothwendig ist. Wie Beijerinck an- nimmt, bewahren die Zellen der Microaerophilen eine kleine Menge von Sauerstoff auf für die Zeit, wo sie desselben entbehren müssen, und verbrauchen ihn dann nach und nach. Als Aerophilen stellte Beijerinck fest: alle aeroben Bacterien mit Ausnahme der Spirillen, die Mehrzahl der facultativen Anaeroben, wahrscheinlich alle Gewebszellen der Thiere und der höheren Pflanzen, die meisten Infusorien. Microaerophilen sind : die wenigen bis jetzt näher studirten obligaten Anaeroben, wie z. B. das Spirillum desulfuricans, ferner unter den facultativen Anaeroben wahrscheinlich die Milchsäurefermeute und endlich gewisse Monaden und Infusorien. Die meisten echten Spirillen und vielleicht auch einige Monaden sind aeropiiil in Beziehung auf die Bewegung. — Aus alledem geht hervor, dass für jeden pflanzlichen oder thierischeu Organismus ein bestimmtes Optimum des Sauerstoffs existirt. S. Seh. Die Regeneration der Seesterne hat Heleu Dean King während des Sommers 1897 im Marine Biological Laboratory zu Wood's Hol! in Massachusetts zum Gegen- stand eingehender Untersuchungen gemacht; sie berichtet darüber in einem englisch geschriebenen Aufsatze im „Archiv für Eutwickelungsmechanik der Organismen" 1898, Bd. VII, Doppelheft 2/3, S. 351-363 (mit 16 Figuren auf Tafel VIII). Die Verfasserin experimentirte mit dem gemeinen Seestern, Asterias vulgaris. Die Thiere wurden in einem weiten, mit einem feinen Drahtgeflecht bedeckten Holzgefäss gehalten, dessen beide Enden offen waren, so dass das Wasser frei circuliren konnte. Einige wurden auch in Aquarien mit fliessendem Wasser gehalten und einige sogar in breiten Porzellanschaalen, in denen das Wasser öfters erneuert wurde. Als Futter erhielten die Seesterne die gewöhnliche Miesmuschel, doch war zu constatiren, dass gerade die in der Regeneration be- griffenen Thiere fast gar keine Nahrung zu sich nahmen, uud manche Stücke wurden wochenlang ohne Nahrung gehalten, ohne dass sie darunter litten. Verschiedene Forscher haben früher festgestellt, dass mehrere Arten von Seesternen fähig sind, unbeschädigte Arme von selbst abzustossen. Haeckel nimmt an, dass dies die normale Methode der Fortpflanzung sei, und er glaubt, dass die abgestossenen Arme im Stande seien, sich zu einem vollständigen Seestern zu entwickeln. Nach Studer werden die Arme abgestosseu, um die Geschlechts- producte frei zu macheu, da an diesen auf autotomischem Wege abgelösten Armen stets die Fortpflanzungsorgane zu sehen sind. Die Verfasserin fand aber unter 646 im Meere gefundenen, verstümmelten Seesternen nur 67 Stück, also etwa lO",,,, die im Begriffe waren, einen neuen Arm zu reproduciren. Um einen Seestern künstlich zur Auto- tomie zu bringen, ist das sicherste Mittel, ihm schnell die meisten AmbulacralfUsschen eines Armes wegzuschneiden; kurz darauf wirft er diesen verstümmelten Arm ab. Wie die Untersuchung zeigte, waren altgestossenc Arme immer nur am vierten oder fünften Ambulacralknöchelchen ab- getrennt worden. Wenn ein Arm direct an der Scheibe abgestossen oder abgebrochen wird, so gleitet die Körper- wand der aboralen Fläche über und bedeckt in Zeit von 3 — 5 Minuten vollständig die Bruchfläche; bleibt jedoch ein kleines Stück des Armes an der .Scheibe sitzen, so rollt nur ein Stück der aboralen Körperwand über den Rand der verletzten Fläche, aber letztere wird nicht voll- ständig bedeckt, auch ist hierzu ein Zeitraum von 5 — 10 Minuten erforderlich. Die Bildung von neuem Gewebe ist erst deutlich sichtbar nach 10 Tagen, und zwar bildet sich an der verletzten Fläche ein kleiner, kegelförmiger Höcker, der an seiner Spitze den Augenfleck trägt. Der neugewachsene Tlieil ist stets dunkler pigmentirt als der übrige Körper, und hieran ist die Ausdehnung des neuen Gewebes immer deutlich zu erkennen. Anfangs sind nur wenige Ambulacralknöchelchen und Dornen vorhanden, die Zahl derselben nimmt aber mit dem Wachsthum des Armes beständig zu. Die Fortpflanzungsorgane regeneriren sich frühestens nach zwei Monaten. Auch die Regeneration zweier oder mehrerer Arme kann zur selben Zeit von der Scheibe aus beginnen, aber gewöhnUch i.st der Grad der Entwickelung bei den neuen Armen ein ungleicher. Wenn ein Seestern durch Durchschneidung seiner Scheibe in zwei Theile getrennt wird, so regenerirt sich jeder zu einem vollständigen Individuum. Normalerweise kommt aber eine solche Theilung und Regeneration bei dem gemeinen Seestern wahrscheinlich nicht vor, während sie für andere Species bestimmt nachgewiesen ist. Es können sogar zwei Stücke verschiedener Individuen zur Vereinigung gebracht werden, doch dieses Experiment ist sehr schwierig, es gelang Helen King nur ein einziges Mal unter 72 Versuchen. Bei manchen Seesternarten kommt es vor, dass ein einzelner Arm die Scheibe und die vier anderen Arme regeneriren kann. Haeckel bezeichnet mit dem Namen „Kometen form" solche Seesterue, „bei denen ein ab- gelöster Arm den ganzen Seesternkörper, d. h. die centrale Scheibe sanmit den Ul>rigen Armen neu gebildet hat"; er wies diese Neubildung nach an 0])liidiaster, die Vettern Sarasin bestätigten dies für Linckia multiflora, v.Martens für Asterias teuuispina, Sars für BiLsinga. Nach Helen King besitzen aber nicht alle Seesterne dieses Vermögen: 65 Arme von Asterias vulgaris, die dicht an der Scheibe abgeschnitten worden waren, lebten noch 1 — 2 Wochen, aber die Schnittfläche heilte niemals zu, und die Regene- ration des ganzen Thieres oder eines Theiles desselben war nie zu bemerken. Wenn Vi dei' Scheibe bleibt, ist die Regeneration möglich, erfolgt jedoch auch nicht immer; dagegen findet stets Regeneration statt, wenn die Hälfte der Scheibe bleibt. Die Regeneratiousgeschwindigkeit ist an der Scheibe am grössten und nimmt von hier aus gegen die Armspitze ab, so dass sich ein ganzer Arm schneller neu bildet als nur die Spitze desselben. Es ist anzunehmen, dass der unter normalen Verhältnissen lebende Seestern den ganzen Arm abwirft, wenn derselbe ernstlich beschädigt wird, und ihn wieder vollkommen regenerirt. Der ventrale Theil eines Armes kann die dorsale Fläche regeneriren, ob aber das Umgekehrte der Fall ist, er- scheint nach den Versuchen von Helen King zweifelhaft. S. Seh. Alkalische Reaction der Kammern und Gänge eines Ameisennestes. — Da die Ameisen aus ihren Hinterleibsdrüsen eine scharfe Säure, die Ameisensäure, auszuspritzen vermögen, so sollte man annehmen, dass die Luft in ihren Wohnräumen derartig mit Säure erfüllt wäre, dass die chemische Reaction dementspechend wäre, dass also blaues Lackmus])a])ier, das in die Ameisennester gelegt wird, geröthet würde. Dem ist aber nicht so. Wie Charles Janet, der durch seine zahlreichen ana- tomischen und biologischen Arbeiten über die Ameise uusern Lesern schon bekannt ist (vergl. „Naturw. Wochen- schrift" 1897, S. 105 und S. 357), in den „Comptes reudus de l'Acad. des Sc." 1898, IL, S. 130 mittheilt, wird rothes Lackmuspapier, welches man in em Ameisennest gelegt hat, nach einer gewissen Zeit blau. Diese alkalische XIV. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 51 Reaction ist die Folge der Secretionen der Teginneiit- drüsen der Ameisen. Alle diese Drüsen, ausgenommen die Giftdrüse im Hinterleibe, scheiden in der That ein alkalisches Prodiict ans. Wenn z. B. die Kieferdrüsen nebst ihrem Reservoir zwiseiien zwei Blättern rothen Lack- muspapieres zerdrückt werden, so zeigt sieh an dem Papier sofort ein blauer Fleck. Wenn aber die Insassen eines Anieisennestes, besonders aus der Unterfaniilie der Formicini, künstlich in Erregung versetzt werden, so spritzen sie eine grosse Menge ihrer Anieisensäure aus, so dass blaues Lackmuspapier, welches in das Nest gelegt wurde, mit rothen Tunkten besäet ist. Lässt man dieses roth gesprenkelte Papier längere Zeit in dem Neste liegeu, nachdem sich die Ameisen wieder beruhigt haben, so nimmt es seine rein blaue Farbe wieder an. Neben der Hinterleibsdrüse, welche die scharfe Ameisen- säure enthält, liegt eine andere kleine Drüse, deren Inhalt alkalisch reagirt , wie schon früher Carlet nachwies. Das Product dieser Drüse sollte nach der bisherigen Ansicht den Zweck haben, die Theile des Stachels, welche sieh in den Körper der Feinde einbohren, geschmeidig zu machen. Janet nimmt aber an, dass der Inhalt dieser Nebendrüse etwaige Säurereste, die am Stachel resp. an und in dem hinteren Körpertheil haften geblieben sind, neutralisiren soll. S. Seh. Die Reblaus in Italien. — Die Phylloxera grassirt in Italien seit dem Jahre 1879 und ist von dem Ento- mologen Feiice Sahut, der um diese Zeit seine heimatli- liche Halbinsel flüchtig durchstreifte, in den Weinbergen von Linguadoca zum ersten JNlale beobachtet worden. Wie in dem benachbarten Frankreich griff auch auf der Apenninen-Halbinsel dieser Weinstockschädling in liedenk- licher Weise um sich. Nach mir vorliegenden Berichten, welche ich dem „ßolletino di entomologia agraria e pata- logia vegetale" (eine Zeitschrift für landwirthschaftliche Entomologie und Pflanzenpathologie) entnehme, sind von den 69 Provinzen des Landes 31 von der Reblaus be- fallen. Wenn schon die zerstörende Thätigkeit der Reb- laus auf die benachbarten Inseln Elba und Sicilien sowie auf die Halbinsel Calabrien, den Fuss des „italienischen Stiefels", concentrirt zu sein scheint, sind doch auch die nordwestliehen Provinzen Oberitaliens und die Land- strecken von dem etruskischen Apennin bis zur Südspitze von Calabrien, zwischen dem Gebirge und dem Tyrrheni- schen Meer in Mitleidenschaft gezogen und mehr oder weniger verseucht. Vielfach sind hier die Herde aber lokalisirt, theils durch sehr grosse Entfernung der einzelnen Weingelände von einander, theils durch natürliche Hinder- nisse, sodass man im Allgemeinen annimmt, dass die Gefahr einer weiteren Ausbreitung nicht vorliegt. Die Emilia bat z. B. nur die Provinz von Bologna mit zwei angesteckten Gemeinden; ebenso giebt es in der Romagna nur zwei Gebiete, welche die Phylloxera beherbergen, und auch das grosse und berühmte piemontesische Wein- gelände ist, mit Ausnahme der Ansteckung im Valle d'Aosta, noch frei von den Schädlingen. Gänzlich seuchen- frei sind bis jetzt noch Venetien, das Gebiet der Abruzzen, Apulien und Neapel geblieben. Wie gesagt, die Inseln Elba und Sicilien und das ihr benachbarte Calabrien sind am ärgsten betroffen. So hat u. a. die einzige Provinz Sassuri 71 angesteckte Gemeinden, Caltonisetta 24, Messina 60, Catania 50, Reggio Calabria 61 u. s. f. Die Zahl der angesteckten Gemeinden im Reiche überhaupt beträgt 672. Nur in zehn davon ist die Ansteckung durcii die seitens der Regierung angeordnete Bekämpfung erstickt worden. In weiteren 68 Gemeinden scheint die Anwendung des zerstörenden Systems ebenfalls von Erfolg gekrönt zu sein. Die schon bewältigte Fläche beträgt 167, .33 Hectar. Der Schmarotzer setzt indess seiu Verniehtungswcrk fort, sodass er nach und nach 122 625, 7H Hectar befallen hat. Das bereits der Ausrottung unterworfene und durch die Reblaus inproductiv gewordene Gelände umfasst 22H 168,82 Hectar, und die seitens des Gouvernements gänzlicii zer- störten und von den Gemeinden alsdann verlassenen Weinberge haben einen Flächeninhalt von 728,82 Hectar. Die Lage Italiens in puncto Phylloxera-VerwUstung ist den angeführten Zifl'ern nach also weit günstiger, wie die Frankreichs, der iberischen Halbinsel, Oesterreichs und Ungarns. Die Art und Weise der Bekämpfung der Reblaus ist eine doppelte. Ist das Verbreitungsgebiet des Inseets klein, dann beginnt man mit der Zerstörung im Centrum, ist es indess ausgedehnter, dann wird der Vernichtungs- krieg au der Peripherie begonnen. Auch die Mittel sind verschieden, und noch befindet man sich in der Probirzeit. U'enn auch das zerstörende Mittel in der Hauptsache aus Schwefel und Kohlenstotf besteht, so wendet doch der und jener Weinbergsbesitzter Vernichtungsmittel eigener Art an. Das interessanteste Verfahren dürfte jedenfalls das von einem gewissen d'Angelo auf Elba eingeschlagene sein. Derselbe ist Besitzer von ausgedehnten Landgärten, die sich zum Theil inmitten verseuchter Weinberge be- finden. Um den Gartenschädlingen wirksam entgegen zu treten, gebraucht er Kupfervitriol. Auch die Wein- stöcke werden seit 6 Jahren damit behandelt. Während nun die Reblausseuche in den Weingeländeu der unmittel- baren Nachbarschaft bereits seit 4 Jahren wüthet, sind die d'Angelo'schen Rebenpflanzungen noch vollständig ver- schont geblieben. Das von ihm angewandte Verfahren besteht darin, dass er den Weinstöcken zwei flüssige Be- handlungen und fünf in Pulverform giebt. Bei den flüssigen Behandlungen gebraucht man Kalk 1 7o "n^^ Kupfersullat 1,8 7o) ttei den in Pulverform werden zwei mit 2 "/q Kupfer- sullat und drei mit 5 7o ^u' j^ 100 Kilogramm Schwefel angewandt. Durch den Herbst-, Winter- und Frühjahrs- regen wird das Kupfersulfat, sei es nun in Form der Lösung oder als Pulver den Rebstöcken beigebracht, ge- löst, sättigt den Erdboden und macht ihn wegen seiner giftigen Substanz für die Entwickeluug der Reblaus un- geeignet. D'Angelo glaubt sogar, dass schon verseuchte Gelände durch Kupfersulfat-Behandlung gereinigt und vom Untergang geschützt werden können. Das Ministerium für Ackerbau hat 535 000 Lire an- beraumt, welche dem Kampfe gegen den Schädling dienen sollen. Diese Summe ist selbstverständlich viel zu gering, und fast jährlich ereignet es sich, dass dem Reservefonds die gleiche Summe entnommen wird. In dem Wirth- schaftsjahre 1897—1898 standen deshalb 1181458 Lire zur Verfügung, von welchen im Mai allein 974 853 Lire verausgabt wurden, und zwar für die Zerstörung und relative Entschädigung 556 291 Lire, zur Aufmunterung und Unterstützung 20 477 Lire, zur Sicherung der könig- lichen Besitzungen, zum Ankauf amerikanischer Reben und zur Vertheilung derselben 312 089 Lire. Ueberhaupt wurden seit 1879 (dem ersten Auftreten der Reblaus) bis zum 30. Juni 1897 14172322 Lire verausgabt, von welchen 10 Millionen zum Aufsuchen und zur Vernichtung erkrankter Weinberge darauf gingen. Das ist eine grosse Summe, aber dennoch nicht hinlänglich, wenn man bedenkt, dass der Gesammtschaden sich auf 1 Milliarde bezitfert. Man wird also in Zukunft die Kriegskasse weiterhin erhöhen müssen und glaubt einen ansehnlichen Theil des zur Ver- fügung stehenden Geldes für amerikanische Stöcke und Pfropfreiser aufzuwenden, um diese widcrständsfäbigeren und der Reblaus nicht zusagenden Sorten in Italien hei- misch zu machen. Schenkling-Prevot. 52 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 5. Feiude des Oliveubaumes. — Eins der letzten Hefte der italienischen Monatsschrift „Bolielino di euto- mologia agraria e patolog'ia" enthalt einen Beitrag über einige Feinde des Ülivenbaunies und deren Bekämpfung. Seit einer Reihe von Jahren wird dem Olivenbaum lauge nicht mehr die Sorgfalt zugewandt, deren er sich früher erfreute. Das besorgnisserregende Auftreten der Reblaus hat das Interesse der Lndwirthe wie des Volkes überhaupt dem Weinstock in einem solchen Grade zugelenkt, dass der Olivenbaum geradezu vernachlässigt wird. Nicht ein- mal die zu seinem Gedeihen erforderlichsten Bedingungen, wie das Giessen und das Beschneiden, lässt man ihm zu Theil werden. Bei dieser Vernachlässigung konnte es auch nicht fehlen, dass sich eine Anzahl Feinde einstellten, deren Vorhandensein man mehr oder weniger übersah, ob- wohl sie der Olivenerute recht gefährlich werden können. In dem Aufsatz ist von drei solchen die Rede. 1. Hylesinus oleae. Dieser Bastkäfer erreicht 3 — 4 mm Länge. Er hat einen walzigeu Korper von röthlichbrauner Farbe und einen dunkler gefärbten Kopf, der die für die Bostrychiileu charakteristischen Keulenfühler trägt. Behufs Eiablage bohrt sich das Weibchen durch die Epidermis und gräbt im Spliut Gallerieen, in deren Wiegen die Eier abgesetzt werden. Schon dadurch werden die jungen Blüthenzweige, an denen dieser Käfer sich lediglich nur aufzuhalten scheint, beschädigt, mehr aber noch durch die nagende Thätigkeit der Larven. Wenn auch ein Fruchtansatz noch stattfinden sollte, so kommen die Oliven doch niemals zur Reife, da der befallene Zweig über lang oder kurz abstirbt. Nach der Bohrthätigkeit des Käfers färbt sich die Epidermis der Zweige röthlich, wodurch das Vorhandensein des Schädlings leicht erkannt wird. Als Radikalmittel wird empfohlen, die Zweige abzuschneiden mid zu verbrennen. 2. Der zweite Feind ist ein Blasenfnss, Phlaeothrips oleae. Nach der im April stattfindenden Paarung legt das Weibchen seine Eier unter der Rinde des Baumes ab; wie jene Form sucht auch dieser Feind stets junge Zweige auf. Mitte Juni, wenn der Baum gerade in Blüthe steht, kommen die Insecten aus und setzen sich an den blühenden Zweigen fest, um ihr Vernichtungsvverk zu beginnen. Auch sie verrathen ihre Gegenwart, die man wegen der geringen Grösse (2 mm Länge) nicht vermuthen würde, durch einen gelblichen, klebrigen Staub, der sich am Ausgang der Bohrlöcher zeigt. Zur Vernichtung dieses Insects, das der Italiener Kornwurm (?) nennt, wird ebenfalls das Ab- schneiden der befallenen selben empfohlen. 3. Der dritte Zweige und Verbrennen der- Schädling als ein Wurm (?) Körper ist oval. Der schräg be- die ab- wird zeichnet, Euphyllura oleae. Der Oberseite gewölbt, die Unterseite glatt, gestutzte Kopf hat zwei rubiurothe Augen, und der letzte Körperring ist am meisten entwickelt. Gleich einiger Aphiden sondert das Thier eine baumwollartige Substanz ab, die weisslich aussieht und wachsartige Beschaffenheit hat. Die Euphyllura befällt ebenfalls die Blüthenzweige, ist aber wegen der baumwollartigen Absonderung nicht so leicht zu entdecken, da dieselbe von den weissen Blüthenständen nicht absticht. Trotzdem ist die Er- scheinung dem apulischen Bauern längst bekannt, er hält sie aber für ein Product der Witteruugsumschläge und des Nebels. Den Winter verbringt das Thier in den Spalten der Rinde und geht im Frühjahr auf die blühenden Zweige, woselbst es auch die Eier absetzt. Schon die Larven besitzen die Fähigkeit, jeue Substanz abzusondern und verstehen die Blüthen des Baumes in die Absonderung zu ziehen, in welchem Gebilde sie dann die Metamorphose durchmachen. Das Thier scheint Sommers über einige Generationen zu haben. Scheukling- Prevöt. Bericht der Commissioii für die Festsetziiug der Atomgewichte. (Ber. Deutsch. Chem. Ges. 31, 2761). — Seitens einer im Kaiserlichen Gesundheitsamt tagenden Commission analytischer Chemiker war an den Vorstand der Deutschen Chemischen Gesellschaft die Frage ergangen, welche Atomgewichte den praktisch-analytischen Rech- nungen zu Grunde zu legen seien. Der Vorstand beschloss alsdann zur Regelung dieser Frage die Einsetzung einer besonderen Commission, die sich aus den Herren H. Landolt, W. Ostwuld und K. Seubert zusammensetzte. Nach längeren vorbereitenden Arbeiten ^ schliesslich einstimmig eiangten die Mitglieder zu dem Beschluss, folgende Vor- schläge zu machen. I. Als Grundlage für die Berechnung der Atomgewichte "gleich 16,000 au- so das Atomgewicht des Sauerstoffs genommen werden, und die Atomgewichte der anderen Elemente sollen auf Grund der unmittelbar oder mittelbar bestimmten Verbindungsverhältnisse zum Sauerstoff be- rechnet werden. II. Als Atomgewichte der Elemente werden für den Gebrauch der Praxis folgende zur Zeit wahrscheinlichste Werthe vori Aluminium Antimon Argon Arsen Bar}' um Beryllium Blei Bor Brom Cadmium Caesium Calcium Cerium Chlor Chrom Eisen Erbium Fluor Gallium Germanium Gold Helium Indium Iridium Jod Kalium Kobalt KohlenstoÖ' Kupfer Lanthan Lithium Magnesium Mangan Molybdän Natrium Neodym eschlagen: (?) AI Sb A As lia Be Pb B Br Cd Cs Ca Ce Cl Cr Fe (?) Er F Ga Ge Au (?)He In Ir , J K Co C Cu La Li Mg Mn Mo Na (?)Nd 27,1 120 40 75 137,4 9,1 206,9 11 79,96 112 133 40 140 35,45 52,1 56,0 166 19 70 72 197,2 4 114 193,0 126,85 39,15 59 12,00 63,6 138 7,03 24,36 55,0 96,0 23,05 144 Nickel Niobium Osmium Palladium Phosphor Platin Praseodym Quecksilber Rhodium Rubidium Ruthenium Samarium Sauerstoff Scandium Schwefel Selen Silber Silicium Stickstoff Strontium Tantal Tellur Thallium Thorium Titan Uran Vanadin Wasserstoff Wismuth Wolfram Ytterbium Yttrium Zink Zinn Zirconium Ni Nb Os Pd P Pt (?) Pr Hg Rh Rh Ru (?) Sa Sc S Se Ag Si N Sr Ta Te Tl Th Ti U V H Bi W Yb Y Zu Sn Zr 58,7* 94 191 106 31,0 194,8 140 200,3 103,0 85,4 101,7 150 16,00 44,1 32,06 79,1 107,93 28,4 14,04 87,6 183' 127 204,1 232 48,1 239,5 51,2 1,01 208,5* 184 173 89 65,4 118,5* 90,6 In dieser Tabelle sind die Zahlen im Allgemeinen nur mit soviel Stellen aufgeführt, dass noch die letzte als sicher angesehen werden kann. Nur bei Nickel, Wismuth und Zinn, die mit einem Stern bezeichnet sind, ist von dieser Regel aus gewissen Gründen abgewichen worden. Die Elemente des Ferneren, die ein Fragezeichen auf- weisen, sind mit Unsicherheiten entweder hinsichtlich ihrer Homogenität oder bezüglich ganzer Einheiten ihrer Atom- gewichtswerthe behaftet. XIV. Nr. 5. Naturwissenscliaftliche Wochenschrift. 5.3 Anlasen. Von den Mitgliedern der Comrnission sind im engeren Sinne folgende Momente hervorgehoben worden ! 1. Von W. Ostwald. AU Atomgewichtsbasis kann Sauerstoff und Wasserstoff in Betracht kommen. Dalton legte den Wasserstoff mit dem kleinsten Atomgewicht als Einheit zu Grunde, während Berzelius hierfür den Sauerstoff ausersah; er wurde zu diesem Schluss auch durch eine rein praktische Erwägung geleitet. Da nämlich der Sauei-stüff mit fast allen anderen Elementen Verbin- dungen eingeht, lässt sich ihr Verbindungsgewicht in Hin- sieht auf den Sauerstoff meist unmittelbar experimentell feststellen. Berzelius setzte das Atomgewicht des Sauer- stoffs als willkürlich festzusetzende Ausgangszahl gleich 100. Als aber um die Mitte des Jahrhunderts in Folge des Aufblühens der organischen Chemie die dualistischen Ansichten aufgegeben und durch die unitarischen ersetzt wurden, kehrte man auf die Anregung von Laurent und Gerhardt zu der Dalton'schen Einheit zurück. Durch die Untersuchungen von Dumas über die Zu- sammensetzung des Wassers und deren Bestätigung durch Erdniann und Marchand schien der fragliciie Werth mit höchster Schärfe präzisirt zu sein; auf Grundlage des aus jenen Messungen gefolgerten Verhältnisses : H = 16 : 1 wurden die bekannten Atomgewichte umgerechnet, und bald gelangte das System zu allgemeiner Annahme. Marignac und Stas, die später die Genauigkeit der Atomgewiciitsbestininiungeu sehr bedeutend gesteigert hatten, wollten als Grundlage der Rechnung nicht H = 1 sondern 0= 16 aufgestellt wissen; doch fand dieser zweck- mässige Vorschlag keine allgemeine Annahme. Den verdienstvollen Neuberechnungen der Atomge- wichte durch Lotiiar Meyer und K. Seubert lag das Ver- hältniss : H = 15,96 : 1 zu Grunde; die auf der Zahl = 15,96 basirenden Atomgewichte der Elemente ge- langten durch eine Tabelle zu grosser Verbreitung und haben sich in vielen Lehrbüchern bis heutigen Tages er- halten. Durch übereinstimmende Ergebnisse verschiedener Forscher hat sich die Unrichtigkeit des Verhältnisses 1 : 15,96 herausgestellt, an seine Stelle hat gegenwärtig die neue Zahl 1 : 15,879, die bis auf ca. 0,002 mit äusserster Schärfe bestimmt ist, zu treten. Gegenüber der Auffassung, den Wasserstoff mit kleinstem Atomgewicht, als natürliche Einheit aufzustellen, ist zu bemerken, dass diese Stellung vielleicht nur eine vorläufige ist, da die Existenz von Elementen kleineren Atomgewichts durchaus nicht ausgeschlossen scheint. 2. Von K. Seubert. Die Wasserstofieinheit scheint die Richtigste und Natürlichste, doch ist zuzugeben, dass das Verhältuiss zwischen den Atomgewichten des Wasser- stoffs und Sauerstoffs nicht mit absoluter Genauigkeit be stimmt werden kann, wodurch die übrigen Atonigewichts- werthe mit einer Unsicherheit behaftet werden, die jedoch für die Praxis belanglos ist. Der von Morley ermittelte Werth : H = 15,879 : 1 ist so genau bestimmt, dass in den nächsten Decennien eine Abänderung nicht statthaben dürfte. Zur einheitlichen Regelung der Frage bemerkt Seubert: Ich kann mich damit einverstanden erklären, dass für die Zwecke der Praxis die Atomgewichte der Elemente aut das Atomgewicht des Sauerstoffs = 16 als Norm bezogen werden. 3. Von H. Landolt. Derselbe spricht sich gleichfalls für die Wahl von = 16 als Atomgewicbtsbasis aus. Bei der Besprechung der Lehre von den Atom- und Molekulargewichten bleibt der Wasserstoff nach wie vor die formelle Grundlage; aus praktischen Gründen ist als Rechnungsbasis, nicht mehr H = 1 sondern das auf die ganze Zahl 16 abgerundete Atomgewicht des Sauerstoffs zu wählen, damit die direkt aus den Oxyden abgeleiteten Atomgewichte nicht durch die unsichere Umrechnung auf die Basis H = 1 entstellt werden. Für die Aufstellung einer allgemeinen adoptirten AtomgewichtstabcUe liegt ein dringendes Bedürl'niss vor; es steht zu hoffen, dass die oben aufgeführte Tabelle in Deutschland allgemeine Annahme finden wird, ausserdem wäre die Anbahnung einer internationalen Verständigung in dieser Sache höchst wünscheuswerth. Dr. A. Sp. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wunlen: Der Privat-Docent der Geographie in Berlin Dr. Erich von Drygalslti zum Professor; die Privat-Docenteu in der medicinischen Fakultiit zu Giessen Dr. Walt her und Dr. Georg Sticker zu ausserordentlichen Professoren; der Ainanu- ensis an der Universitäts-Bibhothek in Wien Dr. Toinaschek Edler von Stratowa zum Amanuensis an der Bibliothek der technischen Hochschule daselbst. Berufen wurden: Unser Mitarbeiter der ordentliche Professor der Geographie in Jena Dr. Fritz Regel nach Würzburg; der ausserordentliche Professor der Chirurgie in Kiel Dr. August Bier als ordentlicher Professor nach Greifswald; der Assistent ara physikalisch-chemischen Institut zu Leipzig Dr. E. 0. Schmidt als Professor der Chemie an die medicinische Schule zu Kairo ; der Assistent am thierärztlichen Institut in Krakau F. Simon als Adjunkt an die thierärztiiche Hochschule in Lemberg; der ordentliche Professor der allgemeinen Pathologie an der deutschen Universität in Prag Ph. Knoll nach Wien. Abgelehnt hat: Der Privat-Docent der Geographie in Berlin Dr. Erich von Drygalski einen Ruf nach Tübingen. Es habilitirten sich: In Bonn Dr. Schroedcr für Geburts- hülfe und Gynäkologie; in Freiburg im Breisgau Dr. Teil heim für Gynäkologie und Dr. Clemens für innere Medicin; in Breslau Dr. R. Wünsch für Philosophie; in Budapest E. Kuzwik für Chirurgie und S. Gerloczy für innere Medicin; in Bern Fräulein Dr. A. Tumarkin für Philosophie. In den Ruhestand tritt: Der ordentliche Professor der Phar- makologie in Rostock Dr. Otto Nasse. Es starben : Der ausserordentliche Professor der Chirurgie in Berlin Geheimer Medicinal-Hath Dr. Ernst Gurlt; der Assistent am meteorologischen Institut in München Dr. Mönnichs (bei einer Lavinenkatastrophe am Sustenpass); der Privat-Docent der Pttanzenproductionsleln-e in Krakau Prx)fessor F. Czarnomski. Bericbtigung:: Der Privat-Docent der Agriculturchemie in München Dr. Ü. Loew wurde nicht nach Chicago, sondern nach Washington berufen. Der 20. Balneologencongreas wird unter Vorsitz des Ge- heimen Mediciualraths Professor Liebreich am 3. bis 7. März in Berlin tagen. L 1 1 1 e r a t u r. Dr. phil. Ludwig Goldschmidt, Kant und Helmholtz. Populär- wissenschaftliclie Studie. Verlag von Leopold Voss in Hamburg und Leipzig, 1898, — Preis 5 Mark. Die Schrift ist das gerade Gegentheil einer populärwissen- schaftlichen Studie, da Verfasser die Hauptbedingung einer solchen nicht erfüllt, nämlich an die geringen Kenntnisse der Allgemeinheit anzuknüpfen und sein Thema mit Rücksicht auf die Alltags-An- schauungen zu behandeln. Die schwer zu verstehende Schrift, nicht nur inhaltlich sondern auch hinsichtlich des nicht ein- schleichenden Stiles stellt sich auf Kants Seite: für den Inter- essenten, also den Philosophen, ist sie zweifellos beachtenswerth. Wilhelm Klinckert. Das Licht, sein Ursprung und seine Funktion als Wärme, Magnetismus, Schwere und Gravitation. Wilhelm Friedrich in Leipzig, lö'.iö, — Preis 2 Mark. Wir haben in der vorliegenden, 10-i Seiten starken Schrift wieder einen Versuch vor uns, für die im Titel genannten Natur- erscheinungen eine einheitliche Erklärung zu geben. Dieser Ver- such zeichnet sich vor vielen ähnlichen litterarischen Erzeugnissen vorthoilhaft aus durch eine verständige, ruhige Schreibweise, ein Fehlen der sonst üblichen Selbstüberschätzung und vor allem durch das Fehlen von ebenso thörichten wie gehässigen Angrifl'en auf die Fachwissenschaft. Dem Verfasser scheint der Sauer- stoff in seinen verschiedenen Bewegungsfähigkeiten der Träger all der genannten Erscheinungen zu sein. Wenn auch der Fach- mann gegen die Ausführungen des Verfassers zahlreiche Bedenken 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 5. geltend machen kann, so ist immerhin zuzugeben, dass die Dar- legungen interessant, recht geistvoll und selbständig sind. Das sind freilich auch schon die itussersten und höchsten Zugeständ- nisse, die mau derartigen Schriften macheu kanu; eine Förderung der Naturwissenschaft, d. h. der Erfahrungswissenschaft findet durch so unsichere Speculationen keinesfalls statt. H. Dr. Friedrich Bannetnann, Director der Renlscluile in Barmen, Grundri^8 einer Geschichte der Naturwissenschaften zugleicli eine Einführung in das Studium der naturwissenschaftlichen Litteratur. II. Band: Die Ent Wickelung der Natur- wissenschaften. Mit 7(i Ahhildungen zum grössten Theil in Wiedergabe nach den Originalwerken und 1 SpektraltafeL gr. 8". Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig, 1898. — Preis 9 Mark. Der I. Band des vorliegenden, hübschen Werkes brachte „Erläuterte Abschnitte aus den Werken hervorragender Natur- forscher". Er ist schon 1806 erschienen und wurde Bd. XI, 1896, S. 399 der „Naturw. Wochenschr." besprochen. Zu dem dort Ge- sagten sei das Folgende hinzugefügt. .Sich in die Geseliichto der Wissenschaften zu vertiefen insbesondere durch Kenutiiissnahme wie, also auf welchem Wege grosse Entdeckungen gemacht wurden, hat einen hervorragenden Werth. Es ist zweifellos — und Ref. hat das in seiner Schulzeit leider nur zu sehr an sich selbst er- fahren — , dass eine Lehrmethode, welche sich von den thatsäch- lichen Vorgängen, wie die Wissenschaft neue Kenntnisse erwirbt, entfernt, einen schweren Schaden in sich birgt. Der zum tieferen Nachdenken, oder, was dasselbe ist, der philosophisch veranlagte Schüler wird durch eine Lehrmethode, welche sich von dem thatsäch- lichen Vorgang entfernt, wie die Fortschritte erreicht worden sind, — nämlich durch Beobachtung, durch sinnliche Wahrnehmung — irre geführt, und es kostet ihm Opfer, die unter Umständen sich in der Schule als sogenannte Unaufmerksamkeit charakterisiren, eine richtige Anschauung von der vorgetragenen Disciplin zu ge- winnen, da er unter Umständen erst durch stete, gedankliche An- kämpfung gegen das Gehörte und Gelehrte langsam eine richtige Meinung über die Stellung derselben erwirbt. Der vorliegende Band II bringt eine zusammenhängende Darstellung der Entwickelung der Naturwissenschaften, die ebenso gern gelesen werden wird, wie der Inhalt des I. Bandes. Dr. Karl Russ, Der Wellensittich. Seine Naturgeschichte, Pflege und Zucht. Vierte Auflage. Mit 1 Vollbild und 14 Text-Abb. Creutz'sehe Verlagsbuchh. in Magdeburg. — Preis 1,50 Mark. Die alte Liebhaberei für Stubenvögel zeigt neben ihrer idealen Seite in der neuesten Zeit auch einen praktischen Zug, den nämlich der Züchtung; viele tausende von Vögeln aller Welt- theile werden gegenwärtig bereits alljährlich in Deutschland ge- zogen. In diesem Streben ist nächst dem Kanarienvogel kein anderer dem Menschen so zugänglich und fügsam, als der Wellen- sittich. Im vorliegenden Bändchen giebt Verf. ausser der Natur- geschichte und Uebersicht der Einführung und Entwickelung des Wellensittichs als Stubenvogel, vor allem gründliche Anleitung für den Einkauf, die Verpflegung und Züchtung (Fütterung, Käfig, Nistkasten u. a. m.). Die vierte, reicli illustrirte Auflage ist be- reichert nicht allein durch Mittheilung aller neueren Erfahrungen, sondern auch durch eingehende Angaben über die seit kurzem gezüchteten reingelben, weissen und blauen Wellensittiche, sowie über die Spracliabrichtung und alle bisher bekannten Fälle sprechender Wellensittiche. Prof. Dr. R. Sadebeck, Die Kulturgewächse der deutschen Kolonien und ihre iirzeugnisse. Für Studirende und Lehrer der Naturwissenschaften, Plautagenbesitzer. Kaufleute und alle Freunde kolonialer Bestrebungen. Nach dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse bearbeitet. Mit 127 Abbildungen. Gustav Fischer in Jena, 1899. — Preis 10 Mark. Sadebeck begründete vor langen Jahren zu Hamburg ein botanisches Museum. Dieses Staatsinstitut entwickelte sich alsbald, dank der unermüdlichen, aufopfernden Thätigkeit seines Directors, in erfreulichster Weise. Als dem Museum dann im Jahre 1885 eine KoloniaLibtheilung und 1887 auch ein Laboratorium für Waaren- kunde angegliedert wurde, gewann dasselbe erst so recht seine volle Bedeutung für Wissenschaft sowie Praxis. Heute gehört das Hamburger Museum ohne Zweifel zu den ersten Instituten seiner Art; jeder Fachmann, der auch andere Sammlungen sah, wird das beim Besuch der Anstalt erkennen, zugleich aber auch überrascht sein über die ■ Sorgfalt, welche der Präparation sowie Ausstellung eines jeden Objectes gewidmet wurde. Selbstverständlich ist in der Kolonialabtheilung des Museums den Culturgewächsen und Handelsproducten unserer Kolonien eine ganz besondere Beachtung geschenkt. Sadebeck hat ein überaus werthvolles, reichhaltiges Material zusammen gebracht. Und nun, gleichsam um sein Lebenswerk zu krönen, veröflfentlicht der ver- dienstvolle Mann auch noch ein Werk, dessen Bedeutung und Werth hier hervorgehoben werden soll. Aeussere Ausstattung, Druck und vor allen Dingen die zahl- reichen Abbildungen, von denen viele neu und von künstlerischer Hand hergestellt sind, verdienen hohe Anerkennung, wie denn der genannte, hervorragende Verleger überhaupt in uneigennützigster Weise bemüht ist, wissenschaftliche Unternehmungen, soweit es nur irgend in seiner Macht steht, zu fördern. Die Darstellungen, welche Sadebeck in dem vorliegenden Werke giebt, beziehen sich freilich vor allen Dingen, aber doch nicht ausschliesslich auf die Culturpflanzen der deutsclien Kolonien. Er bespricht ihren botanischen Charakter, ihre Cultur, Ernte, die erste Behandlung der gewonnenen Producte und auch die Krankheiten der Culturobjecte. Ebenso erwähnt der Verfasser die wichtigsten Culturgewächse der Eingeborenen, z. B. Getreidearten, Obstsorten, Kiiollenpflanzen und manche Pflanzen, die zwar nicht in Plan- tagenbetrieb genommen werden, aber dennoch bedeutungsvolle Roh- stotfe liefern.^ Nicht unerörtert bleiben auch manche Gewächse, die in unseren Kolonien vor der Hand noch sehr wenig oder gar nicht zum Anbau gelangen, z. B. Pfeff'er, Zimmt, Muskat, so dass unser Buch in der That einen üeberblick über die sämintlichen wichtigen Culturpflanzen der warmen Länder darbietet. Die Bearbeitung des Buches ist unter Berücksichtigung der Litteratur über tropische Agricultur, sowie der Mittheilungen ver- schiedener Plantagenleiter und Forschungsreisender durchgeführt worden. Besonders werthvoll wird die Schrift aber dadurch, dass der Verfasser die von ihm selbst bei dem Studium des Materials des Hamburger Museums erzielten Ergebnisse benutzen konnte. Die Gliederung des Stotts erscheint ebenso einfach wie natur- gemäss. Zunächst werden die Palmen behandelt, dann Getreide- arten und Zuckerrohr, ferner die Knollengewächse, die essbaren Früchte, die eigentlichen Geuussiuittel (Kafl'ee, Thee, Cacao etc.), die Gewürzpflanzen, Tabak, die fettliefernden I'flanzen, die Farb- und Gerbstofle liefernden Gewächse, Gummi, Harze und Copale, Kautschukpflanzen, Faserstoffe, Nutzhölzer und endlich einige Medicinalpflanzen. Ueberall werden zunächst die botanische Natur und die all- gemeinen Lebensansprüche der Culturgewächse charakterisirt. Der Verfasser zeigt sich dabei als erfalirener und konntnissreicher Botaniker, der es wohl versteht, die Hauptsachen nachdrücklich zu betonen, aber auch im Detail den strengen Forderungen der Wissenschaft zu entsprechen. Von der durch die erwähnten Er- örterungen gewonnenen Grundlage ausgehend, wird dann der Anbau der Pflauzen, die Methode der Vermehrung, die Pflege der Gewächse, die Ernte und die Natur der gewonnenen Producte behandelt. Für welchen Leserkreis ist Sadebecks Buch nun bestimmt? Botaniker und Techniker finden in demselben mancherlei, was bis heute nicht genau bekannt war, denn verschiedene Rohstoffe, z. B. die Piassaven, hat der Verfasser zum ersten Mal einer gründlicheren wis-ienschaftlichen Bearbeitung unterzogen. Ferner wird überhaupt jeder, der das nur zu natürliche Be- dürfniss empfindet, sich über Herkunft und Natur zahlreicher Producte, mit denen wir jeden Tag in Berühung kommen, zu Orientiren, reiche Belehrung durch das Werk gewinnen. Ebenso der Kaufuianu und der Leiter einer Plantage. Für den letzteren dürften namentlich Ausführungen über die Krankheiten mancher Gewächse, z. B. über die Serehkrankheit des Zuckerrohrs und die Rostkrankheit der Kafl'eepflanze, von Interesse sein. Vor allen Dingen möchte ich aber Folgendes hier betonen. Seit 1884 ist Deutschland in die Reihe derjenigen Staaten eingetreten, welche Kolouialpolitik treiben. Meiner Ueberzeugung nach ist damit ein Schritt getlian, der die weittragendste Bedeutuug für die Entwickelung unseres Volkes hat. Demselben sind ur- plötzlich ganz neue Ziele gesteckt, und neue Kräfte können sich betheiligen. Die Geschichte lehrt, welche ungeheure Wichtigkeit kolo- niale Bestrebungen für einen Staat gewinnen können. Sie sind dazu geeignet, den materiellen Wohlstand eines Volkes mächtig zu fördern und das geistige Leben desselben unermesslicli zu erweitern. Leicht sind die neuen Aufgaben, die an uns herangetreten, freilich nicht zu lösen. Im Wettbewerb mit anderen Nationen heisst es. alle Kräfte anspannen, unermüdlich, opferfreudig arbeiten, die Bedürfnisse und Leistungsfähigkeit der vorhandenen Kolonien genau studiren, und, was die Hauptsache ist, in den weitesten Kreisen ein leidenschaftliches Interesse für koloniale Bestrebungen entzünden. Heute schon blicken wir mit Stolz und Freude auf manches, was uus unsere Kolonien bieten, denn in der That, ihre wirth- schaftliche Bedeutung wächst von Tag zu Tag. Wer weiss, was die weltgeschichtliche Entwickelung uns noch bringen kanu! Wir haben eine neue Bahn betreten ; wir wollen dieselbe nicht wieder verlassen. Das beste Mittel, um in unserem Volke ein tieferes Verstand- XIV. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 niss für koloniale Fragen anzubahnen und Begeisterung für die- selben zu erwecken, scheint mir auch hier ein angemessener Schulunterricht darzubieten. Unsere Jugend hat dereinst das Ruder in der H;ind; unsere Pflicht ist es, sie nach bester Ueber- Zeugung für die Aufgaben vorzubereiten, welche sie zu lösen halten wird. Weit mehr, als dies heute noch vielfacli der Fall ist, sollte im geographischen sowie naturwissenschaftlichen Unterricht aller Lehranstalten die Eigenart specioU der deutsclien Kolonien und ferner Länder überhaupt dem Ver^tändniss der .Jugend, besonders auch der reiferen, naher gerückt werden. Vor allen Dingen sollten auch der Staat nnd die Gemeinden dahin wirken, dass jeder Schule eine wohl geordnete Sammlung der Handelsprodiicte der deutschen Kolonien zur Verfügung stände. Diese Sammkiug durfte aber nicht (für andere gilt das gleiche) in Schränken verborgen liegen, sondern sie müsste, natürlich unter Glas und Rahmen, so aufge- stellt werden, dass die Objecte stets von den Schülern leiclit beobachtet werden könnten. Die Beschaffung einer Sammlung von Handelsproducten und sonstiger wichtiger Theile der tropischen Culturgewächse bietet heute gar keine so sehr bedeutenden Schwierigkeiten dar. Anderer- seits entsteht aber für den Lehrer die Aufgabe, sich zunächst selbst eingehender über den von ihm im Unterricht zu behandelnden Stoff zu Orientiren. Da bietet sich nun Sadebecks Buch dem Lehrer als ein vor- zügliches Hilfsmittel dar. Ich empfeide dasselbe in nachdrück- lichster Weise zu eingehendem Studium, und zweifle nicht, dass viele Lehrer, angeregt durch die Darstellungen des Werkes, auch andere Schriften herbeiziehen werden, um immer tiefer in den interessanten Gegenstand einzudringen. Das kommt dem Schulunterricht und unserem ganzen Volke wieder zu gute. Nach allem, was hier gesagt worden ist: scheinen mir Sadebecks „Culturgewächse der deutschen Kolonien" in der That geeignet zu sein, zur Förderung des Interesses für koloniale Bestrebungen wesentlich beitragen zu können. Prof. W. Detiner, Jena. Prof. Dr. Wilhelm Meigen, Die deutschen Pflanzennamen. ^'erlag des Allgemeinen Deutschen .Sprachvereins (.S. Berggold) in Berlin, 1898. — Preis 1,60 Mark. Verfasser will die Grundsätze entwickeln, welche bei der deutschen Benennung der Pflanzen als maassgebend angesehen werden müssen, wenn die betrefl'enden Namen geeignet sein sollen, in den Kreisen, für die sie bestimmt sind, sich einzubürgern. Der vorhandene Bestand an dentschen Namen wird dabei gebührend berücksichtigt. Den Schluss bilden drei Namensverzeichnisse. Das erste, in systematischer Anordnung, versucht die allgemeinen Grundsätze in ihrer Durchführung zu zeigen; das zweite, alphabetische, wird dem Nichtbotaniker zu becpiemem Auffinden des zu bestimmtem lateinischen Namen gehörigen deutschen dienen; das dritte, eben- falls alphabetisch, gewährt eine Uebersicht, welche der vorhan- denen deutschen Namen und für welche Pflanzen sie Verwendung gefunden haben. Die vorliegende Arbeit ist vom allgemeinen Deutsehen Sprach- verein durch den 1. Preis der Aufgabe „Deutsche Pflanzennamen für die deutsche Schule" ausgezeichnet worden. Oberlehrer E. A. Mohr und K. Bamberg, Geologische Schul- wandkarts von Deutschland. Maassstab 1 : 7UU0ÜÜ. Berlin und Weimar. Geogiapliischer Verlag von Carl Chun. 4. revi- dirte Auflage. — Preis llj Mark. Die Karte umfasst das Gebiet etwa zwischen 4° und "23° öst- licher Länge von Oreenwich und io'/i" und 5-V/./ nördlicher Breite. Sie besteht aus 18 Blättern und bat als Unterlage die Schulwand- karte von Bamberg, auf welche das geologische Bild übertragen ist. Gegen die Bamberg'sche Karte ist einzuw-enden, dass in der Abkürzung namentlich der Ortsnamen zu weit gegangen ist. Wenn die Abkürzungen nach bestimmten Gesichtspunkten und dort ge- braucht werden, wo Verwechslungen oder eine erschwerte Les- barkeit ausgeschlossen sind, kann man sich nur damit einverstanden erklären. Auf der vorliegenden Karte ist hiernach nicht immer verfahren worden. Am wenigsten störend sind Abkürzungen bei allgemein bekannten Orten; bei woniger bekannten sollte man stets nach fester Regel verfahren. In wie weit hiergegen ge- sündigt wird, dafür seien die folgenden Beispiele angeführt: Die Namen z. B. der bekannten Städte Flensburg, Lüneburg, Magdeburg sind ausgeschrieben, dagegen erfährt die Endung . . bürg bei z. T. weit weniger deui Schüler geläufigen Namen folgende Abkürzungen: z. B. Rendsbg. = Rendsburg. Marienbg. = Marienburg, Papenb. = Papenburg, Cbarlbg. = Charlotten- burg. Aehnlich ergeht es der Enduug . . . berg, z. B. Dannenbg. = Dannenberg, Oderb. = Oderberg. Gleichfalls sind einfach mit b. folgende recht verschieden endigende Ortsnamen abgekürzt: Brunsb. = Brunsbüttel, Quakenb. = Quakenbrück, Ibbenb. = Ibbenbüren, Schwieb. = Scliwiebus. Schwab. = Schwabach etc. Bärw. soll Bärwalde, Trakeh. Trakehnen heissen; die folgenden Orte sind noch schlechter weggekommen: R. bedeutet Ruhrort, Schis. Schleusingen, Thst. Theresienstadt. Wenn schon die Schlachten nnd Gefechte bei den Orten verzeichnet werden sollen, so muss dies möglichst genau geschehen, und es dürften nicht die doch den Schülern meist recht geläutigen Schlachten und Gefechte von Zorndorf, Kunersdorf, Liegnitz, Leuthen, Wimpfen, Hanau, Aschaffenburg, Saalfeld, Jena, Rossbach, Höchst und an der Katzbach etc. vergessen werden, zumal beinahe alle diese Namen auf der Karte vorhanden sind. Störend sind Druckfehler wie Tachel statt Tuchel. Die veraltete Schreibweise Ortlessp. wäre besser durch die Jetzt allgemein übliche Ortlerspitze zu ersetzen. Bei einer mehrfacb aufgelegten Karte müssten diese Fehler all- mählich ausgemerzt sein. Das zur Darstellung gebrachte, geologische Bild entspricht nicht den heutigen Anschauungen. Im Quartär des norddeutschen Flachlandes hätten die grossen Thal er der Urströme und der Ver- lauf der Endmoränen, welcher auf einer Strecke von ca. lOüO Kilo- metern von der Nordgrenze Schleswigs, durch Holstein, Mecklen- burg, die Mark, Pommern bis Westpreussen festgelegt ist, ver- zeichnet werden müssen. Die Bezeichnung Grauwacke für eine Formation ist falsch; denn sie ist ein petrographischer Begriff. Was früher als Grauwackenformation benannt wurde, gehört theils zum Kulm, also zur Steinkohlenformation, theils zum Devon und Silur. Die Beibehaltung des veralteten Begriffes äussert sich natürlich auch in der geologischen Darstellung der Karte. Wenn dem Schüler ilie Anfangsgründe der geologischen Wissenschaft beigebracht werden sollen, so muss es in einer dem heutigen Sta.ide dieser Disciplin entsprechenden Form geschehen. Die be- treffenden Blätter der internationalen geologischen Karte hätten für das Gebirgslaiid dem Verfasser ein richtiges Bild gewährt. Von den Orten mit Lehranstalten für den Bergbau, welche der Verfasser durch gekreuzte Schlägel und Eisen kennzeichnet, müssen Brandenburg an der Havel und Senftenberg gestrichen werden. Abgesehen von den Bergakademien in Berlin und Claus- thal, bestehen in der preussischen Monarchie Berg- bezw. Berg- vorschulen in Tarnowitz, Waidenburg, Eisleben, Bochum, Essen, Siegen, Dillenburg, Wetzlar, Saarbrücken, Louisenthal-Neukirchen und Bardenberg bei Aachen. Wenn aucdi anerkannt werden kann, dass die Verfasser ver- sucht haben, in grossen Zügen ein geologisches Bild unseres Vaterlandes zu entwerfen, so ist die Karte doch bei ihrer jetzigen Mangelhaftigkeit und Fehlerhaftigkeit für den Unterricht nicht zu empfehlen. Für die Jugend ist uns das Beste gerade gut genug. Dr. Kauuhowen. Bedriaga, Dr. I. v., Amphibien und Reptilien. 1. Lfg. St. Peters- burg. — 5,'2.j Mark. Koenigsberger, Leo., Ueber die Entwickelungsform algebraischer Functionen und die Irreductibilität algebraischer Gleichungen. Berlin. - 0,50 Mark. Loew, vorm. Prof. Dr. Ose, Die chemische Energie der lebenden Zellen. Miinehcu. — 6 Mark. Ostwald, Prof., Dr. Wilh., Aeltere Geschichte der Lehre von den Berüliiuugswirkungen. Leipzig. — 1,.50 Mark. Pagenstecher, Dr. Arnold, Beiträge zur Lepidopteren-Fauna des nialayisclieu Archipels. Wiesbaden. — 1 Mark. — ,— Die Lepidojjteren des Hochgebirges. Ebd. — 1 Mark. Peano, G., Entwickelung der Grundbegriffe des geometrischen Caiculs. Salzburg. — i Mark. Rosenbusch, H., Zur Deutung der Glaukophangesteine. Berlin. — (J,50 Mark. Sadebeck, Dir. Prof. Dr. E,., Die Culturgewächse der ileutschen Colouien und ihre Erzeugnisse. Jena. — 10 Mark. ■ lllialt: R. Kolk witz: Pflanzenphysiologische \'ersuche zu Uebungeu im Winter. — L. Herrmann: Die Verwendung der Perle. — Haben die Lebewesen freien Sauerstoff nöthigV — Die Regeneration der Seesterne. — Alkalische Reaction der Kammern und Gänge eines Ameisennestes. — Dif Reblaus in Italien. — Feinde des Olivenbaumes. — Bericht der Commission für die Festsetzung der Atomgewichte. — Aus dem wissenschaftlichen Leben. — Litteralur: Dr. phil. Ludwig Goldschmidt, Kant und Helmholtz. — Wilhelm Kliuckert, Das Licht, sein Ursprung und seine Funktion als Wärme, Magnetismus, Schwere und Gravitation. — Dr. Friedrieh Dannemann, Grundriss einer Geschichte der Naturwissenschaften. — Dr. Karl Russ, Die Wellensittich. — Prof. Dr R. Sadebeck, Die Kulturgewächse der deutschen Kolonien und ihre Erzeugnisse. — Prof. Dr. Wilhelm Meigen,_ Die deutschen Pfianzennamen. -— Oberlehrer E. A. Mohr und K. Bamberg, Geologische Schulwandkarte von Deutschland. — Liste. 56 Natnfwlssenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 5. 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Seine Beob- achtungen waren auf einer von der Geologischen Landes- anstalt ausgeführten Excursionskarte niedergelegt, welche das Verständniss der schwierigen tektonischen Verhältnisse erleichterte. DieTheilnehmer (einige Dreissig) versammelten sich am Abend des 21. September auf dem Lindenberg bei Wernigerode, von wo am folgenden Morgen der Aus- flug begann. Zunächst wurden am Lindenberg selbst die obersilurischen Schiefer besichtigt, in welche Wetz- und Kieselschiefer, sowie dunkle Kalke eingelagert sind. Dann ging es über die Kulnischiefer des KUsterskamp zu dem Syenitporphyr des Scharfensteius, einem der zahlreichen Porphyrgänge des Gebiets zwischen Elbingerode, Rübe- land und Wernigerode, die in nahezu süd-nördlieher Rich- timg die gesammten Schichten durchsetzen und vielfach Anlass zu intensivem Steinbruchsbetrieb gegeben haben, da sie ein ausgezeichnetes Material für Chaussee- und Strassenbau abgeben. Dann wurde die Zone der Wissen- bacher Schiefer im Kaltenthal gekreuzt, in der zahlreiche Diabase und Labradorporpbyrite eingeschaltet sind. In einem Steinbruch desselben Thals war Augitporphyrit (schwarzer Porphyr) aufgeschlossen, von dem im Eiser- grunde unfern der Einmündung in das Mühlenthal eine granatreiche Varietät ansteht. Der weitere \Yeg führte fortgesetzt durch Wissenbacher Schiefer, der an einer Stelle fossilführend ist, und dann durch den unter- devonischen Hauptquarzit zu den Culm und Devon- ablagerungen des Hartenberg-Büchenberg-Sattels. Durch das exacte Studium der bergbaulichen Aufschlüsse hatte M. Koch festgestellt, dass man es dort nicht mit einer Mulden- sondern mit einer Sattelstellung des Devons zu thun hat. Von dem Kern der Sättel, dem Schalstein und Diabasmandelstein gelangt man zunächst in die Ab- lagerungen der Striiigocephalenstufe, an die sich gering- mächtige oberdevonische Schalsteine, Clymenienkalke und Cypridinenschiefer ansehliessen. Der dann folgende Culm ist zunächst durch Adinole, Wetzschiefer und Kieselschiefer repräsentirt, denen sich Posidonienschiefer und Grau- wacken anreihen, die man früher als Zorger Schiefer und Elbingeroder Grauwacken bezeichnet und ins untere Mittel- devon gestellt hatte. Die Koch'sche Oliederung ist folgende Aeltere Gliederung M. Koch'sche Gliederung Cypridin en schief er. Havtenberg. Goniati tenkal k d. unt. Ober- Devon mit Card, angiili/era, Rübeland (nach F. A. Römer). Iberger Kai k. Schal st ein. Elbingerode u. HUtten- rode. Grau w acke. Elbingerode Grauwacke; Tanner Grauwacke d. Nordrandes. (?) Posidonienschiefer. (Zorger Schiefer) mit Fosid. Beclieri u. s. w. Culmkieselschiefer u. -adinole mit Clnd. Miehelini, Pliill. aequalis . u. 8. w. (Hauptkieselschiefer z. Th.) ypri Hartenberg, Büchenberg, Hütteu- rode, Hasselfelde. Jiing. Schalstein. Büchenberg. Cly menienkalk. Büchenberg, Meiseberg u.Scheeren- stieg. Goniat itenkalk d unteren Ober- Devon (Adorfer Kalk), Rübeland, Meiseberg. Iberger Kalk. Elbingerode und Eübeland. 58 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. G. Aeltere Gliederung M. Koch'sche Gliederung Stringocephalenkalk u. -Eisenstein, Elbingerode u. Hüt ten- rode. Eibinge roder Grauwacke. Zorger Schiefer. Hauptkiesel- schiefer. Oberer Wieder- schiefer mit Diabas u. Kalkstein. pa Hauptquarzit m. d. F. V. Elend, An- dreasbere. Drenge- thal, Michaelstein, Langen berg u. Ast- borg. Krebsbachthal bei Mägdesprung. Unt. Wieder schief er. a) h e r e S t u f e, Grap- tolithenschiefer mit Diabas u. Kalkstein (Harzgeroder Ziegel- hütte u. s. w.) b) Unt. Stufe. Schiefer m. Kalkstein- (ra. Her- cynfauna), Kiesel-, Wetzschiefer u. Grau- wackeueinlag. Tanner Grauwacke. Stringocephalenkalku. -Eisen- stein von Elbingerode u. Hütten- rode, a) Kalkstein m.d. F. v.Marten- berg i. Westf. (Anarc. can- cellatus, Maeneceras terebratum, Tornoc.cinctum etc.) Büchenberg. b) Kalkstein, Eisenstein und Tuffe m. Brachiopoden- fauna u. Crinoidenb sinken. Tännichen, Lindenstieg, Hütten- rode, Garkenholz b. Rübeland (hier Striny. Biirliiii u Calc. san- dalina nach E. Kayser); Ko- rallen kalk vom Hartenberg u. Hüttenrode. Aelterer Schalstein m. Diabas u. Keratophyr. Elbingerode u. Hüttenrode. Wissenbacher Schiefer mit Diabas u. Kalkstein (= Oberer Wiederschiefer; obere Stufe des unteren Wiederschiefer z. Th.) Fauna d. Wissenb. Schf : Kloster- holz, Schwengskopf, Drengethal, Eisergrund, Herzogl. Weg u. Silber- bornsgrund, Braune Sumpf und Ziegenkopf b. Blankenburg C e p h a 1 o p o d e n k a 1 k d. unteren Mittel-Devon (untere Stufe d. unteren Wiederschiefer z. Th.). Thonmühlenkopf am Tiüinenthal (nach F. A. Römer), Schwengs- kopf, Meiseberg, Hasselfelde, u. s. w. ; Kalksteine mit der Fauna der Greifensteiner Kalke, Schwengskopf. Hauptquarzit (Obercoblenz) Ausser den nebenstehenden Fund- punkten : Klosterholz, Südostseite des Bruchberg - Acker (Jagd- haus u. s. w.). He rcyn kalke (untere Stufe des unteren Wiederscliiefer z. Th.) mit Spirifer hercyniae, Decheni, Rhynch. yrinceps Pent. costatus, hing, llsae u. s. w. Klosterholz, Scheerenstieg, Schneckenberg u. s. w. Graptolithenschiefer m. Diabas (Ob. Stufe d. unt. Wiederschiefer). Schwarze Kalke m. Cardiola in- ierupta Tiinnenthal b. Oehrenfeld; dunkle Kalke mit Kiesel-, Wetz- u. Alaunschiefer (unt. Stufe d. unt. Wiederschiefer z. Th.). M Zone südlieh Wernigerode. Ilsenburg- (Bruchberg-) Qu arzit. Tanner Grau wacke der Sattel- axe (?). Der ganz oder theilweise in Eisenstein (Rotheisen- stein und Brauneisenstein) umgewandelte Stringocephalen- kalk hat zu Bergbau Veranlassung gegeben, der früher sehr umfangreich war. Nur in dem Tagebau der Alten Gräfeu- hagensberger (irube am Bücheuberge ist noch ein be- schränkter Betrieb im Gange. Hier war es auch, wo den Theilnelimern der Excursion ein Einblick in den durch Ueberschiebungen und Verwerfungen äusserst complicirten Bau der dortigen Schiciiteu ermöglicht wurde. Nicht minder schwierig zu deuten waren die Lagerungsverhält- nisse der Eisensteingrube des Tännichener Reviers, die von Koch in seiner Monographie*) des Hartenberg-Bücheu- berger Sattels klargelegt sind. Einfacher war schon der tektonische Bau der Gegend, welche auf dem Wege von Elbingerode über Rübeland nach Blankenburg berührt wurde. Elbingerode liegt auf Stringocephalenkalk, der von den oben erwähnten nord- südlich verlaufenden Forphyrgängen durchsetzt wird. In einem Steinbruch in der Nähe des Bahnhofs war ein Granitporpliyr erschlossen, in dem Einschlüsse von Graphit- schiefer sowie von durch Contactmctamorphose in Marmor umgewandelten Stringocephalenkalk bemerkenswerth waren. Ebenso erregte das Vorkommen von Granat und Chiastolith das Interesse des Forschers und Öamuders. Weiter thalabwärts kommt der aus Keratophyr be- stehende Sattelkern zu Tage, welcher unfern vom rechten Ufer des Mühlthals duvch eineVerwerfung gegen den Iberger Kalk abgeschnitten ist. In diesem Iberger Kalke liegt die Eisenerzlagerstätte des Grossen Grabens, ein um einen Keratophyrkern ringförmig verlaufender Pingeuzug, dessen Erze nach dem Kern zu aus Rotheisenstein, nach aussen aus manganreichen Brauneisensteinen bestehen. Im Kera- tophyr findet sich in unregelmässigen Klüften Schwefelkies von oft beträchtlicher Mächtigkeit. Neben dem im Mühl- thal einmündenden StoUn, der die Wasser des Grossen Grabens löst, trift't man einen sehr schönen Labrador- porphyr. Kurz vor Rübeland war im Niveau der Eisen- bahn durch einen Schürf der Contact des Ibergerkalkes mit den Schalsteinen und Keratophyren des Sattelkerns blossgelegt, so dass man die Ausfüllung der Verwerfungs- spalte durch Quarz gut seben konnte. Der Weg führte nunmehr durch Iberger Kalk, der gebrannt als Rübe- länder Kalk weithin verschickt wird. Nicht minder be- kannt ist Rübeland durch seine Höhlen (Biels-, Hermauns- und Baumaunshöhle) geworden, dereu herrliche Kalk- sinterbildungen und Thierreste der Diluvialzeit nicht nur das Interesse des Laien, sondern auch der Fachleute stets von neuem anregen. Unterhalb Rübeland, kurz vor dem Kroekstein, konnte . ein in Kulmgrauwacke neu angelegter Bruch sowie ein glimmerreicher Melaphyr gezeigt werden. Die dann sichtbare Transgression von Culmschiefern über Iberger Kalk erregte die Aufmerksamkeit im hohen Grade. Eben- so wurde die Sammellust durch den Reichthum au Ko- rallen, den hier der durch die Eisenbahn nach Hüttenrode angeschnittene Iberger Kalk zeigte, trotz des massigen Wetters wachgerufen. Nachdem die Passhöhe beim Hütteu- roder Bahnhof überschritten war, ging es wieder abwärts zur Lodenbleker Finge, in welcher Eisenstein des Striugo- cephalenkalks früher ausgebeutet wurde, und wo durch den Fund von Stringocephalus die Koch'sche Deutung gerechtfertigt wurde. In der Nähe des schönen Aus- sichtspunktes des Bielsteines wurde nochmals ein Kera- tophyr geklopft, der in kleineu Drusen Albitkrystaile zeigt. Da die Besichtigung all der schönen Aufschlüsse den Tag ausgefüllt hatte, musste leider auf den Besuch des der oberen Kreide angehörenden Crednerienquaders bei Blankenburg, welcher im Programm vorgesehen war, ver- zichtet werden. Entschädigt wurden wir dadurch, dass Herr Rittmeister von Haenlein aus seiner grossartigen Sammlung von subhercynischen Kreidefossilien eine grosse Anzahl schöner Exemplare zur Vertheilung kommen liess. Der folgende Tag war den mesozoischen Ablage- rungen im Vorlande des Harzes gewidmet, durch welche Bezirksgeologe Dr. Müller die Excursion führte. Eine von der Geologischen Landesanstalt hergestellte Karte der Umgebung von Halberstadt, Quedlinburg und Blanken- *) Jahrbuch der Geol. Landesanstalt für 1895. XIV. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 59 bürg (1 : 100 000) erleichterte auch hier das Verständniss der" allerdings im Vergleich zum Palaeozoikum des Harzes sehr einfachen Lagerungsverhältnisse. Zwischen Langenstein und Quedlinburg zieht sich ein Aufbruchs- sattel hin, dessen Kern von Keuper und Liasschichten ge- bildet wird. Die nordwestlich und südwestlich sich an- schliessenden Mulden werden von Schichten der oberen und unteren Kreide erfüllt. Der Austlug in dieses Gebiet begann bei Halberstadt, und wurden hier zunächst die all- bekannten Aufschlüsse am Kanonenberg aufgesucht, wo in der Thongrube der Wiede'schen Ziegelei zuunterst die fetten Thone des Unteren Lias (Psilonoten- und An- gulaten-Schichten) erschlossen sind, auf die sich con- cordant lose, gelbe Sande legen. Diese führen nesterweis zahllose P'ossilien, namentlich Cardinien, die meist Veran- lassung zur Bildung von äusserst grossen Concretionen gegeben haben, während sie nur sehr selten lose im Sande liegen. Die Cardinienschichten beschliessen an dieser Stelle den Unteren Lias. Kie transgredirenden Schichten des Cenomans waren gleichfalls nicht sichtbar, erst beim Bahnhof Spiegelsberge waren von der Oberkreide die Seaphitenpläner erschlossen, die ebenso wie der etwas links vom Wege liegende Kalkbruch vielfach grosse Exemplare von Animonites peroniphis geliefert haben. Die früher bei der Brauerei südlich vom Goldbach erschlosseneu Guvieri- schichten werden jetzt nur noch durch den Pflug hervor- geholt, wie dies auch bei den dann folgenden milden Thon- mergeln des Emschers der Fall ist. Diese nach oben sandig und gleichzeitig glaukonitisch werdenden Bildungen (Form- sande) gehen schliesslich in einen reinen, weissen Sandstein über, der bei der Sternwarte u. s. f gebrochen wird, während die liegenden Formsande einen bedeutenden Handelsartikel bilden. Dieser Schichtencomplex erweist sich durch seine Formen sehr abweichend von den lie- genden Plänerkalken und den hangenden untersenonen Mergeln, die von Ewald Salzbergmergel genannt wurden. Charakteristisch sind vor Allem neben den Cephalopoden die Inoceramen aus der Verwandtschaft des Inoceramus involutus, die in den Formsanden stellenweis sehr häufig sind. Dieselben Formen findet man jedoch auch in den hangenden Quadern der Spiegelsberge, des Gläsernen Mönches und der Thekenberge, so dass die über dem Pläner der Quedlinburg - Halberstädter Kreidemulde folgenden Schichten mit Ausnahme der von Beyrich abgetrennten MünchehoferSaude zum Emscher Schlüters*) zu rechnen sind. Da der Emscher selten so gut aufgeschlossen ist, wie in der Quedlinburg-Halberstädter Mulde und auch der Petrefacten- reichthum ein genügender ist, so war der Ausflug in dieses Gebiet ein lohnender. Da die Zeit zu kurz war, konnten die über dem Quader folgenden Conglomerate, die wie bei Zilly auf Phosphorite abgebaut wurden, nicht mehr aufgesucht werden. Wir fuhren dann mit der Eisenbahn nach Quedlinburg, wo wir zunächst den Aufbruchssattel besuchten. Den Kern des Sattels bilden Schichten des mittleren Keupers, an die sich Rhät, unterer und mittlerer Lias, Neokomsandstein, Gaultsandstein(?), Cenoman, Turon und schliesslich die Emschergesteine anlegen. Diese Schichtenfolge wiederholt sich nach beiden Seiten. Da die Schichten im Sattel steil aufgerichtet sind, und harte mit weichen Bänken wechsellagern, so hat die Erosion hier ein mit dem tektonischen Bau gut übereinstimmendes Landschaftsbild geschaffen. In den über dem Emscher folgenden Salzbergmergel wurde am Salzberg selbst gesammelt. Das Ergebniss war trotz des nur flüchtigen Besuchs ein günstiges in Folge *) Schlüter benannte diese Schichtenfolgo nach dem Flusse Emscher in Westfalen. des selten grossen Reichthums an Fossilien. Der Weg ging nun längs des Anfbruchssattels in nordwestlicher Richtung nach Westerhausen. Unterwegs wurde kurze Zeit in einem Schürf im Unterqnader des Langcnhergs Halt gemacht, wo einige Wedel v(m WeichscI/a herausgebrochen waren. Hinter Westerhausen waren gleichfalls Schürfe in dem über dem Salzbergmergel folgenden Quader ausgeführt, wo neben Conifereniesten zahlreiche Blätter von Üicotyledonen gesammelt werden konnten. In den in dem Altenburg- quader eingelagerten Letten fanden wir schliesslich auf dem Heimweg nach Quedlinburg Coniferenstengel (Geinitzien) auch deren Fruchtstände (Seqiioia), von denen jeder Tlieil- nehmer des Ausflugs reichlich mitnehmen konnte. Wäh- rend mehrere der Excursionistcn noch an diesem Tage heimkehrten oder direct nach Berlin fuhren, machten andere noch am folgenden Morgen einen Ausflug in die Triasablagerungen zwischen Nienstadt und Thale, die durch ihren tektonischen Bau (Ueberkippungen, Ueber- schiebungen, Verwerfungen) sehr sehenswerth sind. Excursionen nach den Sitzungen. Die Excursionen nach der Hauptversammlung hatten die Aufgabe, die in den letzten 15 — 20 Jahren bei der preussiscben geologischen Landesaufnahme gewonnenen Resultate vorzuführen. Ein in diesem Sinne von G. Berendt, K. Keilhack, H. Schroeder und F. Wahnschaffe verfasster Führer, zu dem auch C. Gottsche und G. Müller kleinere Beiträge nebst Profilen geliefert hatten, waren den Theil- nehmern der Versamnüung von der Direction der Geo- logischen Landesanstalt überreicht worden. Am Mittwoch, den 28. September, dem letzen Tage der allgemeinen Versammlung der Deutscheu Geologischen Gesellschaft zu Berlin, wurden die Sitzungen schon früh- zeitig geschlossen, da am Nachmittage unter der Führung der Herren Professoren Jäkel und Wahnschaffe eine geologische Excursion nach Rüdersdorf stattfand. Es betheiligten sich an derselben 42 Geologen, die mit der Eisenbahn bis Station Erkner fuhren und von dort aus das Dampfschiff über den Flaken- und Kalksee bis zum kleinen Kesselsee in Rüdersdorf-Alte-Grund benutzten. Hier wurden die Theilnehmer an der Excursion von den Beamten der Königlichen ßerginspeetion zu Rüdersdorf empfangen und von der Bergkapelle unter den Klängen froher Märsche zunächst nach den schönen Röthaufschlüssen am Abhänge des Schulzenberges geleitet. Die beiden Führer der Excursion hatten sich derartig in ihre Aufgabe getheilt, dass Herr Professor Jäkel den geologischen Bau der Trias, Herr Professor Wahnschaffe denjenigen des Quartärs erläuterte. Der Gang der Excursion fand in der Weise statt, dass von den erwähnten Röthschichten im Liegenden ausgehend im Alvenslebenbruche, Krien- Kanal und Krienbruche das gesammte Profil des unteren, mittleren und oberen Muschelkalkes durchwandert wurde. Im Alvenslebensbruche waren die Schichtenköpfe des Schaumkalkes von den daraufliegenden Quartärbildungen sehr schön abgedeckt, sodass man die Gletscher- schrammen, die StrudcUöcher (Gletschertöpfe) und die geologischen Orgeln vortrefflich beobachten konnte. Besonderes Interesse erregte die tiefe von Nord nach Süd gerichtete Auswaschungs-Schlucht mit den schön geglätteten Wänden und halbkreisförmigen Nischen, wie sie hier stark strömendes, gerölltransportirendes Wasser hervorgerufen hat. Das von der Eisoberfläche in Spalten herabstürzende Schmelzwasser, welches durch Strudel- bilduiig unter Mitwirkung von Reibsteinen die Gletschertöpfe aushöhlte, stürzte in diese wahrscheinlich schon vorhandene tiefe Kluft hinein und erfüllte dieselbe mit Sand und grobem Geröll. ^ , .. ^ — 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 6. Die Orgelbildung, die auf einer Auflösung des Kalkes durch die mit geringen Mengen von Kohlensaure beladenen, in den Boden einsickernden Atmosphärilien beruht, wobei als Rückstand ein brauner Lehm hinter- bleibt, trat in Rüdersdorf erst nach der Gletschertopf- bildung ein und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Entkalkung des Oberen Geschiebemergels. Dank der Liebenswürdigkeit des Directors der Rüders- dorfer Kalkwerke, des Herrn Graessner, war in der Sohle des Alvenslebenbrnches ein grosser Tisch mit den in Rüdersdorf hauptsächlich vorkommenden Versteinerungen ausgestellt, die den Geologen zur Verfügung gestellt wurden. Ebenso anerkennenswerth waren die Vorberei- tungen, die zur Besichtigung des Profiles in dem alten Krienbruch getroffen waren. Durch eine Reihe neuer Schürfe war hier der obere Muschelkalk in seinen drei Abtheilungen vortrefflich aufgeschlossen. Die Rückfahrt nach Berlin wurde auf dem Bahnhof Rüdersdorf angetreten, woselbst Herr Geheimrath Pro- fessor Dr. Credner-Leipzig im Namen aller Theilnelnner Herrn Director Graessner für den freundlichen Empfang und die ausgezeichneten Vorbereitungen für diese Ex- cursion den wärmsten Dank aussprach. Der erste weitere Ausflug (29. September) galt dem bei der Stadt Lauenburg a. d. Elbe vorhandenen, schönen Aufschlüssen. Hier erregt zunächst t dasvon K. Keilhack 1885 eingehender be- schriebene Profil am Steilufer der Elbe in der Nähe des so- genannten Kuhgrun- des das Interesse, da an dessen Deutung sich im Anfang der 90er Jahre eine um- fangreichere Contro- verse geknüpft hat 0,5—0,75 m mächtiger, zahlreiche, kleine Geschiebe führen- der Sand, unter dem dann bis 12 m mächtige, feinere Sande folgen. Diese feineren Sande bilden das Hangende eines ds Decksand, t Interglacialer Torf, dm' Obere Bank des unteren Diluvialmergels, ds' Unter- diluvialer Spathsand, dms Unterdiluvialer Merpelsand, dm' Unterer Diluvialmergel im Lieg, des Mergelsandes, ds" Unterdiluvialer Spathsand im Lieg, der unteren Geschiebemergelbank. Zu oberst liegt dortselbst ein grober Torflagers, welches durch ein sandiges, durch Humussäure verkittetes Zwischenmittel in zwei Bänke getrennt ist. Die untere Bank ist ca. ^,^ m stark, während die obere bis zu 2 m Mächtigkeit anschwillt. Diese Torflager wurde von Keilhaek für eine iuterglaciale Bildung erklärt. Nach den Rändern des etwa lOO m breiten Lagers keilt sich der Torf aus. Dies kommt daher, dass der unterlagernde, blaugraue Geschiebemergel eine Mulde bildet, in dem die Torf bildung vor sich gegangen ist. Elbabwärts finden sich noch drei derartige mit T(n-f erfüllte Mulden, doch sind an keinem dieser Punkte die Aufschlüsse so gut wie gerade am Kuhgrunde. Unter dem Geschiebemergel finden sich Spathsande, die in Mergelsand deren schöne Schichtung noch durch dünne bänke hervorgehoben wird. Diese Mergelsande wurden von Credner, Geinitz, Wahnschatfe mit dem weiter östlich, namentlich in den Stöhlke'schen und Brandt & Anker'scheu Ziegelgruben schön erschlossenen Cardiumsande paralle- lisirt und als wahrscheinlich zum Miocän gehörig gezogen, während Keilhack denselben zum Diluvium rechnete. Dagegen wiesen Credner, Geinitz und Wahnschaffe nach, dass Keilhaek sich in so fern geirrt hat, als er über dem Torf bezw. den feineren Sauden noch einen jüngeren Geschiebe- mergel lagern lässt, und sie glaubten den Nachweis ge- führt zu haben, dass das Torflager nicht interglacial, übergehen, Thonmergel- sondern postglacial sei. In neuerer Zeit ist jedoch das von Keiliiack angenommene interglaciale Alter des Torfes sicher festgestellt und zwar ausser durch das Auffinden einer für das interglaciale Diluvium Norddeutschlands be- stimmenden, nordamerikanischen Wasserrose [Brasenia jmryinra) durch den Nachweis, dass die den Toif be- deckenden Sande mit der geschiebeführenden Decke das Aequivalent des Geschiebemergels der jüngsten Eiszeit sind, dass sie als fluvioglaciale Sedimente der Schmelz- wässer des letzten Inlandeises aufzufassen sind, die am Rande desselben heraustreten. Die unter dem Geschieberaergel folgenden Mergel- sande sind jedoch nicht marinen Ursprungs, d. h. keine Cardiumsande, sondern wie G. Müller nachgewiesen hat, auch glacialer Entstehung. Unter dem Mergelsande folgt nochmals ein Geschiebemergel, der jedoch auch neben dem schön gefalteten bezw. geschleppten Mergelsanden hoch oben anstös.st und steil zum Kuhgrunde abfällt, sodass jene abgesunken sind. Unter dem zweiten unteren Geschiebe- mergel folgen wiederum grobe Spathsande. (Siehe bei- stehendes Profil.) Wie schon Keilhack erwähnt hat, sinkt die Höhen- lage der Torflager nach Westen immer mehr in das Niveau des Eibspiegels herab. Nach Osten heben sich dagegen immer mehr ältere Schichten heraus. Diese äheren Schichten sind zwar schon lange aus den erwähnten Ziegeleiauf- schlüsseu bekannt. Die relative Altersbestimmung ist jedoch erst durch die Aufschlüsse, welche beim Bau des Elb- Trave - Kanals schaffen sind, lieh geworden, wurden bei Palmmühle westlich Lauenburg dieselben Schichten, die na- mentlich bisher in der Ziegelgrube bei Brand und Anker l)ekannt waren, in weniger gestörter Lagerung erschlossen. Die zuerst von C. Gottsche beobachteten Aufschlüsse wurden später von dem mit der Kartirung des Blattes Lauenburg beauftragten Bezirksgeologen Dr. G. Müller genauer unter- sucht und das so erhaltene Profil in dem oben erwähnten Führer wiedergegeben. Die Schichtenfolgen auf Blatt Lauenburg gestaltet sich nach G. Müller in folgender Weise: ge- mög- Dort der 1. 2. 3. 4. 5. 6. Glaciale Bildung 10. 11. 12. Oberer Sand mit seiner geschiebereichen Decke (Glaciale Bildung.) Interglacialer Torf (Süsswasserbildung). Obere Bank des Unteren Geschiebemergels Späth bis Mergelsande*) Untere Bank des Unteren Geschiebemergels Spathsande, an der Basis mit Bänken von Bänderthon und Mergelsand Cardiumsaud 1 Marine bezw. Fetter Thon mit Mytilus edulis j brackische Bildung Braunkohle, unrein mit Resten von Nagern, ] Fischen, Käfern etc. (Snsswasser- Bank mit Anodonta, stellenweis in eine bildung. reine Diatonieenscbicht übergehend I Sand ohne Fossilien j ^j^^^ .^^^ Bildung (?).**) Fetter, schwarzer Thon j ev y / Die keilen sich unter 9 und 10 aufgeführten Süsswasserbildungcn nach Nordwesten aus, so dass die Caidium- *) Früher mit den Cardiumsanden verwechselt. **) Früher für Miociin angesehen. XIV. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 61 sande der Basedow 'sehen Ziegelei hei Hiichliorst in denen man jedoch selten gut erhaltene Fossilien antrifft, (lirect auf dem Sand No. 11 he/w. den fetten, schwarzen Thonen liegen. Mit Ausnahme des letzterwähnten Auf- schlusses konnten die Theilnehmer der Exeursion alle Aufschlüsse besuchen, und sich auch mit Material reichlich versehen, sodass trotz des massigen Wetters die weite Reise von Erfolg war. Die Excursionen der folgenden Tage hatten haupt- sächlich denZweck, den Theiluehmcrn die Tcrrainfornien Norddeutschlands und die von der geologischen Landesuntersuchung in den letzten Jahrzehnten Nur einige Minuten fährt dann der Zug durch eine wellig und unregelmässig coupirte Landschaft, die obertlächlich aus Geschiebeniergei besteht, die Grundmoränenlandschaft, die hier nur in wenig typischer Weise entwickelt ist, nm dann sofort in ein Gebiet zu gelangen, dessen Ebenfläeiiigkeit durch die völlige Horizontalität der geradlinigen Chaussee, welclie die Eisenbahn bei Chorin schneidet, auf das deut- lichste gezeigt wird. Innerhalb dieses grossen Stau- beckens, dessen aus Sauden, (irand und Thonmergel zu- sammengesetzte Flächen bis an den grossen Paarstein-See reichen und denselben und seine Dependeneen umfassen, führte der Weg vom Hahnhof Chorin nach Süden und von der „Hohenbrücke" am Nettelgraben ab nach Süd- 1:500001)0. Karte von Norddeutschlaud mit den Endmoränen-Zügen. gewonnenen Resultate über die Entstehung der- selben vorzuführen. Speciell die Exeursion am 30. September unter Führung des Landesgeologen Dr. H. Schröder, bewegte sich innerhalb des klassischen Gebietes, von welchem die Erkenntnis« der Endmoränennatur der Norddeutscliland durchziehenden Gesehiebewälle au.sgegangen ist. Ver- gleiche das bcüstehende Kärtchen*). Die Eiseubahn- fahrt von Eberswalde nach Chorin führte durch die weiten fast ebenfläehigen Sand- und Grandgebiete, die überall der Endmoräne nach Süden (Sandr) vorge- schüttet und die hier noch die Eigentliünilichkeit haben, dass sie zum Tlieil zugleich Thalboden des Thorn-Ebers- walder Hauptthaies sind. Am Dorfe Chorinchen durch- schneidet die Bahn einen als Wall deutlich ausgeprägten Höhenzug, die Endmoräne, deren Steinreichthum durch die zahllos darin befindlichen Steingruben angezeigt wird. *) Nach einer Mitteilung des Hr. Landesgeol. Dr. Schröder erscheint das obige Kärtchen der Endmoriinen mit geringen Ver- besserungen im Jahrbuch der Königl. preuss. geolog. Landes- anstalt für 1897. Red. Westen. Beim Austritt aus dem Walde vor dem Dorf Chorinchen gewähren die nach Südosten, Südwesten und Nordwesten entwickelten Terrainformen den Eindruck eines Halbkreises, durch dessen nach Nordosten gerichtete Oeffnung bisher der Weg geführt hat. Die Gliederung des Endmoränenverlaufs in mehrere an einander gereihte Bogenstücke, welche eine besondere Eigenthümlichkeit der Choriner Gegend ist, wurde auseinandergesetzt. Der Choriner Bogen, in welchem die Theilnehmer der Exeursion sich befanden, ist nur der Specialbogen des bei weitem ausgedeiinteren Paarsteiner Hauptbogen, der sich zwischen den .Joachimsthaler und Oderberger Bogen einschaltet. Der Weg führte durch das Dorf Ciiorinchen, auf die Höhe der Endmoräne, von welcher aus nach Nordosten zu noch- mals die obige Gliederung den Theilnehmern vorgeführt wurde. Der Blick nach Südosten geht in eine an der Endmoräne beginnende Schmelzwasserrinne, die sich in Hopfengarten und Gr. Heiligen See mit dem beim Kloster Chorin thalartig entwickelten Abfluss des grossen Paar- steiner Staubeckens vereinigt. Der Blick von dem „Wein- berg" gewährte einen Einblick über die Ausdehnung des 62 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 6. Sandr und bei Sandlcrug wurde noch der hier ausnahms- weise deutlich entwickelte Tlialrand des Thorn-Eberswalder Ilauptthales vorgeführt. Die Excursion am Nachmittage richtete sich in das Südostende des Choriner ßogens, von dessen nördlichstem Punkt, dem SchUtteberg aus, sich den Theilnehmern noch ein Blick in den sich südöstlich an- schliessenden Lieper Specialhogen und in die ausgedehnten Seentlächen bei Brodowin darbot. Am dritten Excursionstage, an dem die Führung in den Händen des Heirn Landesgeologen Dr. K. Keil hack lag, galt es, einmal das Tertiär des Stettiner Plateaus und sodann die Eutvvickeluug der drei verschiedenen Terrassen des grossen diluvialen Haffstausees vorzuführen. Die Hochfläche, die am linken Ufer der Oder von Stettin bis in die Nähe von Pölitz sich hinzieht, bis zu 130 m Meeres- höhe besitzt und wie ein Sporn in die 100 ni tiefer liegende Thiilsandfläche der Haffumrandung hineinragt, besteht zum weitaus grössten Theil ans mitteloligozänen Schichten, die in zwei verschiedenen Faciesbildungen auf- treten. Die Hauptmasse bildet der über 100 ni mächtige Septarienthon; derselbe ist von wechselnder Farbe, bald braun, bald gelblich, bald tief schwarzbraun gefärbt und enthält nicht nur, wenn auch in sehr geringer JMenge, die charakteristischen Fossilien dieses Gesteins, sondern auch seine sonst überall vorkommenden Einschlüsse von bizarr- geforniten Marcassitknolleu, von Gipsen, die zum Theil in prächtigen Sternkrystallen entwickelt sind und der Zersetzung des Marcassit ihren Ursprung verdanken, sowie schliesslich von den bekannten, aus kohlensaurem Kalk gebildeten Septarien. In weit geringerer Verbreitung findet sich das zweite Gestein, der sogenannte Stettiner Sand. Er besteht aus feinen, gelblichen bis grünlichen, zum Theil glinimerreichen Quarzsanden und ist als eine durch die Verflachnng des mitteloligocänen Meeres be- dingte Faciesbildnng aufzufassen. Eine charakteristische Eigenthümlichkeit dieser Stettiuer Sande sind eisenreiche Concretionen von kugeliger oder elliptischer Gestalt, in denen ausschliesslich die organischen Reste dieses Ge- steins uns aufbewahrt sind. Die kleinen, apfel- bis faust- grossen Kugeln enthalten gewöhnlich nur eine einzelne Versteinerung. Dagegen finden sich in den grossen, bis zu 1 m Durchmesser erlangenden Concretionen die Fossilien ausserordentlich angereichert und in einzelnen Lagen an- geordnet, sodass beim Spalten jjrachtvolle, mit Hunderten von wohlcrhaltenen Muscheln und Schnecken, sowie Gehör- knochen, Schuppen und Zähnen von Fischen bedeckte Platten sich gewinnen lassen. Besonders schön sind beide Schichten in der Herrn Havemann gehörenden Ziegeleigrube in Kavelwisch aufgeschlossen, der wir uns zuerst zuwandten. Ein eigener Dampfer führte uns in der Morgenfrühe zunächst auf einer kurzen Fahrt durch den neu eröffneten Freihafen und sodann oderabwärts bis zum genannten Orte, und hier bot -sieh uns Gelegenheit, beide Glieder des Mitteloligocän mit ihrem grossen Reichthum an Ver- steinerungen in guten Aufschlüssen zu sehen. Der Stettiner Sand entwickelt sich ganz allmäiilich aus demSeptarienthon, indem letzterem erst dünnere, dann immer stärker werdende Sandschichteu sich zugesellen. Die eigenthümliche Art des Grubenbetriebes erzeugt hier sehr interessante Bewegungs- erscheinungen grosser Massen, die sich nicht nur hier, sondern in allen übrigen Thongruben am Oderufer beob- achten lassen. Wenn nämlich durch den Abbau in die steile Flanke des Gehänges ein Einschnitt von einer ge- wissen Tiefe erzeugt ist, so setzt sich unter dem einseitig lastenden Drucke der Hochfläche der Sei)tarienthon in Bewegung und rückt nach Art der Gletscher langsam thalabwärts vor, sodass der Abbau des Thones jahraus jahrein vor demselben Orte stattfindet. In Folge des durch den Abrutsch erzeugten Massendefectes bilden sich dann in dem oberen Theil des Gehänges Reihen von hintereinanderliegenden, peripherischen Brüchen, auf denen staffeiförmiges Absinken der Schichten stattfindet, sodass sich hier Modelle von anderwärts in grossem Maassstabe beobachteten Phänomenen herausbilden. Nachdem diese Erscheinungen vorgeführt und besichtigt waren, begaben wir uns am Thalrande weiter nach Norden und gelangten bei Messenthin an die Nordspitze der Stettiner Hochfläche und auf die an dieselbe angelagerten Terrassen des Ufers. — Wie Herr Landesgeologe Dr. Keilhack in einem Vortrage am zweiten Sitzungstage ausgeführt hatte, war im Gebiete des Stettiuer Haffes gegen Ende der Eiszeit ein Zustand entstanden, während dessen der Eisrand etwas südlich von den Inseln Usedom und Wollin verlief. Das ganze Ostseebeekeu war noch mit Eis erfüllt und die Schmelzwasser des Eises, ver- bunden mit den von Süden herkommenden Zuflüssen, den vereinigten Oder- und Weichselströmen, wurden solange aufgestaut, bis der entstandene See die tiefste Stelle seiner Umgebung erreicht hatte, über die hinweg seine Gewässer einen Abfluss nach Westen hin in die damals bereits eisfreie Lübecker Bucht und von da ans durch das Stecknitzthal in das untere Eibthal nehmen konnten. In der als centrale Depression des grossen Odergletschers aufzufassenden, heute vom Stettiner Haft" ausgefüllten Senkung entstand auf diese Weise ein grosser See, dessen Ausdehnung von Osten nach Westen etwa 80, von Norden nach Süden 30—40 km betrug. In der ältesten Phase dieses Sees lag sein Wasserspiegel etwa 25 m über dem der heutigen Ostsee, und sein Abflussthal ging über Friedland in Mecklenburg durch das mecklenburgisch-pommersche Grenzthal in der Richtung auf Riebnitz. Während dieser Phase wurden von Norden — vom Eisrand her — und von Süden — vom Plateaurande her — von Sauden und Granden in den See dessen Uferlinie dadurch wesentlich eingeengt wurde Diese Sande besitzen eine vollkonnnen horizontale Ober- fläche, die nur gegen den Plateaurand hin auf eine kurze Strecke schwach ansteigt, und fallen gegen das Innere des Sees hin mit stärkerer oder schwächerer Böschung ab. Ein weiterer Rückzug des Eises nach Nordosten hin schuf eine neue, 10 m tiefer gelegene Pforte, über die die Wasser des Stausees unter gleichzeitiger Senkung seines Spiegels einen neuen, bequemeren Abfluss in der gleichen Richtung fanden. Während dieser Zeit wurde eine zweite Terrasse in 15 m Meereshöhe aufgeschüttet, die im Uebrigen mit- der ersten Terrasse vollkommen übereinstimmende Eigenschaften besitzt. Ein erneuter Rückzug endlieh, bei welchem der Eisrand auf der Insel Rügen lag, veranlasste eine zweite Senkung des Seespiegels bis auf die Höhe von 7 — 8 m und gab zur Entstellung einer dritten, in diesem Niveau liegenden Terrasse Anlass. Der nächste Eisrückzug endlich stellte eine Verbindung des west- lichen Ostseebeckens mit den westlichen Meeren her und hatte die Senkung des Wasserspiegels auf das heutige Niveau des Meeres zur Folge. Damit war für dieses Gebiet der Beginn der Alluvialzeit gegeben, wäh- rend deren der Rest des Stausees — eben das heutige Hat!" — noch eine beträchtliche Einengung durch Ver- torfung erfuhr, so dass an manchen Stellen Wasser- flächen von einer Breite bis zu 6 km in Land, und zwar in wenig über dem Haflfspiegel liegendes Tcwfmoor ver- wandelt wurden. Gleiche Senkungen erfuhren natürlich auch die Terrassen in den in den See einmündenden Thälern, nur dass diese Terrassen zum Unterschiede vcm denjenigen des Stausees keine horizontalen Flächen bilden, sondern in der Richtung der Strömung der Zuflüsse ge- grosse Massen hineingeführt, XIV. Nv. G. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. f;s neigt sind, sodass man also nach diesem Gesichtspunkte Flussterrassen und Stauseeterrassen klar unterscheiden kann. Am Bahnhofe Messenthin standen wir auf der höchsten dieser drei Terrassen. Von der Messenthiner „Waldhalle" aus, wo das Frühstück eingenommen wurde, hegaben wir uns durch den herbstlich schönen Laubwald nach dem Dorfe Zedlitz- feide und gelangten am Rande des Waldes auf die mehrere Quadratkilometer grosse oberste Terrasse, auf der wir uns dann, entlang des Weges Zedlitzfelde-Pölitz, bis zu einer Stelle bewegten, wo die Terrasse mit 6 bis 8 m hohem, steilen Abbruch gegen die 3 km weit bis zur Stadt Pölitz hin sich ausdehnende Mittelterrasse abfällt. Wir wanderten über diese hinweg, besichtigten bei den Politzer Ziegeleien ein in die Thalsande dieser Mittel- terrasse eingeschaltetes Lager von Bänderthon, erreichten endlich etwas nördlich von dieser Stelle, bei den Politzer Windmühlen , den flacheren Abfall der mittleren zur untersten Terrasse und gewannen damit gleichzeitig einen Blick über die weiten, torf bedeckten Alluvialebeneu des HaÖ'es. Während der Rückfahrt, die von Pölitz ab wieder zu Schiff erfolgte, bot sich noch Gelegenheit, die eigen- thümliehe Bildung von sogenannten „Uferrähmen" an den Rändern der heutigen, zahlreichen Wasserwege dieses Gebietes zu demonstriren. Diese üferränder bestehen nämlich in einer Breite von 50 — 200 m aus Flussthonen, während die grossen, zwischen diesen Thonstreifen ge- legenen Flächen aus Torf bestehen. Wenn die mit Fluss- trübe beladenen Oderhochwasser über ihre Ufer treten, so geschieht das bei der ungeheuren Fläche des Inuu- dationsgebietes sozusagen nur millimeterweise, und das auf die Wiesen austretende Wasser erfährt durch die Wiesen eine Art Filtration, bei welcher die thonigen Theile auf einem ganz sehmalen Gürtel zurückgehalten werden, sodass hier im Gegensatze zu dem humosen Alluvium der grossen Wiesenflächen eine Sedimentation von Thon statt hat. An der grossartigen, ueuangelegten Henckel von Donnersmarck'scheu Krafthütte, auf welcher schwedische, spanische und englische Eisenerze verhüttet werden, vor- über, kamen wir in der Abendstunde wieder in Stettin an. Am folgenden Tage fand eine Excursion nach Fiukenwalde statt. Auf der Finkenwalder Höhe gab der Führer, Herr Professor Wahnscbaffe, eine Beschreibung der sieh ausbreitenden Landschaft, dann wurde die Kreidegrube bei Katharinenhof und die der Cementfabrik „Stern" ge- hörige besichtigt. Die grossartigen Schichtenstörungen, die die Kreide, das Tertiär und die Glacialbildungen be- troffen haben, erklärt der Führer des Ausfluges für Druck- wirkungen des grossen Inlandeises, das in der ersten und zweiten Vereisungsperiode an den schon vorhandenen Erhebungen der Kreide und des Tertiärs einen Widerstand fand und in Folge dessen die plastischen Ablagerungen zu grossen Falten zusammenschob. Dabei kam es vor, dass diese Falten rissen und die Kreide auf fluvioglacialen Sand geschoben wurde. In Töpfifers Grotte wurde den Geologen von den Directoren der beiden Fabriken in ge- wohnter, liebenswürdiger Weise ein reichliches Frühstück angeboten, ausserdem war vor der Grotte ein Tisch mit den in den Gruben gefundenen Fossilien bedeckt, welche den Mitgliedern als Erinnerungszeichen zur Verfügung standen. Dann ging es durch die schöne Buchheide nach dem tiefeingeschnittenen Thal der Pulvermühle, wo das Mittagessen eingenommon wurde. Einige Theilnehmer fuhren dann nach Stettin zurück, während die meisten den Gang nach Hökeudorf fortsetzten, wobei Herr Prof. Wahn- schaffe die Entstehung des ganzen Rückens der Finken- walder ßuchheide erläuterte, wie er durch glacialeu Eisschub entstanden ist. Die Erosion der vom Inlandeise kommenden Schmelzwasser hat dann die tiefen Schluchten in diesen Rücken eingeschnitten, und die postglaciaie Erosion hat dieselben vertieft und erweitert. Während am vierten Tage von Herrn Prof. Wahn- schaffe im Wesentlichen weitere giaciale Schichten- störungen vorgeführt waren, galt der fünfte, der in das eigentliche Hinterpommern hineinführte, fast ausschliesslich dem Studium der mannigfachen Aufschüttungsformen des Inlandeises, die gerade in Hinterpommern eine ausser- ordentliche Mannigfaltigkeit besitzen. Herr Dr. Keilhack, dem die Führung auch an diesem Tage oblag, hat nachgewiesen, dass Hinterpommern aus einer Reihe von landschaftlich verschiedenen Zonen zusammengesetzt ist, die annähernd parallel der Ostseeküste verlaufen. Dieser Küste folgt zunächst ein bald nur wenige hundert Meter, bald ein bis zwei Kilometer breiter Streifen, den man als die „Strandzone" bezeichnen kann. Er wird von Dünen gebildet, die in einer oder mehreren parallelen Reihen den grössteu Theil der Küste begleiten und zum Theil einen uehrungsartigen Charakter besitzen. Durch diese Neh- rungen werden lagunenartige Strandseen von Haftcharakter vom offenen Meere getrennt. Ein Theil dieser Strandseen liegt heute noch als offene Wasserfläche da, ein anderer Theil ist durch Vertorfung mehr oder weniger in Moore und Wiesenflächen verwandelt. Jungdiluviale Thalsand- flächen stellen eine Verbindung dieser einzelnen Moore und Seen her. An diese Zone schliesst sich die sogenannte Küsten Zone an. Sie wird in der Hauptsache aus dem Geschiebemergel der letzten Eiszeit gebildet, besitzt eine bis zu 40 km erreichende Breite und hebt sich vom Meeresniveau landeinwärts in ganz allmählichem Anstiege bis zu 60, im hinteren Hinterpommern sogar bis zu 100 m Meereshöhe. Diese Küstenebene erfährt eine Gliederung durch ein ausserordentlich verwickeltes System von Thälern, die zum Theil einen ostwestlichen Verlauf besitzen und als Randthäler des Inlandeises aufzufassen sind, zum an- deren Theil in nordsüdlicher Richtung liegende, subglaciale Rinnen desselben darstellen. Weiter nach Süden folgt eine dritte Zone, die so- genannte Grundmoränenlandschaft, bereits auf der Höhe der Baltischen Seenplatte, und bildet einen 5 — 15 km breiten Streifen, der von der Oder nach Osten hin all- mählich von 80 bis zu 250 m sich erhebt. Die wesent- liche EigenthUmlichkeit dieser Grundmoränenlandschaft ist ihr Aufbau aus zahllosen, vollständig regellos ver- theilten Kuppen und Rücken, die zum Theil aus Ge- schiebelehm bestehen und Tausende von rings geschlosse- nen Depressionen in sich einschliessen. Die grösseren dieser Einsenkungen, die dem Höhenrücken den Charakter eines abflusslosen Gebietes verleihen, sind noch heute mit Wasser erfüllte Seen, während die kleineren zum weitaus grössten Theile vertorft sind. Je mehr man sich dem südlichen Rande dieser Moränenlandschaft nähert, um so ver- wickelter werden die Bergformen, bis man endlich an ihrem Südrande an die Grosse Baltische Endmoräne ge- langt. Weiter nach Süden hin folgt dann die letzte Zone, die sogenannte Haidesandlandschaft. Im scharfen Gegen- satze zur Moränenlaudschaft besteht sie aus weiten, nach Süden hin abgedachten Ebenen, die in grosser Mächtig- keit aus fluvio-glacialen Granden und Sauden aufgeschüttet sind. Unmittelbar an der Endmoräne findet sich eine schmale Uebergangszone, in welcher diese Ablagerungen in Form von flachen Schuttkegeln sich an sie anlehnen, und erst weiter nach Süden hin nimmt sie den Charakter einer monotonen Ebene an. Mau brach in der Morgenfrühe von Stargard auf 64 Natnrwisseiiscbaftlierlie Woclicnsclirif't. XIV. Nr. n. und begab sieb zunäcbst mit der Babii iiacb Rubnow und von dort zu Wagen über das Städteben Wang-eriu an den Rand der Grundmoriinenlandscbaft. Während dieser Fabrt durch die Gruuduioränenebene waren der Beob- achtung leider enge Schranken durch einen ziemlich dichten Nebel gezogen, der sich aber in der zehnten Stunde zum Glück so weit aufhellte, dass man wenigstens einige Kilometer weit sehen konnte. Die Fusswanderung führte durch eine hier ganz besonders grossartig ent- wickelte Moräneniandschaft hindurch nach der Colonie Karlsthal, wo die hier mit Laubwald bedeckte End- moräne erreicht wurde. Sie ist als ein prächtiger, bis zu 180 m Meereshöbe sich erhebender Wall ausgebildet, von dessen Höbe aus man einen vorzüglichen Ueberblick über die beiden so himmelweit von einander verschiedenen Landscbaftsformen auf ihren beiden Seiten gewann. Im Norden lag die an manchen Orten als „bucklige Welt" bezeichnete Moränenlandschaft zu unseren Füssen, durch zahlreiche Einzelsiedelungen und kleine Laubwälder als fruchtbares Lehmgebiet cbarakterisirt. Im Süden da- gegen, soweit die Blicke reichen, lehnte sich die schwach besiedelte Sandebene, in welcher die Kiefer der vor- herrschende Waldbaum ist. Im engen Zusammenhange mit dem geologischen Bau steht die Verschiedenartigkeit der Besiedelungsform beider Gebiete. Die zahllosen, kleinen Wiesenflächen in den Depressionen der Moränen- landschaft veranlassten bei der Besiedelung die Ent- stehung der sogenannten Ausbaue. Jeder Besitzer baute sich sein Gehöft auf seinem Grund und Boden, von dem aus er Felder und Wiesen bunt durch einander in nächster Nähe hatte. So kommt es, dass man in der Moränen- landschaft Tausenden von Einzelsiedelungen, sowohl grossen Gütern, wie kleinen Bauernhöfen begegnet, während ge- schlossene Dörfer durchaus zurücktreten. In der Haide- grossen, zu- sandebene dagegen treten die Wiesen in sammenhängenden Flächen in den mit den Seen in Ver- bindung stehenden Rinnen auf, und es erschien aus diesem Grunde der Zusammenschluss zu Dörfern für die Besiedelung werthvoller. Entlang der Endmoräne ging die Wanderung in süd- westlicher Richtung auf das Städtchen Nörenberg zu. Un- mittelbar an das Gebiet mächtiger (Jleschiebeanbäufungen grenzen hier nach Norden bin eine Reihe von kleineren Seen, die unter den Begriff der Moränenstauseen ent- fallen. Bei Nörenberg ist die Stelle, wo der halbkreis- förmige Oderbogen der baltischen Endmoräne sein nord- östlichstes Ende erreicht und seine Streichrichtung in einen nordöstlichen Verlauf verändert. An dieser Stelle liegt hinter der Endmoräne dicht bei der Stadt Nören- berg ein prachtvoller Stausee, der sich aus vier sub- glacialen Rinnen zusammensetzt, der grosse Enzigsee. Die Endmoräne ist hier nicht zu beobachten, da sie durch fluvio-glaciale Sedimente vollständig verschüttet ist. Ihre von Herrn Dr. Keilback gemutbmaasste Existenz konnte während der Exeursion selbst in einem Aufschlüsse in der Nähe des Nörenberger Bahnhofes bestätigt werden. Nach dem Frühstück in Nörenberg führte ein Extrazug der Kleinbahn die Theilnehmer quer durch die Endmoräuen- landschaft hindurch nach dem Städtchen Jakobsbagen. Während der Fahrt war Gelegenheit, eine Eigenthümlichkeit der pommerschen Grundmoränenebene, die sogenannten Drumlins, zu beobachten. Es sind das elliptisch ge- staltete, auf die Grundmoränenebene aufgesetzte Ge- schiebemergelhügel, deren Länge von einigen hundert Scbrammenverlaufe des anstehenden Gesteins erkennen lässt, weiss man, dass die Achsen der Drumlins in der Bewegungsrichtung des Eises liegen. Es ist für ein grosses Gebiet Hinterpommerns möglich gewesen, aus diesen Drumlins die Art der Eisbewegung mit ziemlicher Sicherheit zu reconstruiren, und Keilliack hat nachweisen können, dass das Eis innerhalb des (klerbogens der End- moräne einen ausgezeichnet fächerförmigen Bau besass. Von Jakobshagen aus fuhr man noch einige Kilometer südwärts und gelangte bei dem Dorfe Stolzenbagen zum letzten Punkte der Exeursion dieses Tages, zu einem der drei binterpommerscben Asar. Diese Asar sind Wälle von 100 — 200 m Breite, die sich in etwas gewundenem, in der Richtung der Eisbewegung liegendem Laufe durch die Grundmoränenebene hindurchziehen und eine Länge bis zu 3 Meilen besitzen. Diese Wallbcrge bestehen aus geschichteten Sauden und Granden. Soweit die Auf- schlüsse erkennen Hessen, sind diese Sedimente hori- zontal geschichtet, oder sie besitzen die sogenannte dis- cordante Parallelstructur, dagegen fehlen, wenigstens in o den oberen 4 — 5 m des As solche Scbicbtenstörungen, wie man sie in den sogenannten Durchragungszügen der Ucker- mark fast in jedem Aufschlüsse beobachten kann: steile, fächerförmige Aufrichtung der Schichten , Einpressungen von Grundmoränenmaterial und Bedeckung des Hügels o mit grossen Bbicken. Nur im Kern dieser Asar scheinen an einzelnen Stellen, wie in der Satziger Kiesgrube bei Jakobshagen, Blockanbäufungen in Verbindung mit Grund- moräue aufzutreten. Wir begingen in der Gegend von Stolzenbagen ein etwa 3 km langes Stück des östlichsten Metern bis zu einigen Kilometern beträgt, während ihre Breite Va bis Vi^ der Länge auszumachen pflegt. Diese Drumlins sind durch den annähernd parallelen Verlauf ihrer Längsachsen ausgezeichnet. Aus anderen Gebieten, wo die Bewegungsrichtung des Inlandeises sich aus dem der 3 Asar, gerader, 10 — 15 m hoher, nach beiden Seiten hin ziem- welches hier auf 2 km Länge als ein schnur- iich steil abfallender Kamm entwickelt ist, auf der einen Seite dieses Kammes von einem Bachthälchen, auf der anderen von torferfüllten Niederungen begleitet. In einigen Aufschlüssen konnten wir den inneren Bau dieses Theil- stückes beobachten und uns von der Horizontalität der Schichten überzeugen. Im Anscbluss au diese Beob- achtungen entwickelte sich eine interessante Debatte über o o die Asfrage, in welcher festgestellt wurde, dass das As fluvio-glacialen Apfschüttungen seine Entstehung verdankt und dass es nicht ausserhalb des Eises entstanden sein kann, sondern innerhalb des eisbedeckten, Gebietes ge- bildet sein muss. Am Morgen des 4. October trafen die Theilnehmer, nachdem sie bereits mit dem Zuge um 6,^^ Stargard ver- lassen hatten, gegen 11 Uhr in Falkenberg i. d. Mark ein, wo ein warmes Frückstück im Restaurant Kettlitz bereit stand. Unter Führung des Herrn Gebeimratb Berendt wurde dann zunächst ein Punkt besucht, der einen selten schönen Ausblick auf das alte diluviale Hauptthal bei Nieder- Finow gewährt. Der Umstand nämlich, dass man sich hier genau in der Höhe der alten Thalsohle befindet, bewirkt, dass diese in der Ferne bei Nieder-Finow, bis wohin das Auge ungehindert über die Wiesenfläcbe des beutigen Oderthaies hinschweift, in eine scharfe, gerade Linie zusammenfällt, welche in ungefähr 30 m Höhe über der heutigen Thalsohle, rechts und links von den alten Uferbergeu begrenzt, das alte, todte Thal in dieser Höhe auf den ersten Blick erkennen lässt. Ein kleines, aber ausgezeichnetes Cirkusthal am oberen Ende des Dorfes Falkenberg gab denmächst Ge- legenlieit, die hierbei und bei verschiedenen ähnlichen Thalanfängen in der Nachbarschaft, wie auch in der scharfen Gratbilduug der Karlsburg zum Ausdruck ge- XIV. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 65 kommenen Gewalt und Fülle der diluvialen Schmelzwasser zu crliiutern und zu besprechen. IJaiieben vergass man nicht, auf die in der ganzen Falkenberg - Freienwalder Gegend in der Hauptsache regelmässige Sciiichtenfolge des Tertiärs, zunäciist der miocänen 15raunkoiilenl)ildiuig und des darunter ver- schiedentlich aufgeschlossenen oheroligocänen Meeres- sandes zu achten, unter welchem dann, halbwegs zwischen Falkcnberg und Freienwalde, der mitteloligocäne Sep- tarienthon hervortaucht. Nachdem man die zwischen Hammer- und Marienthal sich mächtig eniporwölbende Sattelkuppe desselben von der Höhe des seit einigen Jahren den ehemaligen Schlossberg krönenden Hismarck- thurmes überblickt hatte, stieg man in die grossartigen, für die Rathsziegelci, die Kirclienzicgelei und andere, seit Jahrzehnten ausgebeuteten Thongrubeu hinab und über- zeugte sich bald, dass auch hier, trotz der meilenweit zu verfolgenden Regelnlässigkeit der Lagerungsfolge ähnlich wie in Finkcnwalde bei Stettin auch grossartige in die Eiszeit fallende Ueberschiebungen zu beobachten sind, wie z. 15. die Abbildung (Fig. 7) die Hineinpressung bezw. Ueberschiebung des mitteloligocänen Septarienthones in bezw. auf den ihn sonst bedeckenden, oheroligocänen Meeressand einigerniaassen erkennen lässt. Ja, der Meinungsaustausch über die alles auf den Kopf stellenden Lagerungsstörungen jenseits des Marien- thaies beschäftigte die Theilnehmer noch bis zur herein- brechenden Dunkelheit und setzte sich zum Theil noch nach dem wohlverdienten, im Hotel Schertz in Frcienwalde tretflich bereiteten Abendessen fort. Punkt 7V2 Uhr standen Montag den 5. October eine Anzahl Wagen vor dem Hotel, denn es galt die wenigen .Stunden bis zu der um 1 1 Uhr Vormittags ins Auge ge- fassten Abfahrt des Zuges für einen Besuch des End- moränenbogens auf der Neuenhagener Oderinsel möglichst auszunutzen. Nach schneller Fahrt bei den Zie- geleien inmitten des Moränen-Amphitheaters angekommen, machte Herr Geheimrath Berendt als Führer auf die weithin sichtbare, feingeschichtete Horizontallagerung der hier ab- gebauten, oberdiluvialen Thone aufmerksam, zeigte die Mächtigkeit und das Ansteigen des Oberen Geschiebe- mergels zu dem Kamme der Endmoräne hin und führte die Gesellschaft schliesslich in die unweit der Kirche von Neu-Tornow gelegene Thongrube der Pikcuhagen'scheu Ziegelei, wo der nur noch etwa V/2 m mächtige Geschiebemergel von einer ungefähr ebenso mächtigen Geschiebe- und Geröllpackung bedeckt und zum Theil unmittelbar von Unterem Thone, der in 30 bis 40 m hohen Steilwänden aufgeschlossen ist, unterlagert wird. Auf den ersten Blick sieht man, dass die im Gegensatz zu den so- eben gesehenen horizontal gelagerten Oberen Thonen steil aufgerichteten Unteren Thone, durch gewaltigen Druck emporgequollen, hier fast die ganze Höhe des gewaltigen Endmoränenwalles ausmachen, ja zum Theil sogar noch über die bis zum vorderen Fusse des.^elben herabgerollte Steinschüttung übergequollen sind, sodass wir es hier zum bei weitem grössten Theile mit einer Staumoräne und nur zum weit aus geringeren mit wirklicher Aufschüttung zu thun haben. Unter den erhaltenen, gewaltigen geistigen Eindrücken verschwand denn auch das am Bahnhofe bereit stehende Frühstück in der kurzen Zeit l)is zur Abfahrt spurlos. — Die Theilnehmer trafen dann Mittags bei schönstem Wetter von Freienwaide aus in der Station Dahmsdorf Münche- berg ein, wo Wagen bereit standen, um dieselben zunächst nach der Bück wer Septarienthongrube am Scher- mützel-See zu befördern. In dem grossartigen Aufschlüsse erläuterte Herr Professor Wahnschafife, der hier wieder die Führung übernommen hatte, die hier zu beobachtende Faltung und Ueberschiebung des Ober- und Mittel-Oligo- cäns auf der miocänen Braunkohlenformation und machte darauf aufmerksam, dass im Liegenden des Septarien- thones und zwischen dem kleinen, stark verdrückten Braun- kohlenflötzchen Schmitzen \on Diluvialsand und vereinzelte nordische Geschiebe vorkommen. Nach seiner Ansicht sind die Lagerungsstörungen hier während der Ablagerung des Unteren Geschiebemergels, demnach in der ersten grossen Eiszeit entstanden und auf den Schub des von Nordost her sich fortbewegenden Inlandeises zurückzu- führen. Das Mittagessen wurde in dem unmittelbar am schönen Buckow - See gelegenen Hotel Steftin eingenommen und darauf die Bollersdorfer Höhe erstiegen. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf den Scher- mützel-See und die stark kuppige Landschaft in seiner Umgebung mit den zahlreich eingesenkten Seen. Es liegt hier nicht eine Grundmoräncnlandschaft mit aufgestauchten und emporgcpressten Schichten vor, sondern die Ober- tlächenbeschatfenheit verdankt ihre Entstehung der ero- direnden Thätigkeit der vom nördlich gelegenen Inland- eise ausgehenden Schmelzwasser. Durch diese wurde die Decke des Oberen Geschiebeniergeis zum grössten Theile fortgeführt, so dass er nur noch in Fetzen auf einzelnen Kuppen erhalten geblieben ist. Zahlreiche, zum Theil wasserleere Schluchten, die die märkische Schweiz durch- ziehen, bezeichnen die ehemaligen Schmelzwasserrinnen, in denen das Wasser von Nord nach Süd von dem höher gelegenen Diluvialplateau in eine bereits vorhandene Ein- senkung hineinströmte und dabei zugleich kesselartige Seen ausstrudelte. Den Schluss der Excursion bildete ein Abendschoppen in Steffins Hotel, und anscheinend sehr befriedigt von allem, was sie während der achttägigen Excursionen im norddeutschen Flachlande gesehen und gelernt hatten, kehrten die Theilnehmer mit dem Abendzuge nach Berlin zurück. Werden die fliegeiideu SclimetterHiige von Vögeln verfolgt? — Im „Biologischen Centrallblatt" Bd. XVlll, Nr. 18 berichtet Prof. Dr. Kathariner von einem Fall, in welchem er selbst beobachten konnte, wie fliegende Schmetterlinge in grossem Maasstab von Vögeln verfolgt wurden. Die Ansichten darüber, ob die Schmetterlinge der Verfolgung der Vögel ausgesetzt seien oder nicht, gehen ja, wie bekannt, weit auseinander. Während die Vertreter der .Mimicrytheorie als nothwendige Voraus- setzung ihrer Lehre annehmen müssen, dass die Vögel grosse Feinde der Schmetterlinge sind, hält Eimer diese Ansicht für unberechtigt und führt dagegen das Urtheil verschiedener Schmetterlingssaramler an, welche nur selten derartige Fälle der Verfolgung erlebt haben. Auf einer Reise in Central- Kleinasien hatte nun Kathariner Gelegenheit einer Jagd beizuwohnen, welche von einem Schwärm Bienenfresser (Merops apiaster) auf eine grosse Menge fröhlich umherflatternder Thais Cerysii ausgeführt wurde. Innerhalb ganz kurzer Zeit war eine erhebliche Anzahl der Schmetterlinge vertilgt, die Ueberlebenden hatten sich unter Pflanzen versteckt. Um die sitzenden Falter kümmerten sich die Vögel gar nicht. Kathariner hat ausserdem verschiedentlich beob- 66 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIV. Nr. 6. achtet, wie Rothschwänzchen fliegende Weisslinge fingen und zu ihrem Neste trugen. Auch von einzelnen in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln berichtet |er, dass sie grosse Liebhaber von Schmetterlingen seien. Es ist somit anzunehmen, dass die Vögel unter den Schmetterlingen trotz anderer widersprechender Angaben doch immerhin einigen Schaden anrichten, sehr bedeutungs- voll ist es aber, dass die Falter nur im Fluge verfolgt werden. Sie verrathen sich also ihren Feinden durch die Bewegung, und jede schützende Färbung ist Cur sie voll- kommen illusorisch. Eine Täuschung des Feindes könnte nach der Ansicht Kathariners nur dann erfolgen, wenn die Schmetterlinge den F^lug ungeniessbarer und dadurch geschlitzter Falter nachahmen würden, vorausgesetzt, dass sie ihrem Vorbild auch in Gestalt und Grösse ähnlich wären. Die Anschauungen Eimers, dass die Entstehung der sogenannten mimetischen P^ormen auf andere Ur- sachen zurückzuführen sind als auf natürliche Zucht- wahl werden somit durch die Beobachtungen Kathariners, dass die Schmetterlinge nur im Flug verlolgt werden, in hohem Maasse unterstützt. M. v. Linden. William Ramsay und Morris W. Travers haben in den Chem. News 7H, 154 — 155 Mittheilungen „lieber die Extraction der Begleiter des Argons und über Neon" gemacht. Unterwirft man flüssiges Argon der fractionirten Destillation, so wird ein Gas. erhalten, das leichter flüchtig ist als Argon. Durch vielfach wieder- holte Verflüssigung und erneute Destillation gewinnt man schliesslich ein Gas, das die Dichte 9,76 besitzt und bei dem für den Druck von 10 mm in Betracht kommenden Siedepunkt der atmosphärischen Luft nicht weiter ver- flüssigt werden konnte. Comprimirte man das Gas auf 2 Atmosphären und minderte dann den Druck schnell auf V4 Atmosphäre herab, so wurde eine kleine Menge eines Nebels beobachtet, der vornehmlich aus festem Argon und festem Stickstoft' zusammengesetzt erschien. Die Haupt- menge des Gases indessen besteht wahrscheinlich aus dem neuen Elemente Neon, das eine Dichte 9,6 und ein Atom- gewicht von 19,2 besitzt; sein Brecliungsvermögen hat den Werth von 0,3U71 und liegt höher als das des Heliums und niedriger als das des Wasserstoffs, sein Speetruni ist durch glänzende Linien in Roth, Orange und Gelb.charak- terisirt, während im Blau und Violett nur wenige sehwache Linien beobachtet werden können und im Grün zwei Linien von \ 5030 und 5400 bemerkbar sind. Da aus 18 Ltr. Argon 100 ccm Neon gewonnen werden können, ergiebt sich durch Rechnung, dass in 40 000 Theileu Luft 1 Theil Neon enthalten ist. Bei der Destillation des flüssigen Argons bleiben drei Gase zurück, die relativ wenig flüchtig sind, nämlich : Krypton, Metargon und ein neues, bisher nicht beschrie- benes Element Xenon. Das Spectrum des Kryptons hat zwei glänzende Linien im Gelb und Grün, das Metargon zeigt ein dem Kohlenoxyd äusserst ähnliches Bild. Xenon lässt sieh sehr leicht isoliren, da es den höchsten Siede- punkt besitzt, sein Spectrum ist dem des Argons analog, unterscheidet sich aber durch die Lage der Linien. Drei Linien im Roth und. circa fünf sehr glänzende Linien im Blau werden bei der gewöhnlichen Entladung wahr- genommen, sie verschwinden bei Einschaltung einer Leidener Flasche und einer Funkenstrecke und werden durch vier glänzende Linien im Grün ersetzt, die ihre Lage zwischen den beiden Gruppen der Argonlinieu haben. Das Xenon kommt in der Atmosphäre nur in sehr geringer Menge vor. Dr. A. Sp. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Der Privat-I)oci-nt für pliy>ikalische Chemie in Freibur},' im Breisgau Professor Dr. Georg Meyer zum ordent- liclien Professor; der ausserordentliclie Professor der organischen Chemie in Heidelberg Dr. Gattermann zum ordentlichen Professor. Berufen wurden: Der ausserordentliche Professor der Mathe- matik in Göttingen Dr. Arthur Schönflies als ordentlicher Professor nach Königsberg; der ordentliche Professor der Astro- nomie und Director der Sternwarte in Bonn Dr. Friedrich Küstner als Director der Sternwarte nach Hamburg; der ausser- ordentliche Professor der Gynäkologie in Berlin Dr. Martin als ordentlicher Professor und I^eiter der Frauenklinik nach Greifs- wald; der ordentliche Professor der Chirurgie in Greifswald Dr. H. Helferich nach Kiel; der ausserordentliche Professor der Botanik in Halle Dr. Zopf nach Münster. Es habilitirten sich: Dr. Köster für Nervenheilkunde in Leipzig; Dr. Vos winket für Chemie an der technischen Hoch- schule zu Berlin-Charlottenburg. In den Ruhestand tritt: Der Professor der Chemie an der technischen Hochschule in Braunschweig Geheimer Hof- und- Medicinal-Rath Dr. Robert Otto. Es starben: Der ehemalige Professor der Zoologie in Wien Dr. Karl Claus; der Professor der Chemie an der Bergakademie in Clausthal Dr. Hampo; der Bibliothekar i:)r. Emil Fromm in Aachen; der Botaniker Franz Woenig in Leipzig; der Pro- fessor der Naturwissenschaft in Aberdeen Henry A Heyne Nicholson. Wissenschaftliches Theater der Urania zu Berlin: Das Land der Fjorde. Eine N ord landsf ah r t geschildert von Dr. P. Schwahn. Dioramen und sceni.-icho Einrichtung von Härder, Kranz und F. Lechner. — Die Vorstellung bietet nicht weniger als "20 prächtige Dioramen hrziehuugsweise Scener. die durch die oben bezeichneten Mah-r tretf lieh "ausgeführt ein gutes Bild von der Natur des geschilderten Landes geben. Es luindelt sich in der Darbietung um eine Reisebeschreibung. Die Disposition ist die folgende: 1. Akt. Von Hamburg nach Bergen. 1. Scene: Abfahrt der „Capella" von Hamburg. — 2. Scene: Fahrt durch die Schären bei Stavanger. — 3. Scene: Der Sörfjord bei Abenddämmerung. — 4. Scene: Odde am Sörfjord (Hardanger). — 5. Scene: Im Thal des Buar-Gletschers. — 6 Scene: Am Wogenschwall des Skeggedal — 7. Scene: Ankunft in Beigen. — 8. Scene: Der Fischmarkt in Bergen. — 9. Scene: Ein Fischer- holm des SchärengUrtels bei Sturm. — 2 Akt. Von Bergen nach dem No rdkap und Christian! a. iO. Seene: Vossevangen. — II. Scene: Das Naeröthal vom Stalheimsklev. — 12. Scene: Gudvangen am Naeröfjord. — 13. Scene: \'on Baiestrand (Rund- fahrt auf dem Sognefjord) bis Fjaerland. — 14. Scene: Am Suphelle- Gletscher (jostedalsbrae). — l.^. Scene: Auf dem Geirangerfjord. — IG. Scene: Von Merok zum Flaafjelii (Djupvashütte). — 17. Scene: Der Raftsuud bei Digerniulen (Lofoten). — IS. Scene: Das Nordkap bei Mitternachtsonne. — 19. Scene: Im Innern eines nordischen Blockhauses. — 20. Scene: Christiania vom Ekeberg aus. L i 1 1 e r a t u r. Dr. K. F. Jordan, Grundriss der Physik nach dem neuesten Stande der Wissi-nschat't. Zum Gebrauch an höheren Lehr- anstalti'n und zum Selbststudium. Mit 142 in den Text gedruckten Abbildungen. Verlag von Julius Springer in Berlin, 1898. — Preis 4 Mark. Der vorliegende Grundriss macht beim ersten Durchblättern einen angenehmen Eindruck. Papier und Druck zeichnen sich durch Eleganz und Sauberkeit aus, und auch die Figuren können im Ganzen als deutlich und zweckentsprechend bezeichnet werden. Anders gestaltet sich jedoch das Urtheil, wenn man den Text mit Rücksicht auf die in der Vorrede gegebene Ankündigung durch- sieht, dass das Buch mehr als andere den tieferen Zusammenhang der Erscheinungen aufdecke und so den Sinn des physikalischen Geschehens durch Vertiefung in die wissenschaftliche Theorie klarzulegen bestrebt sei. Mit diesen Worten kann Verf. kaum etwas anderes gemeint haben, als die allerorten liineinge- zwängte Bezugnahme auf eigene „Forschungen", denn nur durch die sämmtlich vor wissenschaftlicher Kritik nicht Stand haltenden, eigenen Ideen des Verf. unterscheidet sieh die Darstellung von der sonst üblichen. Es kann nicht die Aufgabe einer kurzen Be- spi-echung sein, alle diese „neuen Forschungsergebnisse" zu widerlegen, denn dieselben sind so zahlreich, dass der Leser glauben könnte, die heutige Physik sei zwar durch die Arbeit eines Newton, Faraday u. s. w. begründet worden, habe aber erst durch die Forschungen des Herrn Dr. Jordan die heutige Stufe der Vollendung erreicht. Denn erst Jordan war es, der die Schwere durch Aetherdruck zu erklären wusste, der die Be- XIV. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wocbenschrift. 67 Ziehungen zwischen AdhSsion und specifischem Gewiolit „entdeckte", wonach stets der leiolitere Körper dem schwereren adhärirt. Jordan musste kommen, um die Oberfiächenspannung statt auf Coliäsionswirkungen auf Aetherdriick und AdhSsion zwischen Luft und Flüssigkeit zurückzuführen, ebenso wie er natürlich den Ur- sprung der atmosphärischen F.lektricität ermittelt und dem Unfug der neueren Strahlungstheorie durch die Erfindung der besonderen Wäruiestrahlen und chemischen Strahlen ein Ende gemacht hat. Auch die Entdeckung der magnetischen Ströme, welche bei den Polen aus den Magneten heiaustreten und sich durch die Kraft- linien zusammenschliessen, ist Herrn Jordans unbestreitbares Eigen- thum, um das ihn aber vormuthlich Niemand beneiden wird. Statt solcher wichtigen, ..sinngemässen" Enthüllungen über das Wesen iler physikalischen Erscheinungen Schulanschauungen vorzutragen, wäre nach dem Verf. Zeitverschwendung. Für die Besprecliung des Ohm'schen Gesetzes müssen daher sieben Zeilen ausreichen, dafür wird aber z. B. der neuen, Jordan'schen Begriffsbestimmung der „Arbeit": „Arbeit ist nicht gleich dem Product aus Kraft mal Weg sondern gleich dem Product aus Masse mal Weg" eine ganze Seite gewidmet. — Sonach können wir das Büchlein als eine Zusammenfassung aller Jordan'schen Phantasien bestens empfehlen, seiner Verwendung an Schulen 'dagegen dürfte von Seiten der Aufsichtsbehörde ein entschiedenes „Veto" entgegengestellt werden. Dr. F. Koerber. Richard Herrmann, Seminar-Oberlehrer, Elementarmetliodische Behandlung: der Logarithmen und ihrer Anwendungen für Seminare, Gymnasien, Realschulen, technische Iiehranstalten und zum Selbstunterrichte. iBeiträge zur Lehrerbildung und Lehrerfortbildung, 10. Heft). Verlag von E. F. Thienemann, Gotha 1899. — Preis 1,20 M. Vorliegende Schrift, ein erweiterter Sonderabdruck der dem 7. Berichte des Seminars zu Nossen beigegebenen wissenschaft- lichen Abhandlung des Verfassers, hat wesentlich methodische Ziele und ist für Seminarlehrer und Seminaristen, an die sie sich in erster Linie wendet, von Interesse. Unter den Anwendungen sind die Zinseszins-, Versicherungs-, Renten- und Pensions-Rech- nungen, so weit sie für jene Kreise im Allgemeinen in Betracht kommen, übersichtlich entwickelt. Ostwald's Klassiker der ezacten Wissenschaften. Wilhelm Engelmaini in Leipzig 1S98. No. 97. Sir Isaac Newton's Optik oder Abhandlung über Spiegelungen, Brechungen, Beu- gungen und Farben des Lichts. (1704.) Uebersetzt und heraus- gegeben von William Abendroth IL und III. Buch. Mit 12 Figuren im Text. (IdG Seiten.) — Preis 2,40 M. — No. 99. R. Clausius, Lieber die bewegende Kraft der Wärme und die Gesetze, welche sich daraus für die Wärmelehre selbst ableiten lassen. (1850.) Herausgegeben von Max Planck. Mit 4 Figuren im Text, bb Seiten. Preis 0,80 M. — No. 100. G. Kirchhoff. Abhandlungen über Emission und Absorption: 1. Ueber die Fraun- hofer'schen Linien. (18.59.) — 2. L'eber den Zusammenhang zwischen Emission und Absorption von Licht und Wärme. (1859.) — 3. Ueber das Verhältniss zwischen dem Emissionsvermögen und dem Absorptionsvermögen der Körper für Licht und Wärme. (1860— 18G2). Herausgegeben von Max Planck. Mit dem Bild- niss von G. Kirchhot}' und 5 Textfiguren. (41 Seiten.) Preis 1 M. — No. 101. G. Kirchhoff, Abhandlungen über mechanische \Värmetheorie: 1. Lieber einen Satz der mechanischen Wärme theorie und einige Anwendungen desselben. (1858) — 2. Be- merkung über die Spannung des Wasserdampfes bei Temperaturen, die dem Eispunkte iiahe sind. (1858). — 3. Ueber die Spannung des Dampfes von .Mischungen aus Wasser und Schwefelsäure. Herausgegeben von Max Planck. (48 Seiten). Preis 0,75 M. — No. 101. James Clerk Maxwell, Ueber physikalische Kraft- linien. Herausgegeben von L. Boltzmanu. Mit 12 Textfiguren. (147 Seiten.) Preis 2,40 M. Diese L'ebersicht der weiteren Veröffentlichungen von Ost- wald's Klassikern zeigt w'ieder, wie ausserordentlich geschickt die Redaction im Heraussuchen klassischer Arbeiten ist, die zu besitzen jedem weiterarbeitenden Naturforscher lieb sein niuss. Das zu Heft 100 beigegebene Bildniss von G. Kirchhoff ist trefflich ge- lungen. Allen Heften sind wieder hinten wie üblich zweckdien- liche Anmerkungen beigegeben, welche über die Ausgaben der Schriften u. s. w. und auch weitgehend über den Inhalt der Schriften in Anknüpfung an die spätere Wissenschaft gut orien- tiren. — Seitens der Königlichen geologischen Landesanstalt in Berlin sind neuerdings von der geologisch agronomischen Specialkarte von Preussen 1:25 000 verüffentliclit: Lieferung 85, enbaltend die Blätter N ied erz ehre n , Frey stad t, Lessen , S ch wen ten. (Gegend südöstlich von Marienwerder.) — Lieferung 88, enthaltend die Blätter Wargowo, Owinsk, Sady, Posen. (Umgebung nordwestlich von Posen.) — Lieferung 89, enthaltend die Blätter Greife nhagen, Woltin, Fiddichow,Bahn. (Umgebung von Greifenhagen in Pommern.) Jede Lieferung umfasst ein nahezu quadratförmiges Gebiet von ca. 9 Quadratmeilen. Da die geologisch- agronomischen Karten für die Landwirthschaft ein hervorragendes praktisches Interesse haben, indem in denselben und in den zu- gehörigen Bohrkarten und Bohrregistern, ausser den geologischen, die Boden- und die Untergrunds- Verhältnisse sowie die Wasser- verhältnisse des Untergrundes angegeben und in den beigefügten Erläuterungsheften näher besprochen sind, werden die Grund- besitzer, die Gemeinde- und Gutsvorstände dieser Gegend hierauf aufmerksam gemacht. Jedem einzelnen geologischen Blatte ist eine Bohrkarte im gleichen Maassstabe mit den eingetragenen agronomischen Bohrungen, sowie ein Erläuterungsheft, beigegeben. Die Er- läuterungen enthalten nach einem Vorwort einen geognostischen, einen agronomischen, einen analytischen Theil und ein Bohrregister. Das Letztere enthält die Bodenprofile von sämmtlichen in der Bohrkarte durch Punkte und Zahlen angegebenen, 1 — 2 m tiefen Bohrungen in übersichtlicher Weise geordnet. Da jedes Blatt, w^elches ungefähr 20 Gemeinde- und Gutsbezirke enthält, mit durch- schnittlich 17(X) Bohrungen besetzt ist, kann sich jeder Landwirth über die Grund- und Bodenverhältnisse etc. seiner Gegend genau unterrichten. Jodes Blatt ist einzeln zu dem Preise von 3 Mark (einschliesslich Bohrkarte und Erläuterungen) bei der Verlaga- handlung von Paul Parey in Berlin käuflich. Blochmann, Rieh Herm., Die Sternkunde. Stuttgart. — 5 Mark. BUtschli, Proi. 0., Untersuchungen über die Structuren, insbeson- dere über Structuren nichtzell. Erzeugnisse des Organismus und über ihre Beziehungen zu Structuren, welche ausserhalb des Organismus entstehen, Leipzig. — 40 Mark. Francke, Realsch.-Oberl. Dr, Hernr. Glieb., Die Porphyre des Burgstalles und der Traschko bei Wechselburg im Königreich Sach^iMi. Rochlitz, - 1,50 Mark. Jehn, Dr. C, Tabellarisches Repetitorium der Chemie und Phar- makognosie. Leipzig. — 2 Mark. Karsch, Dr. F., Vorarbeiten zu einer Orthopterologie Ostafrikas. I Ge^penstheuschrecken, Phasmodea. Berlin. — 1,20 Mark. Kretschmer, Paul, Sprachregeln für die Bildung und Betonung zoologischer und botanischer Namen. Berlin. — 2 Mark. Kronenberg, Dr. M., Moderne Philosophen. (Hermann Lotze — F. Alb. L,inge — Victor Cousin — Ludwig Feuerbach — Max Stirner.) München. — ■ 5,.i0 Mark. Lauermann. Lehr. Karl, Zum Normalenproblem der Hyperbel. Wien. - 0,40 Mark. Leibnitz, Gottfr. 'Wilh., Briefwechsel mit Mathematikern. Berlin. — 28 Mark. Mach, Dr. Ludw., Ueber einige Verbesserungen an Interferenz- apparaten. Wien. — 0,30 Mark. Retzius, Prof. Dr. Gust., Biologische LTntersuchungen. Neue Folge. VIII. Fol. Jena. — 40 Mark. Sammlung der Aufgaben des Aufgaben-Repertoriums der ersten 25 Bände der Zeitschrift für mathematischen und naturwissen- schafllichen Unterricht. Leipzig. — 6 Mark. Seydlitz, E. v., Geographie. Breslau. — 6 Mark- Schiötz, 0. E., Einige Bemerkungen über die Schlüsse, welche man aus den durch Ballone ausgeführten Beobachtungen über die Luftelektricität ziehen kann. Christiania. — 0,55 Mark. _,_ Ueber das Spektrum d. Kathodenstrahlen. Ebd. — 0,35 Mark. Schröder, Dr. Henry, Revision der Mosbacher Säugethierfauna. Wiesbaden. — Ü,(iO Mark. Schultz. Maschinenbau- und Hüttensch.-Oberlehrer E., Vier- stellige mathemalische Tabellen. Essen. — 1,20 Mark. Trouessart, Dr. E. L., Catalogus Mammalium tam viventium quam fossilium Fase. V. Sironia, Cetacea, Edentata, Marsu- pialia, AUotheria, Monotremata. Berlin. — 12 Mark. ■Vogel, H. C, Ueber das Spectrum von « Aquilae und über die Bewegung des Sterns im Visionsradiu». Berlin. — 0,.50 Mark. ■Wiegmann, F., Landmollusken (Stvlomatophoren). Zootomischer Thpil. Frankfurt a.'M. — 12,.50 Niark. Westphal, Dr. Carl, Das Dilemma der Atomistik. Berlin. — 0,60 Mark. Inhalt: Die allgemeine Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft zu Berlin. — Werden die fiiegenden Schmetterlinge von Vögeln verfolgt'? — lieber die Extraction der Begleiter des Argons und über Neon. ^ Aus dem wissenschaftlichen Leben. — Litteratur: Dr. K. F. Jordan, Grundriss der Physik. — Richard Herrmann, Elementarmetliodische Behandlung der Logarithmen und ihrer Anwendungen für Seminare, Gymnasien, Realschulen, technische Lehranstalten und zum Selbstunterrichte. — Ostwalds Klassiker der exacten Wissenschaften. — Geologisch-agronomische Specialkarte von Preussen. — Liste. 68 Naturwissenschaftliche Wocheuschrift. XIV. Nr. 6. !♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦■ von Poncet Glashütten -Werke 54, Köpnickerstr. BERLIN SO,, Kopnickerstr. 54. Fabrik und Lager aller Gefässe und Utensilien für ehem., pharm., physical., electro- u. a. techn. 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